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Tantrarāja Tantra

Paṭala 31: homāt kāmyaphalodayaṃ nāma ekatriṃśaḥ paṭalaḥ 31-tes Kapitel: Die Erlangung der erwünschten Wirkung durch Homa (Abhicāra-Riten zur Bezwingung, Krankmachung und Vernichtung von Feinden mittels Zauberpuppen (Puttalikā), astrologischer Zeitbestimmung und Brandopfer)

Quelle: Tantrarāja-tantra mit dem Kommentar Manoramā des Subhagānandanātha, Band II (Paṭala XIX-XXXVI), hrsg. Sadāśiva Miśra, Tantrik Texts, Calcutta: Agamanusandhana Samiti 1926 (archive.org, OCR). Der Kommentar selbst gibt die Länge dieses Kapitels ausdrücklich als 'ślokaśatarūpeṇaikatriṃśena paṭalena' (100 Verse) an, was sich bei der Lektüre bestätigt hat (Verse 1-100 durchgehend auffindbar, tatsächlich gelesener Bereich in window.TT2 ca. 626769-661600, ca. 34800 Zeichen). Inhalt: Nach den vorangegangenen Nityā-Kapiteln wendet sich Paṭala 31 dem Abhicāra zu, den grausamen Zauberritualen gegen Feinde. Es behandelt: die astrologischen Voraussetzungen (Lebensdauer-Berechnung, Aszendent, Aṣṭakavarga, günstige/ungünstige Zeitpunkte wie Pātāla-/Nīca-Yoga, Viṣa-Yoga, Krakaca-Yoga u.a.) für den Beginn eines Abhicāra-Rituals (V.1-34); die Herstellung einer Zauberpuppe (Puttalikā) aus Töpferton, Leichenasche, Gewürzen und Feindes-Körpermaterial, ihre Maße nach Nakṣatra-Navāṃśa-Berechnung und die Rotation eines 'Gift-Punktes' (Viṣasthāna) am Puppenkörper über den Mondmonat (V.13-38); eine lange Reihe von Brandopfer-Rezepten mit verschiedenen Baumhölzern, Samen und Ölen (u.a. Karañja, Stechapfel, Röhrenkassie, Tintenbaum, Neem, Rizinus) zur Erzeugung von Wahnsinn, Fieber, Feindschaft, Vertreibung oder Tod beim Gegner, teils in Verbindung mit dem Durchbohren, Vergraben oder Verbrennen der Puppe (V.39-89); ein Verfahren mittels 108 nach den Nakṣatra-Achteln bemessenen Puppen zur Vernichtung weit entfernter Feinde sowie zur Überwindung magisch geschützter Gegner einschließlich Königen (V.90-100); und einen abschließenden, thematisch isolierten und stark verderbten Vers über die 'Durchdringung des Māyā-Prinzips'. Die OCR-Qualität ist in diesem Kapitel besonders schlecht, vor allem in den langen technischen Fachpassagen zu Astrologie (Navāṃśa-Herrscher, Sonderzeiten wie Pātāla-/Viṣa-/Nāśa-/Krakaca-Yoga) und Ritualzubehör (Baum- und Pflanzennamen); zahlreiche Einzelheiten, insbesondere Fachbegriffe, Zahlenangaben und Pflanzenidentifikationen, bleiben trotz Rekonstruktion nach Metrum, Kontext und den – oft ebenfalls stark beschädigten – Kommentarglossen unsicher und sind mit [?] gekennzeichnet; dies betrifft besonders V.3, 8-9, 19-20, 28-30, 32-33, 42-43, 54-56, 61-71, 78-79, 83-87 und den unnummerierten Schlussvers. Zwei OCR-Zählfehler wurden stillschweigend anhand von Metrum und Kommentar korrigiert (fehlende Nummer bei Vers 5; doppelte Nummer '14' bei Vers 15); die den Fußnotenverse zu den astrologischen Sonderzeiten (V.32-33) gehörenden technischen Definitionsverse des Kommentars wurden, da nicht Wurzeltext, nicht mitübersetzt. Anstößige/gewalthafte Rituale (Krankmachung, Tötung durch Zauberpuppen und Brandopfer) wurden sachlich und wörtlich wiedergegeben, wie es die Methode verlangt.

atha paraṃ ca homaṃ te kathitaṃ parameśvari | idānīṃ tasya laghu homaṃ tu kathayāmy aham adhunā ||1|| tatra tat-kakṣyām agnau kuṇḍaṃ kṛtvā homa udīritaḥ | vidhānena dveṣa-nidhana-roga-nigraha-cāṭanam ||2|| āyur-dāyaṃ lagnokta-cārānuguṇyataḥ [?] | tad-ātmaka-grahāṇāṃ ca sthitim aṣṭakavargakaiḥ ||3|| trayāṇām ānukūlye na kuryāt tad abhicārakam | anyathā krūra-karmāṇi kurvāṇaṃ nāśayanti [naram] ||4|| tāny eva karmāṇi tathā tat-tat-prātikūlyataḥ | kuryāt tad-devatā-bhaktim āstikyaṃ vṛttam eva ca ||5||

Nun ist dir, o Parameśvarī, der weitere/größere Homa [bereits] verkündet worden; jetzt aber will ich dessen kleinen (laghu-) Homa verkünden. Dort, nachdem man in jenem Bezirk [des Ritualplatzes] im Feuer eine Grube (kuṇḍa) angelegt hat, wird der Homa vorgeschrieben, durch dessen Vollzug Feindschaft(-Erzeugung), Tötung, Krankheit(-Erzeugung), Bezwingung und Vertreibung [eines Feindes bewirkt werden]. [Zuvor prüfe man] das Lebensmaß (āyurdāya) gemäß dem für den Aszendenten (lagna) verkündeten Umlauf [der Planeten] [?], sowie der Planeten Stellung mittels des Aṣṭakavarga(-Punktesystems). Nur wenn diese drei [Faktoren – Ort, Zeit und Konstellation, laut Kommentar] günstig sind, soll man jenes Abhicāra(-Ritual) ausführen; andernfalls vernichten die grausamen Handlungen den, der sie ausübt. Eben diese Handlungen [führe man aus] gemäß der jeweiligen Ungünstigkeit [der Konstellation für den Feind]; [zuvor jedoch] erkundige man sich [durch Kundige] nach der Gottesverehrung, der Rechtgläubigkeit und dem Lebenswandel jenes [Feindes].

Vers 5 trug im OCR keine eigene Nummer (Sprung von '4' direkt zu '6'); nach Metrum, Sinn und dem Kommentar (der ausdrücklich vier Verse 'āyurdāyam...ātmanāśanam' als zusammengehörige Einheit zählt) wurde die fehlende Nummer 5 ergänzt und die Zählung entsprechend korrigiert. Laut Kommentar sind vor dem Abhicāra zu prüfen: Lebensdauer-Berechnung (āyurdāya), aszendentengemäßer Planetenlauf, Aṣṭakavarga-Stellung der Planeten sowie – bei ungünstiger Konstellation – zusätzlich Frömmigkeit, Rechtgläubigkeit und Lebenswandel des angegriffenen Feindes (durch Guru und Mantra-Kundige zu erfragen), da andernfalls die Zauberhandlung auf den Ausführenden selbst zurückfällt. Vers 2 nach Kommentar: dveṣa = auf Feindschaft/Bezwingung bezogen, nigraha = Niederwerfung, cāṭanam = uccāṭanam (Vertreibung). Vers 3 im OCR stark verderbt, Rekonstruktion des genauen Wortlauts unsicher [?].

tat-pārśva-varti-mantra-jñān ālocya ripu-nigraham | vidadhyād anyathā śaktā [api] tv ātma-nāśanam [?] ||6|| ripor aṣṭama-lagne ca kāle tv aṣṭama-rāśi-ge | sthāne kuryād aniṣṭāni tan-nāśāya sādhakaḥ ||7|| prācyāṃ meṣa-vṛṣī [?] syād dakṣiṇe tathā [mithunam?] | kulīra-siṃha-sthau tathā vṛścika-kanyakā sthitā ||8||

Nachdem man den Feind-Niederwurf mit den [dem Anführer bzw. Guru] nahestehenden Mantra-Kundigen beraten hat, führe man ihn aus; andernfalls kann [das Ritual], mag es auch [ansonsten] wirksam sein, die Selbstvernichtung [des Ausführenden] bewirken. Wenn der Aszendent des Feindes im achten [Haus] steht und zur Zeit, da [dessen Geburtszeichen] im achten Tierkreiszeichen [von seinem eigenen] steht, führe der Sādhaka an diesem Ort unheilvolle [Riten] aus, zu dessen Vernichtung. Im Osten stehen Meṣa (Widder) und Vṛṣabha (Stier) [?], ebenso im Südosten [wohl Mithuna, der Zwilling – im OCR nicht erhalten]; im Süden stehen Kulīra (Karka, der Krebs) und Siṃha (der Löwe); ebenso sind Vṛścika (der Skorpion) und Kanyā (die Jungfrau) [im Südwesten] gelegen.

Verse 8-9 (Fortsetzung im nächsten Abschnitt) lehren laut Kommentar in zwei Ślokas ('prācyām ityādinā... susthita ityantena') die Zuordnung aller zwölf Tierkreiszeichen zu den acht Haupt- und Nebenhimmelsrichtungen – eine für die Ausrichtung von Feuergrube und Ritualort benötigte astrologische Grundlage. Die genaue Zuordnung einzelner Zeichen zu einzelnen Richtungen ist wegen extremer OCR-Korruption nur bruchstückhaft, teils durch das übliche Schema der Jyotiḥśāstra-Literatur ergänzt und mit [?] gekennzeichnet; insbesondere fehlt im OCR jede Spur des Mithuna(Zwillinge)-Namens für den Südosten. Vers 6: 'ātmanāśanam' unsicher rekonstruiert.

tulā-koṭau paścimato dhanur vāyau tu saṃsthitam | nakra-kumbhāv uttarataḥ mīna [īśāne] tu saṃsthitam ||9|| evaṃ rāśi-kramaṃ jñātvā kuryāt kuṇḍāni deśataḥ | kāle tu pañca pañca udaya-ghaṭikāḥ krama-yogataḥ ||10|| caitrādiṣu tu māseṣu dvādaśasv api bhāskaraḥ | meṣād rāśi-go yāti tathānye graha-maṇḍalaiḥ [?] ||11|| deheṣu prāṇinām tadvad aṅgulī-vibhedataḥ | mūrdhādi-caraṇāntaṃ tu tān dvādaśasu lakṣayet ||12||

Tulā (die Waage) steht westlich, an der [südwestlichen] Ecke; Dhanus (der Schütze) ist bei Vāyu [an der Nordwest-Ecke] gelegen; Nakra (Makara, der Steinbock) und Kumbha (der Wassermann) [stehen] im Norden; Mīna (die Fische) ist [an der Nordost-Ecke, bei Īśāna,] gelegen. Nachdem man so die Reihenfolge der Tierkreiszeichen erkannt hat, richte man die Feuergruben ortsgemäß aus; der Zeit nach aber entspricht [jedem Zeichen] eine Aufgangsdauer von je fünf Ghaṭikās, der Reihenfolge nach. In den zwölf Monaten, beginnend mit Caitra, durchläuft die Sonne, von Meṣa (Widder) ausgehend, [der Reihe nach] die Tierkreiszeichen; ebenso [tun dies] die anderen Planeten in ihren Bahnen. Ebenso entspricht auch der Körper der Lebewesen, in Fingerbreiten (aṅgula) unterteilt, vom Scheitel bis zu den Füßen, den zwölf [Tierkreiszeichen]; man erkenne sie in diesen zwölf [Körperabschnitten].

Verse 9-12 (vier Ślokas) legen laut Kommentar die Entsprechung von Raum (Himmelsrichtungen), Zeit (Sonnen-Monatslauf) und Körper (zwölf Körperabschnitte) mit den zwölf Tierkreiszeichen dar – die astrologisch-kosmologische Grundlage für die folgenden Zeit- und Ortsbestimmungen der Puttalikā-Riten. Einzelne Zahlen und Richtungsnamen im OCR unsicher, mit [?] markiert.

trayāṇām ānukūlyaṃ na kuryāt karmāṇi nānyathā | śubhāśubhāni sarvāṇi bhavanti khalu dhruvam ||13|| tathā ahani viṣasya sthānāny anyāni tasya ca | jñātvā vidadhyāt puttalyāḥ prayogaṃ sarvam eva tat ||14|| [hṛdayaṃ prathame] nāsā-koṇe dvaye tathā śrotre | bhrū-śaṅkha-madhye tu [tṛtīye] tathā ||15|| karṇe [caturthe] nāsikāyāṃ vaktre tu [pañcame] | savya-kaṇṭha-stana-taṭa-hṛdi nābhau ca guhyake ||16|| jānu-saṅkhy-aṅghri-pārśveṣu tathāṅghre ca dakṣiṇe | aṅghri-saṅkhi-jānu-guhya-nābhi ceti sitetare ||17||

Ohne die Günstigkeit dieser drei [Faktoren – Ort, Zeit, Konstellation] soll man die Handlungen nicht ausführen, und nicht anders; alle günstigen und ungünstigen [Wirkungen] treten [nur unter diesen Bedingungen] gewiss ein. Ebenso soll man, nachdem man Tag für Tag die jeweilige Lage des ‚Gift-Punktes' (viṣasthāna) [am Körper der Puttalikā, der Zauberpuppe] sowie deren übrige Wechsel-Stellen erkannt hat, die gesamte Anwendung an der Puttalikā entsprechend ausführen. [Am ersten Tag ist der Gift-Punkt] das Herz, [dann, am zweiten,] die beiden Nasenwinkel, ebenso die beiden Ohren; [am dritten] die Mitte der Augenbrauen und der Schläfen. [Am vierten] das Ohr, [dann] die Nase, [am fünften] den Mund; [weiter] die rechte Kehl-Brust-Seite, das Herz, den Nabel und den Geheimort (Genitalbereich). [Weiter] Knie, Schienbein/Knöchel und Hüfte, ebenso den rechten Fuß; bei Frauen läuft [dieselbe Abfolge] in umgekehrter Richtung: Fuß, Knöchel, Knie, Geheimort, Nabel [usw.].

Vers 15 trug im OCR erneut die Nummer '14' (Wiederholung statt '15'); nach Kontext und fortlaufender Zählung wurde hier zu 15 korrigiert. Die Verse 14-17 (laut Kommentar vier zusammengehörige Ślokas) beschreiben eine Rotation von insgesamt 30 ‚Gift-Punkten' (viṣasthāna) am Körper der Zauberpuppe über die 30 Tithis eines Monats, unterschieden nach heller und dunkler Monatshälfte sowie – mit vertauschter Körperseite – für weibliche Zielpersonen; der Kommentar verweist auf eine bereits in Paṭala 26 eingeführte, analoge 15+15-Gliederung des Körpers. Die genaue Reihenfolge und Bezeichnung der einzelnen Körperstellen ist wegen extremer OCR-Zerstörung nur in Umrissen rekonstruierbar; mehrere Ordnungszahlen (erste, zweite, dritte... Stelle) wurden in eckigen Klammern sinngemäß ergänzt und sind nicht im Original erhalten – mit [?] versehen, wo unsicher.

viṣa-dvi-kalā [?] hi striyāṃ vāmād ime | viṣa-nāḍīṃ viṣa-sthānaṃ vedhayet kaṇṭakena tu ||18|| saṅgoca-kārasya na tadā tīvreṇāsthimayena vā | bilvāgra-sūci-mūlaiḥ [?] vā tathā ayaḥ-sāra-sūcibhiḥ ||19|| [dṛṣṭvā] yatra yad-aṅgaṃ yat tasya deha-jam | vyādhinā pīḍitaṃ kālād vidhāya bhavet tad vamet [?] ||20|| tadā [vā] kliṣṭo jīvitezaḥ [saḥ] puraḥ [?] | puttalī-karaṇaṃ vakṣye śṛṇu nigraha-siddhaye ||21||

Bei Frauen [beginnt die Zählung der Gift-Stellen] von der linken [Seite] mit den zwei [entsprechenden] Punkten [?]; man durchsteche den ‚Gift-Kanal' bzw. den ‚Gift-Punkt' mit einem Dorn. Und zwar nicht mit dem Dorn des sogenannten ‚Saṅgoca'-[Fisches] – so der Kommentar, ein Fischname –, sondern mit einem scharfen, aus Knochen [gefertigten Dorn], oder mit Spitzen von Bilva-Dornen [?], oder mit Nadeln aus Eisen. [Man durchsteche] jeweils jenes Glied [der Puppe], das dem entsprechenden Körperteil der Zielperson entspricht, sobald diese dort zeitgemäß von Krankheit befallen wird [bzw. werden soll]. Dadurch wird [die Zielperson] gequält und [schließlich] ihres Lebens beraubt. Ich werde [nun] die Herstellung der Zauberpuppe (puttalī) verkünden – höre, zur Erlangung der Bezwingung!

Verse 18-21 im OCR sehr stark zerstört; Gesamtsinn (Durchbohren des jeweiligen 'Gift-Punktes' der Puppe mit einem Knochen- oder Eisendorn, entsprechend dem an der Zielperson gewünschten Krankheitsort) aus dem Kommentar erschlossen. Der Name 'Saṅgoca' für einen bestimmten Fisch, dessen Dorn/Gräte ausdrücklich NICHT verwendet werden soll, ist laut Kommentar gesichert ('saṅgocākhyena saṅgoca iti matsyaviśeṣaḥ'), alle übrigen Einzelheiten bleiben unsicher und mit [?] markiert.

bhauma-śukra-budhāś candro bhāskaraḥ [tathā] [?] | maṅgalo guru-mandārkī gurava ity aṃśaka-rāśi-pāḥ ||22|| nakṣatrāṇi catuṣpādāny ekam aṣṭottaraṃ śatam | etāvatyaś ca puttalās tv aṃśaka-krama-yogataḥ ||23|| prathame navake candra-bhāskarāṃśakayoḥ kramāt | ṣoḍaśa dvādaśa tathā māna-'ṅguli-saṃkhyayā ||24|| anya-aṃśakeṣu sarvāṃś ca caturdaśa samīritāḥ | dvitīye navake teṣām ardhāḥ syuḥ [trayodaśa] ||25|| tṛtīye navake teṣāṃ dvādaśa samīritam | candrārkayor eka-vidhaḥ proktaḥ saṃkhyā-kramas tathā ||26||

Mars, Venus, Merkur, Mond, Sonne [und wiederum,] Mars, Jupiter, Saturn, Sonne [und] Jupiter – dies sind, der Reihe nach [für die neun Abschnitte je Nakṣatra-Neunergruppe], die Herren der [Neuntel-]Abschnitte (aṃśaka) der Tierkreiszeichen. Die Nakṣatras haben je vier Viertel (pāda); [ihre Gesamtzahl] beträgt einhundertacht; ebenso viele Zauberpuppen [gibt es], entsprechend der Abfolge dieser Abschnitte. In der ersten Neunergruppe [von Nakṣatra-Vierteln, beginnend mit Aśvinī] beträgt das Maß [der Puppe] für die Mond- bzw. Sonnen-Abschnitte der Reihe nach sechzehn bzw. zwölf Fingerbreiten (aṅgula). Bei den übrigen [Planeten-]Abschnitten [derselben Gruppe] sind es einheitlich vierzehn [Fingerbreiten]; in der zweiten Neunergruppe beträgt [das Maß für Mond und Sonne] deren Hälfte, [d.h.] dreizehneinhalb. In der dritten Neunergruppe beträgt es für dieselben zwölf; für Mond und Sonne gilt dabei durchweg dieselbe Regel, wie auch [schon] die Zählweise dargelegt hat.

Verse 22-26 im OCR stark beschädigt; es handelt sich um ein numerologisches System, das die 108 Nakṣatra-Viertel (27 Nakṣatras zu je 4 Pāda) neun Planeten als 'Navāṃśa-Herrscher' zuordnet und daraus die Größe (in Fingerbreiten) von 108 Zauberpuppen ableitet, gestaffelt nach drei Neunergruppen (Navaka) von Nakṣatra-Vierteln. Einzelne Zahlenwerte (12, 13,5, 14, 16 Aṅgula) sind im Rahmen des erkennbaren Metrums rekonstruiert, aber nicht in allen Details gesichert; mit [?] markiert, wo die OCR keine verlässliche Grundlage bot. Bezug zu den in V.92-93 erwähnten 108 Puppen zur Fernvernichtung von Feinden.

puttalī-karaṇe dravyaṃ cakri-hasta-mṛd-anvitam | citā-rūḍha-bhasma-lavaṇaṃ śuṇṭhī-pippalikā-yutam ||27|| marīcaṃ gṛha-dhūmaṃ ca lasunaṃ hiṅgu-saindhavam | gairikaṃ ca iti kathitaṃ puttalī-dravyam īśvari ||28|| sādhya-nakṣatra-dattaṃ piṣṭaṃ ca māṣa-cūrṇaṃ ca sikthakaiḥ | vairi-deha-roma-sāra-yuktaiḥ puttalī-kriyā ||29|| puttalī-dairghya-mānaṃ tu kṛtvāṣṭāṃśam adhaḥ [ekataḥ] | śīrṣaṃ cayāt kaṭeḥ [tri-]trayāt [prapadau] tathā ||30|| kaṭi-prapadyor ekam aṃśam eka-kaṃ tu puttalīm | vidhāya tanvo sarvaṃ ca prayogān ācared budhaḥ ||31||

Der Stoff zur Herstellung der Zauberpuppe [besteht] aus Ton von der Töpferscheibe (mit der Hand [vom Rad] genommen), aus Asche vom Scheiterhaufen samt Salz, versetzt mit trockenem Ingwer und langem Pfeffer, mit schwarzem Pfeffer, Herdruß, Knoblauch, Asant und Steinsalz sowie rotem Ocker – dies, o Herrin, sind die genannten Stoffe der Zauberpuppe. [Dazu kommt] ein vom Nakṣatra der Zielperson bestimmtes Mehl, gemischt mit Bohnenmehl (māṣacūrṇa) und Bienenwachs, versehen mit vom Körper des Feindes stammenden Haaren u. dgl. – so wird die Zauberpuppe bereitet. Die Gesamtlänge der Zauberpuppe teile man in acht Teile: ein Achtel für den Kopf, drei [Achtel] für den Rumpf, [je] ein Achtel für Hüfte und Fußspitzen/Unterschenkel – so forme man den ganzen Körper der Zauberpuppe, und der Kundige führe dann die entsprechenden Anwendungen aus.

Verse 27-29 zählen die für alle Puttalikā-Riten gemeinsamen Grundstoffe auf (Töpferton, Scheiterhaufenasche, Salz, Gewürze, Knoblauch, Asant, roter Ocker) sowie die für die jeweilige Zielperson spezifischen Zusätze (Nakṣatra-bezogenes Mehl, Bohnenmehl, Bienenwachs, Körperhaare des Feindes). Verse 30-31 beschreiben die Aufteilung der Puppenlänge in acht Teile; die genaue Verteilung auf Kopf, Rumpf, Hüfte und Beine ist im OCR nur bruchstückhaft erhalten und wurde anhand des Kommentars (Kopf=1, Rumpf=3, je 1 für Hüfte und Fußspitzen, Rest auf Oberschenkel verteilt) sinngemäß rekonstruiert; mit [?] markierte Stellen bleiben unsicher.

pātāla-yoge nīcākhye viṣa-yoge ca [tathā] | nāśa-yoge ca dina-jña-[nirṇīte] krakaca-yogake [?] ||32|| caṇḍeśa-caṇḍāyudhākhye mahāśūlaṃ ca kāṇake [nakṣatre] | [tathā tithau] sthāne pañcārka-saṃsthite [?] ||33|| kuryāt prayogān pratyarthi-bhaṅgāya nidhanāya vā | nigrahāya nirīkṣyaiva kuryāt siddhim avāpnuyāt ||34||

Beim ‚Pātāla-Yoga' – auch ‚Nīca-Yoga' genannt –, beim ‚Viṣa-Yoga', beim ‚Nāśa-Yoga', bei der [tagesbezogen bestimmten Sonderzeit] [?] sowie beim ‚Krakaca-Yoga' (‚Säge-Konjunktion') – beim ‚Caṇḍeśa-Caṇḍayudha' genannten [Yoga], beim ‚Mahāśūla' (‚großer Spieß') und beim ‚blinden' (kāṇa-)Nakṣatra, [ebenso zu weiteren, im Kommentar eigens definierten Sonderzeiten] [?] – zu all diesen [Zeiten] führe man die Riten zum Sturz oder zur Vernichtung des Widersachers aus; zur Bezwingung führe man, nachdem man [die Konstellation] genau geprüft hat, [das Ritual] aus – dann erlangt man den Erfolg.

Die Verse 32-33 nennen mehrere astrologische Sonderzeitpunkte (Pātāla-/Nīca-Yoga, Viṣa-Yoga, Nāśa-Yoga, Krakaca-Yoga, Caṇḍeśa-Caṇḍāyudha-Yoga, Mahāśūla, 'blindes' Nakṣatra u.a.), die für grausame Abhicāra-Riten astrologisch geeignet sind. Der Kommentar liefert zu jedem dieser Yogas eigene, mit Fußnotenzeichen versehene technische Definitionsverse (Planetenkonstellationen, Wochentag-Nakṣatra-Kombinationen usw.); diese gehören jedoch zum Kommentar, nicht zum Wurzeltext, und wurden gemäß Aufgabenstellung nicht mitübersetzt – ihre OCR ist zudem so schwer beschädigt, dass eine verlässliche Wiedergabe ohnehin nicht möglich gewesen wäre. Die genaue technische Bedeutung mancher in V.32-33 nur knapp genannter Begriffe bleibt daher mit [?] gekennzeichnet unsicher.

vaśya-ākarṣaṇa-vidveṣa-stambhanoccāṭa-māraṇam | vidadhyāt puttalīḥ samyag aṅgaiḥ proktair yathā-yogataḥ ||35|| piṣṭena sikthena tathā cakri-hasta-mṛdā api ca | sādhya-nakṣatra-lakṣeṇa apy ukta-lakṣaṇa-saṃyutāḥ ||36|| āsane pādayoḥ sthāne kuṇḍa-madhye ca sādhakaḥ | piṣṭa-siktha-rujaḥ snātvā sthāpayet siktham ambare ||37|| kuṇḍa-madhye upary eva paṭāny acchoṣikāny api | evaṃ sādhāraṇaṃ kṛtvā kuryāt karma samīritam ||38||

Zur Unterwerfung (vaśya), Herbeiziehung (ākarṣaṇa), Entzweiung (vidveṣa), Lähmung (stambhana), Vertreibung (uccāṭana) und Tötung (māraṇa) fertige man die Zauberpuppen sorgfältig, mit allen genannten Gliedern, je nach der gewünschten Anwendung. [Man fertige sie] aus Mehlteig und Bienenwachs sowie aus Töpferscheibenton, versehen mit dem Merkmal des Nakṣatra der Zielperson und mit den übrigen genannten Kennzeichen. Der Sādhaka besprenge/behandle [je eine solche Puppe] am Sitzplatz, an der Stelle unter den [eigenen] Füßen und in der Mitte der Feuergrube; nach dem Waschen der Mehl-Wachs-[Puppen] hänge man [eine weitere] Wachspuppe im Luftraum auf. Über der Mitte der Feuergrube ebenso Tücher bzw. trockene Gewänder [anbringend] – so verfahre man nach diesem allgemeinen Grundschema und führe dann die genannte [besondere] Handlung aus.

Verse 35-38 beschreiben das allen sechs Abhicāra-Zwecken (vaśya, ākarṣaṇa, vidveṣa, stambhana, uccāṭana, māraṇa) gemeinsame Grundverfahren der Puttalikā-Herstellung und -Platzierung (am Sitzplatz, unter den Füßen, in der Feuergrube, in der Luft aufgehängt). Einzelheiten der genauen Platzierungsreihenfolge im OCR unsicher; Gesamtverfahren durch den Kommentar hinreichend gestützt.

sarpa-śīrṣa-srucā homaṃ kuryād aśubha-karmasu | vairi-yony-udbhava-rudhireṇa kṛtvā tayā tu juhuyāt tathā ||39|| tri-koṇa-kuṇḍe yama-dig-mukho mūla-vṛkṣe [?] | śmaśāne nija-vane deśe vidadhyād abhicārakam ||40|| yatrābhicāra-homaṃ tu karoti bhuvi sādhakaḥ | tatrābhito rakṣāṃ kārayed ātma-siddhaye ||41|| na cet arāti-nṛpatiś cāraṃ jñātvā nihanty amum | anyathā [tan na siddhyati] khalu maṇḍale [?] ||42|| yadi kuryāt pramādena māntriko jñāna-mohitaḥ | agre pīḍyante [svajanāḥ] śanakaiḥ [tena] ||43||

Bei unheilvollen Handlungen führe man den Homa mit einem schlangenkopfgestaltigen Opferlöffel (sruc) aus; nachdem man [den Löffel] mit dem aus der Geburtsstätte des Feindes stammenden Blut [versehen] hat, opfere man damit. In einer dreieckigen Feuergrube, nach Süden (der Richtung des Yama) gewandt, an der Wurzel eines [bestimmten] Baumes [?], auf einem Leichenacker (śmaśāna) oder an einem eigenen, abgelegenen Ort führe man das Abhicāra-Ritual aus. Wo immer auf Erden der Sādhaka den Abhicāra-Homa vollzieht, dort lasse er ringsum eine Schutz[-vorkehrung] anlegen, zum eigenen Gelingen. Sollte der feindliche Herrscher [bzw. der Angegriffene selbst] es nicht [rechtzeitig] durch Kundschaft erkennen und [ihn, den Ausführenden,] deswegen töten [lassen], [gelingt das Ritual]; andernfalls [wirkt es] nicht in [dessen eigenem] Bereich [?]. Führt der Zauberkundige [das Ritual] hingegen aus Unachtsamkeit, vom [rechten] Wissen verwirrt, aus, so werden in der Folge [er selbst und] die Seinigen allmählich [selbst] gepeinigt.

Verse 39-43 im OCR schwer beschädigt, insbesondere V.42-43, deren genauer Sinn (offenbar eine Warnung vor Entdeckung durch den Feind bzw. vor fehlerhafter Ausführung, die auf den Zauberer selbst zurückschlägt) nur ungefähr aus dem Kommentar erschließbar ist; zahlreiche Ergänzungen in eckigen Klammern sind sinngemäße Vermutungen und mit [?] gekennzeichnet.

akṣa-druma-samidhe agnau tat-phalair vā tathā [āhutaiḥ] | haimo-dala-rasāktais tu homāc chatruṃ vināśayet ||44|| nakta-māla-samidhe agnau tat-phalair vā tathā [āhutaiḥ] | ripur ugro 'pi durbalaḥ prayāti yama-sādanam ||45|| unmatta-vṛkṣaṃ prajvālya bījais tad-bīja-homaṃ [ca] kuryāt | tat-patra-rasa-siktair māsād bhrānti-tvam āpnuyāt ||46|| ārgvadha-samidhe agnau [tad-vat] tat-phalaiḥ | vitasti-mātraiḥ [khaṇḍaiḥ] homād arer [ninda?] bhavet ||47|| aruṣkara-samidhe agnau tad-bījais tad-dalais tathā | homād arāteḥ tīvrātti-jvareṇa syān na saṃśayaḥ ||48||

Mit Akṣa-Baumholz [oder] ebenso mit dessen Früchten [als Opfergabe] im Feuer: durch einen Homa mit deren [Blätter-]Saft, versetzt mit rotem Lack, vernichtet man den Feind. Mit Naktamāla(-Karañja-)Holz [oder] ebenso mit dessen Früchten im Feuer: der Feind, mag er auch mächtig sein, wird geschwächt und geht in Yamas Behausung (stirbt). Nachdem man Unmatta(-Stechapfel-)Holz entzündet hat, opfere man dessen Samen [im Feuer]; durch das Beträufeln mit dem Saft seiner Blätter erlangt [der Feind] binnen eines Monats geistige Verwirrung. Mit Ārgvadha(-Röhrenkassie-)Holz im Feuer, ebenso mit dessen Früchten, in Stücken von einer Spanne Länge: durch diesen Homa [erfährt] der Feind [Schaden]. Mit Aruṣkara(-Tintenbaum-)Holz im Feuer, mit dessen Samen und ebenso mit dessen Blättern: durch diesen Homa gerät der Widersacher zweifellos in ein heftiges Fieberleiden.

Verse 44-48 eröffnen eine lange Reihe von Brandopfer-Rezepten mit verschiedenen Baumhölzern gegen den Feind; die botanischen Identifikationen (Akṣa-, Naktamāla-/Karañja-, Unmatta-/Stechapfel-, Ārgvadha-/Röhrenkassie- und Aruṣkara-/Tintenbaum-Holz) folgen gängigen Sanskrit-Pflanzennamen, sind aber angesichts der OCR-Qualität nicht in jedem Fall gesichert; Einzelheiten wie 'haimodalarasāktaiḥ' (V.44) bleiben mit [?] markiert unsicher.

sauvīrāktaṃ tu kārpāsa-bījaṃ homān [mahā-]tejaḥ [?] | arātīnām adhānya-anyonya-kalahān nidhanaṃ bhavet ||49|| sarṣapa-ājya-yutaiḥ śuṇṭhī-māgadhī-maricair hunet | vairi-janma-nakṣatra-agnau maṇḍalāntaṃ mati-jvarāt [?] ||50|| prāk puttalīṃ kṛtvā dravya-uktavidhānataḥ | sarṣapa-aruṣkara-ghṛta-saṃsiktāṃ juhuyān niśi ||51|| [gatvā] chittvā tad-aṅgaṃ tu krūra-cittaḥ aruṇāmbaraḥ | rakta-srag-rakta-puṣpādi-yuktaḥ śatruṃ vināśayet ||52|| aruṣkara-ghṛtābhyaktais tad-bījais tad-dalais tathā | havanād ariṇo dāha-jvara-prāptis tribhir dinaiḥ ||53||

Mit in saurem Reiswasser (sauvīra) getränktem Baumwollsamen, durch diesen Homa, entsteht unter den [verbündeten] Feinden, [zerstritten] um Hab und Gut, gegenseitiger Streit, der zu ihrem Untergang führt. Mit Senfsamenöl, versetzt mit trockenem Ingwer, langem und schwarzem Pfeffer, opfere man in einem aus dem Geburts-Nakṣatra-Holz des Feindes [entfachten] Feuer: bis zum Ende eines Maṇḍala(-Zeitraums von 49 Tagen) [gerät der Feind] durch Geistesverwirrung und Fieber [in Not]. Nachdem man zuvor eine Zauberpuppe nach der genannten Vorschrift aus den entsprechenden Stoffen hergestellt hat, benetze man sie mit Senf- und Aruṣkara-Öl und opfere sie bei Nacht [im Feuer]. Nachdem man ihre Glieder zerschnitten hat, mit grausamem Sinn, in rötlicher Kleidung, geschmückt mit roten Kränzen und roten Blumen u. dgl., vernichte man den Feind. Mit Aruṣkara-Öl bestrichen, mit dessen Samen und ebenso mit dessen Blättern: durch diesen Opferakt erleidet der Widersacher binnen drei Tagen brennendes Fieber.

Verse 49-53 im OCR teils schwer beschädigt (insbesondere V.49, 51-52); der Kommentar bestätigt für V.52 einen Verweis auf ein in Paṭala 29 (44 Ślokas) beschriebenes zwölffaches Zerschneiden der Puppe, was hier nur pauschal wiedergegeben werden konnte. Einzelheiten mit [?] markiert.

vairi-nakṣatra-udbhava-tṛṇaṃ tad-udbhava-samidbhiḥ [yutam] | havanāt tad-druma-udbhūta-samidhāṃ havanād api ||54|| tena kaiścid ripuḥ kṣīṇo nāśam eti su-niścitam | druma-skandha-sampāta-daṃśāt [dantādi-ghātanāt] ||55|| druma-skandhāgra-nirghāta-salilānala-pātanāt | yakṣa-rākṣasa-gandharvaiḥ piśācaiḥ pratyakṣa-saḥ [?] ||56|| [bhūta-]ādi-kāraṇaiḥ [pīḍāṃ] nāśam eti ripur dhruvam | nimba-patraiś ca kārpāsa-bījais taj-jaiḥ karañjaiḥ ||57|| havanāt sarveṣāṃ eṣa cittaṃ vidveṣaṇaṃ bhavet | nīca-yoge hunet agnau ripu-vṛkṣa-samedhitaiḥ [?] ||58|| tad-vṛkṣa-khaṇḍais tailāktair niśā-madhye ripu-hitaiḥ [?] | uccāṭanaṃ prayāty eva sarvaḥ [saṃtāḍitaḥ] ||59|| [mṛtyu-]druma-tat-kāṇḍaiḥ bījaiś tac-chucau hunet | arāter dantino vāhā rogaṃ na śyanti [?] niścitam ||60||

Mit Gras/Kraut aus dem Geburts-Nakṣatra des Feindes, zusammen mit Brennholz derselben Herkunft, sowie durch Opferung mit Holz, das von dem [Feindes-]Baum selbst stammt, wird mancher Feind dadurch geschwächt und geht mit Gewissheit zugrunde – [ebenso] durch den Sturz eines Astes/Stammes [auf ihn], durch Stoßverletzung [durch Elefantenstoßzähne u. dgl.], durch das Herabstürzen eines Astwipfels, durch einen in Wasser oder Feuer fallenden Blitzschlag, [oder er wird] von Yakṣas, Rākṣasas, Gandharvas und Piśācas offen heimgesucht [?]. Durch solche, von Geistwesen verursachte Ursachen geht der Feind gewiss zugrunde. Mit Neembaum-Blättern und Baumwollsamen sowie mit Karañja[-Blättern und -Früchten], in Senföl getränkt, bewirkt der Opferakt bei allen [Beteiligten] gegenseitigen Hass. Bei einem ‚Nīca-Yoga' opfere man im Feuer mit Holz, das an einem Baum des Feindes [gewachsen ist] [?]; mit Stücken jenes Baumes, in Öl getränkt, bei Nacht, dem Feind zugedacht [?]: er gerät geradewegs in die Vertreibung (uccāṭana), von allem [zugleich] getroffen. Mit Stücken und Samen des ‚Todesbaumes' (mṛtyu-vṛkṣa), in reinem [Feuer] geopfert: die Elefanten und Reittiere des Widersachers gehen gewiss durch Krankheit zugrunde.

Verse 54-60 (sieben Ślokas) im OCR sehr stark beschädigt; die einzelnen 'Unglücksarten' (Aststurz, Blitzschlag, Geistwesen-Heimsuchung, gegenseitiger Hass, Vertreibung, Tiervernichtung) sind aus dem fragmentarisch erhaltenen Kommentar erschlossen, viele Einzelworte (insbesondere Baumnamen und genaue Wirkbeschreibungen in V.55-56, 58-59) bleiben mit [?] markiert unsicher. 'mṛtyu-druma' (Todesbaum, V.60) ist eine sinngemäße Ergänzung, der genaue botanische Name im Original nicht erhalten.

prāgukta-kaṇṭakādyais tu yad aṅgaṃ vedham icchan | viṣa-nāḍyāṃ viṣa-sthānaṃ tathā ca yama-kaṇṭake [?] ||61|| tat-prahare praharet tu śanaiḥ śanaiḥ | arātes tat-tad-aṅgeṣu syān nidhanaṃ praharādinā ||62|| granthibhir vā kaṇṭakādi-kṣata-dvi-vidhāruṇaiḥ [?] | tan-nakṣatrottha-cotpanna-puttalī sthāpitair akām [?] ||63|| gardabhī-meha-salile saṃsthāpya kvāthayec chanaiḥ | ripur dāha-jvara-grastaḥ sa niryāti yama-ālayam ||64|| madhūcchiṣṭena tāṃ kṛtvā tāpayen niśi tāṃ śanaiḥ ||65||

Wer mit den zuvor genannten Dornen u. dgl. das entsprechende Körperglied [der Zauberpuppe] durchbohren will: am ‚Gift-Kanal' bzw. ‚Gift-Punkt', ebenso zur [astrologisch bestimmten] ‚Yama-Kaṇṭaka'-Zeit [?], oder zur entsprechenden ‚Prahara'-Zeit, durchbohre man ganz allmählich; an den jeweiligen Gliedern des Widersachers tritt dadurch, durch das Durchbohren u. dgl., der Tod ein, oder durch [Verletzung an den] Gelenken, durch verschiedenartige Dornstiche u. dgl. [?] – [nachdem man] eine aus dessen Geburts-Nakṣatra[-Holz] gefertigte Zauberpuppe [entsprechend] aufgestellt hat, lege man [sie] in Eselinnen-Urin[-Flüssigkeit] und koche sie langsam ab: der Feind, von brennendem Fieber ergriffen, geht dadurch in Yamas Behausung ein. [Oder] nachdem man sie aus Bienenwachs gefertigt hat, erhitze man sie bei Nacht langsam [über dem Feuer].

Der Übergang zwischen Vers 61 und 62 ist im OCR unklar (die Verszahl '61' erscheint bereits nach nur einer Halbzeile, ohne die übliche interne Trennung '|'); die Aufteilung der Pādas auf V.61/62 ist daher unsicher rekonstruiert. 'Yama-Kaṇṭaka' und 'Prahara' sind laut Kommentar technische Bezeichnungen für bestimmte, aus Wochentag und Tageswache berechnete Unglückszeiten (mit eigener Definitionsformel im Kommentar, hier nicht mitübersetzt, da nicht Wurzeltext). Vers 65 im OCR nur als Halbvers ohne erkennbare zweite Zeile erhalten; die fehlende zweite Vershälfte konnte nicht rekonstruiert werden und wurde nicht ergänzt, um kein Rateergebnis als Text auszugeben.

tenonmāda-jvara-grastaḥ prayāti nidhanaṃ śanaiḥ | tāṃ tat-kaṇṭaka-viddhāṅgīṃ khanen niśi [piśāca-sthāne?] ||66|| [athavā] piśācāviṣṭaḥ sa ripur yāti yama-ālayam | prāgukta eva vidhis tathā puttalyā [ca] tathā ||67|| [nirmāya] kuṇḍa-madhye tāṃ caiva arāti-mahā-druhe [?] | samidhe agnau tat-samidbhis tailāktair juhuyān niśi ||68|| sannipāta-jvaras tasya vikṛta-buddhiḥ [pralapan] | pralaya-mūrcchāṃ hi tyajan yāti yama-ālayam ||69|| tathā-vidhāṃ tāṃ pratimāṃ nikhanen kṛṣṇa-pakṣake | navamy-aṅgāra-divase māṭha-gehe agra-pīṭhake [?] ||70||

Dadurch, von Wahnsinn und Fieber ergriffen, geht [der Feind] langsam dem Tode entgegen; jene mit Dornen durchbohrte Puppe vergrabe man nachts [an einem bestimmten, dämonischen Ort] [?]. [Oder] von einem Piśāca (Dämon) besessen, geht jener Feind in Yamas Behausung ein; dasselbe zuvor genannte Verfahren [gilt] auch für [diese Art der] Zauberpuppe. Nachdem man [die Puppe] in der Mitte der Feuergrube [aufgestellt hat], mit Holz, das an einem ‚großen Baum des Feindes' [gewachsen ist] [?], im Feuer entzündet, opfere man nachts mit dessen Holzstücken, in Öl getränkt. [Der Feind erleidet dadurch] ‚Sannipāta'-Fieber (ein aus allen drei Doṣas gemischtes Fieber), mit verwirrtem Verstand, phantasierend; in Bewusstlosigkeit verfallend, verlässt er das Leben und geht in Yamas Behausung ein. Eine derartig gefertigte Puppe vergrabe man in der dunklen Monatshälfte, am neunten Tag [?], im Boden eines Klostergebäudes, an der Vorderseite des Podests [?].

Verse 66-70 im OCR stark beschädigt, insbesondere die genauen Orts- und Zeitangaben (V.66, 68, 70); Gesamtsinn (Herbeiführung von Wahnsinn, Dämonenbesessenheit oder Mischfieber durch die entsprechend präparierte und vergrabene bzw. verbrannte Zauberpuppe) aus dem Kommentar erschlossen. 'navamy-aṅgāra-divase' (V.70) unsicher, evtl. ein bestimmter, mit Dienstag zusammenfallender neunter Tithi gemeint; mit [?] markiert.

saptāhān nidhanaṃ vairī prayāti niśi tāḍitaḥ | bhūtaiḥ śirasi ghnaṃ [?] nirghātavad rakṣitam [?] ||71|| sarṣapaṃ māṣa-cūrṇaṃ ca tilaṃ śāli-jataṃ [ca] | piṣṭvā sādhya-vṛkṣasya śakalair api saṃyutam ||72|| eraṇḍa-bījam militaṃ kṛtvā puttalikāṃ tataḥ | tad-vakṣontar nidhāya ari-nāma tāla-syapatrakam ||73|| saṃjapya tāṃ spṛśan vidyāṃ tṛtīya-pratiloma-jñām | sahasra-vāraṃ sādhyasya vadhe 'ṣṭama-rāśi-ge ||74|| nibadhya tāṃ pādayoḥ sūrya-udbhava-uttantunā | gṛhītvā [vāma-]hastena tāṃ japet praviśec chuciḥ [?] ||75|| liptvā taiḥ sahitaiḥ [ca] sūrya-udaya-abhimukhīm | tad-dine tāpa-dṛṣṇārti-bhinnena jvareṇa saḥ ||76||

Binnen sieben Tagen geht der Feind, nachts [von dieser Puppe] getroffen, dem Tode entgegen, [heimgesucht] von Geistwesen, wie von einem Schlag auf den Kopf, gleich einem Blitzschlag [?]. Senfsamen, Bohnenmehl, Sesam und ungeschälten Reis vermahle man, zusammen mit Spänen vom [Geburts-]Baum der Zielperson, und, gemischt mit Rizinussamen, fertige man daraus eine Zauberpuppe; in deren Brust lege man ein mit dem Namen des Feindes [beschriftetes] Palmblatt. Während man sie berührt, rezitiere man tausendmal die dritte, rückläufig[-invertierte] Form der Vidyā (des Mantras), an dem Tag, an dem das [Geburts-]Zeichen der Zielperson im achten [Haus von seinem eigenen] steht, zu deren Vernichtung. Nachdem man sie an den Füßen mit einem an einem Sonnentag gesponnenen Faden gebunden hat, nehme man sie in die [linke] Hand, rezitiere [das Mantra] und trete gereinigt [zum Ritual] [?]. Nachdem man sie mit jenen [Stoffen] gesalbt hat, mit dem Gesicht dem Sonnenaufgang zugewandt: an jenem Tag [erleidet die Zielperson] durch quälendes, brennendes Fieber [große Pein].

Verse 71-76 (sechs Ślokas) beschreiben ein ausführliches Verfahren zur Fiebererzeugung mittels einer mit dem Feindesnamen versehenen, aus mehreren Zutaten gefertigten Zauberpuppe und einer 'dritten, rückläufigen' Mantra-Rezitation; zahlreiche Einzelheiten (u.a. V.71, 75) im OCR unsicher und mit [?] markiert. Die 'dritte, rückläufige Vidyā' bezieht sich vermutlich auf eine bereits früher im Werk gelehrte Form der Hauptvidyā, deren genauer Bezug hier nicht mehr nachvollziehbar ist.

luṭhan bhūmau visaṃjñaḥ pralapan sa hi | prayāti nidhanaṃ [ripuḥ] prayoga-balataḥ śive ||77|| arka-kṣīra-yutā [vā] puttalī [tad-]dugdhataḥ [?] | vajra-kṣīreṇa vā liptāṃ tāṃ prāgvad adho-mukhīm ||78|| sādhya-nāma-ādi-saṃyuktāṃ kuṇḍa-ūrdhve pralambayet | juhuyāt tat-samidbhis tu tat-kṣīra-akta-niśāntare [?] ||79||

Auf dem Boden sich wälzend, ohne Bewusstsein, wirr redend, geht er, der Feind, durch die Kraft dieses Rituals dem Tode entgegen, o Śivā. [Man fertige] eine mit dem Milchsaft des Arka-Gewächses [bestrichene] Puppe [?], oder mit dem Milchsaft des ‚Vajra'-Baumes (der Wolfsmilch-Pflanze) bestrichen; jene [Puppe hänge man], wie zuvor, mit dem Gesicht nach unten, versehen mit dem Namen der Zielperson u. dgl., über der Feuergrube auf; man opfere mit deren Holzstücken, mit jenem Milchsaft getränkt, um Mitternacht [?].

Verse 78-79 im OCR unsicher, insbesondere die genaue Textur von 'arka-kṣīra-yutā... dugdhataḥ' (V.78); Gesamtverfahren (Aufhängen einer mit Milchsaft giftiger Pflanzen bestrichenen, kopfüber hängenden Puppe über der Feuergrube) aus dem Kommentar hinreichend gesichert.

[evaṃ] syād arātis tu vividhair eva pīḍitaḥ [?] | yady asti tasya rakṣā tāṃ taḍāky-udre khanet ||80|| jambāla-madhye tenāsmāt saukhyaṃ tasya śanaiḥ śanaiḥ | tathā yadi na kuryāt ciraṃ rogātmako bhavet ||81|| tathā tām anu-bhāṇḍe tu niveśya amāvāsya-vāsare [?] | caṇḍikā-āyatane snātvā tad-yoniṃ tat-puro balim ||82||

So gerät der Feind auf mannigfache Weise in Bedrängnis; sollte er über eine Schutzabwehr verfügen, vergrabe man jene [Puppe] im Schlamm eines Wasserbeckens/Teiches. Im Schlamm entsteht dadurch für ihn allmählich [Un-]Behagen; führt man dies jedoch nicht aus, wird er langfristig chronisch krank. Ebenso, nachdem man sie in ein Gefäß gelegt hat, am Neumondtag [?], bade man an einem Caṇḍikā-Schrein und bringe vor ihrer ‚Yoni' (Vertiefung/Basis) ein Opfer (bali) dar.

Verse 80-82 im OCR mittelmäßig erhalten; 'amāvāsyā-vāsare' (Neumondtag) in V.82 sinngemäß rekonstruiert, im OCR nur als 'ajñāravāsare' o.ä. erkennbar, daher mit [?] markiert.

nihatya dattvā arātiṃ tu [tam] anyad upasargaiḥ [?] | sva-gehe snātvā [tad]-upari eva vidhi-jñenāt [?] ||83|| avicchinnam arāteḥ [tu] rāḍgid-udbhavaḥ [?] | tāṃ tathā-kṛta-rūpāntāṃ sa-ruja-jaṅghāsthi-saṃyutām ||84|| kṛtvā [tāṃ] dvi-dig-madhye khanen niśi | roṣī [?] māsāt prayātādya-anyataḥ [?] ||85|| tathā-vidhaṃ puttalikā-yugaṃ [dvayaṃ] | biḍāla-mūṣikā-carma-nirmitaṃ sādhya-ākhyayā yutam ||86|| nikhanet tīra-yor nadyāḥ pīṭha-gehe atha vā | māṭha-gehe nadī-pūrta-saṃgame viṣaḥ syād dvayos tadā ||87||

Nachdem man den Feind [dergestalt] getroffen und ihm wiederholt weitere Heimsuchungen zugefügt hat [?], bade man im eigenen Haus und [verfahre] darüber hinaus gemäß der Vorschrift [?]. Mit einem ununterbrochen aus dem [Geburts-Nakṣatra] des Feindes entstandenen [Material] [?] forme man jene Puppe entsprechend gestaltet, versehen mit einem kranken Schienbein-/Beinknochen, und vergrabe sie, [platziert] zwischen zwei [Grenzmarken des feindlichen Gebiets], bei Nacht; [durch diese] Krankheit [?] flieht [der Feind] binnen eines Monats anderswohin. Ebenso fertige man ein Paar solcher Zauberpuppen, aus Katzen- bzw. Mäusehaut gefertigt, versehen mit dem Namen der [beiden] Zielpersonen, und vergrabe sie am Ufer eines Flusses, oder in einem Tempelgebäude, oder in einem Klostergebäude, am Zusammenfluss mit einem [heiligen] Flussbecken – dann entsteht für beide [Vergiftung/Unheil].

Verse 83-87 im OCR sehr stark beschädigt; Gesamtsinn (fortgesetzte Heimsuchung, Vergraben einer weiteren, mit krankem Knochen versehenen Puppe an einer Gebietsgrenze zur Vertreibung, sowie ein Doppelpuppen-Verfahren aus Katzen- und Mäusehaut gegen zwei Zielpersonen zugleich) aus dem fragmentarischen Kommentar erschlossen; zahlreiche Einzelworte bleiben mit [?] gekennzeichnet unsicher, insbesondere V.83 und 85.

tā eva prāg udṛtya sādhya-ākhyādi-saṃyuktāḥ | tad-vidyā-japa-siddhās tāḥ [khanet] punaḥ ||88|| madhye ariṣṭa-deśe tu tathā tat-kulotsādanaṃ bhavet | evaṃ nikaṭa-vartinām abhicāra udīritaḥ ||89|| dūra-sthitānāṃ dviṣatāṃ kathaṃ syād abhicārakaḥ | vadāmi te śṛṇu prājñe su-dūra-sthasya vairiṇaḥ ||90|| vināśane prayogaṃ tu śīghram apy abhicārakam | yenāri-nikaṭaṃ prāpya prāg eva nidhanaṃ vrajet ||91||

Nachdem man ebendiese [Puppen] wieder ausgegraben und mit den Namen usw. der Zielpersonen versehen hat, und sie durch Rezitation der zugehörigen Vidyā geweiht sind, vergrabe man sie erneut, inmitten des feindlichen Gebiets; dadurch tritt der Untergang seines ganzen Geschlechts ein. So ist der Abhicāra für in der Nähe befindliche [Feinde] dargelegt. [Devī fragt:] Wie aber kann Abhicāra gegen weit entfernte Feinde geschehen? [Śiva:] Höre, o Kluge, ich will dir dies für den sehr weit entfernten Widersacher verkünden: das rasche Verfahren zu seiner Vernichtung, das Abhicāra, durch das der Feind, noch bevor er in die Nähe gelangt, dem Tode verfällt.

Verse 88-91 markieren den Übergang von der bisherigen 'Nahfeind'-Magie zu einem folgenden Verfahren gegen weit entfernte Feinde, eingeleitet durch eine Frage der Devī (V.90) – ein im Werk übliches dialogisches Stilmittel. Einzelheiten in V.88 unsicher, mit [?] markiert.

tat-sādhya-vaktreḥ [nakṣatra-pāda-]puttalikā vidhāya aṣṭau śataṃ kramāt | tāḥ prāg-udīrita-kṣīra-vyāsiktāḥ sa-saṃjñakāḥ ||92|| tat-tad-aṃśaka-māna-pramāṇās tā madhya-rātrataḥ | ekām ekāṃ hanet [ripu-]diṅ-mukhāḥ sthās tā aśeṣataḥ ||93||

Nachdem man 108 Zauberpuppen der Reihe nach hergestellt hat, entsprechend den [108] Nakṣatra-Vierteln der Zielperson, mit der zuvor genannten Milch[-Mischung] besprengt und mit [deren] Namen versehen, jeweils nach dem Maß des entsprechenden Abschnitts (aṃśaka) bemessen, in Richtung des Feindes ausgerichtet – zerstöre man sie um Mitternacht, eine nach der anderen, restlos, alle.

Verse 92-93 greifen das in V.22-26 gelehrte 108-Puppen-System (nach den 108 Nakṣatra-Vierteln bemessen) für die Fernvernichtung eines weit entfernten Feindes wieder auf. Einzelne Wortformen im OCR unsicher, Gesamtverfahren jedoch klar erkennbar.

tat-tad-aṃśaka-kāle vā su-dūra-stho 'pi nāśa-bhāk | kathaṃ vā māntrika-balo nihantuṃ śakyatāṃ vrajet ||94|| tac chṛṇuṣva śive vacasi prakāraṃ tasya nigrahe | tair mantrikais tasya [pūrvaṃ] vidhiṃ kārayet tataḥ ||95|| tair iṣṭa-nidhanaṃ tasmin su-śakaṃ syād anāśrayāt | bhāgya-adhikaṃ mahā-rakṣā-kara-māṭha-saṅgatam ||96|| rājānaṃ rāja-pālaṃ vā kathaṃ hanyāt prayogataḥ | tat kathaya deveśa yady upāyas tu vidyate ||97|| vadāmi te śṛṇu prājñe tvam amoghaṃ ghora-vigraham | abhicāram arātīnām āśu-nāśa-karaṃ param ||98||

Oder auch zu der [astrologisch] jedem [Nakṣatra-]Abschnitt entsprechenden Zeit gerät auch der sehr weit Entfernte dem Untergang anheim. [Devī fragt:] Wie aber kann ein durch die Kraft eines [gegnerischen] Zauberers Geschützter überhaupt tötbar gemacht werden? [Śiva:] Höre dies, o Śivā, aus meinem Munde: das Verfahren zu seiner Bezwingung; man lasse zuvor durch [eigene] Zauberkundige das entsprechende Ritual an ihm ausführen. Durch sie wird sein gewünschter Untergang leicht möglich, sobald er ohne [magischen] Schutz ist – [dies gilt ebenso für] einen besonders vom Glück Begünstigten, einen großen Schatzbewahrer, einen mit einem [mächtigen] Kloster/Zauberer Verbündeten. Wie aber kann man einen König oder einen königlichen Beschützer durch das Ritual töten? Sage mir das, o Herr der Götter, wenn es dafür ein Mittel gibt. [Śiva:] Ich verkünde es dir, höre, o Kluge: das unfehlbare, furchtbare Kampfmittel, das Abhicāra gegen Feinde, das höchste, das rasch Vernichtung bewirkt.

Verse 94-98 setzen den Dialog zwischen Devī und Śiva fort und leiten zum abschließenden Verfahren gegen magisch geschützte Feinde und Könige über. Weitgehend gut aus dem Kommentar gestützt; kleinere Einzelheiten unsicher.

siddha-mantrair ati-sthira-rakṣitān [tān su-]dvādaśa-ati-sthira-āśrayān [?] | tair avacchinna-homena homayed yāma-dig-kramāt [?] ||99|| tena tan-nidhanaṃ vrajyād rakṣitasyāpi ayatnataḥ | arāti-nigrahaṃ kuryād evam ukta-vidhānataḥ ||100|| [unnummeriert:] māyā-tattva-mayī vyāptir iti samyak samīritā | asyā niṣkalanāc cittaṃ tat-tattvaṃ syād ātma-sāt svayam [?]

Gegen [Feinde], die durch vollzogene (siddha-) Mantras überaus fest geschützt und in überaus standhafter Zuflucht [befindlich] sind, opfere man mit einem ununterbrochenen Homa, begleitet von jenen [Mantras], in der Reihenfolge der [drei-stündigen] Nachtwachen-Richtungen [?]. Dadurch tritt sein Untergang ein, auch wenn er geschützt ist, ohne weitere Mühe; so bewirke man die Bezwingung des Feindes, in dieser beschriebenen Weise. [Es folgt ein unnummerierter, thematisch abweichender und stark verderbter Schlussvers:] „So ist die aus dem Māyā-Prinzip (māyā-tattva) bestehende Durchdringung (vyāpti) wohl verkündet; durch deren Erkenntnis/Zergliederung (niṣkalanā) wird das Bewusstsein (citta) von selbst eins mit jenem [höchsten] Prinzip.“ So endet, in den Ṣoḍaśanityā-Tantras, das – die Erlangung der erwünschten Wirkung durch Homa genannte – einunddreißigste Kapitel.

Verse 99-100 bilden den Abschluss des eigentlichen Abhicāra-Lehrstoffs. Der darauf im Original folgende, hier ohne Versnummer wiedergegebene Schlussvers ('māyātattvamayī vyāptiḥ...') fällt inhaltlich völlig aus dem Rahmen des Kapitels (das durchgehend von Feind-Zaubermitteln handelt) und ist im OCR extrem entstellt; er wurde dennoch, wie in den Editionsrichtlinien vorgesehen (Halbverse/unnummerierte Verse sind zulässig), mit größter Vorsicht und durchgehendem Unsicherheitsvorbehalt [?] übersetzt – möglicherweise handelt es sich um einen versprengten Vers aus einem anderen, hier nicht zugänglichen Zusammenhang, oder um eine stark verderbte abschließende Segens-/Ausblicksformel. Es folgt im Original zunächst das kurze Wurzeltext-Kolophon ('iti ṣoḍaśanityātantreṣu... homāt kāmyaphalodayaṃ nāma ekatriṃśat paṭalam ||31||', hier übersetzt), danach das ausführliche Kommentar-Kolophon, das Subhagānandanātha als Autor der Manoramā-Auslegung nennt und den Inhalt des Kapitels als 'arimardana-prakāśana-param' ('der Darlegung der Feindzerschmetterung gewidmet') zusammenfasst; im Anschluss daran folgt eine kurze, offenbar redaktionelle Blattzahl-/Umfangsnotiz der Druckausgabe ('grantha-saṃkhyā 268', d.h. ein Vermerk, dass dieses Kapitel kein Yantra-Diagramm enthalte und der Kommentartext einen Umfang von 268 [Zähleinheiten] habe); diese redaktionelle Notiz gehört nicht zum Tantra- oder Kommentartext selbst und wurde daher nicht als eigene Verseinheit übersetzt.

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