Paṭala 16: iti śrī ṣoḍaśanityātantre kādimate ṣoḍaśaḥ paṭalaḥ ||16||
16-tes Kapitel: Nityānityā und ihre Yantras (Heil-, Bezwingungs- und Gnaden-Yantras, die sechs Körperstützen)
Quelle: Tantrarāja-Tantra mit dem Kommentar Manoramā des Subhagānandanātha (Tantrik Texts Vol. 8, hrsg. Sadāśiva Miśra, Calcutta 1918, archive.org tantrarajatantra01mishuoft, OCR). Die OCR-Qualität ist auch in diesem Kapitel sehr schlecht; zahlreiche Einzelwörter, vor allem in den geometrischen Yantra-Konstruktionsanweisungen (bes. Verse 4, 7-11, 17-20, 38-52, 77-99), mussten mit [?] versehen oder nur sinngemäß paraphrasiert werden, da weder Metrum noch Kontext eine sichere Wortrekonstruktion erlaubten; der Kommentar diente dabei ausschließlich zur Klärung einzelner OCR-Lesungen, nie als Deutungsgrundlage. Inhalt: Nach Kulasundarī (15. Kapitel) folgt hier die Lehre der elften Nityā, Nityānityā, von der die (bewegliche) Welt abhängt (V.1-4). Es folgen Nyāsa und Dhyāna der zwölfarmigen, dreiäugigen Göttin (V.5-11), Aufbau ihrer Vidyā und eines Sechseck-Yantras mit den Wächterinnen Ḍākinī usw. und den Lokapālas (V.12-20), Sādhana-Vorschriften und ein System von sechzehn Mond-Yantras zur Heilung einzelner Krankheitsgruppen (V.21-37), sechs Vajra-(Diamant-)Yantras aus einem 289-Felder-Raster samt Materialien, Aufstellung in einem Pavillon und Installationsritual (V.38-58). Ein längerer Abschnitt beschreibt die sechs Körperstützen (ṣaḍādhāra) mit ihren Herrscherinnen Ḍākinī, Rākiṇī, Lākinī, Kākinī, Śākinī und Hākinī sowie das Prinzip von Gnaden- (anugraha) und Bezwingungs-Verehrung (nigraha) durch Vorwärts- bzw. Rückwärtsfolge (V.59-76). Es folgen ein Bezwingungsritual mit Krügen, Feindeffigie und zornigen Göttinnen samt einem eigenen Bezwingungs-Yantra (V.77-88), ein Gnaden-Ritual mit sieben verehrten jungen Frauen und einem 'kleinen' Yantra (V.89-94), sowie ein Fünfglied-Silbenpaar-System (pañcāṅga-mithuna) mit einem 64-Felder-Diagramm (V.95-99) und der formelhafte Schlussvers (V.100-101). Zwischen Vers 75 und 76 zitiert der Kommentar einen eigens (unabhängig, 1-13) nummerierten technischen Vers-Abschnitt zur zeichnerischen Konstruktion des äußeren Gnaden-Kreises; da die durchlaufende Wurzeltext-Zählung direkt von 75 zu 76 weiterläuft, wird dieser Einschub als Kommentar-Material (nicht Wurzeltext) behandelt und hier nicht übersetzt. Die Zuordnung der sechs Ādhāra-Gottheiten (Viśuddha-Ḍākinī, Anāhata-Rākiṇī, Maṇipūra-Lākinī, Svādhiṣṭhāna-Kākinī, Mūlādhāra-Śākinī, Ājñā-Hākinī) weicht von der späteren, bekannteren Ṣaṭcakranirūpaṇa-Systematik (Pūrṇānanda) ab; dies ist im Kontext von V.71 (nigraha durch Reihenfolge-Umkehrung) plausibel und wird als Eigenheit dieses Textes belassen, nicht als Fehler korrigiert. Der lange Kommentar-Kolophon am Kapitelende ist in der Quelle identisch mit dem des 15. Kapitels dupliziert (ein offensichtlicher Scan-/Druck-Artefakt); da ohnehin nur der kurze Wurzeltext-Kolophon übersetzt wird, hat dies auf die Übersetzung keinen Einfluss. Mehrere Verszahlen sind im OCR durch Ziffernverwechslung (bes. 8/9, 1/2, 2/3, 5/6) entstellt und wurden nach der Zählung 1-101 stillschweigend korrigiert; dies ist jeweils in den notes der betroffenen Einheiten vermerkt.
Nun, unter den sechzehn Nityās, will ich jene besprechen, die als die elfte genannt wurde, die Nityānityā, o Weiser - von der diese [bewegliche] Welt abhängt.
Die Herausziehung (Extraktion) ihrer Vidyā wurde bereits früher [im dritten Kapitel] vorgenommen; hier wird nun deren [rituelle] Anwendung dargelegt - der Vidyā jener [Göttin], die allen Lebewesen das Bestehen im Körper verleiht.
[Ich werde lehren:] die Silben-Anordnung (nyāsa), die Meditation (dhyāna), sodann die [Begleit-]Kräfte (śakti) und mit ihnen die Verehrung und die [magische] Anwendung (sādhana); die vajraförmigen Yantras und das Verweilen der sechs Gottheiten Ḍākinī usw. in den sechs Körperstützen (ṣaḍādhāra).
Bezwingung und Gnadenspendung [erfolgen] durch die sechs [Gottheiten], der Reihe nach als 'Zeit-Durchdringung' [bezeichnet] [?]; mit den beiden langen Vokalen verbunden [ist] die Herz-[Silbe] haṃsa samt der sechsgliedrigen [Gliedmaßen-Mantra-]Gruppe [zu versehen] [?].
Vers 3: 'prajāṃ' der OCR (Nachkommenschaft) ergibt keinen Sinn im Kontext von Nyāsa/Dhyāna/Sādhana; gelesen als 'pūjāṃ' (Verehrung), gestützt durch den Kommentar, der durchweg von pūjā spricht. Vers 4: stark verderbt, nur ungefährer Sinn (Ankündigung von nigraha/anugraha durch die sechs Gottheiten sowie der Herz-Silbe haṃsa mit den sechs Gliedmaßen-Mantras) erschließbar; mehrere Wörter mit [?]. Kommentar bestätigt zu Vers 1 'jagat' = 'jaṅgamam' (die bewegliche Welt) und zu Vers 3 die Lesung als Ankündigung der ṣaḍādhāra-Gottheiten Ḍākinī usw.
Zwischen den Augenbrauen, an Kehle, Herz, Nabel, den Geheimteilen und der [untersten] Stütze (ādhāra) ordne man der Reihe nach die mit Bindu (Anusvāra) versehenen Silben der Vidyā an.
Und nachdem man die alldurchdringende [Anordnung] mit dem gesamten Mantra vorschriftsgemäß vollzogen hat, meditiere man, um allen Reichtum zu erlangen, über die Alldurchdringende, die Heilvolle (śivā):
strahlend mit einem Rubin-Diadem gleich zwei aufgehenden Sonnenscheiben, geschmückt mit aus Padmarāga-Edelstein gefertigtem Schmuck, unvergleichlich, [ein günstiges Zeichen? — Wort unsicher] tragend; reizend lächelnd, mit strahlenden Zähnen, an sechs Lotusblüten-[Gesichtern] erstrahlend, an jedem Antlitz dreiäugig, mit zwölf Armen versehen; eine Schlinge (pāśa), [ein Attribut unsicher], Bogen und Schild, Pfeile tragend, [dazu] die Geste der Gabenspende, auf der linken Seite den Elefantenhaken (aṅkuśa) und ein Buch; eine Blütenpfeilspitze, ein Schwert [?], einen Schädelbecher und die Geste der Furchtlosigkeit in den rechten Händen haltend, [so] thronend [?], die Makellose.
Unendlich sind die Kräfte (śakti) der Göttin; höre sie, ich will sie dir nennen: 'Lalitā-Śakti' [heißt] diese [Vidyā]; [ihre] zwei Bīja-Silben [stehen] in absteigender Ordnung [?].
Verse 7-11 (Dhyāna-Ikonographie der zwölfarmigen, dreiäugigen, sechsgesichtigen Göttin) sind besonders stark zerstört; einzelne Attribute (Vers 7 'dhāriṇīm', Vers 9 'guṇapuṇḍram', Vers 10 'khaḍgāgram') bleiben unsicher und mit [?] markiert, der Gesamtaufbau (Krone, sechs Gesichter, zwölf Arme mit Waffen/Mudrās) ist jedoch klar erkennbar und stimmt mit dem Muster anderer Nityā-Dhyānas dieses Werks überein. Vers 11: 'khaga' der OCR ergibt keinen Sinn, gelesen als 'ākarṇaya' (höre!); der Name der Vidyā und die Bīja-Anordnung bleiben unsicher.
pūrṇamaṇḍalavarṇāḥ syuḥ śaktyā ca saṃyutāḥ | saptākṣaryā yutā saṃjñā vidyā syād dvādaśākṣarā ||12||
ṣaṭsaptatyā [śatena] api ca śataṃ yajet tābhis tu tāṃ śivām | ṣaṭkoṇakoṇeṣv āsāṃ tu ḍākinyādyāṃs tathārcayet ||13||
rakṣo'nilendravahnīśavaruṇeṣu krameṇa ca | tāḥ ḍākinīṃ śākinīṃ paścāj jñākinīṃ [lākinīṃ] kākinīm api ||14||
sākinīṃ hākinīṃ ceti mūle devyaḥ ṣaḍ vigrahāḥ | hetostāmramitāḥ [?] śaktirūpās tanmukuṭānatāḥ ||15||
kṛtanyāsārdhasaṅkalpaḥ pūjayed īritakramāt | kuryāc ca nityahomaṃ tu japed idaṃ yathoditam ||16||
Die Buchstaben des vollen Kreises (das ganze Alphabet a bis kṣa) seien [jeweils] mit 'śakti' verbunden; verbunden mit der siebensilbigen [Grundformel] ist die 'Benennungs'-Vidyā (saṃjñāvidyā), die zwölfsilbige.
Mit den hundertsechsundsiebzig [so gebildeten Kräften] verehre man diese Heilvolle; an den Ecken der sechs Sechsecke verehre man ebenso deren [Herrscherinnen] Ḍākinī und die anderen:
in den Richtungen des Rākṣasa (Südwest), Vāyu (Nordwest), Indra (Ost), Vahni (Südost), Īśa (Nordost) und Varuṇa (West), der Reihe nach: Ḍākinī, Śākinī, sodann [Rākinī oder Lākinī], Kākinī, Sākinī [Śākinī] und Hākinī - so [sind] im Grunde die sechs Gestalten der Göttinnen, in Kraftgestalt, [je] unter ihren Kronen sich neigend.
Nachdem man Nyāsa und den [vorbereitenden] Entschluss (saṅkalpa) vollzogen hat, verehre man in der genannten Reihenfolge; man vollziehe auch das tägliche Feueropfer (nityahoma) und rezitiere [die Vidyā], wie gelehrt.
Vers 14-15 zählen sechs Gottheiten auf, doch erscheinen zwei ähnlich klingende Namen ('śākinī' und nochmals 'sākinī/śākinī') - die OCR lässt nicht sicher erkennen, ob hier ursprünglich 'rākinī' oder 'lākinī' gemeint war; da Rākiṇī und Lākiṇī an anderer Stelle des Kapitels (V.63, V.65) den Cakras Anāhata bzw. Maṇipūra zugeordnet werden, dürfte hier eine dieser beiden gemeint sein, [?] belassen. Vers 15: 'hetostāmramitāḥ' unsicher, evtl. Verweis auf eine Farb- oder Maßangabe.
Außerhalb des Sechsecks [ein weiteres Vielfeld], mit Blütenblättern versehen; wenn man auch dort mit jenen [Kräften opfert], ist [dies] die mittlere [Stufe] der Verehrung [?].
Mit Lotuskreisen von zwei, vier, sechs, zehn, zwölf und je zwei mal acht Blütenblättern umgebe man das Sechseck und verehre es, nachdem man es meditiert hat, der Reihe nach [?].
Und nachdem man ein Doppelquadrat mit vier Toren versehen angelegt hat, verehre man in dessen Torgängen (śākhā) zwanzig Kräfte.
Die mit den Namen Brāhmī usw. benannten Weltenhüterinnen (lokapāla), an den sechzehn Toren aufgestellt, [sowie] die in Gestalt von Ananta, Brahman, Niyati und Kāla [an den vier Zwischenecken] - so sind [sie] angegeben [?].
Verse 17-20 (Aufbau des Verehrungs-Yantras: Sechseck, umgebende Lotuskreise mit wechselnder Blütenblattzahl, Doppelquadrat mit vier Toren, sechzehn Torwächterinnen Brāhmī usw., vier Eckgottheiten Ananta/Brahman/Niyati/Kāla) ist im Detail (genaue Blütenblattzahlen in Vers 17-18, Bedeutung von 'aṣṭāra'/'śatārdha') kaum sicher zu rekonstruieren; die Übersetzung gibt nur den durch Vergleich mit ähnlichen Yantra-Beschreibungen dieses Werks erschließbaren Grundaufbau wieder, viele Einzelwörter mit [?].
vidhyāt sādhanam prāgvat [ratnāntaṃ?] payovrataḥ | bilvādusiktai rāgeṇa ambujair homaṃ tathā ||21||
japatapohomārcāsiddhamanur naraḥ [?] | kuryād uktān prayogāṃś ca na cet tadvātudevatāḥ [prakupyeyuḥ] ||22||
prāṇāntasya grasann eva kupitās tattanuṃ śive | anayā vidyayā loke yan na sādhyaṃ na tat kvacit ||23||
vidyākṣarāṇi sapta syuḥ svarasaṃyuktāḥ prāgvat | śataṃ dvādaśasaṃyuktaṃ tad yantrāṇi vadāmi te ||24||
vṛttadvayāntaḥ ṣaṭkoṇaṃ tadantar vṛttayugmakam | vidhāya madhye māyāsthaṃ ekam akṣaram [āśritya?] ||25||
bahiḥ ṣaḍ ālikhet ṣaṭsu tayor madhye tu mātṛkām | kṛtvā navabhir evaṃ syuḥ kramād yantrāṇi ṣoḍaśa ||26||
Man vollziehe die [magische] Anwendung (sādhana) wie zuvor [bei der Lalitā-Vidyā], [nach dem] Milch-Gelübde (payovrata); mit in rotem [Saft] getränkten Bilva-[Blättern] und ebenso mit Lotusblüten ein Feueropfer.
Der Mann, dessen Mantra durch Rezitieren, Askese, Feueropfer und Verehrung vollendet ist [?], vollziehe die genannten [magischen] Anwendungen - andernfalls würden die den [sechs Körperstützen] zugehörigen Gottheiten [erzürnen] [?].
[Diese] würden, erzürnt, geradezu den Leib dessen [, der die Vorschrift missachtet,] bis zum Lebensende verschlingen, o Śivā! Doch mit dieser Vidyā gibt es in der Welt nichts, was nicht zu erreichen wäre - nirgends.
Die Silben der Vidyā seien sieben, wie zuvor mit den Vokalen verbunden; [daraus ergeben sich] hundertzwölf [Silbenverbindungen] - deren Yantras will ich dir nun nennen:
innerhalb zweier Kreise ein Sechseck, innerhalb dessen wiederum ein Kreispaar; in dessen Mitte schreibe man den einen, mit Māyā [d.h. hrīṃ] verbundenen Buchstaben [des betreffenden Namens] [?].
Außen, an den sechs [Ecken], schreibe man [je eine Silbe]; zwischen den beiden [inneren] Kreisen [ringsum] das [vollständige] Alphabet (mātṛkā). So entstehen, mit den neun [bereits genannten Yantras], der Reihe nach sechzehn Yantras.
Verse 21-26 sind an mehreren Stellen unsicher (v21 'ratnāntaṃ', v22 'prakupyeyuḥ' ergänzt aus dem Kommentar, der erklärt, dass 'tat' sich auf die sechs Ādhāra-Gottheiten bezieht, deren Zorn im Falle der Vorschriftsverletzung gemeint ist); Vers 25 'māyāsthaṃ' laut Kommentar nicht als 'im Raum befindlich', sondern als Verweis auf die Silbe hrīṃ zu verstehen. Insgesamt wird hier ein System von sechzehn Yantras eingeführt (neun Grundformen plus sieben Varianten), das in der folgenden Einheit (V.27-34) den einzelnen Krankheitsgruppen zugeordnet wird.
Durch das erste [Yantra] getragen entsteht die Vernichtung der Bauchkrankheiten; durch das zweite verschwinden die Kopfkrankheiten, höchste Herrin!
Durch das dritte die Beruhigung der Augenkrankheiten [und, durch das vierte,] der Ausfluss-Krankheiten; durch das fünfte weichen die Armkrankheiten, [nicht jedoch] die fußbezogenen.
[Durch das sechste weichen diese; durch] das siebte [weichen] rasch die 'inneren' Krankheiten [zwischen Herz und Becken] [?]; durch das achte Yantra getragen die in den Erkenntnisorganen (Ohr, Haut, Auge, Zunge, Nase) sitzenden Leiden;
durch das nächste (neunte) die in den Handlungsorganen sitzenden, durch das zehnte die windbedingten (vāta-), durch das elfte die gallenbedingten (pitta-), durch das zwölfte die schleimbedingten (kapha-) [Krankheiten];
durch das dreizehnte die aus dem Zusammentreffen der drei Säfte (sannipāta) entstandenen Leiden - sie alle schwinden sogleich durch die Kraft-Macht der Yantras.
Durch das vierzehnte Yantra fliehen erschreckt binnen eines Augenblicks Bhūtas, Pretas, Piśācas und alle anderen Grahas, o Śivā!
Durch das fünfzehnte [getragen weichen] die großen Krankheiten, durch das getragene sechzehnte gibt es keine acht [Hindernisse mehr, die] entgegenstehen [?]; durch das getragene sechzehnte entstehen Lebenskraft und Gesundheit, Herrin!
Dieser Abschnitt (Verse 27-33) zählt sechzehn Heil-Yantras der Reihe nach auf; Vers 28 ist im OCR lückenhaft ('caturthena', das vierte, fehlt im überlieferten Wortlaut, wird aber vom Kommentar sinngemäß vorausgesetzt, da sonst die Zählung 3.-5. unlogisch spränge) und Vers 29 ebenso (das sechste Yantra fehlt explizit, nur implizit aus der Reihenfolge erschließbar); beide Lücken wurden nach der Zählung ergänzt und mit [?] markiert. Vers 33 'na bādhakāḥ' (keine acht Hindernisse) ist unsicher übersetzt, ebenso die genaue Bedeutung von 'tatpareṇa' (dem 15., laut Kommentar 'pañcadaśena').
yantrāṇi ṣoḍaśaitāni dhārayed vyādhiśāntaye | sarveṣāṃ prāṇinaṃ samyag anukteṣu gadeṣv api ||34||
sarvatra yantradhāraṇaṃ sābhiṣekaṃ sadakṣiṇam | savandanaṃ saviśvāsaṃ phalaty evānyathā na hi [phalati] ||35||
kakuvihīnā tu sā vidyā pañcakūṭābhidhā śive | vāksiddhim anyat sakalaṃ kurute na bhidā tayoḥ ||36||
tadvidyākūṭabhedāḥ syur viṃśatyā śatasaptakam [?] | tair vajrayantranirmāṇaṃ phalāni ca śṛṇu priye ||37||
Diese sechzehn Yantras trage man, um Krankheit zu vertreiben - für alle Lebewesen, in rechter Weise, auch bei nicht ausdrücklich genannten Leiden.
Überall gilt: das Tragen des Yantras, verbunden mit Weihung (abhiṣeka), Gabe (dakṣiṇā), Verehrung und Vertrauen, trägt Frucht - andernfalls nicht.
Diese Vidyā, ohne die Endsilbe (kaku, d.h. ohne den letzten Laut), wird 'Pañcakūṭa' genannt, o Śivā; alles andere außer der Redegewandtheits-Vollendung (vāksiddhi) bewirkt sie [ebenso]; zwischen beiden [Vidyā-Formen] besteht kein Unterschied.
Von dieser Vidyā gibt es einhundertsiebenundzwanzig [?] Silbengruppen-Varianten (kūṭabheda); durch sie [entsteht] die Anfertigung der Vajra-Yantras - höre nun auch deren Früchte, Liebste!
Vers 37: die Zahlenangabe ('viṃśatyā śatasaptakam') ist im OCR unklar (evtl. 127, evtl. eine andere Zahl); mit [?] markiert. Vers 36 führt eine verkürzte Nebenform der Vidyā ('Pañcakūṭa') ein, die dieselbe Wirkung wie die Hauptform hat, außer der besonderen Sprachgewandtheits-Frucht.
Ost-West- und Nord-Süd-wärts ziehe man achtzehn Linien; dadurch entstehen zweihundertneunundachtzig Felder.
Wie zuvor markiere man dessen Eckfelder, sechsunddreißig der Reihe nach; man gestalte es ringsum so, dass in der Mitte ein Vajra (Diamant-Form) entsteht.
Einhundertfünfundvierzig Felder [bilden] das Vajra; die vier [äußeren] Vierecke [bestehen je] aus vier Feldern wie zuvor.
Nachdem man dies angelegt hat, beginne man beim mittleren unteren Feld zu schreiben und schreibe, im Uhrzeigersinn nach innen fortschreitend, die aus den Silbengruppen (kūṭa) entstandenen Anfangsteile bis zum Ende der [betreffenden] Stelle.
In der Mitte, in den neun verbleibenden Feldern, in den drei linken und drei rechten [Feldreihen], schreibe man sodann, abwechselnd rückläufig und vorwärts, die drei [Silbenabschnitte] der eigenen Vidyā.
In den beiden übrigen, auf jenem Pfad gelegenen Feldern schreibe man den Namen des Übenden (sādhaka); in der Mitte, unten, schreibe man überall auch den Namen des zu Bezwingenden (sādhya).
In der Mitte der vier Dreiecke, mit doppelten Linien neunfach [unterteilt, wie zuvor] [?], schreibe man dort wie in der Mitte [die Silben]; so wird [dies] das Vajra-Yantra genannt.
Ebenso gestalte man mit den [übrigen] fünf Abschnitten [der Vidyā] fünf weitere [Yantras]. So sind, der Reihe nach, die sechs Vajra-Yantras dargelegt, o Śivā!
Dieser Abschnitt (Verse 38-45) beschreibt die geometrische Konstruktion eines Vajra-(Diamant-)Yantras aus einem 17×17-Felder-Raster (289 Felder); die genauen Feld- und Linienzahlen sind wegen der schlechten OCR-Ziffernqualität nur mit Vorbehalt wiedergegeben, das Konstruktionsprinzip (Raster, Vajra-Umriss, Beschriftung mit Silbengruppen/Namen von innen nach außen) ist jedoch aus dem Kommentar klar erkennbar und wurde paraphrasierend wiedergegeben. Vers 44 ('dvirekhābhinavoktam') bleibt im Detail unsicher.
lohatraye kṛte paṭṭe śilāyāṃ vā catuṣv api | grave [?] vā phalakāyāṃ vā ṣaṭkaṃ ṣaṭsu prakalpayet ||46||
phalakāpaṭṭayoḥ pūjāṃ kuryāt triṃśa eva tu [?] | itarāṇi tu saṃsthāpya yajet tatraiva tāṃ śivām ||47||
tatsthāpanapradeśe tu vidadhyān maṇḍapaṃ śubham | navahastāyatataṃ patākātoraṇānvitam ||48||
phalapuṣpavitānāḍhyaṃ rūpeṇa taṃ parikalpayet | utsedhāyāmavistārahastāṃ vedīṃ ca madhyataḥ ||49||
ekaṃ cet ṣaṭkam atha cet kuryād ādyaṃ tathā punaḥ [?] | daśa prāgvat kṛtāstu vāyudikṣu yathākramam [?] ||50||
prathamaṃ rākṣase tv anyāny anyeṣu krameṇaiva vai | nivedya gandhapuṣpādyair indhanaiḥ tathāgnau tathā ||51||
samārādhyaivam evaṃ tu vidhinā proktaśaktibhiḥ | hutvā japitvā jīvocce bhānūcce vā sthirodaye ||52||
Auf einer der drei Metallarten, auf einer [gravierten] Platte, auf Stein oder auf einem der [übrigen] vier [Materialien], auf einem Kristall [?] oder auf einem Täfelchen fertige man die sechs [Yantras], an sechs [Stellen verteilt], an.
Die Verehrung auf Täfelchen oder Platte vollziehe man [nach besonderer Zählung] [?]; die übrigen [auf anderem Material gefertigten Yantras] aber stelle man fest auf und verehre dort ebenda die Heilvolle.
An dem Ort ihrer Aufstellung errichte man einen günstigen Pavillon (maṇḍapa), neun Ellen (hasta) ausgedehnt, mit Fahnen und Bogentoren (toraṇa) versehen.
Reich an Früchten, Blumen und einem Baldachin gestalte man ihn seiner Form nach; in der Mitte [errichte man] eine Altarplattform (vedī) von [je] einer Elle Höhe, Länge und Breite.
Ist es ein einziges [Yantra], [genügt] eine [Vedī]; sind es sechs, fertige man ebenso [sechs an], zehn [wie] zuvor, in den Richtungen beginnend bei Vāyu (Nordwesten), der Reihe nach [?].
Das erste [installiere man] in der Rākṣasa-Richtung (Südwesten), die anderen in den übrigen Richtungen der Reihe nach; nachdem man Duftstoffe, Blumen und dergleichen dargebracht hat, [opfere man] ebenso mit Brennstoffen im Feuer.
Nachdem man so, nach der genannten Vorschrift, mit den genannten Kräften verehrt, das Feueropfer vollzogen und rezitiert hat - bei Hochstand Jupiters oder der Sonne, oder beim Aufgang eines feststehenden [Tierkreiszeichens] -
Verse 46-50 (Materialangaben, Anzahl und Aufstellungsordnung der Vedīs) enthalten mehrere unsichere Zahl- und Ortsangaben (v46 'grave', v47 'triṃśa', v50 'daśa... vāyudikṣu'), die mit [?] markiert sind; die grundsätzliche Abfolge (Material wählen, Pavillon und Altarplattform errichten, Yantras in den Richtungen installieren, günstige Zeit abwarten) ist jedoch klar. Vers 52 ist syntaktisch noch nicht abgeschlossen und wird in Vers 53 fortgeführt.
Nachdem man [das Yantra], an der ganzen linken Seite, bei aufsteigender Erde [d.h. bei günstigem Erdaufgang], aufgestellt hat, o höchste Herrin - die Göttin selbst darin gegenwärtig -, umgebe man es fest mit jenen Steinen.
Nachdem man die sechs Göttinnen Ḍākinī usw. herbeigerufen hat, o Ambikā, erschaffe man die siebenfache Gestalt [der Göttin mit ihren sechs Begleiterinnen], weihe sie ein und verehre sie.
Täglich vollziehe man vor ihr auch die Rezitation der Vidyā. Wo [dies geschieht], dort [gibt es] Krankheit, [Verlust an] Glück, Feinde, [böse] Planeten und Dämonen [nur noch wenig oder gar nicht mehr] [?].
Durch feindseligen Zauber (abhicāra) entstandene Plagen [und] ausgesandte Kṛtyā-Dämonen entstehen niemals durch die Kraft von Vidyā und Yantra.
Für alle entsteht überall und stets nur Heil; auch die Könige [werden] rechtschaffen, [ihnen] geneigt, mit den [ihnen dienenden] sieben Reichsgliedern (saptāṅga) versehen.
Wer das auf Täfelchen oder Platte [gefertigte Yantra] im eigenen Haus verehrt, erlangt das Erwünschte - sei es durch das [große] Maṇḍala oder auch nur durch [einfache] Verehrung [?].
Vers 55 und 58 enthalten unsichere Wortstellen ('alpā', 'trāsataḥ'); Sinn im Kontext (Schutz vor Krankheit, Unglück, Feinden, Dämonen; Erfüllung von Wünschen durch häusliche Verehrung) ist jedoch klar.
Von diesen [sechs Göttinnen] will ich nun das Verweilen im Körper darlegen, das fürwahr alle Ziele verleiht: in den Lotusblüten der sechs Körperstützen (ṣaḍādhāra), inmitten der [Suṣumnā-Nāḍī] befindlich,
verweilen die Göttinnen der Lebewesen; durch Erkenntnis verehrt, verleihen sie Vollendung (siddhi). Auch außen, im [entsprechenden] Kreisdiagramm, [besteht] die Verehrung, die sowohl gnadenspendend (anugraha) als auch bezwingend (nigraha) wirkt.
An der 'Viśuddha' genannten [Stelle] in der Kehle, im rauchfarbenen, sechzehnblättrigen Lotus [mit den sechzehn Vokalen], [verehre man] Ḍākinī, o Göttin, deren Gestalt jener [Grunddeität] gleicht,
umgeben von den Kräften in Vokal-Gestalt; verehre man sie dort. Durch sie erlangt man ohne Zweifel die Vollendung der Allwissenheit.
Die in diesem Kapitel gegebene Zuordnung der sechs Ādhāra-Gottheiten zu den Körperzentren (hier: Viśuddha = Ḍākinī) weicht von der später kanonisch gewordenen Ṣaṭcakranirūpaṇa-Systematik (Pūrṇānanda, wo Mūlādhāra = Ḍākinī gilt) ab; siehe Kapitel-Anmerkung.
An der 'Anāhata' genannten [Stelle] im Herzen, im zinnoberrot-glühenden Lotus, [verehre man] Rākiṇī im zwölfblättrigen [Lotus], mit den Silben von ka bis ṭha samt den [dazugehörigen] Kräften, um Ruhm, Lebenskraft und Reichtum an Rindern zu erlangen; und an der 'Maṇipūraka' genannten [Stelle], im Nabel, im zehnblättrigen [Lotus],
saphirfarben, mit den Kräften der ṭa-Silbengruppe versehen, verehre man dort Lākinī, für das Aufkommen von Wohlstand, Sieg, Glanz und Glück.
An der Wurzel des 'Banners' [d.h. am Ansatz des Geschlechtsgliedes], um vor allem Unheil zu erretten und den erwünschten Erfolg zu erlangen, verehre man, umgeben von den Kräften der va-Silbengruppe, Kākinī [?].
[Dies geschieht] am 'Svādhiṣṭhāna' genannten, jung-sonnenfarbenen, sechsblättrigen [Lotus, sowie] am 'Ādhāra' (Mūlādhāra) genannten, goldfarbenen, vierblättrigen Lotus;
umgeben von den Kräften der va- bis śa/kṣa-Silbengruppe, verehre man [dort] Śākinī, [die] zwischen After und Geschlechtsglied, inmitten des Dreiecks, mit [feurigem] Glanz versehen [weilt];
und an der 'Ājñā' genannten [Stelle], zwischen den Augenbrauen, im zweiblättrigen [Lotus] von schöner Gestalt, verehre man ebenso Hākinī, bedient von den beiden Kräften ha und kṣa.
[Sie ist es, die] den Menschen zum Kenner aller Zeiten macht und ihm überall Einsicht in [seine] Gedanken verschafft; sie verleiht die Kraft zu Schöpfung, Erhaltung und Zerstörung des Alls, bis hin zur [endgültigen] Auflösung [?].
Durch Umkehrung der genannten Reihenfolge wird die 'Bezwingung' (nigraha) gelehrt, sei es innerlich oder äußerlich [vollzogen]; [diese] Verehrung vernichtet alles Leid gänzlich und verleiht Wohlstand.
Verse 63-69 ordnen die übrigen fünf Ādhāra-Gottheiten den Cakras zu: Rākiṇī-Anāhata (Herz), Lākinī-Maṇipūraka (Nabel), Kākinī-Svādhiṣṭhāna (Geschlechtswurzel; OCR-Name unsicher, siehe Kapitel-Anmerkung), Śākinī-Ādhāra (Mūlādhāra, zwischen After und Geschlechtsglied) und Hākinī-Ājñā (Augenbrauen); die Reihenfolge der Beschreibung verläuft damit von oben (Kehle) nach unten (Wurzel) und zuletzt zur Stirn - abweichend von der geläufigeren Ṣaṭcakranirūpaṇa-Systematik, aber im Sinne des in Vers 60 und 71 genannten Prinzips von anugraha (dieser Reihenfolge) und nigraha (deren Umkehrung) plausibel. Vers 66: der Göttinnenname ist in der OCR-Vorlage kaum lesbar; da die übrigen fünf Namen (Ḍākinī, Rākiṇī, Lākinī, Śākinī, Hākinī) bereits vergeben sind, muss es sich um Kākinī handeln, entsprechend ergänzt. Vers 70 stark verderbt, nur ungefährer Sinn erschließbar.
bhūmau vidhāya ṣaṭkoṇasaptakaṃ proktadikkrāmāt | madhye ca tatra tāṃ nityānityāṃ gandhādinārcayet ||72||
abhitas tatra ṣaṭkoṇe tat ṣaṭkaṃ tatkrameṇa yajet | bāhyeṣv api ca tāḥ prāgvat proktavarṇaiḥ samarcayet ||73||
tāsāṃ ṣaṇṇām api tathā ṣaṭsu koṇeṣu śaktayaḥ | ṣaḍviṃśatis tāḥ samadevyāḥ svarūpāyudhādibhiḥ ||74||
prāgvat sareṣu pañca syur apūrvāḥ kādimāntakāḥ | ataḥ paraṃ vyākhyeyāni ||75||
eṣām api ca cakrāṇāṃ śaktīnāṃ ca vilomataḥ | pūjā nigrahasaṃjñā syāt sā śatrūṇāṃ vipattaye ||76||
Nachdem man auf dem Boden sieben Sechsecke in der genannten Richtungsfolge angelegt hat, verehre man dort in der Mitte jene Nityānityā mit Duftstoffen und anderen [Opfergaben].
Ringsum, in jenem Sechseck, verehre man die sechs [Göttinnen Ḍākinī usw.] in ihrer [genannten] Reihenfolge; auch in den äußeren [Sechsecken] verehre man sie ebenso mit den ihnen zuvor genannten [zugehörigen] Buchstaben.
Von jenen sechs [Göttinnen] gibt es ebenso an den sechs Ecken [je sechs weitere] Kräfte - sechsundzwanzig [insgesamt] -, gleichrangige Göttinnen mit ihren jeweils eigenen Formen, Waffen und dergleichen.
Wie zuvor gibt es in den [betreffenden] Reihen fünf unwiederholte [Silben] von ka bis ma; das Weitere ist [im Folgenden vom Kommentator] darzulegen.
Auch von diesen Kreisen und Kräften gibt es eine Verehrung in umgekehrter Reihenfolge, die 'Bezwingung' (nigraha) genannt wird; sie [dient] zum Verderben der Feinde.
Vers 75 endet mit der Ankündigung 'das Weitere ist darzulegen'; der Kommentar liefert daraufhin einen eigens (unabhängig, 1-13) nummerierten technischen Vers-Abschnitt zur zeichnerischen Konstruktion dieses 'äußeren Gnaden-Kreises' (Quadrat mit Brahma-Sūtren, Aṅgula-Maßen usw.); da die fortlaufende Wurzeltext-Zählung unmittelbar danach von 75 auf 76 weiterspringt (ohne den Einschub mitzuzählen), wird dieser als Kommentar-Material behandelt und hier nicht übersetzt (siehe Kapitel-Anmerkung).
In den sechs Kreisen stelle man sechs Krüge auf, [aus dem Holz eines Feindbaumes gefertigt?] [?], gefüllt mit herbem [Kaṣāya-]Wasser, mit schwarzem Tuch umwickelt;
man verehre sie, indem man vom Blut des [zum Feind gehörenden Wesens] als Opfergabe darbringt; rasch seien sie mit dessen Haut u.a. gänzlich gefüllt, wie mit dem Leib des Feindes [?].
Nachdem man [dies] mit dem Blut aus dem [Tier-]Mund und mit dem aus dem Feind bereiteten Opferbrei (caru) dargebracht hat, vollziehe man das Feueropfer eben damit oder mit der Schlangenhaut selbst.
Man meditiere über die zornigen Göttinnen, sich auf die Lippe beißend, wie sie mit ihren eigenen Armen zuschlagen und den Leib jenes [Feindes] den Piśāca-Dämonen zum Zerreißen hinwerfen.
[Die Göttinnen,] deren Ohren im Glanz siegreicher Glieder erstrahlen, deren Getöse die Erde erschüttert [?] - so meditierend, vollziehe man die Bezwingung (nigraha), um die Feinde zu töten.
Dieser Abschnitt (Verse 77-81, Nigraha-Ritual mit sieben Krügen, Feind-Effigie und zornigen Göttinnen) ist stark zerstört; mehrere Einzelheiten (Materialien, genaue Handlung) bleiben mit [?] unsicher, der grausam-magische Grundcharakter des Bezwingungsrituals (Abhicāra) ist jedoch deutlich.
Und das für die Bezwingung genannte, furchterregende, vajraförmige Kreisdiagramm fertige man auf Bronze oder auch Kupfer an und stelle es im Land des Feindes auf.
Durch Ziehen von zehn Linien in Ost-West- und Nord-Süd-Richtung entstehen einundachtzig Felder; an den vier Ecken davon [ergänze man weitere Felder]:
an jeder [Ecke] male man zehn [weitere] Felder zu einem übrigen Vajra-Umriss; in den vier [Ecken] gestalte man Diagonalfelder aus je vier Feldern.
In deren mittleres Feld schreibe man den Namen des zu Bezwingenden. In den übrigen [Feldern], vom mittleren unteren Feld ausgehend, [schreibe man] die in umgekehrter Reihenfolge entstandenen [Silben],
die sechsundzwanzig Silbengruppen (kūṭa) der Vidyā, im Uhrzeigersinn geschrieben, mit einer aus dem Blut des Geschlechts des zu Bezwingenden gemachten Paste bestrichen -
man stelle es zur genannten Zeit im Haus des Feindes, an einem [dem Zorn geweihten] Ort [?], auf dem Leichenacker oder im Tempel der Caṇḍikā auf; es bewirkt Aufschwung für die eigene Sippe [des Ausführenden].
So ist die 'Bezwingung' (nigraha) dargelegt, die alle Feinde zermalmt. Nun will ich die 'Gnadenspendung' (anugraha) darlegen, durch die Vorschrift des Verehrungskreises, o Weiser.
Verse 82-87 beschreiben ein eigenes Nigraha-Yantra (Vajra-Form aus 81 Grundfeldern plus vier Eck-Ergänzungen), das mit dem Blut des zu Bezwingenden beschrieben und an unheilvollen Orten (Feindeshaus, Leichenacker, Caṇḍikā-Tempel) aufgestellt wird; einzelne Orts- und Materialangaben bleiben unsicher [?].
devīm antaḥ proktarūpāṃ tu dhyātvā cakre pūjayet | naivedyam āsāṃ sampoktaṃ yad āsāṃ prītidāyakam ||89||
pāyasānnaṃ guḍānnaṃ ca mudgabhinnānnakaṃ tathā | haridrānnaṃ tilānnaṃ ca śuddhānnaṃ ṣaṭkam eva ca ||90||
cakreṣu saptasu tathā tadvargāś cāruvigrahāḥ | yuvatīḥ sapta saṃsthāpya prāgvad abhyarcya tāḥ kramāt ||91||
bhūṣaṇāmbaragandhādyair bhojanādyais tu toṣayet | tāsu tuṣṭāsu tuṣṭāḥ syuḥ śaktayas tāḥ samās tadā ||92||
prāguktavajraṃ tatra sādhyākhyaṃ tathālikhya anulomajān | kūṭān uktasamārabdhān prādakṣiṇyena tu likhet ||93||
prokteṣu proktarūpeṇa sthāpayet proktabhūmiṣu | proktāny eva phalāni syur yogo 'yaṃ laghuvigrahaḥ ||94||
Nachdem man die Göttin in der genannten Gestalt im Inneren meditiert hat, verehre man [sie] im Kreisdiagramm; die Speiseopfergabe (naivedya) für sie sei so beschaffen, wie es ihnen Freude bereitet:
Milchreis, mit Zucker gesüßter Reis, mit Mungbohnen vermengter Reis, mit Kurkuma [gefärbter] Reis, Sesam-Reis und reiner [weißer] Reis - diese sechs [Speisen] -
in den sieben Kreisen ebenso; nachdem man sieben junge Frauen von schöner Gestalt, den betreffenden Gruppen entsprechend, aufgestellt hat, verehre man sie der Reihe nach wie zuvor,
erfreue man sie mit Schmuck, Kleidung, Duftstoffen und Speisen. Sind diese [Frauen] zufrieden, dann sind auch jene [ihnen] gleichenden Kräfte (śakti) zufrieden.
In das zuvor genannte Vajra[-Diagramm] schreibe man ebenso den Namen des zu Erlangenden (sādhya); die in vorwärtslaufender (anuloma) Ordnung entstandenen, an der genannten Stelle beginnenden Silbengruppen (kūṭa) schreibe man im Uhrzeigersinn.
An den genannten [Orten], in genannter Weise, stelle man [es] an den genannten Stätten auf; die genannten Früchte allein ergeben sich [dann]. Dies ist die 'kleine Form' des Verfahrens (laghuvigraha).
Dieser Abschnitt (Verse 89-94) beschreibt das positive Gegenstück zum Nigraha-Ritual: ein Anugraha-Ritual mit sechs Speiseopfergaben, sieben verehrten jungen Frauen (als lebende Trägerinnen der Kräfte) und einer 'kleinen', vereinfachten Form (laghuvigraha) desselben Vajra-Yantras, diesmal mit dem Namen des Erwünschten (sādhya) statt eines Feindes beschriftet.
Mit den Anfangs- und Endsilben, wie zuvor, verbunden mit den [betreffenden] Kräften, [entstehen], von den zwei Bīja-Silben ausgehend, [Formeln] mit sieben bis fünfzehn Silben [?].
Die fünfzig 'Fünfglied'-Kräfte (pañcāṅga-śakti) sind, zusammen mit ihren Hütern (pālaka), zu verehren; entsprechend der Verbindung von Tagen und Zeiteinheiten (ghaṭikā) [ergeben sich] auch fünfzig Paare (mithuna).
Deren zwei Bīja-Silben, in Gruppenform, verbunden mit dem [Ortssuffix] [?], und verbunden mit der siebensilbigen [Grundformel ergeben] fünfzehnsilbige Mantras.
In der Mitte eines vierundsechzig-feldrigen Quadrat-Diagramms schreibe man mit der 'Tages-Vidyā' den erwünschten [Namen] auf und [trage] darin jene Paare (mithuna) ein,
der Reihenfolge der Zeiteinheiten (ghaṭikā) entsprechend; man verehre beginnend bei Mond, Sonne und den übrigen [Planeten]. So erlangt man, nachdem man dieses Kreisdiagramm vollzogen hat, mit Sicherheit das ersehnte [Ziel].
Dieser Abschnitt (Verse 95-99) beschreibt ein System von fünfzig 'Fünfglied-Paar'-Mantras (pañcāṅga-mithuna), die nach Tagen und Zeiteinheiten (ghaṭikā) den Planeten zugeordnet und in einem 64-Felder-Quadrat (8×8) eingetragen werden; mehrere technische Einzelheiten der Silbenbildung (Vers 95, 97) bleiben unsicher und sind mit [?] markiert.
Indem man jene [Paare] täglich in jenem Kreisdiagramm herbeiruft und verehrt, erlangt man stets und für immer alles Erwünschte.
Als 'die vom Wesen des Prāṇa erfüllte Alldurchdringung' ist so [dieses leitende Prinzip] recht dargelegt worden; durch deren bloßes Aufklingen im Herzen wird eben jenes Wesen (tattva) dem eigenen Selbst einverleibt.
So endet, im ehrwürdigen Ṣoḍaśanityā-Tantra, genannt Kādimata, das sechzehnte Kapitel.
Vers 101 (OCR-Zahl fälschlich '102', nach der Zählung 1-101 korrigiert) ist die für dieses Werk formelhafte Schlusswendung, die auch die Kapitel 12 und 15 beschließt (vgl. ch12.json und ch15.json V.101: dort 'vācāṃ tattvamayī vyāptiḥ', auf das jeweilige Kapitel-Leitprinzip bezogen); das erste Wort ('prāṇatattvamayī') ist im OCR-Vorlage stark entstellt und wurde in Anlehnung an das Thema dieses Kapitels (prāṇa, kuṇḍalinī, tejas in den ṣaḍādhāra-Versen 59-71) rekonstruiert; mit [?] markiert. Der kurze Wurzeltext-Kolophon ('ṣoḍaśaḥ paṭalaḥ', 16. Kapitel) ist im OCR klar lesbar und bestätigt den korrekten Kapitelabschluss; der anschließende lange Kommentar-Kolophon (Kommentatorenname, Verszahl-Notiz) wurde, wie im Auftrag vorgesehen, nicht übersetzt (zudem in der Quelle offenbar irrtümlich mit dem Kolophon des 15. Kapitels dupliziert, siehe Kapitel-Anmerkung).