Paṭala 11: iti śrī-ṣoḍaśanityā-tantreṣu śrī-kādimatākhyasya paripūrṇasya tantrasya ekādaśaḥ paṭalaḥ (Wurzeltext-Kolophon; kein separater Kommentar-Kolophon im zugewiesenen Zeichenbereich enthalten)
11. Kapitel: Die Vidyā der Vahnivāsinī-Nityā — ihre Verehrung, Initiation und ihre sechzehn Yantras
Quelle: Tantrarāja-tantra mit dem Kommentar Manoramā des Subhagānandanātha, hrsg. Sadāśiva Miśra, Tantrik Texts Vol. 8 (Calcutta 1918), archive.org (tantrarajatantra01mishuoft), OCR als window.TT1, gelesener Zeichenbereich ca. 369792-386600 (Kapitelanfang exakt bei 369792, unmittelbar nach dem Kommentar-Kolophon von Paṭala 10; Kapitelende exakt bei 386482, wie im Auftrag vorgegeben und durch das dort stehende Wurzel-Kolophon 'ekādaśapaṭalaṃ paripūrṇam' samt Kapitelziffer 11 verifiziert). Übersetzt wurde nur der Wurzeltext (101 Verse plus ein abschließender, unnummerierter Halbvers), nicht der umfangreiche Sanskrit-Kommentar (Manoramā); dieser wurde ausschließlich zur Klärung einzelner OCR-Lesungen des Wurzeltexts herangezogen, jeweils mit wörtlichem Zitat in den notes vermerkt. Die OCR-Qualität dieser Ausgabe ist, wie im Auftrag angekündigt, sehr schlecht: zahlreiche Zeichenverwechslungen (v.a. bei Ziffern sowie ṣ/g/ḍ, ṛ/u/e), zerrissene und verschmolzene Wörter, gelegentliche Lateinschrift-Fragmente. Mehrere Versnummern waren in der OCR eindeutig fehlerhaft (Ziffernverwechslungen, insbesondere 4/6/9 und 2/3); sie wurden anhand der fortlaufenden Zählung 1-101 sowie, wo vorhanden, eindeutiger Kommentar-Rückverweise korrigiert (im Einzelnen in den jeweiligen unit-notes dokumentiert: v.32, v.34, v.74, v.79, v.89). Inhaltlich behandelt das Kapitel die sechste der sechzehn Nityā-Göttinnen der Śrīvidyā-Tradition, Vahnivāsinī, und ihre neunsilbige Vidyā: zunächst deren Gliederung, Buchstaben-Einsetzung (nyāsa) und Meditationsgestalt (dhyāna) samt umgebender Śakti-Schar und Tierkreis-Cakra (V.1-23); danach allgemeine Verehrungsregeln und ein Wunsch-Feueropfer (kāmya-homa) für Mahālakṣmī sowie ein Gelübde (vrata) zur Verehrung aller fünfzehn Nityās nacheinander an den Mondtagen des hellen Monatsviertels (V.24-38); es folgt ein Lehrdialog über das Verfahren der Mantra-Initiation (vidyā-prāpti) mit ausführlicher Beschreibung des Einweihungsrituals durch den Guru (V.39-56) sowie über den Unterschied zwischen 'vidyā' (weiblich adressiertem) und 'mantra' (männlich adressiertem Mantra) (V.57-64). Den größten Teil des Kapitels (V.65-101) nimmt die Beschreibung eines Grundschemas zur Konstruktion von sechzehn Yantras samt ihrer jeweiligen magischen Anwendungen ein: neben schützenden, heilenden und fruchtbarkeitsfördernden Yantras (u.a. gegen Krankheit, Bhūta-/Graha-Befall, Kinderlosigkeit) finden sich auch ausdrücklich aggressive, gegen Feinde gerichtete Anwendungen (Krankheits- und Todeszauber, uccāṭana/vaśīkaraṇa u.ä.); diese wurden, dem Auftrag entsprechend, sachlich und ohne Beschönigung wiedergegeben. Der für diese Ausgabe sonst übliche zweite, den Kommentator nennende Kolophon liegt außerhalb des mir zugewiesenen Zeichenbereichs (Grenze exakt bei 386482) und wurde daher nicht gelesen; das Kapitel endet hier mit dem kürzeren Wurzeltext-Kolophon.
atha ṣoḍaśanityāsu yā ṣaṣṭhī samudīritā | sā vidyā vahnivāsinyāḥ kathitā te navākṣarā ||1||
tad-aṅgāni lipi-nyāsaṃ dhyānaṃ śaktibhir arcanam | tat-sādhana-vidhiṃ tasyāḥ prayogān vidhānapi ||2||
homa-yantra-vibhedaiś ca kathayāmi sphuṭaṃ priye | vidyā-dvitīya-bījena svarān dīrghān niyojayet ||3||
māyāntān ṣaḍbhir evāṅgāny ācaret svakarāṅgayoḥ | navākṣarāṇi vidyāyai navarandhreṣu vinyaset ||4||
vyāpakaṃ ca samastena kuryād deva-ātma-siddhaye [?] | sarvāpi ca vidyāsu vyāpakaṃ tat samācaret ||5||
tena tat-tanmayo bhūyāt sādhakas tena siddhayaḥ | tasyācireṇa devānāṃ prasādāt sambhavanti ca ||6||
[Śiva spricht zu Devī:] Nun, [von der Göttin], die unter den sechzehn Nityās als sechste genannt wird, wird dir die Vidyā der Vahnivāsinī verkündet, jene neunsilbige.
Ihre Glieder (aṅga), die Buchstaben-Einsetzung (nyāsa), die Meditationsgestalt (dhyāna), die Verehrung zusammen mit ihren Śaktis, das Verfahren ihrer rituellen Erwirkung (sādhana) sowie die Anwendungen und weiteren Vorschriften,
zusammen mit den Arten des Feueropfers (homa) und der Yantras will ich dir deutlich verkünden, Geliebte. Mit dem zweiten Bīja der Vidyā soll man die langen Vokale verbinden.
Mit den sechs [Silben], die auf das Māyā-[Bīja, „hrīṃ“] enden, vollziehe man die Glieder-[Einsetzung] an den eigenen Händen und Gliedern; die neun Silben der Vidyā setze man in die neun Körperöffnungen (navarandhra) ein.
Und die alldurchdringende [Einsetzung] (vyāpaka) vollziehe man mit dem gesamten [Mantra], zur Erlangung der Wesenseinheit mit der Gottheit; und ebenso vollziehe man diese alldurchdringende [Einsetzung] bei allen [anderen] Vidyās.
Dadurch werde der Übende mit jener [Gottheit] wesensgleich; dadurch stellen sich für ihn, rasch, durch die Gnade der Götter, die Erfolge (siddhi) ein.
Quelle: Tantrarāja-tantra mit Manoramā-Kommentar, OCR-Bereich ca. Zeichen 369792-371500. Kapitelanfang (Überschrift „ekādaśapaṭalam“) bei ca. 369792, unmittelbar nach dem Wurzel-Kolophon von Paṭala 10 ('...daśamaṃ paṭalam'). Vers 5: OCR sehr unsicher (Lesung etwa 'vyātmasiḍaye'); als 'devātmasiddhaye' (~'zur Erlangung der Wesenseinheit mit der Gottheit“) rekonstruiert in Analogie zu v.41/51, [?] markiert. Der Kommentar paraphrasiert diese sechs Verse nur knapp und verweist auf das vorangehende Kapitel (5. Nityā Bheruṇḍā) und die hier neu gelehrte 6. Nityā Vahnivāsinī, mit dem navākṣara-Mantra.
mātṛkāyāḥ ṣaḍaṅgaṃ ca mātṛkā-nyāsam eva ca | sarvāsāṃ prathamaṃ kṛtvā paścāt tad-uditaṃ nyaset ||7||
lalitāyās tu vargaṃ tat proktam aṣṭābhir eva ca | tena tasyās tu lipiśo nyāsaś caiva samīritam ||8||
tapta-kāñcana-saṃkāśāṃ nava-yauvana-sundarīm | cāru-smita-mukhāmbhojāṃ viśāla-nayana-trayām ||9||
aṣṭābhir bāhubhir yuktāṃ māṇikyābharaṇojjvalām | padmarāga-kirīṭāṃśu-saṃbhṛtāruṇitāmbarām ||10||
pīta-kauśeya-vasanāṃ ratna-mañjīra-mekhalām | ratna-mauktika-saṃbhinna-stavakābharaṇojjvalām ||11||
raktābjaṃ kambu-puṇḍraṃ ca cāpaṃ pūrṇendu-maṇḍalām [?] | dadhānāṃ bāhubhir vahniṃ kuṇḍikāṃ hutabhuk-sruvam [?] ||12||
puṣpaṃ ca mātuliṅgaṃ ca dadhānāṃ śaktibhiḥ karaiḥ | sva-samānābhir abhitaḥ śaktibhiḥ parivāritām ||13||
evaṃ dhyātvārcayed vahnivāsinīṃ viśva-vigrahām | jvālinī visphuliṅginyau maṅgalā sumanoharā ||14||
Die sechsgliedrige [Einsetzung] der Mātṛkā (der Buchstabenreihe als Göttin) und ebenso die Mātṛkā-Einsetzung (nyāsa) vollziehe man zuerst für alle [Nityās]; danach setze man das, was [für diese] eigens genannt ist, ein.
Die [Buchstaben-]Gruppe der Lalitā jedoch ist mit eben jenen acht [Versen zuvor] gelehrt; dadurch ist auch ihre buchstabenweise Einsetzung [implizit] mitgeteilt. (Der Kommentar verweist hier ausdrücklich auf das später/anderswo gelehrte Mātṛkā-ṣaḍaṅga für Lalitā, das nicht wiederholt wird.)
[Ihre Meditationsgestalt:] Sie gleicht geschmolzenem Gold, ist schön in frischer Jugend, ihr lotusgleiches Gesicht von einem anmutigen Lächeln erhellt, mit drei weiten Augen,
mit acht Armen versehen, strahlend von Rubinschmuck, ihr Gewand gerötet vom Schein ihrer aus Padmarāga (Rubin) gefertigten Krone,
in gelbseidenes Gewand gekleidet, mit einem Gürtel aus juwelenbesetzten Fußglöckchen, strahlend von Schmuckbüscheln aus Edelsteinen und Perlen,
[in ihren Händen] eine rote Lotusblüte, ein Muschelhorn und ein tilaka-Zeichen(?), einen Bogen [gleich] der Scheibe des Vollmondes, und mit [weiteren] Armen Feuer, ein Wassergefäß und einen Opferlöffel(?) haltend [Lesung hier stark unsicher],
eine Blüte und eine Zitrusfrucht (mātuliṅga) haltend, mit den Händen ihrer Śaktis, ringsum von Śaktis umgeben, die ihr selbst gleichen.
So meditierend, verehre man Vahnivāsinī, deren Gestalt das Weltall ist. [Ihre Śakti-Schar, mit deren Aufzählung der nächste Vers beginnt:] Jvālinī, Visphuliṅginī, Maṅgalā, Sumanoharā, ...
Vers 8: Kommentar erklärt ausdrücklich, dass das sechsgliedrige Mātṛkā-nyāsa für Lalitā im (anderswo behandelten) Kulasundarī-Kapitel gelehrt sei und hier nicht wiederholt wird – daher bleibt der Wurzeltext an dieser Stelle knapp und teils dunkel; wörtlich zur Klärung herangezogen: „mātṛkā-nyāsaṃ tat-ṣaḍaṅga-nyāsaṃ ca pañcadaśe kulasundarī-paṭale vakṣyamāṇatvād iha na vyākaromi“. Vers 12 ist in der OCR extrem entstellt (Lesung etwa 'raktāja-kambu-puḍaṃ ... dadhānāṃ bāhubhir vahniḥ kaddhāraṃ hutagaṅgakam'); die Attribute (Lotus, Muschelhorn, Bogen, Feuer, Gefäß) sind nur bruchstückhaft rekonstruierbar, mehrere Wörter mit [?] versehen, da eine sichere Lesung nicht möglich war. Vers 14 leitet die (in 11.3 fortgesetzte) Aufzählung der umgebenden Śaktis ein; die Namen selbst folgen erst am Versende ohne eigene Zählung (śloka-Halbvers als Namensliste).
kanakāṅkitā vahnijvālā vividhā ceti śaktayaḥ [?] | aṣṭa-koṇeṣu saṃpūjyās tad-agrād ārabhya tat-kramāt [?] ||15||
daleṣu dvādaśa tv etā rāśi-śaktīḥ samarcayet | meṣāhvayāṃ śaktiṃ mithunāṃ karkaṭīm api ||16||
siṃhāṃ kanyāṃ tulāṃ [vṛścikāṃ?] cāpāṃ ca makarām api | kumbhāṃ mīnāṃ yajet prāgvad agrād ārabhya śāṅkari ||17||
caturasre tu dvāreṣu pārśvayoḥ koṇa-dikṣu ca | anyayoś ca diśoḥ śaktīḥ proktā daśa samarcayet ||18||
māyā-saptākṣarī-madhye gatair nāmabhir īritāḥ | ghasmarā sarvabhakṣā ca viśvāsā vividhodbhavā ||19||
citrarūpā niḥsampannā [?] nirātaṅkā ca pāvanī | acintya-vaibhavā raktā daśamī parikīrtitā ||20||
balidevīti samproktā kurukullādi-vidyayā | yatra noktā devatā tu balikarmaṇi tāṃ tanute [?] ||21||
saptākṣaryā samopetāṃ vidadhyād balidevatām | hṛt-tri-yoniṃ nava-yoniṃ tu kṛtvā tad-bahir ambujam ||22||
dvādaśārka-saṃyuktaṃ vidadhyād vṛtta-yugmakam | tad-bahiś caturasraṃ tu dvāra-catuṣṭaya-samanvitam [?] ||23||
[Die Aufzählung der Vahnivāsinī umgebenden Śaktis, Fortsetzung:] Kanakāṅkitā, Vahnijvālā und die „Mannigfaltige“ (Vividhā) – so [heißen] die Śaktis; sie sind in den acht Ecken [des Yantras] zu verehren, beginnend vor ihr (der Hauptgottheit), der Reihe nach.
In den zwölf [äußeren] Blütenblättern verehre man die Tierkreis-Śaktis: die Śakti mit Namen Meṣā (Widder), Mithunā (Zwilling), auch Karkaṭī (Krebs),
Siṃhā (Löwe), Kanyā (Jungfrau), Tulā (Waage), [vermutlich Vṛścikā (Skorpion), in der OCR nicht mehr lesbar], Cāpā (Schütze) und auch Makarā (Steinbock), Kumbhā (Wassermann), Mīnā (Fische) – man verehre sie wie zuvor, beginnend vor [der Hauptgottheit], o Śāṅkarī!
Im Quadrat aber, an den Toren, zu deren Seiten, in den Eckrichtungen und in den zwei weiteren Richtungen, verehre man die genannten zehn Śaktis.
[Ihre Namen,] die innerhalb des siebensilbigen Māyā-[Mantras] enthalten sind: Ghasmarā, Sarvabhakṣā, Viśvāsā, Vividhodbhavā,
Citrarūpā, Niḥsampannā(?), Nirātaṅkā und Pāvanī, Acintyavaibhavā [und] Raktā – als die zehnte wird [diese Reihe] verkündet.
[Diese Raktā] wird, gemäß der Vidyā der Kurukullā u.ä., auch „Balidevī“ (Opfergabengöttin) genannt; wo [sonst bei einem Ritus] keine [eigene] Gottheit genannt ist, wendet man beim Opfergaben-Ritus (bali-karma) eben sie an.
Vereint mit dem siebensilbigen [Mantra] richte man die Bali-Gottheit ein: Im Herz[-zentrum] mache man ein Dreieck-yoni als Neun-yoni-[Figur], außerhalb davon eine Lotusblüte,
verbunden mit zwölf [Blättern, den] Sonnen(-strahlen)[?], mache man ein Paar Kreise; außerhalb davon ein Quadrat, versehen mit vier Toren.
Vers 15: OCR stark verderbt, Namen der drei Ecken-Śaktis nur bruchstückhaft rekonstruierbar. Vers 17: in der Aufzählung der zwölf Tierkreiszeichen fehlt zwischen Tulā (Waage) und Cāpā (Schütze) der Name für Vṛścikā (Skorpion); die OCR-Stelle (Lesung etwa 'tulāṃ kauṭāṃ') ist unlesbar bzw. wohl fehlerhaft für 'tulāṃ vṛścikāṃ' – als Quellenlücke/OCR-Fehler vermerkt, nicht rekonstruiert. Vers 20: „niḥsampannā“ unsicher (evtl. Verlesung für einen anderen Śakti-Namen). Vers 21 f.: Bezug der Balidevī auf Kurukullā (eine im Kaula-/Śākta-Kontext bekannte Göttin) laut Wurzeltext selbst, nicht aus dem Kommentar entnommen. Vers 23: „dvāra-catuṣṭaya“ (vier Tore) ist Ergänzung für die in der OCR nur als „dvāra-dvaya“ (zwei Tore) lesbare, metrisch wie sachlich unwahrscheinliche Stelle (ein bhūpura hat regulär vier Tore); mit [?] markiert.
Am östlichen und westlichen Tor verehre man dort die Göttin ebenso [wie im Zentrum]; wo [Vorschriften] nicht genannt sind, bereite man mit den [Mantras der sechs] Glieder und dem Wurzelmantra das Arghya (Opferwasser).
Wenn beim Feueropfer-Ritus die Opfersubstanz nicht genannt ist, [nehme man] Ghee, Speise u.dgl.; wenn die Zahl [der Opferungen] nicht genannt ist, sei sie tausend oder hundert, wie es die [allgemeine Regel des] Tantra vorschreibt.
Auch der Abschluss der Verehrung, wenn nicht [eigens] genannt, ist [so], wie zuvor dargelegt; das [betrifft] die Erwirkung (sādhana) der Vidyā – dies am Ende dieses [Abschnitts], o höchste Herrin!
Da [diese Vidyā] nicht auf andere Mantras angewiesen ist, wird hier keine Sonderregel genannt. [Nun] will ich das Verfahren des Wunsch-Feueropfers (kāmya-homa) verkünden – höre, es gewährt das Erwünschte.
Man nehme Reiskörner, ein prastha[-Maß], und lege sie in ein neues Gefäß; [dazu] Milchreis(-brei) von [der Milch] einer rötlichen Kuh mit gleichfarbigem Kalb [Lesung unsicher],
lege doppelt so viel [Reis?] hinein und koche es auf geweihtem Feuer; nachdem man die mit Ghee beträufelten Reiskörner verdichtet(?) mit den Händen [geformt hat],
opfere man, nachdem man [die Masse] niedergelegt hat, mit der Vidyā hundertundacht [Oblationen] und [fahre] dann [fort]; so ist das Feueropfer für Mahālakṣmī zu vollziehen, beginnend mit der ersten Mondtag (pratipad).
Auch an Freitagen [ebenso vollzogen], ein Jahr lang, wird man einem König gleich; am fünften Mondtag (pañcamī) aber vollziehe man das Feueropfer besonders, wie zuvor [beschrieben].
Vers 26 f.: knappe, kommentarhafte Übergangsverse (Abschluss des allgemeinen Verehrungsteils, Übergang zum Wunsch-Feueropfer); mehrere Wortformen in der OCR unsicher, Sinn aber im Kern klar. Verse 28-30 (Rezept des Opferbreis für den kāmya-homa an Mahālakṣmī) sind in der OCR sehr stark verderbt (Zahlwörter, Materialangaben teils unleserlich); Übersetzung entsprechend vorsichtig mit [?] versehen, Grundsinn (Opferbrei aus Reis, Milch(-produkten) und Ghee, tausend-/108-fache Rezitation) aber gesichert.
tasyāṃ tithau vi-madhu-vrata-mālikādiḥ sitaiḥ [?] | annājyābhyāṃ tu niyataṃ kṛtvā nādyo bhaven naraḥ [?] ||32||
yad yad dhi vāñchitaṃ vastu tāni sarvāṇi sarvadā | kṛta-homād avāpnoti tathaiva tila-taṇḍulaiḥ ||33||
pañcamīṣu viśeṣeṇa pūjāṃ kuryād vrato bhavet | pratipat-tithim ārabhya pañcadaśy-antam asti ke [?] ||34||
kāmeśvaryādi-cihnāntā devyas tv ekaika-vigrahāḥ [?] | yatas tena sva-tithau tāḥ tāḥ pūjyā ity-ādibhiḥ ||35||
prayuñjīta vrata-saṅkalpa-sameto bhakti-saṃyutaḥ | tenāyuḥ-śrī-dhanārogya-vidyā-kīrti-samanvitaḥ ||36||
jīved varṣa-śataṃ bhūmau sva-kulyāgrāṃś ca tad-balāt [?] | yat-tithau yā samākhyātā sutāṃs tam avāpnuyāt [?] ||37||
vidyā-vidhi-vad devatāḥ proktāḥ pañcadaśāpi ca | samprāpya japa-homārcā-yoga-tarpaṇa-secanaiḥ [?] ||38||
An diesem [ihrem eigenen] Mondtag [opfere man] mit Honig(?), Girlanden u.dgl. aus weißen [Blüten] [Lesung sehr unsicher]; mit Speise und Ghee in gebührender Weise dargebracht, wird der Mann nicht [weiter leiden/verarmen(?)].
Was immer für ein Ding man sich wünscht – all das erlangt man jederzeit durch das vollzogene Feueropfer, ebenso mit Sesam und Reiskörnern.
An den [monatlichen] fünften Mondtagen vollziehe man die Verehrung besonders [und] werde zum Gelübde-Halter (vrata), beginnend mit dem ersten Mondtag (pratipad) bis einschließlich zum fünfzehnten (Vollmond).
Die Göttinnen, von Kāmeśvarī angefangen bis zur letzten [der Reihe], haben je eine einzelne Erscheinungsform; da dem so ist, sind sie, jede an ihrem eigenen Mondtag, mit diesen [genannten Riten] und weiterem zu verehren.
Man vollziehe [dies], versehen mit dem Gelübde-Entschluss (vrata-saṅkalpa) und von Hingabe erfüllt; dadurch wird man mit langem Leben, Glanz, Reichtum, Gesundheit, Wissen und Ruhm ausgestattet.
Man lebt hundert Jahre auf Erden und [rettet(?)] durch jene Kraft auch die Vordersten der eigenen Sippe; an welchem Mondtag welche [Göttin] genannt ist, [durch deren Verehrung] erlangt man Söhne.
Nachdem man die fünfzehn Gottheiten, wie nach der Vidyā-Vorschrift gelehrt, erreicht/verehrt hat, mittels Rezitation, Feueropfer, Bildverehrung, [ritueller] Vereinigung, Libation und Besprengung ...
Verse 32-38 behandeln – als Fortsetzung des kāmya-Abschnitts – ein Gelübde (vrata) für die fünfzehn Nityā-Gottheiten (nach dem Vorbild Lalitās, vgl. v.57), je eine pro Mondtag der hellen Monatshälfte (pratipad bis pañcadaśī/Vollmond). Vers 32 ist in der OCR so stark entstellt, dass nur der ungefähre Rahmen (Opfergaben an einem bestimmten Tithi) erschlossen werden konnte; mehrere Wörter mit [?] markiert. Die OCR zeigt am Versende die Ziffernfolge 322 statt 32 (Doppelung/Fehllesung einer Ziffer); nach der fortlaufenden Zählung (voriger Vers endet mit der Nummer 31, folgender Vers mit 33) korrigiert zu 32. Vers 34: die OCR zeigt am Versende 24 statt 34 (die Ziffer 3 als 2 verlesen, häufige Verwechslung in dieser Schrift); nach der Zählung (Nachbarverse 33 und 35) zu 34 korrigiert. Das Versende selbst ('asti ke') bleibt unklar/vermutlich verderbt. Vers 37: „sva-kulyāgrān“ (etwa: die Vordersten/Besten der eigenen Sippe) und das Verb dazu sind unsicher rekonstruiert.
[Devī fragt weiter:] Nachdem man, mittels der Vidyā, das Gottheit-Selbst verehrt hat, vollziehe man alles [Weitere]. Das Verfahren der Vidyā-Erlangung [durch den Schüler], o Gott, verkünde mir nun recht!
[Śiva antwortet:] Wodurch diese besten Übenden (sādhaka) diese fünfzehn [Vidyās erlangen] – das Geheime, das heilvolle Verfahren der Vidyā-Erlangung will ich dir, Göttin, verkünden.
[Es ist jenes,] wodurch man durch die Vereinigung (aikya-yoga) von Vidyā und Gottheit die Vollendung (siddhi) erlangt: die Gestalt der Einheit von jenem [Bewusstseins-]Zustand und der Māyā, deren Wesen Wonne (ānanda) ist,
welche zu erlangen noch heute viele Weise sich mühen, o Ambikā! Mit duftendem Sandel oder Safran, mit heilsamem Zinnober und rotem Ocker
male man ein achtblättriges Cakra mit klaren, wohlgestalteten Linien; [und zwar] das Cakra, das für [jede der fünfzehn Göttinnen] in der Ordnung ihres regelmäßigen Verehrungsrituals genannt ist.
Dort stelle man einen [geweihten] Wasserkrug auf, verehre die Gottheiten im Wasser darin, versehen mit dem gelehrten Verfahren, an einem Festtag, begleitet von Gesang und Instrumentalmusik [Lesung unsicher];
nachdem man ein Fest veranstaltet hat, verehre man sie am folgenden Tag ebenso wie zuvor; an jenem [selben] Mondtag [stelle man] den Schüler, nach Osten gewandt, [nachdem er] das vorgeschriebene rituelle Bad [genommen hat],
[vor sie hin, und] der so beschaffene Guru besprenge ihn mit dem Wasser des Kruges. Jenes Wasser, im Osten, Norden oder in der Mitte [aufgestellt bzw. verwendet], gewährt alle Erfolge;
in den anderen [Richtungen] erlangt man der Reihe nach ganz gewiss Unheilvolles: Feuersnot, Verletzung, Krankheit, Armut [oder gar] den Verlust des Leibes (Tod);
der Reihe nach, von der Richtung Indras (Osten) bis zu der Vāyus (Nordwesten), sind dies die [entsprechenden] Folgen. Danach lege er zwei reine, heilvolle Gewänder an.
Dieser Abschnitt (39-56) beschreibt das Initiationsritual (vidyā-prāpti), durch das ein Schüler die Vidyā einer der fünfzehn Nityā-Göttinnen vom Guru empfängt. Zahlreiche Einzelheiten (Musikbegleitung, genaue Bad-Vorschrift, Aufstellungsort des Kruges) sind durch OCR-Schäden nur ungefähr erschließbar und mit [?] markiert. Vers 46-48 (Wirkung des Weihwassers je nach Himmelsrichtung) folgt offenbar einem Schema der acht Windrichtungen (beginnend mit Indra/Osten), von dem nur ein Teil der Einzelfolgen lesbar erhalten ist.
Nachdem [der Schüler] sich, mit seinen eigenen [Mantras] oder mit allen zuvor genannten, das rituelle Wasserspülen (ācamana) [vollzogen hat], den Herrn (den Guru) an dessen Füßen mit Blumen verehrt und ihn dreimal(?) preisend besungen hat,
sich verneigt und sich erhoben hat, stehe er vorn mit gefalteten Händen; dann nehme der Guru ihn, führe ihn in die Mitte des Cakras
und, im Geiste die Einheit des [Schüler-]Selbst mit dem Gottheit-Selbst hervorbringend, [rufe er] nach dem gelehrten Verfahren jene Göttin, deren Gestalt die Vidyā ist, [gleich] einem großen [Wonne-]See(?) [herbei],
[und] nachdem er sie herbeigerufen hat, [sie] der Reihe nach an den Stellen [des Schülerkörpers], beginnend beim Scheitel, eingerichtet, in der gelehrten Form meditiert und verehrt hat, spreche er das Mantra.
Die Lebenskraft (jīva-kalā) trete [in den Schüler] ein, während [der Guru], mit der Gottheit identifiziert, gesammelt ist; dann rezitiere er, selbst mit jener [Gottheit] geeint, jene Vidyā hundertmal [für den Schüler].
Wiederum, auf dessen (des Gurus) Geheiß, erhebe sich [der Schüler], verehre ihn mit Blumen unter Lobpreis, verneige sich sodann vor Virūpākṣa (Śiva) und preise ihn mit gefalteten Händen;
nachdem [der Guru] ihm das anfängliche Verfahren und die [tägliche] Übung dargelegt hat [mit den Worten] „so verehre recht“, unterweise ihn der Lehrer (deśika); von jenem Tag an [tue] auch er (der Schüler) dies.
Täglich, durch Rezitation und Verehrung, verehre er die heilvolle [Göttin] und ebenso den Guru. So ist das Verfahren [der Initiation] für [jede] der fünfzehn Nityās dargelegt.
Fortsetzung des Initiationsrituals. Vers 51: „mahā-hradām“ (etwa: einem großen [Wasser-]Becken/See gleichend, als Bild der Vidyā) ist unsicher gelesen und könnte auch ein Beiwort anderer Bedeutung sein; mit [?] markiert. Vers 56: Syntax und genaue Aussage („bhajec chivāṃ guruṃ tathā“) unsicher rekonstruiert; Grundsinn (tägliche Verehrung von Gottheit und Guru nach der Initiation) aber aus dem Kontext gesichert.
vidyā-prāpti-vidhau devi sarvaṃ samyak samīritam | tāsāṃ naimittikaṃ kāmyaṃ lalitokta-vidhānataḥ ||57||
kuryāt pratiṣṭhādyam evaṃ yata etās tu tat-priyāḥ [?] | āsām anyonyam aṅgāni pūjāsu parameśvari ||58||
ekāṅgitve sthitānyās tat-parivārās tathāvidhāḥ | anyadā prokta-rūpās tās tat-tad-arcane matāḥ ||59||
tāsāṃ kāmya-kalā-dhyānaṃ tat-paṭalodit[am] | evaṃ sarvaṃ samākhyātaṃ sādhāraṇa-vidhānakam ||60||
vidyā-mantrā iti proktaṃ yat tad arthaṃ vada prabho | svayaṃ devi viśeṣaṃ tu sandehaṃ vā same 'pi vā [?] ||61||
varṇānāṃ devatā-bhedā dvidhāḥ syus te tv aśeṣataḥ | strī-devatyāḥ syur vidyā mahā-devatyās tu mantrakāḥ ||62||
punar asyās tu yantrāṇi tat-phalāni ca me priye | vidyākṣareṣv anāhatyāny akṣarāṇy aṣṭa teṣu tu [?] ||63||
svarāṇāṃ saṃgamād dvāviṃśatyā śatam īritam [?] | vidhāya tat tayor madhye tv aṣṭa-koṇe tato dvayam [?] ||64||
[Damit ist,] o Göttin, im Verfahren der Vidyā-Erlangung alles vollständig dargelegt. Die gelegentlichen (naimittika) und die wunschgemäßen (kāmya) [Riten] für diese [fünfzehn Nityās richten sich] nach dem für Lalitā gelehrten Verfahren.
So vollziehe man [auch] Weihe (pratiṣṭhā) und dergleichen, da diese [Riten] ihnen lieb sind; diese [Göttinnen] sind, o höchste Herrin, in der Verehrung wechselseitig einander Glieder (aṅga).
Wenn [eine von ihnen] als Einzelgestalt (im Zentrum) fungiert, stehen die anderen, ebenso beschaffen, als ihr Gefolge; ein andermal, in ihrer [jeweils eigenen] genannten Form, gelten sie als [Hauptgottheit] in ihrer jeweils eigenen Verehrung.
Ihre Meditationsgestalten für die wunschgemäßen (kāmya) Sonderriten sind im [entsprechenden] Dhyāna-Kapitel dargelegt. So ist alles, das allen [fünfzehn Nityās] gemeinsame Verfahren, verkündet.
[Devī fragt:] Was man ‚Vidyā-Mantras‘ nennt – dessen Bedeutung sage mir, o Herr! Besteht darin, Göttin, ein [wesentlicher] Unterschied, oder [ist das nur] ein Zweifel, [obwohl beide Begriffe] gleich [gemeint sind]?
[Śiva antwortet:] Die Unterschiede der Gottheiten der [Mantra-]Silben sind, ausnahmslos, zweifacher Art: [Mantras,] deren Gottheit weiblich ist, sind Vidyās, während die, deren Gottheit ein großer [männlicher] Gott ist, Mantras (im engeren Sinn) heißen.
Weiter, [erkläre mir] ihre (der Vahnivāsinī) Yantras und deren Früchte, meine Liebe! Unter den Vidyā-Silben [gibt es] acht nicht wiederholte(?) Silben, unter diesen aber ...
durch Zusammentreten der Vokale mit den zweiundzwanzig [Silben(?)] wird eine Hundertschaft genannt(?); nachdem man dies gemacht hat, in deren Mitte, in den acht Ecken, sodann ein Paar [Kreise] ...
Vers 58-60: Übergangsverse zum allgemeinen kāmya-/naimittika-Verehrungsschema der fünfzehn Nityās; Vers 60 metrisch auffällig kurz (erste Vershälfte in der OCR vermutlich beschädigt/verkürzt überliefert), Sinn aber aus Kontext klar. Verse 61 f. bilden einen kurzen Lehrdialog über den Unterschied von „vidyā“ (weiblich adressiertes Mantra) und „mantra“ (männlich adressiertes Mantra) – eine im Tantra öfter belegte Definition. Verse 63 f. leiten zum Yantra-Abschnitt über und sind in der OCR so start beschädigt, dass die genaue Silbenzahl und -anordnung nicht mit Sicherheit rekonstruierbar ist; der Kommentar (nur zur OCR-Klärung herangezogen) erläutert die Silben als ha-, r-/repha-, va-, na-, sa-, pa-, ma-kāra („hakāra-repha-vakāra-nakāra-sakāra-pakāra-makārāḥ apunar-uktāny akṣarāṇy aṣṭa ity arthaḥ“) und beschreibt die eigentliche Yantra-Konstruktion (zwei konzentrische Kreise, darin ein Achteck, darin wieder zwei Kreise, außen die 51 Buchstaben a–kṣa) in Prosa; diese Konstruktionsangaben sind in den folgenden Wurzelversen (65-69) knapp und lückenhaft, die Übersetzung folgt dort primär dem Wurzeltext, stützt sich für das technische Verständnis aber auf diese Kommentar-Erläuterung. An mehreren Stellen im weiteren Yantra-Abschnitt (v.74, v.79, v.89) zeigt die OCR eine falsche Verszahl (jeweils Verwechslung von Ziffern wie 4/6/9); dort wurde nach der fortlaufenden Zählung 1-101 und, wo vorhanden, eindeutigen Kommentar-Rückverweisen korrigiert (in den jeweiligen Einheiten vermerkt).
[Nachdem man acht Silben] gemacht hat, setze man darunter [in den Ecken?] die Hälften(?) [ein] – acht und [wiederum] acht in der Mitte; nachdem man das Māyā-[Bīja] mit dem [Göttinnen-]Namen versehen hat, umschließe man es mit dem Praṇava (Oṃ).
Im Zwischenraum der inneren Kreise schreibe man jene Buchstaben, zehnfach der Reihe nach: die dem [jeweiligen magischen] Zweck entsprechenden fünfzig [Elementsilben] schreibe man in einem Zug.
Zwischen den [äußeren] Kreisen [schreibe man] wie zuvor die Buchstaben von a bis kṣa. So entstehen aus diesen [Grundelementen] der Reihe nach sechzehn Yantras.
Mit diesen Yantras erwirke man beständig alles, was man sich wünscht, ganz und gar. Das erste [Yantra], auf seinem eigenen Blatt/seiner eigenen Platte, versehen mit dem Wurzel[-Mantra] des [Elements] Feuer und [mit roter Farbe],
nachdem man Zinnober in dessen Saft(?) zermahlen hat, vermengt mit dem Saft der Stechapfelpflanze (dhattūra), geschrieben und auf Khadira-Holzkohle erhitzt hat, bei Nacht, während man [das Mantra] rezitiert –
eine Frau, ein Mann, ein König oder ein anderer kommt kraft dessen [zu einem]. Oder man male es, wie zuvor, mit der dieser Gottheit [zugehörigen] Substanz durch Erhitzen, oder mit Zinn(?) [statt mit Zinnoberpaste].
Diese Einheit (65-70) beschreibt, gestützt auf die knappe Kommentar-Prosa zur Konstruktion (s. Notiz zu 11.8), das erste von sechzehn Yantras: zwei konzentrische Kreise mit einem Achteck dazwischen, acht Silben in den Ecken, das Māyā-Bīja mit dem Gottheitsnamen und Praṇava im Zentrum, die fünf Elementsilben je zehnfach im inneren Ringraum, die 51 Buchstaben a-kṣa im äußeren Ringraum; die übrigen fünfzehn Yantras entstehen durch Austausch der acht Ecksilben. Die OCR ist in diesem gesamten Abschnitt so beschädigt, dass mehrere technische Einzelheiten (genaue Bedeutung von „ardha“ in v.65, „kausya“ in v.70) nicht sicher rekonstruierbar sind und mit [?] markiert bleiben; der Grundsinn (magisches Anziehungs-Yantra) ist jedoch klar. Verszählung ab hier: die OCR zeigt für v.68 und v.70 jeweils irrtümlich dieselbe Ziffer 68; die Zählung wurde nach dem Kontext (fortlaufende Aufzählung von 16 Einzelyantras, vgl. v.67) auf 68 bzw. 70 korrigiert.
Auch durch dessen Erhitzen ergibt sich, o Herrin, dasselbe zuvor genannte Ergebnis. Das zweite [Yantra], auf seinem eigenen Blatt, damit gemalt, erhitze man bei Nacht –
eine Frau kommt einem gefügig, [selbst wenn sie] den Lauf des Mondes [d.h. gesellschaftliche Schranken] überschreitet(?). Das dritte, damit ebenso, gemalt, erhitze man bei Nacht.
[Vers 73 ist in der OCR so stark zerstört, dass keine verlässliche Übersetzung möglich ist; erkennbar sind nur Bruchstücke, die auf Leichenfeuer, aufgelöstes Haar und eine Fieberkrankheit hindeuten.]
Nachdem man [das Yantra] im Saft [des vierten Substrats] zermahlen, geschrieben, im Feuer erhitzt hat, vergrabe man es dann; im Leichenverbrennungsplatz rezitiere man, wenn die [rechte] Zeit für den Feind gekommen ist, in das Feuer.
Durch eben dieses Mantra wird der Feind verwirrt und von Piśācas (Dämonen) geplagt. Das vierte [Yantra] male man auf schwarzem Tuch, auf dunklem Gewand,
vergrabe es dort wie zuvor, nach dem für das Auflösungsmittel(?) genannten Verfahren; durch Körperfieber geht der Feind binnen einer Woche in Yamas Reich (stirbt).
Am fünften oder auch sechsten [Yantra] schreibe man die Namen zweier [Feinde für zwei Yantras]; mit einer aus einer Eulenfeder(?) [gefertigten] Schreibfeder, in eigenem oder fremdem Blut(?) [geschrieben],
vergrabe man dies am Rand des Leichenplatzes, an den beiden Ufern eines Flusses; das mit Wasser gefüllt Niedergelegte lasse [den einen der beiden Feinde] das [Yantra] des anderen wechselseitig sehen [Sinn sehr unsicher].
Dieser Abschnitt (71-78) beschreibt weitere der sechzehn Yantras (2.-7. bzw. 8.) für anziehende und vor allem feindbezogene, aggressive Magie (Krankheit, Tod des Feindes) – dem Genre der Ritualliteratur entsprechend sachlich und wörtlich wiedergegeben, ohne Beschönigung, wie im Auftrag gefordert. Vers 73 ist in der vorliegenden OCR praktisch unlesbar (nur einzelne Wortfetzen wie „śmaśānāgni“, „muktakeśa“, „jvara“ erkennbar); hier wird ausdrücklich [?] gesetzt statt geraten, gemäß Anweisung. Mehrere weitere Einzelheiten (genaues Schreibmaterial in v.76 f., Bedeutung von „drāvaka“) bleiben unsicher und sind markiert. Die Fußnote der Druckausgabe zu v.72 vermerkt eine abweichende Lesart in einer Handschrift ('mūla-pustaka'), die hier nicht vorlag. Vers 74 zeigt in der OCR fälschlich die Ziffer 76 (wie v.76 selbst); nach der Zählung (zwischen v.73 und dem korrekt gekennzeichneten v.75) zu 74 korrigiert.
saptame nāma saṃlikhya lauha-paṭṭe yathāvidhi | śiraḥ-kapāle nikṣipya śmaśāne nikhanen niśi ||79||
ripoḥ purokta-kāle tu piśācair ārdyate ripuḥ [?] | aṣṭamaṃ sva-patre kṛtvā ripu-dvāre khanen niśi ||80||
saptāhāt tad-gṛhāt sa vairī prayāti kvāpy anyataḥ [?] | navamaṃ kṛtvā tad-bhūmikāyāṃ vahnau dine [?] ||81||
siddhi-yoge śubhe lagne viṣṇor udaya eva vā [?] | kulya-pathya-rogādi-duḥkhebhyo mucyate naraḥ ||82||
daśamaṃ rājate paṭṭe kṛtvā vairi-gṛhe kvacit | nidhāya pūjayed ramyam aśma-pātādi-śāntaye [?] ||83||
tathā bhūta-graharttīṃś ca rakṣed etasya dhāraṇāt | ekādaśe likhed bhujaṅgaṃ pāṭīrendu-dravais tu tat [?] ||84||
uktakrama-samopetaṃ guṭikāṃ kalpayet tataḥ [?] | sita-siktha-maye liṅge saṃsthāpyābhyarcya tat punaḥ ||85||
sthāpayec codara-madhye tu pūjayen nityaśaś ca tat | saṃdhyāsu susitaiḥ puṣpaiḥ kṣīrādyaiś ca vidhānataḥ [?] ||86||
tām āptārthāt sva-saptāhād ūrdhvaṃ syuḥ śarva-do dhruvam [?] | bhaveyur vyādhitās tena vratenārogyam āpnuyuḥ ||87||
jvarārtās tu viśeṣeṇa sukhitāḥ syur acirataḥ [?] | antaḥ sauvīra-madhya-sthaṃ viṣayati vairiṇi [?] ||88||
Auf dem siebten [Yantra] schreibe man den Namen ordnungsgemäß auf eine Eisenplatte, lege sie in einen Schädel und vergrabe sie bei Nacht auf dem Leichenverbrennungsplatz.
Zur zuvor genannten Zeit wird der Feind von Piśācas geplagt. Das achte [Yantra], auf eigenem Blatt angefertigt, vergrabe man bei Nacht am Tor des Feindes –
binnen einer Woche verlässt jener Feind sein Haus [und begibt sich] irgendwohin anders. Das neunte [Yantra], angefertigt, [lege man] in dessen (des Feindes) Erdgrund, [besprenge es] am Tag mit Feuer(?)
— bei günstiger Erfolgs-Konjunktion, glückverheißendem Aufgangszeichen, oder eben beim Aufgang [des dem Viṣṇu zugeordneten Gestirns] wird der Mann von Leiden wie Familien[unglück](?), [nötiger] Diätvorschrift, Krankheit u.a. befreit.
Das zehnte, auf einer Silberplatte angefertigt, irgendwo im Haus des Feindes niedergelegt, verehre man anmutig(?), zur Beschwichtigung von Steinschlag/Meteoriten u.dgl.
Ebenso schützt es, wenn man es [am Körper] trägt, vor Heimsuchungen durch Bhūtas und [Planeten-]Grahas. Auf dem elften [Yantra] male man eine Schlangenfigur, und zwar mit Sandelholz- und Kampfer-Flüssigkeit,
und bereite dann, versehen mit dem genannten Verfahren, eine [Wachs-]Kugel; nachdem man sie auf einem Liṅga aus weißem Bienenwachs aufgestellt und verehrt hat,
stelle man sie in [dessen] Mitte/Inneres und verehre sie täglich, an den Dämmerungen, mit ganz weißen Blüten, Milch u.dgl., nach Vorschrift.
Binnen einer Woche, nachdem man dies erlangt hat, werden [die Feinde] gewiss dem Tode geweiht(?) sein [Sinn unsicher]; Kranke [hingegen] erlangen durch dieses Gelübde Gesundheit.
Fieberkranke insbesondere werden binnen kurzem beschwerdefrei; [ein Präparat,] in der Mitte von Augen-Kollyrium (sauvīra) verborgen, vergiftet die Feindin [Sinn dieser Zeile sehr unsicher].
Abschnitt zu den Yantras 7 bis 12: teils weiterhin aggressive Magie (7.-9. Yantra gegen Feinde), teils nun heilende/schützende Anwendungen (10.-12. Yantra: Schutz vor Unglück, Bhūta-/Graha-Befall, Fruchtbarkeits- und Heilzauber). Der Umschlag von feindlicher zu heilender Magie zwischen v.81 und v.82 ist im Text unvermittelt; möglicherweise liegt hier eine Werkgrenze innerhalb der Yantra-Aufzählung vor, die der Kommentar nicht eigens markiert. Vers 87 f. sind in der OCR so entstellt, dass mehrere Formulierungen („śarva-do“, das Verhältnis von v.88b zum Kontext) mit [?] versehen bleiben; sinngemäß geht es um Heilung von Krankheit und Fieber durch das 12. Yantra bzw. ein daraus abgeleitetes Präparat. Vers 79 zeigt in der OCR fälschlich die Ziffer 76; nach der Zählung (zwischen dem korrekt gekennzeichneten v.78 und v.80) sowie einem eindeutigen Kommentar-Rückverweis, der die Verse 78 und 79 nennt, zu 79 korrigiert.
Durch eben diese Anwendung (kathana) kann man bei jenen beiden [Feinden] auch Krankheit erzeugen. Man [nehme] Gorocanā(Kuhgalle) und langen Pfeffer, fein zerrieben,
vermischt mit dem Saft der Lakuca-Frucht, [und] lege das [Yantra] hinein; man erhitze es an den drei Dämmerungen mit sanftem Gerstenstroh-Feuer, damit [die Krankheit] am eigenen Leib entsteht [Lesung unsicher].
Zur genannten Zeit wird der [Feind] fieberkrank, von brennender Hitze befallen. Das zwölfte [Yantra], auf eigenem Blatt, mit Nacht-Saft(?) bestrichen, [verwende man] wiederum so:
nachdem man es zwischen zwei Ziegelsteine gelegt hat, verkitte man es fest; man stelle es im Tempel der Caṇḍikā auf, oder auch im Heiligtum des Śāstṛ (Ayyappan),
in einem Bruchstück, in einer Mauer, oder auch [in der Nähe] der Schlafstätte. [Dadurch] lähmt man den Zorn des Feindes, sein Unternehmen oder auch sein [feindliches] Denken,
und ebenso [jedes] Geschäft und alles andere, was ihm schaden könnte. Mit dem dreizehnten [Yantra], [getragen als] Birkenrinde in einer Schnur(?) von einer Frau,
erlangt selbst eine Unfruchtbare einen Sohn – wunderbar sind die Kräfte der Yantras! Mit dem vierzehnten, nachdem man den Namen darauf geschrieben hat, [lege man] eine Birkenrinde an den vier [Himmelsrichtungen] aus,
nachdem man sie ins Innere von Wachs gelegt hat, erhitze man dies in den vier Richtungen. Binnen einer Woche kommen rasch Frauen oder auch Männer [in die Gewalt des Anwenders],
Elefanten, Pferde, Vögel und andere Lebewesen, die auf der Erde leben – [alle,] deren Name, mit der [passenden] Silbe versehen, auf eine Tafel geschrieben ist.
Fortsetzung des Yantra-Abschnitts (13. und 14. Yantra: Fruchtbarkeitszauber; zuvor 12. Yantra: sowohl schädigende als auch – je nach Aufstellungsort – lähmende/neutralisierende Anwendung gegen einen Feind). Vers 89 zeigt in der OCR fälschlich die Ziffer 86 (identisch mit dem bereits vergebenen v.86); nach der fortlaufenden Zählung (zwischen v.88 und dem korrekt gekennzeichneten v.90) zu 89 korrigiert. Mehrere Fachbegriffe der Materia magica (śārdūla-rocanā, yavāgni, „rātri-rasa“) sowie die genaue Funktionsweise mancher Yantras (v.93 f.) bleiben wegen der OCR-Schäden unsicher und sind mit [?] markiert.
Leichte Geburt widerfährt Frauen durch die Ausübung ihrer (der Vahnivāsinī) Verehrung u.dgl.; mit dem sechzehnten [Yantra], nachdem man den Namen darauf geschrieben hat, [und es] ebenso tragenden Lebewesen [umgehängt hat],
kommt überall Schutz zustande – vor Planeten[einfluss], Krankheit, Furcht u.a. Eben dieses [Yantra kann man], versehen mit dem [entsprechenden] Verfahren, auch gegen eigenes Unheil einrichten,
oder man versehe es zugleich mit Armreifen, Armbändern und anderem Schmuck; [wer es trägt, wird] frei von seelischen und körperlichen Leiden, ohne Rivalen, mit gezügelten Sinnen,
ein Genießer und zugleich Anhänger der verdienstvollen Werke, [und] lebt hundert Jahre auf Erden. So ist die Durchdringung, die aus dem Wesen des Yoni[-Prinzips] besteht, richtig dargelegt worden.
[Ein abschließender, in der Zählung nicht mehr eigens nummerierter Halbvers, unmittelbar vor dem Kolophon:] Durch das Verlöschen der [Ich-]Wirkung/des [weltlichen] Ertrags(?) dieser [Übung] wird das Prinzip (tattva) im Bewusstsein zum eigenen Selbst gemacht [Lesung und Sinn sehr unsicher].
So ist, in den Śrī-Ṣoḍaśanityā-Tantras, des vollständigen Tantra mit Namen Śrī-Kādimata, das elfte Kapitel vollendet. || 11 ||
Vers 98 f.: 15. und 16. Yantra (leichte Geburt bzw. allgemeiner Schutz-Talisman); Formulierungen an mehreren Stellen unsicher. Der letzte Halbvers vor dem Kolophon („asyā niṣphalanāc citte...“) trägt in der OCR keine eigene Verszahl mehr und wird direkt vom Wurzel-Kolophon abgelöst; da laut Einleitungs-Kommentar des Kapitels dieses aus „100 Versen plus 2 weiteren“ besteht (v.1 f. als einleitende Zusatzverse gezählt), dürfte es sich um den Rest eines eigentlich vorgesehenen Verses 102 handeln, dessen zweite Vershälfte in der vorliegenden OCR fehlt oder mit dem Kolophon verschmolzen ist; als Halbvers ohne Nummer belassen, wie in der Auftragsbeschreibung für solche Fälle vorgesehen. — WICHTIGER HINWEIS ZUR KAPITELGRENZE: Anders als bei den übrigen Kapiteln dieser Ausgabe endet der mir zugewiesene Textbereich (bis Zeichen 386482) unmittelbar nach diesem knappen Wurzeltext-Kolophon; der für diese Ausgabe sonst übliche, ausführlichere Kommentar-Kolophon (mit Namensnennung des Subhagānandanātha und der Manoramā-Vyākhyā) liegt außerhalb meines Zeichenbereichs (Auftrag: Endgrenze exakt bei 'ekādaśapaṭalaṃ paripūrṇam' samt Kapitelziffer 11) und wurde dementsprechend nicht mehr gelesen; er dürfte unmittelbar im Anschluss, zu Beginn des Bereichs von Paṭala 12, stehen.