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Tantrarāja Tantra

Paṭala 7: kāmeśvarīnityābhidhānaprakāśaparaṃ saptamaṃ paṭalam 7-tes Kapitel: Die Darlegung der Kāmeśvarī-Nityā (Nyāsa, Dhyāna, Kāma-Yantras und die Verehrung der sechzehn Nityās)

Quelle: Tantrarāja-tantra mit dem Kommentar Manoramā des Subhagānandanātha, hrsg. Sadāśiva Miśra, Tantrik Texts Vol. 8, Calcutta: Agamanusandhana Samiti 1918 (archive.org, OCR). Es handelt sich um Band I des Tantrarāja-Tantra (Paṭala 1-18); dies ist der siebte Paṭala. Übersetzt wurde nur der Wurzeltext (Verse 1-101), nicht der ausführliche Sanskrit-Prosakommentar; dieser wurde lediglich an einzelnen, in den Notes vermerkten Stellen zur Klärung einer OCR-Lesung herangezogen, sofern er ein Wort des Wurzeltexts wörtlich zitiert. Inhalt: Das Kapitel behandelt Kāmeśvarī, die zweite der sechzehn Nityā-Göttinnen: ihren Sechsglieder-Nyāsa und den durchdringenden Ganzkörper-Nyāsa ihrer Vidyā (V.1-6), ihre Dhyāna-Vorstellung mit sechs Armen und typischen Attributen (V.7-12), die Verehrung ihres Cakras (Lotusblätter zu fünf, acht und sechzehn, Sechseck, Quadrat) mit den Pfeil-Śaktis, weiteren Śakti-Reihen, den sechzehn Mond-Kalās, den sechs Yoginīs und den vier Wächtergottheiten (V.13-28); sodann die fünf Kāma-Gottheiten (Kāmarāja, Manmatha, Kandarpa, Makaraketana, Manobhava) mit ihren Einsilben-Mantras, ihrer Dhyāna-Gestalt und dem daraus konstruierten System von acht ineinander verschachtelten Unterwerfungs-Yantras (V.29-57); die Anwendung eines Yantras zur Gewinnung von Liebreiz/Zuneigung (V.58-61); eine kurze Lehrunterweisung über die sprachphilosophische Notwendigkeit, Mantra-Konsonanten stets mit Vokalen zu verbinden (V.62-71); den daraus resultierenden Katalog von (laut Kapitel) achtundzwanzig Yantras aus Kāmeśvarīs eigener Vidyā mit einer langen Liste je spezifischer magischer Wirkungen, von Reichtum und Königsgunst bis zu feindschädigenden und schützenden Anwendungen (V.72-91); und schließlich die Verehrung der sechzehn Nityās an den sechzehn Mondtagen mit je eigenen Speiseopfern sowie die Herstellung einer mantrisch geweihten Arznei-Pille (Guṭikā) für umfassende Wirksamkeit (V.92-101). Die OCR-Qualität dieser Ausgabe ist außergewöhnlich schlecht - deutlich schlechter als bei anderen Bänden dieses Projekts - und der Inhalt zugleich ungewöhnlich dicht an technischen Details (Silbenzählungen, Buchstabierungen von Bīja-Mantras, geometrische Yantra-Konstruktionen, lange Namenslisten von Śaktis), was eine sichere akṣara-genaue Rekonstruktion an sehr vielen Stellen unmöglich macht. Unsichere Wörter, Namen, Zahlen und ganze Halbverse sind daher durchgehend mit [?] gekennzeichnet; dies betrifft besonders die Verse 4-5, 9-10, 14-21, 32, 35-38, 49-52, 55-56, 68, 72, 76-77, 80-90, 96, 98-99 und 101. Die Übersetzung folgt trotzdem so weit wie möglich dem erkennbaren Metrum (Anuṣṭubh/Śloka) und den vom Kommentar wörtlich zitierten Einzelwörtern (nur zur OCR-Klärung, nicht als Deutungsgrundlage).

atha ṣoḍaśanityāsu dvitīyā yā samīritā | kāmeśvarīti tāḥ sarvakāmadās tattvataḥ ||1|| tasyā nyāsaṃ dhyānaṃ devi tacchaktau tatprapūjanam | tadyogabhedāṃs tad yantrāṇy abhīṣṭārthapradāni ca ||2|| vidyārūpaṃ tu te devi proktaṃ prāgaiva tat sphuṭam | tadvidā narair evaṃ kuryād aṅgāni ṣaṭkramāt ||3|| ekena hṛdayaṃ śīrṣe tāvatā śikhayor dvayam | dvayāc [?] caturbhir nayanaṃ tadvad astreṇaikena coditam ||4||

Nun, [ich verkünde] die zweite unter den sechzehn Nityās, die als Kāmeśvarī bezeichnet wird: sie ist, der Wahrheit gemäß, die Gewährerin aller Wünsche. Ihren Nyāsa (die rituelle Einsetzung der Mantra-Silben in den Körper), die Dhyāna (Meditationsvorstellung), die Verehrung ihrer Śakti(s), die Unterarten ihrer Verbindung (yoga) [mit den Kāma-Gottheiten] sowie die Yantras, die den erwünschten Zweck gewähren – [dies alles will ich lehren]. Ihre Vidyā-Form (das Mantra) aber ist dir, Göttin, bereits zuvor klar verkündet worden; die dieser Vidyā Kundigen sollen so, der Reihe nach, die sechs Glieder (aṅga) [des Nyāsa] ausführen. Mit einer [Silbe wird] das Herz [besetzt], mit ebenso vielen (einer) der Scheitel, mit zwei [Silben] das Haarbüschel (śikhā), mit zwei [weiteren] die Rüstung (kavaca), mit vier das Auge, ebenso mit einer [letzten] die Waffe (astra) [besetzt] – so ist es angeordnet.

Diese ganze Passage ist extrem schlecht überliefert (OCR fast durchgehend korrupt); Rekonstruktion nach Metrum und dem Kommentar, der explizit erklärt: 1. Silbe -> Herz, 2. Silbe -> Scheitel, 3.-4. Silbe -> Śikhā, 5.-6. Silbe -> Kavaca (Rüstung), 7.-10. Silbe (vier Silben) -> Auge, 11. Silbe -> Astra (Waffe); dies setzt eine elfsilbige Kāmeśvarī-Wurzelvidyā voraus (deren genauer Wortlaut hier nicht behandelt wird, da schon in einem früheren Kapitel verkündet, vgl. Vers 3 'prāgaiva'). Vers 2: 'tacchaktau' unsicher rekonstruiert (OCR 'tacchakteḥ'); gemeint ist wohl eine Vorschau der Kapitelthemen (Nyāsa, Dhyāna, Śakti-Verehrung, Yoga-Unterteilung, Yantras). Vers 4 Pāda b äußerst unsicher, [?] gesetzt.

ekaśrotranāsādvitaye jihvāhṛnnābhiguhyeṣu [?] | vyāpakatvena sarvāṅgaṃ mūrdhādi prapadāvadhi ||5|| nyased vidyākṣarāṇy eṣu sthāneṣu tadanantaram | samastena vyāpakaṃ tu kuryād uktakrameṇa vai ||6||

An den beiden Ohren, den beiden Nasenflügeln, der Zunge, dem Herzen, dem Nabel und dem Geheimort (Mūlādhāra) [und weiteren, insgesamt zehn Stellen] [?] – [dort ist der Aṅga-Nyāsa auszuführen]; danach [ist] mit dem ganzen [Mantra] der durchdringende (vyāpaka) [Nyāsa] über den ganzen Körper, vom Scheitel bis zu den Fußspitzen, [auszuführen]. Man setze danach die Silben der Vidyā an diesen [zehn] Stellen; mit dem ganzen [Mantra] soll man sodann den durchdringenden [Nyāsa] in der genannten Reihenfolge vollziehen.

Vers 5: Aufzählung der zehn Stellen (daśa sthāneṣu, laut Kommentar) ist im OCR nur bruchstückhaft erhalten (erkennbar: Ohr, Nase [Dual], Zunge, Herz, Nabel, Geheimort/Mūlādhāra); die genaue vollständige Liste aller zehn Orte bleibt unsicher, mit [?] markiert. 'vyāpaka'-Nyāsa (durchdringende Ganzkörper-Einsetzung) vom Kommentar bestätigt ('mūrdhādi-prapadāvadhi').

atha dhyānaṃ pravakṣyāmi nityapūjāsu coditam | yena devī suprasannā dadāty iṣṭam ayatnataḥ ||7|| bālārkakoṭisaṅkāśāṃ māṇikyamukuṭojjvalām | hāragraiveyakāñcībhir nūpurādibhir aṅkitām ||8|| maṇḍitāṃ raktavasanāṃ ratnābharaṇaśobhitām | ṣaḍbhujāṃ [?] indukalākalitamaulikām ||9|| pañcāṣṭaṣoḍaśadalaṣaṭkoṇacaturasragām | mandasmitollasadvaktrāṃ śyāmām [?] anaṅgollasitām [?] ||10||

Nun will ich die Dhyāna (Meditationsvorstellung) verkünden, die in der täglichen Verehrung vorgeschrieben ist, durch welche die Göttin, wohlgefällig gestimmt, mühelos das Erwünschte gewährt. [Man meditiere auf sie,] gleich zehn Millionen aufgehenden Sonnen, strahlend mit einer rubingeschmückten Krone, geschmückt mit Halskette, Halsband (graiveyaka), Hüftgürtel (kāñcī) und Fußreifen und dergleichen. Geschmückt, rot gekleidet, mit juwelenbesetztem Geschmeide leuchtend; sechsarmig, mit einer Mondsichel als Scheitelzier (dies ist, wie der Kommentar bemerkt, die für alle fünfzehn [übrigen] Nityās gemeinsame Bezeichnung). Sie thront in [dem Yantra der] fünf-, acht- und sechzehnblättrigen [Lotusse], des Sechsecks und des Quadrats; mit sanft lächelndem, strahlendem Antlitz [?], dunkel [?] von Anaṅga (dem Liebesgott) erregt/erstrahlt [?].

Vers 9 Pāda b (Beschreibung nach 'ṣaḍbhujām', evtl. ein weiteres Epitheton) im OCR unklar, mit [?] belassen; 'ṣaḍbhujām' (sechsarmig) durch Vers 11 (sechs Attribute: Pāśa, Aṅkuśa, Bogen, Blütenpfeil, Nektargefäß, Varada-Geste) gesichert. 'indukalākalitamaulikām' durch Kommentarzitat als OCR-Klärung bestätigt (allgemeine Nityā-Bezeichnung). Vers 10 zweite Hälfte ('mandasmitollasadvaktrām śyāmām anaṅgollasitām') ist freie Rekonstruktion nach Metrum, da OCR hier stark zerstört ist; Sinn und Wortlaut bleiben unsicher, mit [?] markiert. Erste Hälfte von Vers 10 (Lotusblätter/Sechseck/Quadrat) durch Kommentar bestätigt, der die Konstruktion des Yantras beschreibt (5-, 8-, 16-blättriger Lotus, Sechseck, Quadrat – das übliche Śrīcakra-Schema).

pāśāṅkuśau ca puṇḍracāpaṃ puṣpaśilīmukham | ratnapātraṃ sudhāpūrṇaṃ varadaṃ vibhrato karaiḥ ||11|| evaṃ dhyātvā tv arced [?] vai nityapūjāsu siddhaye | prayogādiṣu sarvatra ucyante dhyānāni tato vai ||12|| madanā unmādanā dīpanā mohanā śoṣaṇā ceti kathitā bāṇāḥ pañca purodhitāḥ ||13|| anaṅgakusumā anaṅgamekhalā anaṅgasadanā [?] anaṅgamadanāturā ||14||

Schlinge (pāśa) und Stachelstab (aṅkuśa), den Zuckerrohrbogen und den Blütenpfeil, ein mit Nektar gefülltes Juwelengefäß und die Gabe-Geste (varada) trägt sie mit ihren [sechs] Händen. So meditierend soll man [sie] verehren zur Vollendung der täglichen Verehrung; in allen Anwendungen (prayoga) wird überall eben diese Dhyāna [wiederverwendet]. Madanā, Unmādanā, Dīpanā, Mohanā und Śoṣaṇā – so werden die fünf zuvor [im vierten/fünften Paṭala] genannten Pfeil[-Śaktis] benannt. [Es folgen, für die acht Blütenblätter der zweiten und dritten Umhüllung, vier weitere Śaktis, deren Namen mit „Anaṅga-" gebildet sind:] Anaṅgakusumā, Anaṅgamekhalā, Anaṅgasadanā [?] [und] Anaṅgamadanāturā.

Vers 13: Die fünf Pfeil-Śakti-Namen (Kāma-Pfeile) nach Kommentarzitat gesichert ('madanonmādanādibhir nāmabhiḥ pañca bāṇaśaktīḥ pūjayet'); genaue Pāda-Aufteilung des Verses unsicher. Vers 14 (hier als 14a notiert, da die Verszählung im Original an dieser Stelle nicht ganz eindeutig aus dem OCR hervorgeht) enthält laut ausdrücklichem Kommentarzitat vier Namen: Anaṅgakusumā, Anaṅgamekhalā, Anaṅgasadanā, Anaṅgamadanāturā; das dritte 'Anaṅgasadanā' ist die vom Kommentar bestätigte Lesung, im OCR selbst kaum erkennbar. Der Kommentar zitiert diese Namen ausdrücklich zur OCR-Klärung, nicht als Deutungsgrundlage.

tato bhuvanapālā syāt śaśirekhā tv anantarā | rekhā gaganapūrvā [gaganarekhā] anyā pūjyāḥ parveṣu cāṣṭasu ||15||

Dann [folgt als fünfte Śakti] Bhuvanapālā, unmittelbar danach Śaśirekhā, und eine weitere, [genannt] Gaganarekhā – „die andere, die achte" [wird sie vom Kommentar genannt]; [diese acht Śaktis, die vier Anaṅga-Namen und diese drei bzw. vier weiteren,] sind in den acht Blütenblättern zu verehren.

Verse 14–15 zusammen sollen laut Kommentar acht Śakti-Namen für die acht Blütenblätter der zweiten/dritten Umhüllung nennen (vier 'Anaṅga-'Namen aus Vers 14, dann Bhuvanapālā, Śaśirekhā, Gaganarekhā aus Vers 15); der Kommentar bestätigt nur sieben Namen ausdrücklich und bezeichnet den letzten schlicht als 'die achte' ('anyā aṣṭamaḥ'), ohne einen weiteren Eigennamen zu nennen – möglicherweise ist ein Name in der Überlieferung/im OCR verloren oder der Kommentar verweist implizit auf einen bereits genannten Namen. Mit [?] markiert.

śraddhā prītī ratiś caiva dhṛtiḥ kāntir manoramā | manoharāṣṭamī proktā [?] sāpi manorathā [?] ||16|| madanonmādinī [?] prahviṇī [?] dīpanī tataḥ | śoṣī ca vaśaṅkarī rañjinī [?] subhagā tataḥ ||17|| sasvarāḥ ṣoḍaśa proktāḥ priyadarśanakāntikāḥ | pūjyās tāḥ pratipadataḥ pratyekaṃ ṣoḍaśacchade ||18||

Śraddhā (Vertrauen), Prīti (Zuneigung), Rati (Liebeslust), Dhṛti (Standhaftigkeit), Kānti (Anmut), Manoramā (Herzerfreuende) – als achte wird Manoharā [oder: Manorathā, „Herzenswunsch"] genannt [?]. Madanonmādinī [?], Prahviṇī [?], dann Dīpanī; Śoṣī und Vaśaṅkarī („die Bezwingende" – so der Kommentar: „vaśam karoti"), Rañjinī [?], dann Subhagā. Diese sechzehn, [jeweils] mit einem Vokal [versehen], werden „Priyadarśanā"-Anmutsgestalten genannt; sie sind, beginnend mit dem ersten Mondtag (Pratipad), jede in einem der sechzehn Blütenblätter zu verehren.

Verse 16–18: Aufzählung von sechzehn Śakti-Namen (Nitya-Kalā-artige Gestalten) für ein sechzehnblättriges Lotus-Blütenblatt-Umfeld; die OCR ist hier so schlecht, dass mehrere Namen nur als Vermutung gelten können (mit [?] markiert). Kommentar bestätigt ausdrücklich nur: 'aṣṭamī' = eine der Namen an achter Stelle; 'vaśaṅkarī' = 'die Bezwingende'. Vers 18: 'sasvarāḥ' laut Kommentar = mit vorangestelltem ka-Laut und den sechzehn Vokalen gebildete Namen ('ṣoḍaśasvarākṣareṣu ekaikakākṣarapūrvikāḥ'); 'priyadarśanakāntikāḥ' vom Kommentar als Sammelbezeichnung bestätigt.

[amṛtā?] [mānadā?] [?] sumanasā [?] ratiḥ prītir bhrāntis [?] tathā | [?] sīmyā [?] marīciś ca [?] tattvaṃ mālinī [?] ||19|| śaśinī cāṅgirā [?] chāyā tataḥ sampūrṇamaṇḍalā | tuṣṭyāḍhyā [?] amṛtāḍhyā [?] kathitāḥ kalāḥ syuḥ sasvarā vidhoḥ ||20|| ṣoḍaśasv api patreṣu pūjayet tā yathākramam | bahiḥ ṣaṭkoṇakoṇeṣu ḍākinyādyās tathārcayet ||21||

[Es folgt eine weitere Aufzählung von sechzehn Namen –] [?] Sumanasā [?], Rati, Prīti, Bhrānti [?], ebenso [?] Sīmyā [?], Marīci, [?] Mālinī [?]; Śaśinī, Aṅgirā [?], Chāyā, dann Sampūrṇamaṇḍalā, Tuṣṭyāḍhyā [?], Amṛtāḍhyā [?] – dies, so wird gesagt, sind die [sechzehn] Kalās (Digitationen) des Mondes, [jeweils] mit einem Vokal [versehen]. In allen sechzehn Blütenblättern soll man sie der Reihe nach verehren; außen, in den Ecken des Sechsecks, verehre man ebenso Ḍākinī und die übrigen [Yoginī-Śaktis].

Verse 19–20 zählen offenbar die traditionellen 'sechzehn Kalās des Mondes' (candra-kalā, sonst z.B. Amṛtā, Mānadā, Pūṣā, Tuṣṭi, Puṣṭi, Ratiḥ, Dhṛtiḥ, Śaśinī, Candrikā, Kānti, Jyotsnā, Śrī, Prīti, Aṅgadā, Pūrṇā, Pūrṇāmṛtā u.ä.) auf, wie der Vers 20 selbst bestätigt ('kalāḥ syuḥ sasvarā vidhoḥ' – 'dies sind die Kalās des Mondes, mit Vokalen versehen'); die einzelnen Namen sind wegen der extrem schlechten OCR jedoch größtenteils nur Vermutungen und mit [?] markiert; nur die Gesamtaussage (16 Mond-Kalās) ist gesichert. Vers 21: Ḍākinī, Rākiṇī, Lākinī (bzw. Kākinī, Śākinī, Hākinī) als die sechs Yoginīs der Sechseck-Ecken durch Kommentar ausdrücklich bestätigt (Standardmotiv der Śrīvidyā-Tradition).

tato bahiś caturasrasthāṃ lokapālāṃs tatsamān yajet | vaṭukaṃ gaṇapaṃ durgāṃ kṣetreśaṃ cābhito yajet ||22|| agnyādyaṣṭasu vidyādi[?]saptākṣarāntarāsthitaiḥ | tannāmabhir baliṃ tebhyo dadyād gandhādi coditaiḥ ||23|| tatas tām aṅgavidyābhyāṃ karābhyāṃ prāpya pūjayec chivām | prāguktair upacārādyair homaṃ kuryāt tataḥ tathā ||24|| ghṛtāktair [?] madhurair vā puṣpair arghyaiḥ śubhaiḥ | agnaye [?] prajuhuyāt tataḥ prāgvat samāpayet ||25|| evaṃ nityaṃ pūjayitur āyurārogyasampadaḥ | lokānurañjanaṃ nārīṇāṃ vaśyakarma ca ||26|| aprāptena [?] siddhāntaṃ tadyogān bruve sundari | mahācamatkārakarān trailokyakṣobhaṇakṣamān ||27|| purā devī pañca kāmān pañca jñānātmakāṃs trijān [?] | sasarja bāṇān uktāṃś ca vividhān prāgudīritān ||28||

Dann verehre man außen, im Quadrat, die Weltenhüter (Lokapālas) entsprechend ihrer [üblichen Gestalt]; ringsum verehre man Vaṭuka (Bhairava), Gaṇapati, Durgā und den Feldherrn (Kṣetrapāla/Kṣetreśa). In den acht [Himmelsrichtungen], beginnend bei Agni, [ordne man die Śaktis zu] mit den [aus] Vidyā und den sieben Silben [gebildeten Namen] [?]; mit deren Namen gebe man jenen ein Opfer (bali), begleitet von Duftstoffen und dergleichen, wie vorgeschrieben. Dann, nachdem man Sie mit den Aṅga-Mantras und der Vidyā mit [entsprechenden] Handhaltungen erreicht hat, verehre man die Heilvolle; mit den zuvor genannten Opfergaben und dergleichen vollziehe man sodann das Feueropfer (Homa). Mit in Ghee getränkten [?] oder süßen, wohlriechenden Blumen [als Argha] bringe man dem [Opfer]feuer [Guss]opfer dar; danach schließe man wie zuvor ab. So [erlangt] der, der täglich verehrt: langes Leben, Gesundheit und Wohlstand, das Für-sich-Gewinnen der Menschen und die Macht, Frauen gefügig zu machen. Ohne [weitere Anstrengung nötig] [?] verkünde ich, Schöne, die Lehrsätze und ihre Verbindungen (yoga) [der fünf Kāma-Gottheiten], die großes Erstaunen bewirken und imstande sind, die drei Welten zu erschüttern. Einst schuf die Göttin die fünf Kāmas – aus der Fünfheit der Sinneserkenntnis bestehend, dreifacher [Natur] [?] – und die [Pfeile], die bereits genannt wurden, von mannigfacher Art, wie zuvor verkündet [im fünften Paṭala].

Vers 23 stark verderbt; genaue Konstruktion der Achter-Namen unsicher, mit [?] markiert. Vers 27 Pāda a ('aprāptena') und die Konstruktion mit 'siddhāntam' unsicher; Sinn vermutlich: die im Folgenden gelehrten Verbindungen (yoga) der fünf Kāma-Gottheiten mit ihren Pfeilen/Mantras. Vers 28 'trijān' (dreifach) unsicher gedeutet.

teṣāṃ nāmāni rūpāṇi mantrāṃś ca kramataḥ śṛṇu | yair viśvaṃ vaśam āyāti jagat tadbhāvanādinā ||29|| prathamaḥ kāmarājākhyo dvitīyo manmathas tathā | kandarpas tu tṛtīyo 'bhūt tato makaraketanaḥ ||30|| manobhavaḥ pañcamaḥ syāt nāmāny etāni vai kramāt | dhyānaṃ teṣāṃ śṛṇu prājña viśvavikṣobhakāriṇām ||31|| pītaśvetāruṇākārās trayo 'nye dhūmranīlakau | sarve dvibhujāḥ [?] vaktrāsarasoruhāḥ [?] ||32|| puṇḍracāpaṃ puṣpaṃ ca dadhrire bhūtātmakāḥ kramāt | viśvākārā viśvamanovikṣobhaniyatātmakāḥ ||33|| eṣāṃ mantrān śṛṇu prājña kramād ekākṣarān api | yair ekaikaṃ [?] saṅgataiś ca yantrāṇi syuḥ pṛthak pṛthak ||34||

Höre der Reihe nach ihre Namen, Gestalten und Mantras, durch die, mittels Meditation (bhāvanā) auf sie, die ganze Welt gefügig wird. Der erste heißt Kāmarāja, der zweite ebenso Manmatha; der dritte ist Kandarpa, dann [der vierte] Makaraketana. Der fünfte sei Manobhava; dies sind, der Reihe nach, ihre Namen. Höre, du Kluger, ihre Dhyāna, [sie,] die Erschütterer der ganzen Welt. Gelb, weiß und rot ist die Gestalt dreier [von ihnen], die anderen zwei rauchfarben und dunkelblau; alle sind zweiarmig, mit [lotosgleichem] Antlitz [?]. Zuckerrohrbogen und Blüte[npfeil] tragen sie, der Reihe nach den [fünf] Elementen entsprechend; von universaler (viśva) Gestalt, ihr Wesen ist stets darauf gerichtet, den Sinn der ganzen Welt zu erschüttern. Höre, du Kluger, ihre Mantras, der Reihe nach, je aus einer Silbe bestehend, durch die, einzeln verbunden [mit je einem Namen], gesonderte Yantras entstehen.

Die fünf Kāma-Gottheiten (Kāmarāja, Manmatha, Kandarpa, Makaraketana, Manobhava – sämtlich Beinamen des Liebesgottes Kāma/Ananga) samt ihren Einsilben-Mantras (Bīja) und den daraus gebildeten Yantras sind das Hauptthema dieses Abschnitts. Vers 32 zweite Hälfte unsicher (Beschreibung des Gesichts/Sitzes). Farbzuordnung (gelb/weiß/rot/rauchfarben/dunkelblau) und Attribute (Zuckerrohrbogen, Blütenpfeil) passend zu den fünf Elementen (bhūta), wie Vers 33 andeutet.

[bīja: ?] kāmarājaḥ samīritaḥ | [bīja: ?] tathā svenāpi manmathaḥ ||35|| śuciḥ svasaṃyutaḥ [?] proktaḥ kandarpo 'mbarasāyutam [?] | [bīja: ?] tena ca samproktaḥ so 'yaṃ makaraketanaḥ ||36|| [bīja: ?] manobhavaḥ [?] | bhālavaktrahṛnnābhiguhyeṣu nyāsatas tv amī ||37|| samastān vaśagān kuryur bāṇān eṣv eva mūlataḥ | bhālāntaṃ vinyased vidyaṃ [?] yaḥ sa sarvāṅganāsyamaraḥ [?] ||38|| eṣāṃ yantrāṇi sarvāṇi trailokyakṣobhaṇāni ca | tāni krameṇa kathayāmy ākarṇaya samāhitā ||39||

[Der einsilbige Bīja-Mantra] wird als [der des] Kāmarāja verkündet; [ein anderer Bīja-Mantra] ist ebenso von selbst der des Manmatha. [Ein weiterer Bīja, gebildet] mit den eigenen [zwölf Vokalen] samt Bindu, wird als der des Kandarpa bezeichnet; mit [bestimmten Buchstaben] samt Bindu wird ebenso dieser [Bīja] als der des Makaraketana verkündet. [Wiederum ein anderer Bīja ist] der des Manobhava. Diese [fünf Mantras] sind mittels Nyāsa an Stirn, Mund, Herz, Nabel und Geheimort [zu setzen]. Durch dieselben [Mantras], vom Wurzel[ort] (mūlādhāra) ausgehend [bis zur Stirn und zurück], sollen alle die Pfeile [ebenfalls dort] unterworfen gemacht werden; wer die Vidyā bis zur Stirn hinsetzt [?], der wird zum Herrn über alle Frauen der Welt [?]. All die Yantras dieser [fünf Kāma-Gottheiten], welche die drei Welten erschüttern – ich werde sie der Reihe nach verkünden; höre aufmerksam zu, [Göttin].

Verse 35–38 beschreiben die je einsilbigen Bīja-Mantras der fünf Kāma-Gottheiten, die der Kommentar Silbe für Silbe (Konsonant + Vokal + Bindu) buchstabiert – die OCR dieser Buchstabieranleitungen ist jedoch so zerstört, dass eine verlässliche Rekonstruktion der tatsächlichen Bīja-Silben (etwa 'klīṃ', 'krīṃ' o.ä., wie im Śrīvidyā-Tantrismus für Kāma-Bījas gebräuchlich) hier nicht seriös möglich ist; alle Bīja-Silben sind daher mit [bīja: ?] bzw. [?] gekennzeichnet, um Raten zu vermeiden. Die Nyāsa-Orte (Stirn, Mund/Gesicht, Herz, Nabel, Geheimort) sind durch den Kommentar gesichert.

teṣu pañcasu bījeṣu punaruktivivarjitaiḥ | yojayed aṣṭabhis tais tu svarān ṣoḍaśa māyayā ||40|| aṣṭāviṃśatisaṃyuktaṃ śataṃ tena bhavanti vai | tair yantrāṇi vidheyāni pañcānāṃ kramataḥ śive ||41|| vṛttatrayasya ṣaṭkoṇaṃ kṛtvā madhye svamantram | likhet sādhyākhyayopetaṃ ṣaṭsu koṇeṣu tat punaḥ ||42|| vibhajya bindumāyābhyām adha ūrdhvaṃ likhet kramāt | vṛttāntarālayor bāhye catuḥṣaṣṭyā dvir ālikhet ||43|| evaṃ yantrāṇi pañca syuḥ pañcānāṃ kramataḥ śive | pañcabhiś ca kramād anyad antaṃ sumahādbhutam ||44|| dvitīye jaṭhare tv ādyaṃ sanāma vilikhet tayoḥ | bahis tṛtīyarūpeṇa ṣaṭkoṇena praveṣṭayet ||45|| caturthe vilikhet koṇeṣv api ṣaṭsv api pārvati | veṣṭayet pañcamenaiva tad yantraṃ sarvamohanam ||46||

In jenen fünf Bīja[-Mantras] soll man, ohne Wiederholung, mit jenen acht [Konsonanten] die sechzehn Vokale samt Māyā (Visarga) verbinden. Dadurch entstehen hundertachtundzwanzig [Silben]; mit ihnen sind die Yantras der fünf [Kāma-Gottheiten] der Reihe nach zu bilden, o Śivā. Nachdem man innerhalb dreier Kreise ein Sechseck gebildet hat, schreibe man in der Mitte das eigene Mantra, versehen mit dem Namen des Zielobjekts (sādhya); ebendieses [schreibe man] wiederum in den sechs Ecken. Nachdem man [den Silbenkreis] mit Bindu und Māyā unten und oben der Reihe nach geteilt hat, schreibe man außen, im Zwischenraum der [äußeren] Kreise, die vierundsechzig [Silben] zweifach. So entstehen fünf Yantras, der Reihe nach, der fünf [Kāma-Gottheiten], o Śivā; und aus diesen fünf entsteht der Reihe nach ein weiteres, letztes, sehr wundersames [Yantra]. Im Inneren des zweiten [Yantras] schreibe man das erste samt dem Namen von beiden; außen umhülle man [es] mit der dritten Form, [gebildet] durch ein Sechseck. Im vierten schreibe man [es] auch in allen sechs Ecken, o Pārvatī; man umhülle [es] eben mit dem fünften – jenes Yantra [ist] das Allbezaubernde (sarvamohana).

Beschreibung der Konstruktion von fünf Einzel-Yantras (je eines pro Kāma-Gottheit, aus 128 Silben: 8 Konsonanten × 16 Vokale) und ihrer schrittweisen Verschachtelung zu einem sechsten, zusammengesetzten Yantra ('sarvamohana', 'das Allbezaubernde'). Die geometrische Beschreibung (drei Kreise, Sechseck, 64 äußere Silben doppelt) folgt eng dem vom Kommentar in Prosa wiederholten Bauplan.

tasyāpi parato bāhye tair āveṣṭya purodhitaiḥ [?] | yantrāntaraṃ tu janayed bahir mātrayāpi ca ||47|| yantrāṇy aṣṭau bhavanti vai pañca kāmātmakāni vai | tair asādhyaṃ jagat sarvaṃ na kiñcin na kadācana ||48|| manujaṃ manujendraṃ vā mahilāṃ vā madāvilām [?] | yantrāṣṭakeṣu madhyasthaṃ bhāvayet svena tejasā ||49|| ekībhūtaṃ japed etāni mantrāṇy api pañca tataḥ | tena te vaśagāḥ kṣipraṃ yāvajjīvaṃ suniścitam ||50|| teṣu madhyasthamadhyastham [?] ātmasādhye japāruṇam [?] | mantravākprakāśaiś ca tathāsaṅgatarītam [?] ||51|| bhāvayann ātmanā grastaṃ [?] japet tāny mantrāṇy api | tena te vaśagāḥ kṣipraṃ dadyuḥ prāṇān dhanāni ca ||52||

Über jenes [sechste Yantra] hinaus, außen, nachdem man [es] mit jenen zuvor genannten [Silben] umhüllt hat, erzeuge man noch ein weiteres Yantra, außen, auch mit der [ganzen] Buchstabenreihe (mātṛkā). So entstehen acht Yantras, [alle] aus der Fünfheit der Kāma[-Gottheiten] bestehend; durch sie gibt es nichts in der ganzen Welt, was jemals unerreichbar wäre. Einen Mann, einen Herrscher, oder eine Frau, [selbst] eine berauschte [wie eine brünstige Elefantenkuh] [?] – man visualisiere [ihn/sie], in der Mitte der acht Yantras befindlich, mit dem eigenen [inneren] Glanz (tejas). Gesammelten Sinnes rezitiere man sodann auch diese fünf Mantras; dadurch werden jene rasch unterworfen, für die ganze Lebenszeit, ganz gewiss. In deren Mitte [visualisiere man] das Zielobjekt (sādhya) selbst, rot [gefärbt] durch die Rezitation [?], zusammen mit dem Erstrahlen der Mantra-Rede [?] [?]. Indem man [das Zielobjekt] als von sich selbst ergriffen visualisiert [?], rezitiere man auch jene Mantras; dadurch geben jene, rasch unterworfen, [sogar] ihr Leben und ihre Güter.

Verse 47–52 beschreiben das siebte und achte (aus der Buchstabenreihe/mātṛkā gebildete) Yantra sowie die Anwendung aller acht zur Unterwerfung (vaśīkaraṇa) von Personen. Verse 49, 51 und 52 enthalten mehrere im OCR kaum mehr auflösbare Details (Beschreibung der Visualisierung); mit [?] markiert, Gesamtsinn (Visualisierung des Zielobjekts inmitten der Yantras, Rezitation der fünf Kāma-Mantras zur Unterwerfung) jedoch aus Kontext und Kommentar hinreichend gesichert.

tasya ṣaṣṭhasya madhyasthabīje mantreṇa veṣṭayet | prāgvat suṣumṇāntar bhāvayed yonimudrayā ||53|| evaṃ tad aṣṭamadhyasthaṃ [?] kumbhaṃ kṛtvā yathāvidhi | tenābhiṣiñcet daurbhāgyarogadāridryamuktaye ||54|| kuṅkumacandanair vā sindūragairikadurdarais [?] tu vā | kṛtvā cakrāṣṭakaṃ bhūrje phalake vā śilāsu ca ||55|| madhye vidyāhūtaṃ kṛtvā tatrāvāhyābhipūjya tām | kāmeśvarītadadhyakṣo [?] japen mantraṃ payovrataḥ ||56|| tenāsya pūrvajanmāntaduṣkṛtāny apayānti vai | asmin janmani sallakṣmīm avāpya sukham edhate ||57||

Jenes sechste [Yantra] umhülle man mit dem Mantra am zentralen Bīja; wie zuvor visualisiere man [es] innerhalb der Suṣumṇā [mittels] der Yoni-Mudrā. So bereite man, mit jenen acht [Yantras] in der Mitte, vorschriftsgemäß einen [geweihten] Wasserkrug (Kumbha); mit diesem besprenge man [sich/den Betroffenen] zur Befreiung von Unglück, Krankheit und Armut. Mit Safran und Sandel, oder mit Zinnober, rotem Ocker oder Realgar [?], nachdem man die Achtergruppe der Cakras (Yantras) auf Birkenrinde, einer Holztafel oder auf Steinplatten angefertigt hat, nachdem man [sie] in der Mitte, durch die Vidyā herbeigerufen, [dort] eingeladen und verehrt hat, rezitiere man, unter der Aufsicht [?] der Kāmeśvarī, das Mantra, eine Milchdiät (payovrata) einhaltend. Dadurch weichen seine üblen Taten, angesammelt seit dem Ende früherer Geburten; in dieser Geburt erlangt er wahren Wohlstand und gedeiht in Glück.

Verse 53–57: Anfertigung eines geweihten Wasserkrugs (Kumbha) und einer aus den acht Yantras gebildeten Cakra-Gruppe auf Birkenrinde o.ä.; Anwendung für Wohlstand, Gesundheitswiederherstellung und Sündentilgung. 'kāmeśvarītadadhyakṣaḥ' (Vers 56) unsicher rekonstruiert, Sinn vermutlich 'unter Aufsicht/Schutz der Kāmeśvarī'.

naraṃ nārīṃ nṛpaṃ cānyaṃ nagaraṃ vātha pattanam | deśaṃ janapadaṃ vāpi tanmadhye pravilikhya tat ||58|| arced araṇyaiḥ [?] puṣpair gandhaiḥ kāśmīrasaṃyutaiḥ | naivedyaiḥ kadalīdugdhaśarkarāpāyasādibhiḥ ||59|| maṇḍalaṃ vā tadardhaṃ vā saptavāsaram eva vā | kandarpasamasaubhāgyo jāyate niyataṃ naraḥ ||60|| suvarṇādiṣu saṃlikhya dhāraṇād girau tale [?] | lakṣmīkāntidhanārogyair āyuḥpuṣṭim avāpnuyāt ||61||

Einen Mann, eine Frau, einen König oder einen anderen, eine Stadt oder einen Marktflecken, ein Land oder ein Reich – nachdem man dies in der Mitte [des Yantras] eingezeichnet hat, verehre man [es] mit frischen [?] Blumen, mit Duftstoffen samt Safran, mit Speiseopfern wie Banane, Milch, Zucker, Milchreis und dergleichen. Sei es einen Maṇḍala-Zeitraum [49 Tage], die Hälfte davon, oder auch nur sieben Tage [lang] – [dadurch] wird der Mann gewiss mit einem dem Kandarpa (Liebesgott) gleichen Liebreiz begabt. Nachdem man [das Yantra] auf Gold oder dergleichen eingraviert hat, erlangt man, durch das Tragen [?], Wohlstand, Anmut, Reichtum, Gesundheit und Mehrung der Lebenskraft.

Verse 58–61: Anwendung des Yantras zur Gewinnung von Liebreiz/Zuneigung eines Zielobjekts (Person, Stadt, Land) mittels Einzeichnung, Opfergaben und Tragen als Amulett.

anāvṛtteḥ tu vidyāyāḥ [?] ṣoḍaśasvarayojanāt | dvyanavatyā [?] śataṃ varṇā jāyante mantrasambhavāḥ ||62|| svarāṇāṃ sarvamantreṣu yojanaṃ kena hetunā | kriyate parameśāna tan me kathaya sāmpratam ||63|| svarāḥ ṣoḍaśa deveśi vyañjanāni tathā punaḥ | pañcaviṃśat samākhyātaṃ tayor anyonyasaṅgateḥ ||64|| bhāratyā dehabhūtais tair vyañjanaiḥ svarayojanam | tatprāṇayojanaṃ virahasya parameśvari ||65|| bhāratyā varṇarūpāyā hasau netre samīrite | prāṇāḥ svarāḥ samākhyātā bindusargas tu cetanā ||66|| anyāny avayavāni syur anyāni parameśvari | tena tadyuktito varṇāḥ prasīdanti na cānyathā ||67|| bindusarge hasau turyasvaraś ceti ca pañcamam [?] | bhāratyā [?] caitanyavijṛmbhaṇam [?] ||68||

Aber durch das Verbinden der sechzehn Vokale mit den nicht-repetierenden [zwölf Silben] der Vidyā entstehen einhundertzweiundneunzig Silben, dem Mantra entsprossen. „Aus welchem Grund wird bei allen Mantras das Verbinden der Vokale vorgenommen, höchster Herr? Sage mir dies nun." „Die Vokale sind sechzehn, Göttin der Götter, die Konsonanten wiederum werden [in Gruppen zu] fünfundzwanzig genannt; [das Mantra entsteht] aus deren gegenseitiger Verbindung. Durch die Sprache (Bhāratī), deren Körper jene Konsonanten sind, ist die Verbindung mit den Vokalen die Verbindung ihres Lebenshauchs (prāṇa); ohne diese [gibt es nur] Trennung, höchste Herrin. Von der Sprache, deren Gestalt aus Lauten besteht, werden Ha und Sa als [ihre] beiden Augen bezeichnet; die Vokale werden [ihre] Lebenshauche genannt, das Hervorbringen des Bindu (Nasallaut) aber [ihr] Bewusstsein. Die übrigen Laute sind [ihre] anderen Glieder, höchste Herrin; deshalb werden die Laute nur durch diese Verbindung wirksam, und nicht anders. Im Hervorbringen des Bindu, [zusammen mit] Ha und Sa, dem vierten Vokal [?] und einem fünften [?] – [dies ist] das Erblühen des Bewusstseins der Sprache [?].

Verse 62–68: eine kurze Lehrunterweisung (in Frage-Antwort-Form, V63 als Frage der Devī) über die Theorie, warum Vokale mit den Konsonanten der Mantras verbunden werden müssen (Vokal = Lebenshauch/prāṇa, Konsonant = Körper der Sprache, Bindu = Bewusstsein) – eine im Śrīvidyā-Tantrismus geläufige Sprachphilosophie (Bhāratī/Vāc als Körper-Analogie). Vers 62 'dvyanavatyā śatam' = 192 (12 × 16 Vokale); Vers 68 im OCR fast unlesbar, Gesamtsinn ('Erblühen des Bewusstseins') aus Kontext erschlossen, Einzelheiten mit [?] markiert.

tena tair hīnarūpās tu mantrā vidyās tathāpare | niḥprāṇadehavat kāryeṣu karaṇeṣv akṣamāḥ smṛtāḥ ||69|| tena sarvatra tu mayā svarayoga udīryate | ye ye mantrāḥ proktā vihīnās tāṃś ca yojayet ||70|| tena te balavantaḥ syuḥ kāryeṣu ca phalānvitāḥ | tasmāt sarvaṃ saṃyogāt svaraiḥ sarvārthasiddhidāḥ ||71|| evaṃ tair eva jāyante yantrāṇi samabalāni vai | aṣṭāviṃśatinīyogāṃś [?] ca vakṣye teṣām anukramāt ||72|| vṛttadvayāntaḥ ṣaṭkoṇaṃ kṛtvā madhye nijaṃ svam [?] | māyāgarbhaṃ samālikhya veṣṭayet prāgvad akṣaraiḥ ||73||

Deshalb werden Mantras und Vidyās, die jener [Vokal-Verbindung] entbehren, wie ein lebloser Körper betrachtet, unfähig zu [wirksamen] Handlungen und Verrichtungen. Deshalb wird von mir überall die Verbindung mit den Vokalen gelehrt; welche Mantras auch immer [ohne sie] gelehrt wurden, die soll man [entsprechend] verbinden. Dadurch werden sie kraftvoll und mit Frucht(erfolg) in den [rituellen] Handlungen versehen; deshalb sind [Mantras], durch gänzliche Verbindung mit den Vokalen, Gewährer aller Ziele. So entstehen eben durch sie Yantras von gleicher Kraft; ich werde ihre achtundzwanzig Anwendungen (niyoga) der Reihe nach verkünden. Nachdem man innerhalb zweier Kreise ein Sechseck gebildet hat, schreibe man in der Mitte die eigene [Silbe], mit Māyā (Visarga) als [ihrem] Kern, und umhülle sie wie zuvor mit den [192] Silben.

Vers 72: Gesamtzahl der im Folgenden aufgezählten Yantra-Anwendungen; OCR zeigt eine Zahl, die entweder 'dvāviṃśati' (22) oder – wie die spätere ausdrückliche Erwähnung 'aṣṭāviṃśena' (Vers 87, 'durch das 28.') nahelegt – 'aṣṭāviṃśati' (28) meint; da die folgende Liste (V74ff.) tatsächlich bis mindestens zur 28. Anwendung zählt, wird hier 'aṣṭāviṃśati' (28) als Lesart zugrunde gelegt und in Vers 72 entsprechend emendiert; die OCR-Ziffer selbst bleibt unsicher.

prathame kanakāvāptir dvitīye bhūṣaṇādayaḥ | tṛtīye kanyakāsiddhiś caturthe bhūpatigrahaḥ ||74|| pañcame vāhanāvāptiḥ ṣaṣṭhe strīvaśyam īritam | saptame bhavanāvāptir aṣṭame dhenusaṅgamaḥ ||75|| navame uccaiḥśravobhūṣaṃ [?] daśame araṇyahayam [?] | ekādaśena vijayo naraḥ samarasaṅgame ||76|| vādeṣu vyavahāreṣu dyūteṣu vividheṣv api | dvādaśe 'bhīṣṭāvāptiḥ pareṇāri vināśanam [?] ||77|| gajavājikharoṣṭrāṇāṃ naragokṣetrapakṣiṇām | bhujaṅgameṣamahiṣavājinān tv āśu nāśanam ||78|| tattaccitre [?] ca tadraktenālikhitaṃ tanmayaṃ tathā | sthāpitaṃ maṇḍalanyāsāt saptarātrād athāpi vā ||79|| caturdaśena dṛṣṭiḥ [?] syāt pareṇa jṛmbhaṇaṃ ripoḥ | krodhavairasamudyogaśanair api dhruvam [?] ||80||

Beim ersten [Yantra ist die Wirkung] die Erlangung von Gold, beim zweiten Schmuck und dergleichen; beim dritten die Gewinnung einer [Braut-]Jungfrau, beim vierten das Für-sich-Gewinnen eines Königs. Beim fünften die Erlangung eines Reittiers, beim sechsten wird die Unterwerfung von Frauen genannt; beim siebten die Erlangung eines Hauses, beim achten der Erwerb von Kühen. Beim neunten [die Erlangung] vorzüglicher Rosse [?], beim zehnten [Wildpferde/Reichtum] [?]; durch das elfte [erlangt] ein Mann Sieg im Zusammentreffen der Schlacht. In Streitgesprächen, Rechtsstreitigkeiten und mannigfachem Glücksspiel ebenso; beim zwölften die Erlangung des Erwünschten, durch das folgende die Vernichtung des Feindes. Von Elefanten, Pferden, Eseln, Kamelen, Menschen, Rindern, Feldtieren und Vögeln, von Schlangen, Widdern, Büffeln und Rossen [bewirkt es] rasche Vernichtung. Nachdem man das jeweilige Abbild [des Ziels], mit dessen [eigenem] Blut gezeichnet und so mit ihm gleichgesetzt, durch die Maṇḍala-Einsetzung für einen [vollen] Maṇḍala-Zeitraum oder auch nur für sieben Nächte niedergelegt hat, geschieht durch das vierzehnte [Yantra] Blendung [?]; durch das folgende das Gähnen (Lähmung) des Feindes; durch Zorn, Feindschaft und [feindliches] Unternehmen ganz allmählich, aber gewiss [wird der Feind geschwächt] [?].

Verse 74–80: Katalog der Wirkungen (niyoga) der ersten ca. 14 der insgesamt 28 aus der Kāmeśvarī-Vidyā gebildeten Yantras, jeweils nach Ordnungszahl benannt. Zahlreiche Einzelheiten (insbesondere Verse 76, 77, 80) sind wegen extremer OCR-Zerstörung nur ungefähr erschließbar und mit [?] markiert; die Grundstruktur (Liste von Wirkungen Nr. 1 bis Nr. 14) ist jedoch klar erkennbar.

ṣoḍaśena kṣiptenāgnau bhūtādyaṃ [?] nirbādhyate | tataḥ pareṇa yantreṇa khātena dharaṇītale [?] ||81|| rakṣā bhavati sarvatra prāṇinām bhavati dhruvam | anantarābhyāṃ khananāt kalahaḥ [?] grāmayor dvayoḥ ||82|| sasyānāṃ vahninā kramanāśaḥ syād bhūruhām api | deśānām api cānyonyakalahāt pīḍanaṃ bhavet ||83|| anantareṇa yantreṇa virodho bhūbhujāṃ bhavet | rāṣṭrasya sīmni tasya khananān nātikālataḥ ||84|| ekaviṃśena yantreṇa rogārtā vairiṇo dhruvam | dvāviṃśena gavāṃ rāgas [?] trayoviṃśena dantinām ||85|| caturviṃśena vāhānāṃ pañcaviṃśena bhūbhujām | ṣaḍviṃśena pradhānānāṃ rogāvāptir bhavet ||86|| saptaviṃśena teṣāṃ tu proktānāṃ kṣayanāśanam [?] | aṣṭāviṃśena yantreṇa kṛtvā pratijīvyate [?] ||87||

Durch das sechzehnte [Yantra], ins Feuer geworfen, wird [Unheil] von Geistwesen und dergleichen [?] abgewehrt; dann, durch das folgende Yantra, in der Erde vergraben, entsteht überall Schutz für die Lebewesen, ganz gewiss; durch das Vergraben der beiden folgenden [Yantras, je eines] in zwei Dörfern, [entsteht] Streit zwischen ihnen [?]. Durch Feuer [mit dem entsprechenden Yantra] entsteht allmähliche Vernichtung der Feldfrüchte, auch der Bäume; auch bei Ländern entsteht durch gegenseitigen Streit Bedrängnis. Durch das folgende Yantra entsteht Feindschaft unter Königen; [vergraben] an der Grenze eines Reiches, nicht nach langer Zeit. Durch das einundzwanzigste Yantra werden Feinde gewiss von Krankheit geplagt; durch das zweiundzwanzigste [entsteht] Zuneigung bei Rindern [?], durch das dreiundzwanzigste bei Elefanten. Durch das vierundzwanzigste bei Pferden, durch das fünfundzwanzigste bei Königen, durch das sechsundzwanzigste bei Ministern entsteht das Erlangen von Krankheit [beim Feind]. Durch das siebenundzwanzigste [entsteht] die Vernichtung/das Schwinden der genannten [Feinde]; durch das achtundzwanzigste Yantra aber wird [der Anwender bzw. das Ziel] wiederbelebt/erhält neues Leben [?].

Fortsetzung des Yantra-Katalogs (Nr. 15–28), überwiegend feindschädigende (abhicāra-artige) und schützende Anwendungen. Zahlreiche Details (insbesondere die genaue Wirkung von Nr. 22–23 sowie Nr. 28) sind durch die OCR nur bruchstückhaft erhalten und mit [?] markiert; Vers 87 zweite Hälfte könnte auch bedeuten, dass Nr. 28 die vorherigen schädigenden Wirkungen bei Bedarf rückgängig macht bzw. Leben schenkt – hier bewusst offen gelassen.

dhāraṇād bhūṣu khananād ratnāgrādiṣu bandhanāt [?] | taḍāgakūpavāpyādiṣv apagacchati sā dhruvam ||88|| tataḥ pareṇa yantreṇa vāgmitā kāpi jāyate | tata ūrdhveṇa yantreṇa deśivākstambhanaṃ [?] bhavet ||89|| [?] yantreṇa vāhānāṃ dantinām api | [?] tadgṛhe khananād dhāraṇād api [?] ||90|| dvāviṃśena ambudhau potā na kliśyanti kadācana | pāraṃ prayānti cākṣayavividhā yantraśaktayaḥ ||91||

Durch Tragen [an sich], durch Vergraben in der Erde, durch Befestigen an Juwelen und dergleichen [?], oder in Teichen, Brunnen, Zisternen und dergleichen [platziert], weicht jenes [Übel] überallhin gewiss. Dann, durch das nächste Yantra, entsteht eine gewisse Beredsamkeit (vāgmitā); dann, durch das darauffolgende Yantra, entsteht die Lähmung der Rede [eines feindlichen Herrschers] [?]. Durch [ein weiteres] Yantra [entsteht Gunst/Ertrag] bei Reittieren und auch Elefanten; [?] durch Vergraben oder Tragen in dessen Haus [?]. Durch [ein Yantra dieser Reihe] leiden Schiffe auf dem Ozean niemals Not, sondern gelangen ans andere Ufer; unerschöpflich und mannigfaltig sind die Kräfte der [dieser] Yantras.

Verse 88–91 schließen den Yantra-Katalog ab (Abwehr von Übel, Beredsamkeit, Lähmung feindlicher Rede, Wohlwollen bei Reittieren, Schutz auf See) und fassen abschließend die unerschöpfliche Wirkkraft der Yantras zusammen. Verse 89–90 im OCR stark zerstört, mehrere Details mit [?] markiert; die genaue Zuordnung zu den Ordnungszahlen 29ff. ist an dieser Stelle nicht mehr sicher aus dem Text zu entnehmen, da die fortlaufende Nummerierung der 28 Yantras bereits mit Vers 87 abgeschlossen scheint – möglicherweise handelt es sich hier um ergänzende, nicht mehr durchnummerierte Einzelanwendungen.

ṣoḍaśānāṃ tu nityānāṃ pratyekaṃ tithiṣu kramāt | tattattithau tadarcanaṃ japahomārcanādinā ||92|| ghṛtaṃ ca śarkarā dugdham apūpaṃ kadalīphalam | dadhi drākṣā [?] guḍaṃ nālikeraphalaṃ lājāṃ tilaṃ dadhi [?] ||93|| pṛthak carum atha mudgaṃ pāyasaṃ ca nivedayet | pratipattithim ārabhya kramāt pañcadaśasv api ||94|| kāmeśvaryādiśaktīnāṃ sarvāsām api coditam | ādyāyā lalitāyāstu sarvāṇy etāni sarvadā ||95|| nivedayej jayāsaṅgī [?] dadan nṝṇām api | vidyāśaktimatāṃ nityam abhīṣṭāvāptaye 'niśam [?] ||96|| tattadakṣarasaṃkhyātam auṣadhaṃ tatpramāṇataḥ | sampiṣya guṭikāṃ kṛtvā tair eva svayaṃ sādhayet ||97||

Von den sechzehn Nityās aber [ist] jede einzelne, der Reihe nach, [einem bestimmten] Mondtag [zugeordnet]; an jenem jeweiligen Mondtag [geschehe] ihre Verehrung mit Japa, Homa, Verehrung und dergleichen. Ghee, Zucker, Milch, Kuchen, Bananenfrucht, Quark, Weintrauben [?], Melasse, Kokosnussfrucht, geröstetes Korn, Sesam, [nochmals] Quark [?] – und gesondert Reisbrei (Caru), Mungbohnen und Milchreis (Pāyasa) soll man darbringen, der Reihe nach, beginnend mit dem ersten Mondtag, für alle fünfzehn [folgenden Tage]. Dies gilt für alle Śaktis, angefangen bei Kāmeśvarī; für die erste, Lalitā, aber [gelten] all diese [Opfergaben] stets, [an jedem Tag]. Man bringe [diese Gaben] siegreich dar [?], sie auch den Menschen gebend; für die, die mit der Kraft der Vidyā ausgestattet sind, stets, Tag und Nacht, zur Erlangung des Erwünschten. Die nach der jeweiligen Silbenzahl [des betreffenden Mantras] bemessene Arzneisubstanz, in eben diesem Maß zerrieben und zu einer Pille (Guṭikā) geformt, soll man mit eben jenen [Mantras] selbst wirksam machen (weihen).

Verse 92–97: Zuordnung der sechzehn Nityās zu den Mondtagen (Tithis) mit je spezifischen Speiseopfern, sowie Anleitung zur Herstellung einer mantrisch geweihten Arznei-Pille (Guṭikā), deren Stoffmenge nach der Silbenzahl des jeweiligen Mantras bemessen wird – eine im Tantra verbreitete Praxis (Mantra-gewichtete Dosierung). Vers 93 Aufzählung der Opfergaben teils unsicher (Wiederholung von 'dadhi' [Quark] am Versende auffällig, evtl. OCR-Duplikat einer anderen Zutat); Vers 96 stark verderbt.

atha evaṃ tarpaṇaṃ nityaṃ snānaṃ pānaṃ ca bhojanam | sphuṭaṃ [?] saṃyuktaṃ bhāle dhāraṇaṃ sarvasiddhikṛt ||98|| rājñāṃ viśeṣato [?] kuryād etat tu nityaśaḥ | snāne pāne dhāraṇe ca guṭikāyojanena vai ||99|| rogāpasmārakulyādidoṣā grahasamudbhavāḥ | na bādhante tato nityam arcayet svayaṃ kvacit ||100|| eṣā rasamayī vyāptir iti samyak samīritā | asyā niṣphalanān [?] nityaṃ tattac ca svātmasātkṛtam [?] ||101|| (Kolophon:) iti śrīṣoḍaśanityātantreṣu [?] saptamaḥ paṭalaḥ paripūrṇaḥ.

So [wirkt] nun diese [Guṭikā] beständig bei Tarpaṇa (Wasserspende), Baden, Trinken und Essen; verbunden [mit ihr] [?] auf der Stirn getragen, bewirkt sie jede Vollendung. Besonders bei Königen [?] soll man dies stets ausführen, beim Baden, Trinken und Tragen, mittels der Anwendung dieser Pille. Krankheiten, Epilepsie, Übel wie Sippenschande [?] und aus Planeten[einflüssen] entstandene Fehler beeinträchtigen [ihn] dann nicht mehr; deshalb soll man [die Gottheit] stets, gelegentlich, selbst verehren. Diese aus [mantrischer] Essenz (Rasa) bestehende Durchdringungskraft ist so vollständig verkündet worden; durch deren Nichtversagen wird jenes und jenes [Ziel] beständig zu eigen gemacht [?]. So ist im ehrwürdigen Ṣoḍaśanityā-Tantra der siebte Paṭala vollständig abgeschlossen.

Verse 98–101 (Abschluss des Kapitels): Wirkungen der geweihten Guṭikā (Pille) bei täglicher rituelller Anwendung (Tarpaṇa, Bad, Trank, Speise, Stirnamulett), besonders für Könige; Schutz vor Krankheit und astrologisch bedingtem Unheil; abschließende zusammenfassende Aussage über die Wirksamkeit dieser 'aus Rasa/Essenz bestehenden Durchdringung' (Vers 101, stark verderbt, Sinn nur ungefähr erschließbar). Es folgt das kurze Wurzeltext-Kolophon: „So ist im ehrwürdigen Ṣoḍaśanityā-Tantra der siebte Paṭala vollständig [abgeschlossen]" (Titelbezeichnung des Gesamtwerks hier als „Ṣoḍaśanityā-Tantra", entsprechend einem der im Manoramā-Kommentar mehrfach verwendeten alternativen Titel für das Tantrarāja-Tantra).

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