Kapitel 10: ṛgvede 2.10 · johūtro agniḥ prathamaḥ piteveḷas pade manuṣā yat samiddhaḥ
Anruf an Agni, den entzündeten Rufer und Boten
Lied an Agni: seine Geburt in vielgestaltigen Gebärerinnen, seine Pflege mit Schmalz und der Wunsch, mit ihm als Boten zu den Göttern zu sprechen. Schwierig sind 2.10.2cd (cakre, vibhṛtraḥ), 3c (śiriṇā) und die Formen jñeyāḥ / śrūyāḥ.
Laut rufend ist Agni der Erste, wie ein Vater an der Stätte der Iḷā, wenn er nach Menschenart entzündet ist; / Glanz anlegend, unsterblich, einsichtig, zu striegeln [Anm.: marmṛjenya = ‚der zu reinigen/ zu putzen ist‘], ruhmbringend – er, der Kraftvolle.
Erhöre, Agni mit strahlendem Glanz, meinen Ruf mit allen Liedern, du Unsterblicher, Einsichtiger. / Die beiden Braunen ziehen den Wagen, oder auch die beiden Roten oder Rötlichen; fürwahr hat er [das] bewirkt, der weithin Verteilte/ Getragene [?].
Wort für Wort
śruyāḥ
mögest du hören, sei erhört (2. Sg. Opt.) [?]
agniḥ
Agni (Nom./Vok. Sg.)
citra-bhānuḥ
mit strahlendem Glanz (Nom./Vok. Sg.)
havam
Ruf (Akk. Sg.)
me
mein (Gen. Sg.)
viśvābhiḥ
mit allen (Instr. Pl. f.)
gīḥ-bhiḥ
mit Liedern, Rufen (Instr. Pl.)
amṛtaḥ
unsterblich (Nom. Sg.)
vi-cetāḥ
einsichtig (Nom. Sg.)
śyāvā
die beiden Braunen (Nom. Du.)
ratham
Wagen (Akk. Sg.)
vahataḥ
ziehen (3. Du.)
rohitā
die beiden Roten (Nom. Du.)
vā
oder
uta
auch
aruṣā
die beiden Rötlichen, Glänzenden (Nom. Du.)
aha
fürwahr
cakre
hat gemacht, bewirkt (3. Sg. Perf. Med.) [?]
vi-bhṛtraḥ
der Verteilte, nach verschiedenen Seiten Getragene (Nom. Sg.) [?]
In der Ausgebreiteten (Uttānā) zeugten sie den gut Geborenen; Agni wurde Leibesfrucht in den vielgestaltigen [Gebärerinnen]. / Auch in der Śiriṇā [?] weilt, bei Nacht/ Salbung, der Vorausschauende, durch Größen ungehindert. [Anm.: uttānā ‚ausgebreitet, auf dem Rücken liegend‘ – plausibel die Erde, das untere Reibholz oder die Gebärende; śiriṇā unklar.]
Wort für Wort
uttānāyām
in der Ausgebreiteten, Aufgestreckten (Lok. Sg. f.)
Ich lasse Agni erglühen mit Darbringung und Schmalz, ihn, der in allen Wesen/ Welten gegenwärtig wohnt, / den Breiten, quer [ausgedehnt] mit Lebenskraft, den Hohen, den Weitesten mit Speisen, den Ungestümen, den Sichtbaren.
Von allen Seiten [ihm] zugewandt lasse ich ihn erglühen; das möge er mit unschädlichem Sinn gern annehmen. / Mit dem Glanz der Männer, von begehrenswerter Farbe ist Agni, nicht zu berühren mit dem Körper, [wenn er] flackert/ zuckt.
Wort für Wort
ā
hin, herbei
viśvataḥ
von allen Seiten
pratyañcam
zugewandt (Akk. Sg.)
jigharmi
ich lasse glühen (1. Sg.)
arakṣasā
mit unschädlichem, nicht verletzendem (Instr. Sg.)
manasā
mit Sinn, Geist (Instr. Sg.)
tat
das (Akk. Sg. n.)
juṣeta
möge er gern annehmen (3. Sg. Opt. Med.)
marya-śrīḥ
Glanz der Männer, Männerschönheit habend (Nom. Sg.)
Als Anteil mögest du erkannt werden [?], Überwältiger, durch [unsere] Wahl/ Gabe; mit dir als Boten mögen wir sprechen wie Manu. / Ich rufe den unverkürzten Agni immer wieder an mit dem Löffel/ der Zunge und mit Rede, den Süßes Mischenden, den Gewinnbringer.