Kapitel 16: ṛgvede 2.16 · pra vaḥ satāṃ jyeṣṭhatamāya suṣṭutimagnāviva samidhāne havirbhare
Indra, der Stier: Lob seiner allumfassenden Kraft
Das Lied preist Indra als Träger aller Kräfte und spielt in den Versen 4-6 mit dem Wort vṛṣabha/vṛṣan (Stier, männlich-stark), das fast in jedem Pāda wiederkehrt. Vers 9 ist der Schlussrefrain der Gruppe 2.16-2.21.
Für euch [?] (bringe ich) ein schönes Lob dem Ältesten der Seienden [?], wie in ein entzündetes Feuer, wenn die Spende dargebracht wird [Anm.: das Verb fehlt, ergänzt]. / Indra, den nicht Alternden, der (die anderen) altern lässt [?], den Benetzten/Erstarkten, den von jeher Jungen, rufen wir zur Hilfe.
Ohne den großen Indra, aus dem heraus irgendetwas (ist) [?]: in ihm sind alle Heldenkräfte zusammengetragen. / Im Bauch (trägt er) den Soma, im Leib die große Kraft, in der Hand trägt er den Keil, im Kopf die Einsicht.
na kṣoṇībhyāṃ paribhve ta indriyaṃ na samudraiḥ parvatairindra te rathaḥ / na te vajramanvaśnoti kaścana yadāśubhiḥ patasi yojanā puru
Nicht reichen die beiden Welten aus, deine Kraft zu umfassen, nicht Meere, nicht Berge, Indra, deinen Wagen. / Nicht erreicht irgendeiner deinen Keil, wenn du mit Schnellen (Rossen) viele Wegstrecken fliegst.
Denn alle bringen diesem verehrungswürdigen, kühnen Stier ihre Einsicht dar, ihm schließen sie sich an. / Als Stier verehre (die Götter) mit der Spende, du Kundigerer [?]; trink, Indra, den Soma mit stierhaftem Glanz.
Des Stiers Behälter läutert sich, die Woge des Honigs, für den, dessen Nahrung stierhaft ist, den Stier, zum Trinken. / Die beiden stierhaften Adhvaryu, die stierhaften Presssteine pressen den stierhaften Soma für den Stier.
Wort für Wort
vṛṣṇaḥ
des Stiers (Gen. Sg.)
kośaḥ
Behälter, Eimer (Nom. Sg.)
pavate
läutert sich, strömt klar (3. Sg. Med.)
madhvaḥ
des Honigs, Süßen (Gen. Sg.)
ūrmiḥ
Woge (Nom. Sg.)
vṛṣabha-annāya
für den, dessen Nahrung stierhaft ist (Dat. Sg.)
vṛṣabhāya
für den Stier (Dat. Sg.)
pātave
zum Trinken (Dat. Inf.)
vṛṣaṇā
stierhafte (Nom. Du.)
adhvaryū iti
beide Adhvaryu (Priester der Weihehandlung, Nom. Du.)
vṛṣā te vajra uta te vṛṣā ratho vṛṣaṇā harī vṛṣabhāṇyāyudhā / vṛṣṇo madasya vṛṣabha tvamīśiṣa indra somasya vṛṣabhasya tṛpṇuhi
Stierhaft ist dein Keil und stierhaft dein Wagen, stierhaft die beiden Falben, stierhaft die Waffen. / Über den stierhaften Rausch bist du, Stier, Herr; Indra, sättige dich am stierhaften Soma.
pra te nāvaṃ na samane vacasyuvaṃ brahmaṇā yāmi savaneṣudādhṛṣiḥ / kuvin no asya vacaso nibodhiṣadindramutsaṃ na vasunaḥ sicāmahe
Wie ein Boot [?] ziehe ich für dich mit brahman [Anm.: Gebetsformung] vor, (dich) das Worte begehrt, im Zusammentreffen [?], in den Pressungen kühn. / Wird er wohl auf diese unsere Rede achten? Indra gießen wir [?] an wie eine Quelle des Guts.
purā sambādhādabhyā vavṛtsva no dhenurna vatsaṃ yavasasya pipyuṣī / sakṛt su te sumatibhiḥ śatakrato saṃ patnībhirna vṛṣaṇo nasīmahi
Noch vor der Bedrängnis wende dich uns zu, wie die Kuh zum Kalb, vom Gras strotzend. / Einmal mögen wir mit deinen guten Gesinnungen, Hundertkräftiger, zusammenkommen, wie Stiere mit den Gattinnen.
Wort für Wort
purā
vor, ehe
sam-bādhāt
aus der Bedrängnis (Abl. Sg.)
abhi
hin
ā
herbei
vavṛtsva
wende dich (2. Sg. Imp. Med. Desid.)
naḥ
uns (Akk. Pl.)
dhenuḥ
Kuh (Nom. Sg.)
na
wie
vatsam
Kalb (Akk. Sg.)
yavasasya
des Grases (Gen. Sg.)
pipyuṣī
schwellend, strotzend (Part. Nom. Sg. f.)
sakṛt
einmal
su
gut, wohl
te
deinen (Gen. Sg.)
sumati-bhiḥ
mit guten Gesinnungen (Instr. Pl.)
śatakrato itiśata-krato
Hundertkräftiger (Vok.)
sam
zusammen
patnībhiḥ
mit den Gattinnen (Instr. Pl.)
na
wie
vṛṣaṇaḥ
Stiere (Nom. Pl.)
nasīmahi
wir mögen erreichen, uns vereinen (1. Pl. Opt. Med.)
nūnaṃ sā ... [Anm.: Saṃhitā-Text und Padapāṭha der Quelle stimmen an dieser Stelle nicht überein (verschoben oder gekürzt). Padapāṭha: nūnam sā te prati varam jaritre duhīyat indra dakṣiṇā maghonī śikṣa stotṛ-bhyaḥ mā ati dhak bhagaḥ naḥ bṛhat vadema vidathe su-vīrāḥ]
Jetzt möge diese deine Gabe, Indra, die der Gabenreichen, dem Sänger den erwünschten Wunsch melken [?] / hilf den Preissängern; nicht soll uns der Anteil (Glücksgabe) verbrennen [?] [Anm.: mā ati dhak, √dah, unsichere Deutung] / laut mögen wir in der Versammlung sprechen, reich an guten Männern.