Kapitel 1: ṛgvede 2.1 · tvamagne dyubhistvamāśuśukṣaṇistvamadbhyastvamaśmanas pari
Agni, du bist all diese Götter und Wesen
Litaneiartiger Preis Agnis (jedes Verspaar mit tvám), der ihm die Funktionen der Priester und die Namen vieler Götter zuschreibt (Indra, Viṣṇu, Varuṇa, Mitra, Aryaman, Rudra, Savitṛ u. a.). Schwierig sind einige seltene Wörter (sujātyam, gnāvaḥ, dhakṣi, vidatra) und der Schlussvers, der auch als Refrain in 2.2.13 vorkommt.
tvamagne dyubhistvamāśuśukṣaṇistvamadbhyastvamaśmanas pari / tvaṃ vanebhyastvamoṣadhībhyastvaṃ nṛṇāṃ nṛpate jāyase śuciḥ
Du, Agni, wirst aus den Himmelstagen [?] geboren, du der rasch Lodernde / du aus den Wassern, du aus dem Stein ringsum, du aus den Wäldern, du aus den Kräutern; du, Herr der Männer, wirst leuchtend rein geboren. [Anm.: dyubhiḥ wörtlich „mit/durch Tage(n) des Himmels“; die Herleitung des Feuers aus Wasser (Blitz), Stein (Funkenschlag), Holz und Pflanzen ist bildlich fest.]
Wort für Wort
tvam
du (Nom. Sg.)
agne
Agni (Vok.)
dyu-bhiḥ
von den Himmelstagen/Himmelsglanz her (Instr. Pl.) [?]
Dein, Agni, ist das Rufer-Amt (hotra), dein das Läuterer-Amt (potra) nach der Jahreszeit, dein das Führer-Amt (neṣṭra) / du bist der Agnīdh für den, der der Ordnung zustrebt. Dein ist das Anweiser-Amt (praśāstra); du strebst nach der Weihehandlung (adhvara), du bist Brahman-Priester und Hausherr für uns im Haus. [Anm.: adhvarīyasi ist Denominativ „nach dem adhvara verlangen, ihn betreiben“.]
Wort für Wort
tava
dein (Gen. Sg.)
agne
Agni (Vok.)
hotram
Rufer-Amt, Anrufung (Nom. Akk. Sg.)
tava
dein (Gen.)
potram
Läuterer-Amt (Nom. Akk. Sg.)
ṛtviyam
jahreszeitgemäß, zur rechten Zeit (Nom. Sg. n.)
tava
dein (Gen.)
neṣṭram
Führer-Amt (Nom. Akk. Sg.)
tvam
du (Nom.)
agnit
Agnīdh, Feueranzünder (Nom. Sg.)
ṛta-yataḥ
für den, der zur Ordnung strebt (Gen. Sg.)
tava
dein (Gen.)
pra-śāstram
Anweiser-Amt (Nom. Akk. Sg.)
tvam
du (Nom.)
adhvari-yasi
du strebst nach der Weihehandlung (2. Sg. Denominativ)
Du, Agni, bist Indra, der Stier der Guten / du bist Viṣṇu, der weit Schreitende, der Verehrungswürdige. Du bist Brahman, der Reichtum findet, Herr des Brahman [brahmaṇas pati]; du, Ordner (vidhartṛ), gesellst dich mit Fülle der Einsicht [purandhi] hinzu.
Du, Agni, bist König Varuṇa, der die Ordnungen festhält / du wirst Mitra, der wunderbare, preiswürdige; du bist Aryaman, Herr der Guten, dessen Teilhabe [sambhuj] begehrt wird; du bist Aṃśa, Gott, in der Versammlung (vidatha) ein Zuteiler.
Du, Agni, bist Tvaṣṭar, für den Verehrer gute Manneskraft / dein sind die Göttinnen, Mitra-Großer, Verwandtschaft. Du gibst als Rascher-Antreiber gute Rossherde; du bist die Schar der Männer, reich an Gütern. [Anm.: gnāvaḥ = „Frauen der Götter“ (fest).]
Du, Agni, bist Rudra, der Asura des großen Himmels / du herrschst über die Schar der Marut, die Speise. Mit den rötlichen Winden fährst du, Heilbringer; du, Pūṣan, behütest den Verehrer selbst.
Du, Agni, bist der Reichtumsgeber für den, der recht tut / du bist der Gott Savitṛ, Schätze verleihend. Du bist Bhaga, Männerherr, du herrschst über Güter; du bist der Hüter im Haus für den, der dich verehrt hat.
Dich, Agni, den Herrn der Sippen im Haus, dich, den König, den guten Finder, schmücken die Stämme. Du herrschst über alle [Dinge], schönantlitziger / du über Tausende, über zehn Hunderte.
Dich, Agni, als Vater, mit Verehrungshandlungen [iṣṭi] die Männer / dich als Bruder mit Mühe, den am Leib Leuchtenden. Du wirst zum Sohn dem, der dich verehrt hat; du bist der gütige Freund, unbezwingbar, du behütest.
Du, Agni, bist Ṛbhu, in der Nähe verehrungswürdig / du gebietest über Kraftgewinn, über nahrhaften Reichtum. Du leuchtest nach dem Brennen [?] dem Geber, du bist der Ausbreiter der Weihehandlung. [Anm.: anu dhakṣi dāvane ist unsicher; „du leuchtest, wenn du entbrannt bist, für den Geber“ ist plausibel.]
Du, Agni, bist Aditi, Gott, für den Gebenden / du bist Hotrā, Bhāratī, du wächst durch das Lied; du bist Iḷā, hundertwinterig, dass du bewirkst; du, Vṛtra-Töter, Herr der Güter, bist Sarasvatī. [Anm.: Agni erscheint hier als göttliche Frauengestalten (Iḷā, Bhāratī, Sarasvatī); śatahimā „hundert Winter“ auf Iḷā bezogen.]
Du, Agni, gut Genährter, bist höchste Lebenskraft / dein ist bis zum Anblick [ā saṃdṛśi] die begehrenswerte Farbe der Schönheit. Du bist Kraftgewinn, der hinüberträgt, du bist der Große; du bist der Reichtum, viel, überall weit.
Dich, Agni, haben die Ādityas zum Mund, dich, die Reinen, zur Zunge gemacht für den Weisen / dich begleiten die Gabenbringer bei den Weihehandlungen; in dir essen die Götter die dargebrachte Opfergabe [havis].
In dir, Agni, essen alle unsterblichen, untrüglichen Götter mit dem Mund die dargebrachte Gabe. Durch dich laben sich die Sterblichen an der Eingießung / du wurdest als Keim der Pflanzen geboren, rein.
tvaṃ tān saṃ ca prati cāsi majmanāgne sujāta pra ca devaricyase / pṛkṣo yadatra mahinā vi te bhuvadanu dyāvāpṛthivī rodasī ubhe
Du bist es, der sie mit Größe zusammen- und entgegenhält, Agni, Gutgeborener, und du trittst hervor, Gott. Denn da [im Feuerplatz] soll dein Nahrungsstrom [pṛkṣa] sich mit Macht ausbreiten, nach [ihm] Himmel und Erde, beide Welten.
ye stotṛbhyo goagrāmaśvapeśasamagne rātimupasṛjanti sūrayaḥ / asmāñca tāṃśca pra hi neṣi vasya ā bṛhad vadema vidathe suvīrāḥ
Die Spender, die den Preisenden eine an Rindern vorderste, rosschöne Gabe zukommen lassen, Agni, führe uns und jene voran zum Besseren: möge man in der Versammlung (vidatha) laut sprechen, reich an guten Männern.