Kapitel 24: ṛgvede 2.24 · semāmaviḍḍhi prabhṛtiṃ ya īśiṣe 'yā vidhema navayā mahā girā
Brahmaṇaspati (Bṛhaspati): Lob seiner Taten und Bitte um Gedeihen
Lied auf Brahmaṇaspati/Bṛhaspati, den Herrn des Brahman (Weihewortes): Öffnung des Vala und Befreiung der Kühe, Einsatz seines Bogens, Bitte um Reichtum und Helden. Vers 1 erscheint mit Bṛhaspati als Anrede; die Verse 2 bis 6 sind syntaktisch und lexikalisch teils schwierig (nantvāni, ayatantā, praticakṣya).
semāmaviḍḍhi prabhṛtiṃ ya īśiṣe 'yā vidhema navayā mahā girā / yathā no mīḍhvān stavate sakhā tava bṛhaspatesīṣadhaḥ sota no matim
Du, der du über diese Darreichung gebietest, nimm dich ihrer an. Mit diesem neuen, großen Lied wollen wir dich verehren, damit dein gabenspendender Freund [?] uns Lobsingende, Bṛhaspati, und unser Denken zum Ziel führe [Anm.: sīṣadhaḥ (SA) gegen sīsadhaḥ (PP), Sinn: du mögest zum Ziel bringen].
yo nantvānyanaman nyojasotādardarmanyunā śambarāṇi vi / prācyāvayadacyutā brahmaṇas patirā cāviśad vasumantaṃ vi parvatam
Der die Nachgiebigen [?] mit Kraft niederbeugte und mit Grimm die Śambara-Burgen [?] auseinandersprengte; der Herr des Brahman trieb Unerschütterliches hervor und drang in den schatzreichen Berg ein.
tad devānāṃ devatamāya kartvamaśrathnan dṛḷhāvradanta vīḷitā / ud gā ājadabhinad brahmaṇā valamagūhat tamo vyacakṣayat svaḥ
Das war zu tun für den göttlichsten der Götter: sie lockerten [?]; das Feste, Befestigte gab nach [Anm.: dṛḷhā, vīḷitā, avradanta, Sinn: wurde mürbe]. Er trieb die Kühe heraus, spaltete mit dem Brahman den Vala, barg [?] das Dunkel, ließ das Licht sichtbar werden.
Den Brunnen mit dem Steinmaul, honigströmig, den Brahmaṇaspati mit Kraft aufbrach [?]: aus ihm tranken alle, die das Licht schauen; zusammen gossen sie viel von der wasserreichen Quelle aus.
sanā tā kā cid bhuvanā bhavītvā mādbhiḥ śaradbhirduro varanta vaḥ / ayatantā carato anyad-anyadid ya cakāra vayunā brahmaṇas patiḥ
Uralt sind alle diese Welten, die einmal entstehen sollten [?]; Monate und Herbste (Jahre) [sperrten] euch [?] die Türen. Die beiden Ungespannten [?] gehen, das eine anders als das andere: die hat Brahmaṇaspati als Erkenntnisse [?] gemacht [Anm.: sehr unsicher; möglich Tag und Nacht, kosmisch-mythologisch, plausibel].
abhinakṣanto abhi ye tamānaśurnidhiṃ paṇīnāṃ paramaṃguhā hitam / te vidvāṃsaḥ praticakṣyānṛtā punaryata uāyan tadudīyurāviśam
Die herbeieilend jenen Schatz der Paṇis erreichten, den höchsten, in der Höhle niedergelegten; jene Wissenden, nachdem sie das Unwahre zurückgewiesen hatten [?], gingen wieder dorthin zurück, woher sie gekommen waren, um einzutreten [?] [Anm.: schwierig; mythologisch: Vala-Höhle und Paṇis, plausibel].
ṛtāvānaḥ praticakṣyānṛtā punarāta ā tasthuḥ kavayo mahas pathaḥ / te bāhubhyāṃ dhamitamagnimaśmani nakiḥ ṣo astyaraṇo jahurhi tam
Die Ṛta-Besitzer, die Seher, nachdem sie das Unwahre zurückgewiesen hatten, betraten von da wieder die großen Wege. Sie [entfachten] mit den Armen das im Stein angeblasene Feuer; kein Fremder ist der da [?]; denn sie ließen ihn zurück [?] [Anm.: juhuḥ (PP), SA jahuḥ; Sinn unsicher].
Mit dem schnellen Bogen, dessen Sehne die Ṛta ist, erreicht Brahmaṇaspati das Ziel, wohin er will. Seine sind die guten Pfeile, mit denen er schießt, die Männer-Schauer, zum Sehen, deren Schoß das Ohr ist [Anm.: Bildrede vom Bogen und Pfeil des Brahman (Spruch); plausibel].
sa saṃnayaḥ sa vinayaḥ purohitaḥ sa suṣṭutaḥ sa yudhibrahmaṇas patiḥ / cākṣmo yad vājaṃ bharate matī dhanādit sūryastapati tapyaturvṛthā
Er ist der Zusammenführer, er der Auseinanderführer, der vorangestellte Priester, er der Wohlgepriesene, er im Kampf, Brahmaṇaspati. Wenn der Tüchtige mit Einsicht den Siegespreis und die Schätze davonträgt, dann erst sengt die Sonne, und [beide] mühelos [?] [Anm.: tapyatuḥ, unsicher: Donner?].
Weithin waltend, überlegen, zuerst: die [Gaben] Bṛhaspatis, des Spendenreichen [?], gut zu verteilende, erlangbare. Dies sind die Gewinne des liebenswerten, siegpreisreichen [Herrn], durch den beide Volksscharen genießen [?].
yo 'vare vṛjane viśvathā vibhurmahāmu raṇvaḥ śavasā vavakṣitha / sa devo devān prati paprathe pṛthu viśvedu tāparibhūrbrahmaṇas patiḥ
Der du im niederen Bezirk auf jede Weise überlegen bist und im Großen, froh mit Kraft gewachsen [?]: dieser Gott breitete sich weit gegenüber den Göttern aus. Ja, dies alles bewältigt Brahmaṇaspati [Anm.: avare vṛjane, wohl der diesseitige Bereich].
Alles ist wahr, ihr Gabenreichen, was euer ist; selbst die Wasser überschreiten euer Gebot nicht. Kommt her, Indra und Brahmaṇaspati, zu unserer Darbringung, unserer Speise, wie zwei Siegespreisreiche als Gespann.
utāśiṣṭhā anu śṛṇvanti vahnayaḥ sabheyo vipro bharate matī dhanā / vīḷudveṣā anu vaśa ṛṇamādadiḥ sa ha vājī samithe brahmaṇas patiḥ
Und die Schnellsten hören darauf, die Zugtiere; der versammlungstüchtige Redner, der Inspirierte, trägt mit Einsicht die Schätze davon; dessen Feindschaft standhaft ist [?], der nach Belieben Schuld einfordert: der ist der Siegespreisreiche im Zusammenstoß, Brahmaṇaspati.
Wort für Wort
uta
und
āśiṣṭhāḥ
die Schnellsten (Nom. Pl.)
anu
entsprechend, danach
śṛṇvanti
sie hören (3. Pl.)
vahnayaḥ
Zugtiere, Fahrer (Nom. Pl.)
sabheyaḥ
versammlungstüchtig (Nom. Sg.)
vipraḥ
Inspirierter (Nom. Sg.)
bharate
er trägt davon (3. Sg. Med.)
matī
mit Einsicht (Instr. Sg.)
dhanā
Schätze (Akk. Pl.)
vīḷu-dveṣāḥ
fest im Hass, standhaft gegen Feinde (Nom. Sg.) [?]
brahmaṇas paterabhavad yathāvaśaṃ satyo manyurmahi karmākariṣyataḥ / yo gā udājat sa dive vi cābhajan mahīva rītiḥ śavasāsarat pṛthak
Nach dem Willen Brahmaṇaspatis wurde es wahr: der Grimm des Mannes, der ein großes Werk zu tun im Begriff ist. Der die Kühe heraustrieb, der teilte auch dem Himmel zu; wie ein großer Strom floss er kraftvoll auseinander.
Herr des Brahman, des gut zu lenkenden, lebenskräftigen Reichtums mögen wir allezeit Wagenlenker sein [?]. Füge unter den Männern Helden zu uns hinzu, da du als Gebieter mit dem Brahman meinen Ruf gern hörst.
brahmaṇas pate tvamasya ... [Anm.: Saṃhitā-Text und Padapāṭha der Quelle stimmen an dieser Stelle nicht überein (verschoben oder gekürzt). Padapāṭha: brahmaṇaḥ pate tvam asya yantā su-uktasya bodhi tanayam ca jinva viśvam tat bhadram yat avanti devāḥ bṛhat vadema vidathe su-vīrāḥ]
Herr des Brahman, du bist der Lenker dieses Wohlgesprochenen; achte darauf und belebe auch den Nachkommen. Alles das ist Heil, was die Götter fördern. Laut mögen wir in der Versammlung reden, gute Helden habend.