Kapitel 28: ṛgvede 2.28 · idaṃ kaverādityasya svarājo viśvāni sāntyabhyastu mahnā
Varuṇa: Bitte um Lösung von Schuld und um Leben
Lied an Varuṇa: Lob seiner Ordnung, Bitte um Lösung von Schuld wie von einem Strick, Furcht vor Tod und Verfolgung, Bitte um viele weitere Morgenröten und Schutz vor Dieb und Wolf. Vers 11 ist Kehrvers.
idaṃ kaverādityasya svarājo viśvāni sāntyabhyastu mahnā / ati yo mandro yajathāya devaḥ sukīrtiṃ bhikṣe varuṇasya bhūreḥ
Dies [gehört] dem Seher, dem Āditya, dem Selbstherrscher: alles, was ist, soll es an Größe überragen [?]. Ich erbitte den guten Ruhm des Varuṇa, des vielspendenden, der erfreuend als Gott zur Verehrung [dient] [?].
tava vrate subhagāsaḥ syāma svādhyo varuṇa tuṣṭuvāṃsaḥ / upāyana uṣasāṃ gomatīnāmagnayo na jaramāṇā anu dyūn
In deinem Gebot mögen wir glückreich sein, wohldenkend, Varuṇa, lobsingend, bei der Ankunft der rinderreichen Morgenröten, wie Feuer Tag für Tag preisend.
Deinem Schutz mögen wir angehören, des heldenreichen, weitgepriesenen, Varuṇa, o Führer. Ihr, Söhne der Aditi, Unbetrügbare, seid uns nachsichtig zum Bündnis, ihr Götter [Anm.: PP-Token ava steht für tava].
pra sīmādityo asṛjad vidhartān ṛtaṃ sindhavo varuṇasya yanti / na śrāmyanti na vi mucantyete vayo na paptū raghuyāparijman
Der Āditya, der Stützer, ließ sie los: die Ströme gehen nach Varuṇas Ṛta. Sie ermüden nicht, lassen nicht ab; sie fliegen wie Vögel, schnell laufend, im Umlauf.
vi macchrathāya raśanāmivāga ṛdhyāma te varuṇa khāṃ ṛtasya / mā tantuśchedi vayato dhiyaṃ me mā mātrā śāryapasaḥ pura ṛtoḥ
Löse von mir die Schuld wie einen Strick! Mögen wir gedeihen, Varuṇa, an der Öffnung [?] des Ṛta. Nicht soll der Faden reißen, während ich mein Denken webe, nicht das Maß des Werkers vor der Zeit zerbrechen.
apo su myakṣa varuṇa bhiyasaṃ mat samrāḷ ṛtāvo 'nu mā gṛbhāya / dāmeva vatsād vi mumugdhyaṃho nahi tvadāre nimiṣaścaneśe
Weg von mir mit der Furcht, Varuṇa [Anm.: apo su myakṣa, Sinn: schaffe sie weg, sprachlich unsicher] [?]; Allherrscher, Ṛta-Träger, nimm dich meiner an. Wie einen Strick vom Kalb löse die Sünde ab. Denn ohne dich vermag ich nicht einmal einen Augenaufschlag.
mā no vadhairvaruṇa ye ta iṣṭāvenaḥ kṛṇvantamasura bhrīṇanti / mā jyotiṣaḥ pravasathāni ganma vi ṣū mṛdhaḥ śiśratho jīvase naḥ
Nicht mit den Tötungen, Varuṇa, die die deiner Lust gemäß den Frevler verwunden, Asura [?], [treffe uns]. Nicht mögen wir vom Licht in die Fremde gehen; löse die Feinde ganz auseinander, damit wir leben.
namaḥ purā te varuṇota nūnamutāparaṃ tuvijāta bravāma / tve hi kaṃ parvate na śritānyapracyutāni dūḷabha vratāni
Verehrung [sei dir] früher, Varuṇa, und jetzt und später, Weitgeborener, mögen wir sprechen. Denn in dir sind Gebote wie auf einem Berge festgemacht, unerschütterliche, Schwerbetrügbarer.
para ṛṇā sāvīradha matkṛtāni māhaṃ rājannanyakṛtena bhojam / avyuṣṭā in nu bhūyasīruṣāsa ā no jīvān varuṇa tāsu śādhi
Weg damit, die Schulden, die von mir gemacht sind, lass sie ab; nicht möchte ich, König, durch das von einem anderen Getane genießen. Noch viele Morgenröten sind unaufgeleuchtet: leite uns Lebende in ihnen, Varuṇa.
yo me rājan yujyo vā sakhā vā svapne bhayaṃ bhīrave mahyamāha / steno vā yo dipsati no vṛko vā tvaṃ tasmād varuṇapāhyasmān
Wer, König, sei es Genosse oder Freund, mir im Traum Furcht, dem Furchtsamen, ankündigt; oder ein Dieb, der uns schaden will, oder ein Wolf: davor, Varuṇa, schütze uns.
māhaṃ maghono ... [Anm.: Saṃhitā-Text und Padapāṭha der Quelle stimmen an dieser Stelle nicht überein (verschoben oder gekürzt). Padapāṭha: mā aham maghonaḥ varuṇa priyasya bhūri-dāvnaḥ ā vidam śūnam āpeḥ mā rāyaḥ rājan su-yamāt ava sthām bṛhat vadema vidathe su-vīrāḥ]
Nicht möchte ich, Varuṇa, beim freigebigen, lieben, vielspendenden Verwandten Leere finden; nicht möchten wir, König, vom gut lenkbaren Reichtum abfallen. Laut mögen wir in der Versammlung reden, heldenreich.