Kapitel 191: ṛgvede 1.191 · kaṅkato na kaṅkato 'tho satīnakaṅkataḥ
Zauberspruch gegen Gift und unsichtbares Ungeziefer
Beschwörungslied gegen giftige Tiere und unsichtbares Ungeziefer (Skorpion, Kaṅkata u. a.); enthält Anrufung der Sonne und magische Zahlformeln. Viele Tiernamen und einzelne Verben (alipsata, ilayata, hariṣṭhāḥ, takam) sind unsicher. Kein Ritualvorschrift-Text im engen Sinn, sondern Zauberspruch.
Kaṅkata, Nicht-Kaṅkata und Satīna-Kaṅkata, zwei Pluṣī: die Unsichtbaren haben sich niedergelegt [?]. [Anm.: alipsata unsicher; iti als Rest/Zitatpartikel.]
Wort für Wort
kaṅkataḥ
Kaṅkata (Nom. Sg.)
na
nicht
kaṅkataḥ
Kaṅkata (Nom. Sg.)
atho iti
und auch
satīna-kaṅkataḥ
Satīna-Kaṅkata (Nom. Sg.)
dvau
zwei (Nom. Du.)
iti
so (Zitatpartikel)
pluṣī iti
Pluṣī (‚Flöhe/Ungeziefer‘, Nom. Du.) [?]
iti
so (Zitatpartikel)
ni
nieder (Präverb)
adṛṣṭāḥ
Unsichtbare (Nom. Pl.)
alipsata
sie haben sich niedergelegt/verkrochen (3. Pl. Aor. Med.) [?]
Die Unsichtbaren erschlägt sie, wenn sie herankommt, und erschlägt [sie], wenn sie fortgeht; und niederschlagend erschlägt sie, und zermalmend zermalmt sie.
Die Śara-Rohre, Kuśara-Rohre, Darbha-Gräser und Sairya-Gräser, und die Muñja-Gräser [und] Vairiṇa-Gräser: alle Unsichtbaren haben sich zugleich niedergelegt [?].
Wort für Wort
śarāsaḥ
Śara-Rohre (Nom. Pl.)
kuśarāsaḥ
Kuśara-Rohre (Nom. Pl.)
darbhāsaḥ
Darbha-Gräser (Nom. Pl.)
sairyāḥ
Sairya-Gräser (Nom. Pl.)
uta
und
mauñjāḥ
Muñja-Gräser (Nom. Pl.)
adṛṣṭāḥ
unsichtbare (Nom. Pl.)
vairiṇāḥ
Vairiṇa-Gräser (Nom. Pl.)
sarve
alle (Nom. Pl.)
sākam
zugleich
ni
nieder (Präverb)
alipsata
sie haben sich niedergelegt (3. Pl. Aor. Med.) [?]
ni gāvo goṣṭhe asadan ni mṛgāso avikṣata / ni ketavo janānāṃ nyadṛṣṭā alipsata
Die Rinder haben sich im Kuhstall niedergelassen, die Wildtiere haben sich [in ihr Lager] eingefunden; die Feldzeichen [Kennzeichen] der Menschen haben sich gesenkt; die Unsichtbaren haben sich niedergelegt [?].
Wort für Wort
ni
nieder (Präverb)
gāvaḥ
Rinder (Nom. Pl.)
go--sthe
im Kuhstall (Loc. Sg.)
asadan
sie haben sich gesetzt (3. Pl. Aor.)
ni
nieder (Präverb)
mṛgāsaḥ
Wildtiere (Nom. Pl.)
avikṣata
sie sind eingegangen (3. Pl. Aor. Med.)
ni
nieder (Präverb)
ketavaḥ
Zeichen/Erkennungszeichen (Nom. Pl.)
janānām
der Menschen (Gen. Pl.)
ni
nieder (Präverb)
adṛṣṭāḥ
Unsichtbare (Nom. Pl.)
alipsata
sie haben sich niedergelegt (3. Pl. Aor. Med.) [?]
eta u tye pratyadṛśran pradoṣaṃ taskarā iva / adṛṣṭā viśvadṛṣṭāḥ pratibuddhā abhūtana
Diese dort sind gegen Abend erschienen, wie Diebe; ihr Unsichtbaren, [ihr,] die alles sieht [von allem Gesehenen], ihr seid erwacht [geworden]. [Anm.: viśvadṛṣṭāḥ = ‚von allen gesehen‘ oder ‚alles sehend‘, mehrdeutig.]
dyaurvaḥ pitā pṛthivī mātā somo bhrātāditiḥ svasā / adṛṣṭā viśvadṛṣṭāstiṣṭhatelayatā su kam
Der Himmel ist euer Vater, die Erde die Mutter, Soma der Bruder, Aditi die Schwester; ihr Unsichtbaren, Alles-Sehenden [von allen Gesehenen], bleibt stehen [und] bewegt euch wohl [?]. [Anm.: ilayata unsicher (√il ‚sich regen/ruhen‘).]
ye aṃsyā ye aṅgyāḥ sūcīkā ye prakaṅkatāḥ / adṛṣṭāḥ kiṃ caneha vaḥ sarve sākaṃ ni jasyata
Die Schulterbewohner, die Gliederbewohner, die Stecher, die Kaṅkata-Vorderen: ihr Unsichtbaren, keiner von euch soll hier bleiben; alle zusammen sinkt hin [erschöpft euch].
ut purastāt sūrya eti viśvadṛṣṭo adṛṣṭahā / adṛṣṭān sarvāñ jambhayan sarvāśca yātudhānyaḥ
Von Osten steigt die Sonne auf, von allen gesehen [alles sehend], der Unsichtbaren-Töter, alle Unsichtbaren zermalmend und alle Yātudhānī [Zauberwesen].
udapaptadasau sūryaḥ puru viśvāni jūrvan / ādityaḥ parvatebhyo viśvadṛṣṭo adṛṣṭahā
Jene Sonne ist aufgeflogen, vieles, alles verzehrend [versengend]; der Āditya von den Bergen her, alles sehend [von allen gesehen], Töter der Unsichtbaren.
sūrye viṣamā sajāmi dṛtiṃ surāvato gṛhe / so cin nu namarāti no vayaṃ marāmāre asya yojanaṃ hariṣṭhā madhu tvāmadhulā cakāra
In die Sonne heftete [hänge] ich das Gift, wie einen Schlauch im Haus des Branntweinhändlers. Er wird nicht sterben, und wir sterben nicht; fern von ihm [sei] ein Yojana. Du, auf dem Falben [Falbengespann] Stehender [?]: Honig hat dich die Madhulā [‚Honigreiche‘] gemacht [?]. [Anm.: hariṣṭhāḥ und madhulā unsicher; Zauberformel-Refrain, wiederholt in 1.191.11-13.]
Wort für Wort
sūrye
in der Sonne (Loc. Sg.)
viṣam
Gift (Akk. Sg.)
ā
an/hin (Präverb)
sajāmi
ich heftete/hänge (1. Sg. Präs.)
dṛtim
Schlauch (Akk. Sg.)
surāvataḥ
des Branntweinhändlers (Gen. Sg.)
gṛhe
im Haus (Loc. Sg.)
saḥ
er (Nom. Sg.)
cit
sogar (Partikel)
nu
jetzt
na
nicht
marāt i
er wird sterben (3. Sg. Aor. Konj.) (Text: marāt i) [?]
iyattikā śakuntikā sakā jaghāsa te viṣam / so cin nu ... [Anm.: Saṃhitā-Text und Padapāṭha der Quelle stimmen an dieser Stelle nicht überein (verschoben oder gekürzt). Padapāṭha: iyattikā śakuntikā sakā jaghāsa te viṣam so iti cit nu na marāti no iti vayam marāma āre asya yojanam hari-sthāḥ madhu tvā madhulā cakāra]
So klein, [so ein] Vögelchen hat gemeinsam dein Gift aufgefressen [?]. Er wird nicht sterben, und wir sterben nicht; fern von ihm [sei] ein Yojana. Du, auf dem Falben Stehender [?]: Honig hat dich die Madhulā gemacht [?].
triḥ sapta viṣpuliṅgakā viṣasya puṣyamakṣan / tāścinnu na maranti no vayaṃ ma...
Dreimal sieben Funkelchen [Fünkchen/Wesen] haben das Gedeihen [die Nahrung] des Giftes gegessen [?]. Sie sterben nicht, und wir sterben nicht; fern von ihm [sei] ein Yojana. Du, auf dem Falben Stehender [?]: Honig hat dich die Madhulā gemacht [?].
navānāṃ navatīnāṃ viṣasya ropuṣīṇām / sarvāsāmagrabhaṃ nāmāre asya yo...
Von den neunmal neunzig [neun und neunzig] verletzenden Giftwesen habe ich aller Namen ergriffen; fern von ihm [sei] ein Yojana. Du, auf dem Falben Stehender [?]: Honig hat dich die Madhulā gemacht [?].
iyattakaḥ kuṣumbhakastakaṃ bhinadmyaśmanā / tato viṣaṃ pra vāvṛte parācīranu saṃvataḥ
Der so kleine Kuṣumbhaka: den Taka [?] zerbreche ich mit dem Stein; von dort hat sich das Gift abgewandt, abgewendet längs der Bahnen [?]. [Anm.: takam und saṃvataḥ unsicher.]