Kapitel 84: ṛgvede 1.84 · asāvi soma indra te śaviṣṭha dhṛṣṇavā gahi
Indra zum Soma geladen, mit Fragen an den Verehrer
Somalied an Indra (Verse 1-9), Kuh-/Wasserbilder und Mythos (Verse 10-15), dann rätselhafte Fragestrophen (16-18), Schluss mit Bitte um Gabe und Schutz. Verse 3, 14-16 sind in der Überlieferung/im Padapāṭha schwierig oder lückenhaft; Vers 3 hat im Padapāṭha nur 8 Tokens.
ā tiṣṭha vṛtrahan rathaṃ yuktā te brahmaṇā harī / arvācīnaṃ su te mano grāvā kṛṇotu vagnunā
Besteige, Vṛtra-Töter, den Wagen; angeschirrt sind dir durch das Brahman die beiden Falben. / Hierher gewandt soll dir den Sinn der Presstein machen mit seinem Laut [?]. [Anm.: Der Padapāṭha der Quelle ist verkürzt (nur 8 Tokens ab 'iti'); der Wortlaut wurde nur aus den vorhandenen Tokens gedeutet.]
Wort für Wort
iti
Zitatpartikel, Rest des Pāda-Endes 'harī iti' (Padapāṭha verkürzt) [?]
Keiner ist ein besserer Wagenfahrer als du, wenn du, Indra, die Falben lenkst; / keiner kommt dir an Kraft nach, keiner mit guten Rossen hat [dich] erreicht.
Wer dich nämlich vor Vielen mit gepresstem Soma herbeiwirbt, / dem gehört jene gewaltige Stärke [?]: Indra, fürwahr. [Anm.: patyate 'ist Herr über / hat Gewalt über'; Konstruktion unsicher.]
Vom süßen, vielseitigen [?] Honig trinken so die weißen Kühe [?], / die, mit Indra zusammengehend, sich am Stier berauschen, zum Glanz, die Guten, / gemäß seiner Selbstherrschaft. [Anm.: gaurī 'weiße Kuh/Büffelkuh': entweder Kühe (wörtlich), Wasser, Marut-Gefährtinnen oder Bildrede für Somasäfte (spekulativ); viṣuvat 'vielfältig, überall'.]
tā asya pṛśanāyuvaḥ somaṃ śrīṇanti pṛśnayaḥ / priyā indrasya dhenavo vajraṃ hinvanti sāyakaṃ vasvīr...
Diese, die [ihn] mit dem Scheckigen [?] mischenden, die scheckigen [Kühe], mischen ihm den Soma; / die lieben Milchkühe Indras treiben den Keil, das Geschoss, an, / die Guten, gemäß seiner Selbstherrschaft.
tā asya namasā sahaḥ saparyanti pracetasaḥ / vratānyasya saścire purūṇi pūrvacittaye vasvīr...
Diese verehren mit Verneigung seine Stärke, die Einsichtigen; / seine vielen Gebote haben sie befolgt, zu früherer Erkenntnis, / die Guten, gemäß seiner Selbstherrschaft.
ichannaśvasya yacchiraḥ parvateṣvapaśritam / tad vidaccharyaṇāvati
Suchend fand er das Haupt des Rosses, das sich in die Berge geflüchtet hatte, / im Śaryaṇāvat. [Anm.: Anspielung auf den Dadhyañc-Mythos (das Rosshaupt); Śaryaṇāvat ist ein See/Gebiet, sonst als Soma-Ort bekannt.]
Hier fürwahr erkannten sie den verborgenen Namen der Kuh [?], des Tvaṣṭṛ, / so im Haus des Mondes. [Anm.: Rätselvers; Ebene mythologisch-kosmisch (Kuh als Lichtstrahl/Wasser, plausibel) oder rituell (Milch/Soma, spekulativ).]
ko adya yuṅkte dhuri gā ṛtasya śimīvato bhāmino durhṛṇāyūn / asanniṣūn hṛtsvaso mayobhūn ya eṣāṃ bhṛtyām ṛṇadhat sa jīvāt
Wer schirrt heute an der Deichsel die Rinder des ṛta an, die Tatkräftigen [?], die Glänzenden, / die Bösewichte Zürnenden [?], die Pfeile im Mund [?], im Herzen Wohnenden, Wohltuenden? / Wer ihren Lohn entrichtet, der soll leben. [Anm.: Rätselvers; Marut als Rinder/Zugtiere denkbar, sonst Bildrede für Lieder; spekulativ.]
ka īṣate tujyate ko bibhāya ko maṃsate santamindraṃ ko anti / kastokāya ka ibhāyota rāye 'dhi bravat tanve ko janāya
Wer eilt, wer wird bedrängt, wer fürchtet sich; wer denkt an den seienden Indra, wer an den Nahen? / Wer spricht für die Nachkommen, wer für das Hausgesinde und für den Reichtum, wer für den Leib, wer für das Volk? [Anm.: Fragenreihe; keine Zweifelsäußerung über Indras Existenz vorauszusetzen (fest); Kontext ist Frage nach Verehrern.]
ko agnimīṭṭe haviṣā ghṛtena srucā yajātā ṛtubhirdhruvebhiḥ / kasmai devā ā vahānāśu homa ko maṃsate vītihotraḥ sudevaḥ
Wer verehrt Agni mit Gabe, mit Schmalz, mit dem Löffel, damit er zu den festen Zeiten weihe? / Für wen sollen die Götter schnell hierher fahren, zum Ruf? Wer denkt daran, der Freude am Anrufen hat, der die guten Götter hat?
tvamaṅga pra śaṃsiṣo devaḥ śaviṣṭha martyam / na tvadanyo maghavannasti marḍitendra bravīmi te vacaḥ
Du, fürwahr, hast als Gott dem Sterblichen [Gutes] verkündet, Stärkster. / Keiner außer dir ist ein Gnadenspender, Gabenreicher; Indra, ich sage dir [dieses] Wort. [Anm.: pra śaṃsiṣaḥ unsicher: 'hast gepriesen' oder 'hast angesagt'.]
Wort für Wort
tvam
du (Nom. Sg.)
aṅga
fürwahr (Partikel)
pra
hervor (Präv.)
śaṃsiṣaḥ
du hast verkündet/gepriesen [?] (2. Sg. Aor. Desid.)