Kapitel 81: ṛgvede 1.81 · indro madāya vāvṛdhe śavase vṛtrahā nṛbhiḥ
Indra, Herr der Beute, gib uns dein Gut
Anruf an Indra als Vṛtra-Töter und Spender; der Sänger bittet um Anteil am Reichtum (Verse 6-9). Einzelne Formen (śiśīhi, aryaḥ, parādadiḥ) sind lexikalisch nicht ganz sicher.
indro madāya vāvṛdhe śavase vṛtrahā nṛbhiḥ / tamin mahatsvājiṣūtemarbhe havāmahe sa vājeṣu pra no 'viṣat
Indra ist zum Rausch, zur Stärke gewachsen, der Vṛtra-Töter, durch die Männer. / Ihn rufen wir in den großen Kämpfen und auch in den kleinen. / Er möge uns in den Beutekämpfen fördern.
asi hi vīra senyo 'si bhūri parādadiḥ / asi dabhrasya cidvṛdho yajamānāya śikṣasi sunvate bhūri te vasu
Denn du bist Held, du bist der Heerführer [?], du bist ein reichlicher Hergeber [?]; / du bist auch des Geringen Förderer; / dem Verehrenden, dem Somapressenden, willst du helfen: viel ist dein Gut. [Anm.: senyaḥ 'zum Heer gehörig/Heerführer' und parādadiḥ 'der hingibt/hergibt' sind nicht sicher.]
Wenn sich die Wettläufe erheben, wird dem Kühnen Beute zugelegt. / Schirr deine rauschbewegten Falben an! / Wen willst du schlagen, wen im Gut einsetzen? Uns, Indra, setze in Gut ein.
An Einsicht groß, nach eigenem Gesetz [?], furchtbar, ist die Stärke gewachsen; / zur Pracht, der Hohe, an den beiden Seiten [?]: der Helmträger [?], der Falbenlenker hat den eisernen Keil in beide Hände genommen. [Anm.: śiprin 'mit Lippen/Kinnbacken/Helm' ist unsicher.]
ā paprau pārthivaṃ rajo badbadhe rocanā divi / na tvāvānindra kaścana na jāto na janiṣyate 'ti viśvaṃ vavakṣitha
Er hat den irdischen Raum erfüllt, er hat die Lichträume im Himmel bedrängt [?]. / Keiner ist wie du, Indra, weder geboren noch wird er geboren werden: / über alles hinaus bist du gewachsen.
Wort für Wort
ā
her, hin (Präv.)
paprau
hat gefüllt (3. Sg. Perf.)
pārthivam
irdisch (Akk. Sg.)
rajaḥ
Raum (Akk. Sg.)
badbadhe
hat gedrängt/gefestigt [?] (3. Sg. Perf. Med.)
rocanā
Lichträume (Akk. Pl.)
divi
im Himmel (Lok. Sg.)
na
nicht (Neg.)
tvāvān
dir gleich (Nom. Sg.)
indra
Indra (Vok. Sg.)
kaḥ
irgendeiner (Nom. Sg.)
cana
auch nur (Partikel)
na
nicht (Neg.)
jātaḥ
geboren (Nom. Sg. Part.)
na
nicht (Neg.)
janiṣyate
wird geboren werden (3. Sg. Fut. Med.)
ati
über (Präv.)
viśvam
alles (Akk. Sg.)
vavakṣitha
du bist gewachsen/hast dich ausgedehnt (2. Sg. Perf.)
yo aryo martabhojanaṃ parādadāti dāśuṣe / indro asmabhyaṃśikṣatu vi bhajā bhūri te vasu bhakṣīya tava rādhasaḥ
Der Herr, der dem Gebenden das Mahl [Gut] der Menschen hergibt: / Indra soll uns geben. Teile zu, viel ist dein Gut; / möge ich an deiner Gabe teilhaben. [Anm.: aryaḥ kann 'Herr' oder 'Fremder/Feind' sein; hier als Herr, Indra selbst, gelesen.]
made-made hi no dadiryūthā gavām ṛjukratuḥ / saṃ gṛbhāyapurū śatobhayāhastyā vasu śiśīhi rāya ā bhara
Bei jedem Rausch bist du uns ein Geber, Herden von Rindern, geradsinnig; / greif zusammen, viele Hunderte mit beiden Händen; / schärfe an [?] das Gut, bring Reichtümer her. [Anm.: śiśīhi 'spitze/schärfe' ist hier vielleicht 'setze in Bewegung'.]
mādayasva sute sacā śavase śūra rādhase / vidmā hi tvāpurūvasumupa kāmān sasṛjmahe 'thā no 'vitā bhava
Berausche dich beim Gepressten mit [uns] zur Stärke, Held, zur Gabe. / Denn wir kennen dich als Besitzer vielen Guts; wir haben unsere Wünsche zu dir gesandt. / So sei unser Beschützer.
ete ta indra jantavo viśvaṃ puṣyanti vāryam / antarhi khyojanānāmaryo vedo adāśuṣāṃ teṣāṃ no veda ā bhara
Diese Wesen [Menschen] nähren dir, Indra, alles Wählenswerte. / Denn du blickst hinein in die Leute, Herr; das Gut derer, die nicht geben, / ihr Gut bring uns her.