Kapitel 124: ṛgvede 1.124 · uṣā uchantī samidhāne agnā udyan sūrya urviyā jyotiraśret
Uṣas, die Morgenröte, und ihre Schwestern
Lied auf die Morgenröte als junge, strahlende Frau, die als Tochter des Himmels dem Ṛta folgt, sich Tag für Tag ihren früheren Schwestern anschließt und den Schlafenden und den Gebern Gaben bringt. Unsicher sind v. a. 1.124.4, 6 und 8.
uṣā uchantī samidhāne agnā udyan sūrya urviyā jyotiraśret / devo no atra savitā nvarthaṃ prāsāvīd dvipat pra catuṣpadityai
Uṣas, aufleuchtend, während das Feuer entzündet wird; die aufgehende Sonne hat weithin das Licht gesucht. Der Gott Savitṛ hat uns hier nun zum Werk angetrieben: das Zweifüßige, um auszuziehen, und das Vierfüßige.
Die göttlichen Gebote nicht verletzend, die menschlichen Generationen [oder: Zeitalter] aufzehrend, hat Uṣas als Letzte der gegangenen, als Erste der ewig kommenden (Morgenröten) aufgeleuchtet.
Diese Tochter des Himmels ist erschienen, Licht anlegend, gleichgesinnt, vorn; sie geht den Pfad des Ṛta wohlgeordnet entlang und verfehlt, wie eine Kundige, die Himmelsrichtungen nicht.
upo adarśi śundhyuvo na vakṣo nodhā ivāvirakṛta priyāṇi / admasan na sasato bodhayantī śaśvattamāgāt punareyuṣīṇām
Sieh, sie ist erschienen wie die Brust einer Glänzenden [?]; wie Nodhas hat sie Liebes sichtbar gemacht. Wie ein Tischgenosse die Schlafenden weckend, ist sie, die Beständigste, wieder gekommen unter den Kommenden [Anm.: Deutung unsicher].
In der östlichen Hälfte des wässrigen Raums hat die Mutter der Kühe ihr Zeichen erhoben. Sie breitet sich weiter und weiter aus, beide Schöße der Eltern füllend.
evedeṣā purutamā dṛśe kaṃ nājāmiṃ na pari vṛṇakti jāmim / arepasā tanvā śāśadānā nārbhādīṣate na mahovibhātī
So ist sie, die Vielgestaltigste, zum Sehen; sie meidet weder den Nichtverwandten noch den Verwandten. Mit makellosem Leib prangend, weicht sie weder vor dem Kleinen noch vor dem Großen zurück, wenn sie aufstrahlt.
abhrāteva puṃsa eti pratīcī gartārugiva sanaye dhanānām / jāyeya patya uśatī suvāsā uṣā hasreva ni riṇīte apsaḥ
Wie eine Bruderlose geht sie den Männern entgegen, wie eine (Frau), die den Wagensitz besteigt, um Güter zu gewinnen. Wie eine Gattin dem Gatten, verlangend, schön gekleidet, gibt Uṣas wie lächelnd ihre Gestalt preis.
Wort für Wort
abhrātāiva
wie eine Bruderlose (Nom. Sg.)
puṃsaḥ
zu Männern (Akk. Pl.)
eti
sie geht (3. Sg.)
pratīcī
entgegenkommend (Nom. Sg. f.)
garta-āruk-iva
wie eine, die den Wagensitz besteigt [?] (Nom. Sg.)
Die Schwester hat der älteren Schwester den Platz überlassen; sie weicht zurück, als wolle sie sich nicht zeigen. Mit den Strahlen der Sonne aufleuchtend, salbt sie sich mit Salbe, wie einträchtig gehende Frauen [?] [Anm.: „samanagā ivavrāḥ“ unsicher].
Von diesen früheren Schwestern in den Tagen geht die spätere hinter der früheren her. Jene, wie die alten, (so) die neueren, sollen uns jetzt reich aufleuchten, die Uṣas mit guten Tagen.
Weck, Uṣas, die Freigebigen, Gabenreiche; die nicht erwachenden Paṇis sollen schlafend bleiben. Leuchte reich den Gabenherren, Gabenreiche; reich dem Sänger, Freundliche, ihn anregend [?].
aveyamaśvaid yuvatiḥ purastād yuṅkte gavāmaruṇānāmanīkam / vi nūnamuchādasati pra keturgṛhaṃ-gṛhamupa tiṣṭhāte agniḥ
Diese junge Frau hat sich vorn herab weiß erleuchtet, schirrt das Antlitz der roten Kühe an. Jetzt wird sie aufleuchten, das Banner ist hervor; von Haus zu Haus tritt Agni hin.
ut te vayaścid vasaterapaptan naraśca ye pitubhājo vyuṣṭau / amā sate vahasi bhūri vāmamuṣo devi dāśuṣe martyāya
Auf fliegen deinetwegen die Vögel aus dem Nest, und die Männer, die Nahrung (nach)suchen, beim Aufleuchten. Dem, der daheim weilt, bringst du vieles Schöne, Uṣas, Göttin, dem gebenden Sterblichen.
astoḍhvaṃ stomyā brahmaṇā me 'vīvṛdhadhvamuśatīruṣāsaḥ / yuṣmākaṃ devīravasā sanema sahasriṇaṃ ca śatinaṃ cavājam
Ihr seid gepriesen worden, ihr Preiswürdigen; durch mein Gebet habt ihr euch stärken lassen, ihr verlangenden Uṣas. Durch eure Hilfe, Göttinnen, wollen wir Siegespreis gewinnen, tausendfachen und hundertfachen.