Kapitel 161: ṛgvede 1.161 · kimu śreṣṭhaḥ kiṃ yaviṣṭho na ājagan kimīyate dūtyaṃ kad yadūcima
Die Ṛbhus, der vierfache Becher und die Rückkehr der Götterhandwerker
Erzähllied um die drei Ṛbhus (Saudhanvanas), die Tvaṣṭṛs einen Becher (camasa) zum Vierfachen machen und dafür unter die Götter aufgenommen werden; Rede, Gegenrede und Rätselhaftes (Verse 9–13) wechseln ohne Sprecherangaben. Schwierig: druṇa- (V. 1), vadhar-yantī- (V. 9), die Szene im Haus des Agohya (V. 11–13).
kimu śreṣṭhaḥ kiṃ yaviṣṭho na ājagan kimīyate dūtyaṃ kad yadūcima / na nindima camasaṃ yo mahākulo 'gne bhrātardruṇa id bhūtimūdima
Was ist denn der Beste, was der Jüngste, der zu uns gekommen ist? Was wird da als Botenamt betrieben, was haben wir gesagt? / Wir tadeln den Becher nicht, der von großer Sippe ist. Agni, Bruder, nur Gedeihen haben wir am Holz [?] ausgesprochen. [Anm.: druṇa- unklar, vielleicht ‚Holz(gefäß)‘; Sprecher sind wohl die Ṛbhus, die Agni als Boten antreffen.]
ekaṃ camasaṃ caturaḥ kṛṇotana tad vo devā abruvan tad va āgamam / saudhanvanā yadyevā kariṣyatha sākaṃ devairyajñiyāso bhaviṣyatha
Macht den einen Becher vierfach! Das haben euch die Götter gesagt; deshalb bin ich zu euch gekommen. / Wenn ihr es so tut, ihr Saudhanvanas, werdet ihr zusammen mit den Göttern verehrungswürdig sein.
Als ihr zu Agni, dem Boten, sagtet: ‚Ein Ross ist zu machen, ein Wagen ist hier zu machen; eine Milchkuh ist zu machen, zwei Jugendliche [?] sind zu machen‘ – / dem, Bruder, gehen wir nach, euch gemäß ausführend [?].
Als Vollbringer fragten die Ṛbhus danach: ‚Wo war er denn, der Bote, der zu uns kam?‘ / Als er die vier gemachten Becher gewahrte, da erst barg [?] sich Tvaṣṭṛ unter den Göttinnen (Frauen) hinein.
Wort für Wort
cakṛ-vāṃsaḥ
getan habend/Vollbringer (Perf.-Part. Nom. Pl.)
ṛbhavaḥ
Ṛbhus (Nom. Pl.)
tat
danach/das (Akk.)
apṛcchata
sie fragten (3. Pl. Impf. Med.)
kva
wo
it
denn (Partikel)
abhūt
er war (3. Sg. Aor.)
yaḥ
der (Rel. Nom. Sg.)
syaḥ
jener (Nom. Sg.)
dūtaḥ
Bote (Nom. Sg.)
naḥ
uns (Akk. Pl.)
ā
hierher (Präverb)
ajagan
er ist gekommen (3. Sg. Perf.)
yadā
als
ava-akhyat
er gewahrte (3. Sg. Aor., ava-khyā)
camasān
Becher (Akk. Pl.)
caturaḥ
vier (Akk. Pl.)
kṛtān
gemacht (Akk. Pl.)
āt
da/dann (Partikel)
it
eben/erst (Partikel)
tvaṣṭā
Tvaṣṭṛ (Nom. Sg.)
gnāsu
unter den Göttinnen/Frauen (Lok. Pl.)
antaḥ
hinein (Adv.)
ni
hinein (Präverb)
ānaje
er hat sich verborgen/gehüllt (3. Sg. Perf. Med.) [?]
‚Wir wollen sie erschlagen!‘, sagte Tvaṣṭṛ, (nämlich sie,) die den Becher, das Trinkgefäß der Götter, getadelt hatten. / Andere Namen legen sie sich bei gepresstem Soma zu; mit anderen Namen möge das Mädchen [?] sie erlangen [?]. [Anm.: Zweite Hälfte dunkel; ‚kanyā‘ und ‚sparat‘ unsicher.]
Indra schirrte die beiden Falben an, die Aśvins den Wagen; Bṛhaspati trieb die Allgestaltige (Kuh) herbei. / Ṛbhu, Vibhvan, Vāja, ihr gingt zu den Göttern; ihr Kunstfertigen, kommt zum verehrungswürdigen Anteil [?].
Aus dem Fell habt ihr mit euren Kunstgriffen [dhīti, ‚Einsicht/Werk‘] die Kuh herausgelöst [?]; die beiden Alten habt ihr jugendlich gemacht. / Ihr Saudhanvanas zimmertet aus einem Ross ein (anderes) Ross; den Wagen angeschirrt, fuhrt ihr zu den Göttern.
‚Trinkt dieses Wasser!‘, sagtet ihr; oder: ‚Dies hier trinkt, die Muñja-Spülung [?]!‘ / Ihr Saudhanvanas, wenn euch das nicht recht gefällt, so berauscht euch beim dritten Pressen.
‚Die Wasser sind das Meiste (das Größte)‘, sagte der eine; ‚Agni ist das Meiste‘, sagte ein anderer. / Ein Dritter verkündete vor den Vielen die (Kuh/Wolke), die den Schlag [?] lenkt; Wahrheiten redend habt ihr die Becher geformt. [Anm.: vadhar-yantī- unklar, spekulativ eine Gewitterwolke/Waffe schwingende Kuh.]
Der eine treibt die lahme Kuh zum Wasser hinab; ein anderer zerlegt das mit dem Schlachtmesser [?] herbeigebrachte Fleisch; / einer trug bis zum Untergang [der Sonne?] den Kot fort. Was wohl haben die beiden Eltern den Söhnen (dabei) geholfen?
Wort für Wort
śroṇām
lahm (Akk. Sg. f.)
ekaḥ
einer (Nom. Sg.)
udakam
Wasser (Akk. Sg.)
gām
Kuh (Akk. Sg.)
ava
hinab (Präverb)
ajati
er treibt (3. Sg. Präs.)
māṃsam
Fleisch (Akk. Sg.)
ekaḥ
einer (Nom. Sg.)
piṃśati
er zerlegt/formt (3. Sg. Präs.)
sūnayā
mit dem Schlachtmesser/Schlachtplatz (Instr. Sg.) [?]
Auf den Höhen habt ihr ihm Gras gemacht, in den Tiefen Wasser, ihr Männer, mit kunstfertigem Streben [?]. / Als ihr im Haus des Agohya [‚des Nicht-zu-Verbergenden‘?] schlieft: das folgt ihr heute, Ṛbhus, nicht nach [?].
sammīlya yad bhuvanā paryasarpata kva svit tātyā pitara vaasatuḥ / aśapata yaḥ karasnaṃ va adade yaḥ prābravīt protasma abravītana
Als ihr die Augen schließend die Welten umkreistet – wo waren da wohl eure beiden Eltern [?]? / Den, der euch die Hand [karasna, ?] nahm, verfluchtet ihr; dem, der es verkündete, sagtet ihr (es) zu.
suṣupvāṃsa ṛbhavastadapṛchatāgohya ka idaṃ no abūbudhat / śvānaṃ basto bodhayitāramabravīt samvatsara idamadyā vyakhyata
Eingeschlafen fragten die Ṛbhus danach: ‚Agohya, wer hat uns dies (hier) aufgeweckt?‘ / Der Bock sagte, der Hund sei der Erwecker. Im (Ablauf eines) Jahres habt ihr dies heute erblickt/kundgetan [?].
Durch den Himmel [?] ziehen die Maruts, über die Erde geht Agni, dieser Wind fährt durch den Luftraum; / mit den Wassern geht Varuṇa, mit den Meeren – euch suchend, ihr Abkömmlinge der Kraft. [Anm.: divā auch ‚bei Tage‘ möglich; die Parallelität mit bhūmyā/antarikṣeṇa spricht für ‚durch den Himmel‘.]