Kapitel 31: ṛgvede 1.31 · tvamagne prathamo aṅgirā ṛṣirdevo devānāmabhavaḥ śivaḥ sakhā
Preis Agnis als Urseher, Freund und Vater
Lange Agni-Hymne: Agni als erster Seher (1–3), als Wohltäter des Menschen und Schutzgott (4–15), Bitte um Verzeihung und Kommen (16–18). Mythische Anspielungen (Manu, Purūravas, Nahuṣa, Iḷā) teils dunkel; Verse 3, 4, 13, 15 besonders unsicher.
Du, Agni, warst als Erster Aṅgiras, Seher, ein Gott der Götter, ein freundlicher Gefährte; / in deinem Gesetz wurden die Dichter, die kunstreich Wirkenden, geboren, die Maruts mit blitzenden Speeren.
Du, Agni, als Erster, bester der Aṅgiras, Seher der Götter, umfängst das Gebot; / allumfassend für jede Welt, weise, zwei Mütter habend, liegend, in vielerlei Weise für den Lebenden (Menschen).
Du, Agni, wurdest als Erster für Mātariśvan offenbar, aus wohlwollender Willenskraft, für Vivasvat; / beide Welten erbebten bei der Rufer-Wahl; die Last des Unermüdlichen [?] hast du geweiht/verehrt, großgütiger Vasu [?].
Du, Agni, ließest dem Manu den Himmel niedersinken [?]; für Purūravas, den Gutes Tuenden, warst du noch besser tuend; / wenn du rasch [?] aus (der Obhut) der beiden Eltern befreit wirst, führten sie dich (rings) herbei, zuerst (die einen), dann wieder (die anderen) [?].
tvamagne vṛṣabhaḥ puṣṭivardhana udyatasruce bhavasi śravāyyaḥ / ya āhutiṃ pari vedā vaṣaṭkṛtimekāyuragre viśa āvivāsasi
Du, Agni, bist der Stier, Gedeihen fördernd, rühmenswert für den mit erhobenem Löffel; / der du die Spende und den Vaṣaṭ-Ruf kennst, (du,) als einzig Lebender [?] bedienst zuerst die Stämme [?].
Du, Agni, bringst den Mann auf krummem Weg [?] durch, im Kampf, in der Versammlung, du Vielsehender; / der du im Heldengewinn, beim umkämpften Gut, selbst mit wenigen im Zusammentreffen viele erschlägst.
Du, Agni, setzt jenen Sterblichen im höchsten Unsterblichkeitsstand für Ruhm, Tag für Tag; / der du, wenn (er) dürstet [?], für beide Geschlechter Wohlbehagen schaffst und Erquickung dem Gönner.
Wort für Wort
tvam
du (Nom.)
tam
ihn (Akk.)
agne
Agni (Vok.)
amṛta-tve
im Unsterblichsein, in der Unsterblichkeit (Lok. Sg.)
Du, Agni, mach uns, gepriesen, zum Gewinn der Güter zum ruhmvollen Dichter; / wir möchten mit neuem Werk gedeihen; mit den Göttern fördert ihr beide, Himmel und Erde, uns.
Du, Agni, wache für uns im Schoß der Eltern als Gott unter den Göttern, untadelig, wachsam; / Leib-Bildner, sei Fürsorger für den Sänger; du, Wohltäter, streust alles Gut aus [?].
Du, Agni, bist Fürsorger, du bist unser Vater, du Lebenskraft-Schaffer; wir sind deine Verwandten. / Zu dir strömen Hunderte, Tausende von Reichtümern mit guten Männern, dem Hüter des Gesetzes, dem Unbetrügbaren.
Dich, Agni, haben die Götter als ersten Lebendigen für den Lebenden (Āyu/Menschen) zum Stammesherrn der Nahuṣa-Sippe gemacht; / Iḷā machten sie zur Unterweiserin des Manuṣa, als dem Vater ein Sohn Mamakas geboren wird [?].
tvaṃ no agne tava deva pāyubhirmaghono rakṣa tanvaśca vandya / trātā tokasya tanaye gavāmasyanimeṣaṃ rakṣamāṇastava vrate
Du, Agni, beschütze mit deinen Schutzen, Gott, die Freigebigen und unsere Leiber, Preiswürdiger; / Retter des Sprosses, für die Nachkommenschaft, der Rinder bist du, unablässig behütend in deinem Gesetz.
tvamagne yajyave pāyurantaro 'niṣaṅgāya caturakṣa idhyase / yo rātahavyo 'vṛkāya dhāyase kīreścin mantraṃ manasāvanoṣi tam
Du, Agni, bist für den Verehrer im Innern der Schützer; für den Unbewaffneten [?] wirst du als Vieräugiger [?] entzündet; / wer die Spende dargebracht hat (für dich) den Unversehrten zur Stütze [?], dessen Lied — auch das des Sängers — gewinnst du im Sinn, ihn.
Wort für Wort
tvam
du (Nom.)
agne
Agni (Vok.)
yajyave
für den Verehrer (Dat. Sg.)
pāyuḥ
Schützer (Nom. Sg.)
antaraḥ
im Innern, dazwischen
aniṣaṅgāya
für den Unbewaffneten/Nicht-Anhaftenden (Dat. Sg.) [?]
tvamagna uruśaṃsāya vāghate spārhaṃ yad rekṇaḥ paramaṃ vanoṣi tat / ādhrasya cit pramatirucyase pitā pra pākaṃśāssi pra diśo viduṣṭaraḥ
Du, Agni, dem weithin Preisenden, dem Opferer, das Begehrenswerte, das höchste Erbgut, das du gewinnst; / du wirst auch des Schwachen Fürsorger und Vater genannt; du weist den Einfältigen an, weist die Richtungen, kenntnisreicher [?].
tvamagne prayatadakṣiṇaṃ naraṃ varmeva syūtaṃ pari pāsi viśvataḥ / svādukṣadmā yo vasatau syonakṛjjīvayājaṃ yajate sopamā divaḥ
Du, Agni, schützt den Mann, der die Gabe dargebracht hat, wie einen genähten Panzer, rings von allen Seiten; / wer im Wohnsitz süße Speise (bereitet), Behagen schafft, dem Lebendigen-Verehrer [?] Verehrung bringt, der ist (dem Himmel) der Nächste [?].
Wort für Wort
tvam
du (Nom.)
agne
Agni (Vok.)
prayata-dakṣiṇam
der die Gabe/Opferlohn dargebracht hat (Akk. Sg.)
naram
Mann (Akk. Sg.)
varma-iva
Panzer (Nom. Sg.), wie
syūtam
genäht (Akk. Sg.)
pari
ringsum
pāsi
du schützt (2. Sg.)
viśvataḥ
von allen Seiten
svādu-kṣadmā
mit süßer Speise, süßen Sitz (Nom. Sg.) [?]
yaḥ
wer (Nom.)
vasatau
im Wohnsitz (Lok. Sg.)
syona-kṛt
Behagen schaffend (Nom. Sg.)
jīva-yājam
die Lebendige verehrend, Lebendes-Verehrender (Akk. Sg.) [?]
Diese Verfehlung [?] mögest du uns nachsehen, diesen Weg, den wir von ferne (her) gegangen sind: / du bist Freund, Vater, Fürsorger der Somaverehrer, du bist rege [?], der Seher-Bildner der Sterblichen.
Wie für Manu, Agni, wie für Aṅgiras, Aṅgiras, wie für Yayāti, im Sitz, wie früher, du Reiner: / komm hierher, führe das göttliche Volk herbei, setze (sie) auf das Barhis und verehre das Liebe.
Mit diesem Brahman [Gebetsformung], Agni, werde stark, oder was wir dir aus Vermögen getan haben oder wissentlich; / führe uns weiter zum Besseren und verbinde uns mit guter, kraftreicher Gesinnung.