Quellen der Menschheit

Ṛgveda · Maṇḍala 1

Kapitel 179: ṛgvede 1.179 · pruvīrahaṃ śaradaḥ śaśramaṇā doṣā vastoruṣaso jarayantīḥ Gespräch zwischen Lopāmudrā und Agastya

Dialoglied: Lopāmudrā (v.1-2, 4) klagt über das Altern und drängt zur Vereinigung, Agastya (v.3, 5-6) antwortet; die Sprecherzuweisung ergibt sich nur aus dem Inhalt (v.4 nennt Lopāmudrā in der 3. Person, v.6 Agastya). v.2cd und v.4 sind syntaktisch schwierig.

pruvīrahaṃ śaradaḥ śaśramaṇā doṣā vastoruṣaso jarayantīḥ / mināti śriyaṃ jarimā tanūnamapyu nu patnīrvṛṣaṇo jagamyuḥ

Viele Herbste lang habe ich mich abgemüht, Nächte und Morgen hindurch, die Morgenröten alt werden lassend; das Alter mindert die Pracht der Leiber. / Sollen denn nicht die Ehefrauen zu den Stieren [d. h. Männern] kommen?

Wort für Wort
pūrvīḥ
viele (Akk. Pl. f.)
aham
ich (Nom.)
śaradaḥ
Herbste, Jahre (Akk. Pl.)
śaśramāṇā
mich abmühend (Nom. Sg. f. Part.)
doṣāḥ
Nächte (Akk. Pl.)
vastoḥ
Morgen (Abl./Gen. Sg.; "von Tagesanbruch") [?]
uṣasaḥ
Morgenröten (Akk. Pl.)
jarayantīḥ
alt werden lassend (Akk. Pl. f. Part.)
mināti
mindert (3. Sg.)
śriyam
Pracht, Schönheit (Akk. Sg.)
jarimā
das Alter (Nom. Sg.)
tanūnām
der Leiber (Gen. Pl.)
api
doch (Partikel)
oṃ iti
doch (Partikel)
nu
nun (Partikel)
patnīḥ
Ehefrauen (Nom. Pl.)
vṛṣaṇaḥ
Stiere, Männer (Akk. Pl.)
jagamyuḥ
sollen kommen (3. Pl. Opt. Perf.)

ye cid dhi pūrva ṛtasāpa āsan sākaṃ devebhiravadannṛtāni / te cidavasurnahyantamāpuḥ samū nu patnīrvṛṣabhirjagamyuḥ

Auch die Früheren, die der Wahrheit Ergebenen, die mit den Göttern Wahrheiten redeten: / sie [gingen] auch [zugrunde/blieben zurück] [?], denn sie erreichten kein Ende. Mögen die Ehefrauen sich mit den Stieren vereinen.

Wort für Wort
ye
die (Nom. Pl. m.)
cit
auch (Partikel)
hi
denn (Partikel)
pūrve
früher (Nom. Pl.)
ṛta-sāpaḥ
der Wahrheit/Ordnung Ergebene (Nom. Pl.)
āsan
sie waren (3. Pl. Impf.)
sākam
zusammen (Adv.)
devebhiḥ
mit den Göttern (Instr. Pl.)
avadan
sie sprachen (3. Pl. Impf.)
ṛtāni
Wahrheiten (Akk. Pl.)
te
sie (Nom. Pl.)
cit
auch (Partikel)
ava
hinab, weg (Präverb) [?]
asuḥ
sie waren / gingen (3. Pl.) [?]
nahi
nicht (Negation)
antam
Ende (Akk. Sg.)
āpuḥ
sie erreichten (3. Pl. Perf.)
sam
zusammen (Präverb)
oṃ iti
doch (Partikel)
nu
nun (Partikel)
patnīḥ
Ehefrauen (Nom. Pl.)
vṛṣa-bhiḥ
mit den Stieren (Instr. Pl.)
jagamyuḥ
mögen kommen (3. Pl. Opt. Perf.)

na mṛṣā śrāntaṃ yadavanti devā viśvā it spṛdho abhyaśnavāva / jayāvedatra śatanīthamajiṃ yat samyañcā mithunāvabhyajāva

Nicht umsonst [sind wir] ermüdet, wenn die Götter [uns] helfen; alle Wettbewerber wollen wir bezwingen. / Wir beide wollen hier den hundertfach geleiteten Wettlauf gewinnen, wenn wir als vereintes Paar aufeinander losfahren.

Wort für Wort
na
nicht
mṛṣā
vergeblich (Adv.)
śrāntam
ermüdet (Nom. Sg. n./Part.)
yat
wenn (Konj.)
avanti
sie helfen (3. Pl.)
devāḥ
Götter (Nom. Pl.)
viśvāḥ
alle (Akk. Pl.)
it
gerade, ja (Partikel)
spṛdhaḥ
Wettbewerber, Nebenbuhler (Akk. Pl.)
abhi
zu, über (Präverb)
aśnavāva
wir beide wollen bezwingen (1. Du. Konj.)
jayāva
wir beide wollen gewinnen (1. Du. Konj.)
it
gerade, ja (Partikel)
atra
hier (Adv.)
śata-nītham
hundertfach geleitet (Akk. Sg.)
ājim
Wettlauf (Akk. Sg.)
yat
wenn (Konj.)
samyañcā
vereint (Nom. Du.)
mithunau
als Paar (Nom. Du.)
abhi
auf, gegen (Präverb)
ajāva
wir beide wollen fahren/treiben (1. Du. Konj.)

nadasya mā rudhataḥ kāma āgannita ājāto amutaḥ kutaścit / lopāmudra vṛṣaṇaṃ nī riṇati dhīramadhīra dhayati śvasantam

Die Begierde des Tosenden [?] ist über mich gekommen, von hier, von dort, von irgendwoher entstanden. / Lopāmudrā saugt den Stier aus: die Ungeduldige zieht den Besonnenen, den Schnaubenden [aus/an sich] [?].

Wort für Wort
nadasya
des Tosenden/Schilfrohrs [?] (Gen. Sg.)
mā
mich (Akk.)
rudhataḥ
aufschießend/hemmend (Gen. Sg. Part.) [?]
kāmaḥ
Begierde (Nom. Sg.)
ā
heran (Präverb)
agan
ist gekommen (3. Sg. Aor.)
itaḥ
von hier (Adv.)
ājātaḥ
geboren, entstanden (Nom. Sg.)
amutaḥ
von dort (Adv.)
kutaḥ
von wo (Adv.)
cit
auch, irgend (Partikel)
lopāmudrā
Lopāmudrā (Nom. Sg.)
vṛṣaṇam
Stier (Akk. Sg.)
niḥ
hinaus, weg (Präverb)
riṇāti
saugt aus/lässt fließen (3. Sg.) [?]
dhīram
den Besonnenen (Akk. Sg.)
adhīrā
die Ungeduldige (Nom. Sg. f.)
dhayati
zieht/saugt (3. Sg.)
śvasantam
den Schnaubenden (Akk. Sg. Part.)

imaṃ n1 somamantito hṛtsu pītamupa bruve / yat sīmāgaścakṛmā tat su mṛḷatu pulukāmo hi martyaḥ

Diesen Soma, den ich im Herzen nahe getrunken habe, spreche ich an: / was wir an Verfehlung begangen haben, das möge er gnädig vergeben; denn der Sterbliche ist voller Wünsche.

Wort für Wort
imam
diesen (Akk. Sg.)
nu
nun (Partikel)
somam
Soma (Akk. Sg.)
antitaḥ
in der Nähe (Adv.)
hṛt-su
in den Herzen (Lok. Pl.)
pītam
getrunken (Akk. Sg. Part.)
upa
hinzu, an (Präverb)
bruve
ich spreche an (1. Sg. Med.)
yat
was (Akk. Sg. n.)
sīm
denn/ja (Partikel)
āgaḥ
Verfehlung, Vergehen (Akk. Sg.)
cakṛma
wir haben begangen (1. Pl. Perf.)
tat
das (Akk. Sg. n.)
su
gut, wohl (Adv.)
mṛḷatu
er möge gnädig sein (3. Sg. Imp.)
pulu-kāmaḥ
vielbegehrend (Nom. Sg.)
hi
denn (Partikel)
martyaḥ
Sterblicher (Nom. Sg.)

agastyaḥ khanamanaḥ khanitraiḥ prajamapatyaṃ balamichamānaḥ / ubhau varṇāv ṛṣirugraḥ pupoṣa satyā deveṣvaśiṣo jagāma

Agastya, mit Grabwerkzeugen grabend, Nachkommenschaft, Nachwuchs und Kraft wünschend, / nährte beide Farben [Arten/Stände?], der gewaltige Seher; er gelangte zu den wahren Wünschen unter den Göttern [Anm.: varṇau 'beide Farben' unsicher; wohl 'beide Arten (von Bestrebungen)' o. ä.].

Wort für Wort
agastyaḥ
Agastya (Nom. Sg.)
khanamānaḥ
grabend (Nom. Sg. Part.)
khanitraiḥ
mit Grabwerkzeugen (Instr. Pl.)
pra-jām
Nachkommenschaft (Akk. Sg.)
apatyam
Nachwuchs (Akk. Sg.)
balam
Kraft (Akk. Sg.)
icchamānaḥ
wünschend (Nom. Sg. Part.)
ubhau
beide (Akk. Du.)
varṇau
Farben/Arten (Akk. Du.) [?]
ṛṣiḥ
Seher (Nom. Sg.)
ugraḥ
gewaltig (Nom. Sg.)
pupoṣa
er nährte (3. Sg. Perf.)
satyāḥ
wahre (Akk. Pl.)
deveṣu
unter den Göttern (Lok. Pl.)
āśiṣaḥ
Wünsche (Akk. Pl.)
jagāma
er gelangte (3. Sg. Perf.)

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