Kapitel 165: ṛgvede 1.165 · kayā śubhā savayasaḥ sanīḷāḥ samānyā marutaḥ saṃ mimikṣuḥ
Wechselrede zwischen Indra und den Maruts
Dialoglied: Indra fragt die Maruts nach Grund und Sinn ihres Kommens, sie antworten; beide Seiten rühmen ihre Taten (Vṛtra-Tötung) und schließen Freundschaft. Sprecherwechsel sind im Text nicht markiert; die Zuordnung der Verse zu Indra bzw. den Maruts ist erschlossen (plausibel), Schwierigkeiten bei 1.165.3, 1.165.6 und 1.165.14.
(Indra fragt:) Mit welcher Pracht haben sich die gleichaltrigen, gleichnistigen Maruts in gemeinsamer Weise vereinigt [?]? Mit welchem Gedanken, woher sind sie gekommen, diese? Sie besingen die Kraft, die Bullen, Güter begehrend.
Wessen Gebete haben die Jungen gern angenommen? Wer hat die Maruts zur Weihehandlung (adhvara) hergewendet? Sie, die wie Falken im Luftraum dahinschießen: mit welchem großen Sinn haben wir sie zur Rast gebracht [?]?
Wort für Wort
kasya
wessen (Gen. Sg.)
brahmāṇi
Gebete, Formungen (Akk. Pl.)
jujuṣuḥ
sie nahmen gern an (3. Pl. Perf.)
yuvānaḥ
Junge (Nom. Pl.)
kaḥ
wer (Nom. Sg.)
adhvare
bei der Weihehandlung (Lok. Sg.)
marutaḥ
Maruts (Akk. Pl.)
ā
her (Präverb)
vavarta
wandte (3. Sg. Perf.)
śyenān-iva
wie Falken (Akk. Pl.)
dhrajataḥ
dahinstürmend (Akk. Pl. Part.)
antarikṣe
im Luftraum (Lok. Sg.)
kena
mit welchem (Instr. Sg.)
mahā
großen (Instr. Sg.)
manasā
Sinn (Instr. Sg.)
rīramāma
wir brachten zur Rast, erfreuten (1. Pl. Aor.) [?]
kutastvamindra māhinaḥ sanneko yāsi satpate kiṃ ta itthā / saṃ pṛchase samarāṇaḥ śubhānairvocestan no harivo yatte asme
(Die Maruts:) Woher (kommst) du, Indra, du Mächtiger, gehst allein, Herr der Wesen? Was ist dir so? Du fragst (uns), dich mit den Glänzenden vereinigend. (Indra:) Sag uns das, Falbenherr, was du bei uns (hast).
brahmāṇi me matayaḥ śaṃ sutāsaḥ śuṣma iyarti prabhṛto me adriḥ / ā śāsate prati haryantyukthemā harī vahatastā no acha
(Indra:) Meine Gebete, meine Gedanken, gute gepresste (Somas): die Kraft regt sich; mein Presstein ist dargebracht. Sie fordern, sie begehren die Sprüche; diese beiden Falben tragen mich, sie, zu uns hin [?].
ato vayamantamebhiryujānāḥ svakṣatrebhistanvaḥ śumbhamānāḥ / mahobhiretānupa yujmahe nvindra svadhāmanu hi no babhūtha
(Die Maruts:) Deshalb schirren wir, mit den Nächsten verbunden, unsere Leiber mit eigener Herrschaft schmückend, diese mit (unseren) Mächten an. Jetzt, Indra: du bist ja nach unserer Eigenart uns nachgefolgt.
kva syā vo marutaḥ svadhāsīd yan māmekaṃ samadhattāhihatye / ahaṃ hyūgrastaviṣastuviṣmān viśvasya śatroranamaṃ vadhasnaiḥ
(Indra:) Wo war jene eure Eigenkraft, ihr Maruts, als ihr mich allein bei der Schlangentötung hingestellt habt [?]? Ich bin ja gewaltig, kräftig, machtvoll: Jeden Feind habe ich mit meinen Tötungswaffen gebeugt.
(Die Maruts:) Vieles hast du getan mit den (dir) zugehörigen, uns gleichen Mannestaten, Stier. Vieles wollen wir tun, stärkster Indra, wir Maruts, mit (unserer) Einsicht, was immer wir wünschen.
Wort für Wort
bhūri
vieles (Akk. Pl. n.)
cakartha
du hast getan (2. Sg. Perf.)
yujyebhiḥ
mit den zugehörigen (Instr. Pl.)
asme iti
bei uns, mit uns (Lok./Dat. Pl.)
samānebhiḥ
mit gleichen (Instr. Pl.)
vṛṣabha
Stier (Vok. Sg.)
paiṃsyebhiḥ
mit Mannestaten (Instr. Pl.; PP „paiṃsyebhiḥ“ verschrieben)
(Indra:) Ich habe Vṛtra erschlagen, ihr Maruts, mit indrischer Kraft, durch eigenen Zorn/Glanz erstarkt. Ich, den Vajra in den Armen, habe diese allglänzenden Wasser für Manu leicht gangbar gemacht.
anuttamā te maghavan nakirnu na tvāvānasti devatā vidānaḥ / na jāyamāno naśate na jāto yāni kariṣyā kṛṇuhipravṛddha
(Die Maruts:) Unübertroffen [?] (ist) dies bei dir, Maghavan; keiner ist dir gleich unter den kundigen Göttlichkeiten. Weder ein Werdender noch ein Geborener erreicht es: was du tun wirst, tue, Erstarkter!
ekasya cin me vibhvastvojo yā nu dadhṛṣvān kṛṇavai manīṣā / ahaṃ hyūgro maruto vidāno yāni cyavamindra idīśa eṣām
(Indra:) Auch von mir Einzelnem soll die Kraft allumfassend sein, das, was ich nun kühn geworden mit Absicht tun will. Ich bin ja gewaltig, ihr Maruts, kundig: die Dinge, die ich bewegt habe – über diese gebietet allein Indra.
amandan mā maruta stomo atra yan me naraḥ śrutyaṃ brahma cakra / indrāya vṛṣṇe sumakhāya mahyaṃ sakhye sakhāyastanvetanūbhiḥ
(Indra:) Mich hat der Lobgesang hier erfreut, ihr Maruts, dass ihr, ihr Männer, mir ein hörenswertes Brahman-Wort gemacht habt: für Indra, den Bullen, den Hochbeteiligten, mich, zur Freundschaft, ihr Freunde, für den Leib mit euren Leibern [?].
evedete prati mā rocamānā anedyaḥ śrava eṣo dadhānāḥ / saṃcakṣyā marutaścandravarṇā achānta me chadayāthā canūnam
(Indra:) So sind diese, mir gegenüber leuchtend, untadelig, Ruhm und Kräftigungen tragend. Anzuschauen seid ihr, ihr Maruts, goldfarbig: ihr habt mir gefallen und werdet mich nun gewiß erfreuen [?].
ko nvatra maruto māmahe vaḥ pra yātana sakhīnrachā sakhāyaḥ / manmāni citrā apivātayanta eṣāṃ bhūta navedā ma ṛtānām
Wer hier hat euch, ihr Maruts, erfreut? Zieht vor zu den Freunden hin, ihr Freunde! Ihr Bunten, die Gedanken beflügelnd [?]: seid Kenner dieser meiner Ṛta-Ordnungen [?].
ā yad duvasyād duvase na kārurasmāñcakre mānyasya medhā / o ṣu vartta maruto vipramachemā brahmāṇi jaritā voarcat
Wenn der Sänger aus Verehrung, wie zum Verehren, (uns) herbeigeholt hat, hat Mānyas Einsicht uns (zugewandt) [?]. Wendet euch gut hin, ihr Maruts, zum Redner: diese Gebete hat der Sänger für euch gesungen. [Anm.: Mānya = Agastya nach der Tradition; hier unsichere Syntax.]
Dies ist euer Lobgesang, ihr Maruts, dies das Lied des Māndārya, des Mānya, des Sängers. Kommt her mit Erquickung, (gebt) für den Leib einen Zweig [?]; wir möchten Labung finden, Kraft und lebhaftes Geben [?].