Kapitel 173: ṛgvede 1.173 · gāyat sāma nabhanyaṃ yathā verarcāma tad vāvṛdhānaṃ svarvat
Lob Indras: Gesang, Rufer und Wagenkämpfer
Langes Indra-Lied mit Bildern des Sängers und Anrufers (Strophen 1-3), Preis des Wagenkämpfers und Weltbewahrers Indra (4-6) und Bitte um Gunst und Wegbahnung (7-13). Viele Wörter und Bilder (Strophen 2, 6, 10, 11, 12) sind sehr unsicher; die Übersetzung markiert dies.
Er soll ein Sāman singen, das wie einen Vogel (?) im Himmelsraum (schwebt) – wir wollen jenes erstarkende, lichtreiche (Lied) anstimmen. Die Rinder, die Milchkühe, unverletzt auf der Streu, wenn er (der Sänger) zur himmlischen Wohnstatt verehrend gelangt. [Anm.: nabhanyam yathā veḥ ‚am Himmelsraum, wie ein Vogel‘ plausibel; gāvaḥ dhenavaḥ evtl. Bild für Lieder/Strahlen – spekulativ.]
Wort für Wort
gāyat
er soll singen (3. Sg. Inj.)
sāma
Sāman, Gesang (Akk. Sg.)
nabhanyam
im Himmelsraum befindlich, wolkig [?] (Akk. Sg. n.)
arcad vṛṣā vṛṣabhiḥ sveduhavyairmṛgo nāśno ati yajjuguryāt / pra mandayurmanāṃ gūrta hotā bharate maryo mithunā yajatraḥ
Der Stier singt mit den Stieren, mit ihren eigenen süßen Gaben; wie ein hungriges Wild überbietet er, wenn er (sie) übersingt [?]. Der Frohgesinnte, der Rufer, der Gepriesene, bringt hervor – der Mann, der Verehrenswürdige, als Paar. [Anm.: Zeile 1-2 sehr unsicher; ‚als Paar‘ (mithunā) evtl. Bild für zusammenwirkende Sänger.]
nakṣad dhotā pari sadma mitā yan bharad garbhamā śaradaḥ pṛthivyāḥ / krandadaśvo nayamāno ruvad gaurantardūto na rodasī carad vāk
Der Rufer soll sich nähern, wenn er die zugemessenen Sitze umgeht; er trägt die Leibesfrucht hierher bis zu den Herbsten der Erde. Das Ross wiehert, geführt; das Rind brüllt; als Bote zwischen Himmel und Erde wandelt die Rede. [Anm.: garbha ‚Leibesfrucht/Embryo‘ – vermutlich das Feuer oder das Lied; ‚Rede als Bote‘ ist im Text ausdrücklich Bildrede.]
tā karmāṣatarāsmai pra cyautnāni devayanto bharante / jujoṣadindro dasmavarcā nāsatyeva sugmyo ratheṣṭhāḥ
Diese unübertrefflichen Werke tragen die Götterbegehrenden für ihn hervor, die Kraftproben. Indra soll Gefallen finden, wunderwirkend im Glanz, wie die beiden Nāsatyas, leicht (zu fahren), auf dem Wagen stehend. [Anm.: aṣatarā/cyautnāni wörtlich unsicher; ‚Kraftproben‘ für cyautna plausibel.]
tamu ṣṭuhīndraṃ yo ha satvā yaḥ śūro maghavā yo ratheṣṭhāḥ / pratīcaścid yodhīyān vṛṣaṇvān vavavruṣaścit tamaso vihantā
Ihn lobe, Indra, der ja der Wahre ist, der Held, der Gabenreiche, der auf dem Wagen Stehende; auch der bessere Kämpfer gegen die Entgegenkommenden, stiergefährtet, auch der Zerschmetterer des einhüllenden Dunkels. [Anm.: Satz wörtlich; ‚wahre‘ für satvā ‚der Seiende, Mächtige‘.]
pra yaditthā mahinā nṛbhyo astyaraṃ rodasī kakṣye nāsmai / saṃ vivya indro vṛjanaṃ na bhūmā bharti svadhāvānopaśamiva dyām
Wenn er so durch Größe den Männern voraus ist, genügen ihm Himmel und Erde wie zwei Gürtel; Indra hat wie einen Bezirk die Erde (Fülle) umhüllt, der Eigenmächtige trägt den Himmel wie einen Haarknoten [?]. [Anm.: kakṣye ‚Gürtel/Gurte/Seitenräume‘, opaśa ‚Stütze/Haarknoten‘ – Bild unsicher.]
samatsu tvā śūra satāmurāṇaṃ prapathintamaṃ paritaṃsayadhyai / sajoṣasa indraṃ made kṣoṇīḥ sūriṃ cid ye anumadanti vājaiḥ
In den Kämpfen, Held, (rufen wir) dich, der unter den Seienden gewaltig ist [?], den am weitesten Vordringenden, um dich zu umringen [?]. Einträchtig (feiern) Indra im Rausch die Erdbewohner, und auch die Gönner, die mit Siegespreisen (ihn) mitberauschen. [Anm.: urāṇa ‚gewaltig/Widder‘, paritaṃsayadhyai ‚umschwingen/umschmücken‘ sehr unsicher.]
evā hi te śaṃ savanā samudra āpo yat ta āsu madanti devīḥ / viśvā te anu joṣyā bhūd gauḥ sūrīṃścid yadi dhiṣā veṣi janān
So ist dir ja Heil bei den Pressungen am Meer, wenn die göttlichen Wasser sich in ihnen für dich berauschen. Alles sei dir zu Gefallen, das Rind, wenn du mit Einsicht sogar die Gönner, die Menschen aufsuchst. [Anm.: samudre ‚im Meer/Luftmeer‘; gauḥ ‚Rind‘ hier wohl als Anteil/Milch, Bildrede möglich.]
asāma yathā suṣakhāya ena svabhiṣṭayo narāṃ na śaṃsaiḥ / asad yathā na indro vandaneṣṭhāsturo na karma nayamāna ukthā
Wir wollen wie gute Freunde für ihn sein, wohlbegehrend wie bei den Lobreden der Männer; Indra soll uns bei der Verehrung beistehen, der Eilende gleichsam, der das Werk und die Sprüche führt. [Anm.: vandane-sthāḥ ‚im Verehrtwerden stehend‘; ena ‚ihn/dies‘ – Bezug offen.]
viṣpardhaso narāṃ na śaṃsairasmākāsadindro vajrahastaḥ / mitrāyuvo na pūrpatiṃ suśiṣṭau madhyāyuva upa śikṣanti yajñaiḥ
Die im Wettstreit mit den Lobreden der Männer (stehen), unser soll Indra sein, der Keulenhändige; wie Freundschaft Suchende zum Burgherrn, bei guter Weisung, bieten die Mittler-Suchenden mit ihren Weihehandlungen (ihre Dienste) an. [Anm.: madhya-yu ‚der die Mitte/Vermittlung sucht‘ – unsicher.]
yajño hi ṣmendraṃ kaścid ṛndhañ juhurāṇaścin manasāpariyan / tīrthe nāchā tātṛṣāṇamoko dīrgho na sidhramā kṛṇotyadhvā
Denn eine Verehrung fördert Indra – jeder beliebige, auch der (Hindernisse) Umgehende, mit dem Sinn umherziehend [?]; wie zu einer Furt hin für den Dürstenden macht der lange Weg das Ziel/Heim erreichbar. [Anm.: sidhram, okaḥ, adhvā sehr unsicher; das Bild ‚Weg zur Furt‘ ist plausibel, Einzelbedeutungen aber nicht gesichert.]
mo ṣū ṇa indrātra pṛtsu devairasti hi ṣmā te śuṣminnavayāḥ / mahaścid yasya mīḷhuṣo yavyā haviṣmato marutovandate gīḥ
Nicht doch, Indra, (lass uns) hier in den Kämpfen mit den Göttern (im Stich): dein ist ja, Kraftvoller, der Anteil. Auch des Großen, des Spendenden, mit Gaben (Bedachten) huldigt die Rede der Maruts [?]. [Anm.: avayāḥ ‚Opferanteil‘; die zweite Zeile ist sehr unsicher (yavyā ‚Gerstenflusslauf/Fließende‘).]
eṣa stoma indra tubhyamasme etena gātuṃ harivo vido naḥ / ā no vavṛtyāḥ suvitāya deva vidyāmeṣaṃ v. j.
Dies ist das Loblied für dich, Indra, von uns; mit diesem finde uns den Weg, Falbenlenker. Wende uns her zum Wohlergehen, Gott: möchten wir Labung, Wegbahnung und Lebensgabe finden. [Anm.: Refrain wie in 1.167.11.]