Quellen der Menschheit

Ṛgveda · Maṇḍala 1

Kapitel 68: ṛgvede 1.68 · śrīṇannupa sthād divaṃ bhuraṇyu sthātuścarathamaktūnvyūrṇot Agni als der größte der Götter, Ahnherr im Menschengeschlecht

Hymnus auf Agni: sein Aufgehen, seine Überlegenheit über alle Götter, seine Geburt aus dem Dürren (Holz), seine Rolle als Anrufer bei den Menschen. Zählung der Quelle: Die zehn Blöcke sind Halbverse (je zwei Pādas-Paare) von fünf vollen Versen; deshalb steht die Übersetzung hier pro Halbvers. Sprachlich schwierig: 1.68.1 (sthātuḥ caratham, aktūn), 1.68.8 (retaḥ mithaḥ tanūṣu).

śrīṇannupa sthād divaṃ bhuraṇyu sthātuścarathamaktūnvyūrṇot / pari yadeṣāmeko viśveṣāṃ bhuvad devo devānāṃ mahitvā

Sich (mit Glanz) mischend [?] trat der Regsame zum Himmel hin; für das Stehende hat er das Sich-Regende und die Nächte/Lichtsalbungen aufgedeckt [Anm.: sthātuḥ caratham und aktūn sind grammatisch und inhaltlich unsicher; gemeint ist wohl die Aufdeckung der Welt bei Tagesanbruch].

Wort für Wort
śrīṇan
sich mischend/zubereitend/ausstattend (Part. Präs. Nom. Sg.) [?]
upa
hin (Präverb)
sthāt
trat (3. Sg. Aor.)
divam
Himmel (Akk. Sg.)
bhuraṇyuḥ
der Regsame/Tragende (Nom. Sg.)
sthātuḥ
des Stehenden (Gen. Sg.)
caratham
das Sich-Regende (Akk. Sg.) [?]
aktūn
Nächte/Lichtsalbungen (Akk. Pl.) [?]
vi
auf (Präverb)
ūrṇot
deckte auf (3. Sg. Impf.)

ādit te viśve kratuṃ juṣanta śuṣkād yad deva jīvo janiṣṭhāḥ / bhajanta viśve devatvaṃ nāma ṛtaṃ sapanto amṛtamevaiḥ [Anm.: Saṃhitā-Text und Padapāṭha der Quelle stimmen an dieser Stelle nicht überein (verschoben oder gekürzt). Padapāṭha: pari yat eṣām ekaḥ viśveṣām bhuvat devaḥ devānām mahi-tvā]

Da er als einziger unter all diesen ringsum überlegen wurde, der Gott unter den Göttern durch (seine) Größe.

Wort für Wort
pari
ringsum/über (Präverb)
yat
da/als (Konj.)
eṣām
dieser (Gen. Pl.)
ekaḥ
einziger (Nom. Sg.)
viśveṣām
aller (Gen. Pl.)
bhuvat
wurde (3. Sg. Aor. Inj.)
devaḥ
Gott (Nom. Sg.)
devānām
der Götter (Gen. Pl.)
mahi-tvā
durch Größe (Instr. Sg.)

ṛtasya preṣā ṛtasya dhītirviśvāyurviśve apāṃsi cakruḥ / yastubhyaṃ dāśād yo vā te śikṣāt tasmai cikitvānrayiṃ dayasva [Anm.: Saṃhitā-Text und Padapāṭha der Quelle stimmen an dieser Stelle nicht überein (verschoben oder gekürzt). Padapāṭha: āt it te viśve kratum juṣanta śuṣkāt yat deva jīvaḥ janiṣṭhāḥ]

Dann erst nahmen alle deinen Willen/deine Geisteskraft (kratu) gern an, als du, Gott, lebendig aus dem Dürren geboren wurdest [Anm.: das Dürre ist das trockene Holz].

Wort für Wort
āt
dann (Adv.)
it
eben/nur (Partikel)
te
dein (Gen./Dat. Sg.)
viśve
alle (Nom. Pl.)
kratum
Willenskraft/Geisteskraft (Akk. Sg.)
juṣanta
nahmen gern an (3. Pl. Med.)
śuṣkāt
aus dem Dürren (Abl. Sg.)
yat
als (Konj.)
deva
Gott (Vok. Sg.)
jīvaḥ
lebendig (Nom. Sg.)
janiṣṭhāḥ
wurdest geboren (2. Sg. Aor. Med.)

hotā niṣatto manorapatye sa cin nvāsāṃ patī rayīṇām / ichanta reto mithastanūṣu saṃ jānata svairdakṣairamūrāḥ [Anm.: Saṃhitā-Text und Padapāṭha der Quelle stimmen an dieser Stelle nicht überein (verschoben oder gekürzt). Padapāṭha: bhajanta viśve deva-tvam nāma ṛtam sapantaḥ amṛtam evaiḥ]

Alle erhielten Anteil an Göttlichkeit, dem (göttlichen) Namen, indem sie die Ordnung (ṛta), das Unsterbliche, auf ihren Wegen verfolgten/ehrten [Anm.: evaiḥ 'auf ihren Gängen/nach ihrer Weise' ist unsicher].

Wort für Wort
bhajanta
erhielten Anteil (3. Pl. Aor. Med.)
viśve
alle (Nom. Pl.)
deva-tvam
Göttlichkeit (Akk. Sg.)
nāma
Name (Akk. Sg.)
ṛtam
Ordnung/Wahrheit (Akk. Sg.)
sapantaḥ
verfolgend/ehrend (Part. Nom. Pl.)
amṛtam
Unsterbliches (Akk. Sg.)
evaiḥ
mit Gängen/Wegen (Instr. Pl.) [?]

piturna putrāḥ kratuṃ juṣanta śroṣan ye asya śāsaṃ turāsaḥ / vi rāya aurṇod duraḥ purukṣuḥ pipeśa nākaṃ stṛbhirdamūnāḥ [Anm.: Saṃhitā-Text und Padapāṭha der Quelle stimmen an dieser Stelle nicht überein (verschoben oder gekürzt). Padapāṭha: ṛtasya preṣāḥ ṛtasya dhītiḥ viśva-āyuḥ viśve apāṃsi cakruḥ]

Des ṛta Antriebe, des ṛta Gedankenschau, (dein) alles umfassendes Leben – alle haben die Werke getan [?].

Wort für Wort
ṛtasya
des ṛta (Gen. Sg.)
preṣāḥ
Antriebe/Sendungen (Nom. Pl.)
ṛtasya
des ṛta (Gen. Sg.)
dhītiḥ
Gedankenschau/Vision (Nom. Sg.)
viśva-āyuḥ
allbelebend/ganzes Leben (Nom. Sg.) [?]
viśve
alle (Nom. Pl.)
apāṃsi
Werke (Akk. Pl.)
cakruḥ
machten (3. Pl. Perf.)

yaḥ tubhyam dāśāt yaḥ vā te śikṣāt tasmai cikitvān rayim dayasva [Anm.: Saṃhitā-Text in der Quelle nicht vorhanden; aus dem Padapāṭha ohne Sandhi wiedergegeben]

Wer dir darbringt oder wer dir zu Hilfe/Dienst sein will, dem teile du, der Kundige, Reichtum zu.

Wort für Wort
yaḥ
wer (Nom. Sg.)
tubhyam
dir (Dat. Sg.)
dāśāt
dient/bringt dar (3. Sg. Aor. Subj.)
yaḥ
wer (Nom. Sg.)
vā
oder
te
dir (Dat./Gen. Sg.)
śikṣāt
helfen will/vermag (3. Sg. Aor. Subj.)
tasmai
ihm (Dat. Sg.)
cikitvān
Kundiger/Wahrnehmender (Nom. Sg.)
rayim
Reichtum (Akk. Sg.)
dayasva
teile zu (2. Sg. Imp. Med.)

hotā nisattaḥ manoḥ apatye saḥ cit nu āsām patiḥ rayīṇām [Anm.: Saṃhitā-Text in der Quelle nicht vorhanden; aus dem Padapāṭha ohne Sandhi wiedergegeben]

Der Anrufer hat sich im Geschlecht des Manu niedergelassen; er ist wahrlich der Herr dieser Reichtümer.

Wort für Wort
hotā
Rufer/Anrufer (Nom. Sg.)
ni-sattaḥ
niedergesessen (Part. Nom. Sg.)
manoḥ
des Manu (Gen. Sg.)
apatye
im Nachkommen/Geschlecht (Lok. Sg.)
saḥ
er (Nom. Sg.)
cit
gerade/eben (Partikel)
nu
nun/jetzt (Partikel)
āsām
dieser (Gen. Pl. f.)
patiḥ
Herr (Nom. Sg.)
rayīṇām
der Reichtümer (Gen. Pl.)

icchanta retaḥ mithaḥ tanūṣu sam jānata svaiḥ dakṣaiḥ amūrāḥ [Anm.: Saṃhitā-Text in der Quelle nicht vorhanden; aus dem Padapāṭha ohne Sandhi wiedergegeben]

Sie [die Götter] suchten wechselseitig Samen in den Leibern und kamen in Übereinstimmung durch ihre eigenen Kräfte, unverwirrt [Anm.: Zeugungsbild für die Entstehung/Nährung des Agni; Bezug unsicher].

Wort für Wort
icchanta
suchten/wünschten (3. Pl. Impf. Med.)
retaḥ
Samen/Zeugungskraft (Akk. Sg.)
mithaḥ
wechselseitig (Adv.)
tanūṣu
in den Leibern (Lok. Pl.)
sam
zusammen (Präverb)
jānata
erkannten/einigten sich (3. Pl. Impf. Med.)
svaiḥ
mit den eigenen (Instr. Pl.)
dakṣaiḥ
mit Geschicklichkeitskräften (Instr. Pl.)
amūrāḥ
unverwirrt/wach (Nom. Pl.)

pituḥ na putrāḥ kratum juṣanta śroṣan ye asya śāsam turāsaḥ [Anm.: Saṃhitā-Text in der Quelle nicht vorhanden; aus dem Padapāṭha ohne Sandhi wiedergegeben]

Wie Söhne den Willen des Vaters gern annehmen, (so) sollen die, welche seine Weisung hören, die Raschen, [ihn gern annehmen/befolgen].

Wort für Wort
pituḥ
des Vaters (Gen. Sg.)
na
wie
putrāḥ
Söhne (Nom. Pl.)
kratum
Willenskraft/Absicht (Akk. Sg.)
juṣanta
nehmen gern an (3. Pl. Med.)
śroṣan
sollen hören (3. Pl. Aor. Subj.)
ye
welche (Nom. Pl.)
asya
seine (Gen. Sg.)
śāsam
Weisung/Gebot (Akk. Sg.)
turāsaḥ
die Raschen/Kräftigen (Nom. Pl.)

vi rāyaḥ aurṇot duraḥ purukṣuḥ pipeśa nākam stṛbhiḥ damūnāḥ [Anm.: Saṃhitā-Text in der Quelle nicht vorhanden; aus dem Padapāṭha ohne Sandhi wiedergegeben]

Er hat die Türen zu den Reichtümern aufgedeckt, der Vielbehauste [?]; er hat den Himmelsraum mit Sternen geschmückt, der Hausfreundliche/Häusliche.

Wort für Wort
vi
auf (Präverb)
rāyaḥ
Reichtümer (Akk./Gen. Pl.)
aurṇot
deckte auf (3. Sg. Impf.)
duraḥ
Türen (Akk. Pl.)
puru-kṣuḥ
vielbehaust/vielnährend (Nom. Sg.) [?]
pipeśa
schmückte/gestaltete (3. Sg. Perf.)
nākam
Himmelsgewölbe (Akk. Sg.)
stṛ-bhiḥ
mit Sternen (Instr. Pl.)
damūnāḥ
im Hause weilend/häuslich (Nom. Sg.)

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