Kapitel 94: ṛgvede 1.94 · imaṃ stomamarhate jātavedase rathamiva saṃ mahemā manīṣayā
Lied an Agni um Freundschaft und Schutz
Sechzehn Verse an Agni; 2-14 schließen mit dem Kehrvers „Agni, in deiner Freundschaft mögen wir nicht Schaden nehmen“. Rätselhaft bleiben V. 7 (taḷit), 10-12 (Rosse/Bäume, Maruts-Groll) und 15 (adite).
Diesen Lobgesang wollen wir dem Würdigen, dem Jātavedas, wie einen Wagen mit Sinneskraft fügen [?]; / denn gut ist unsere Zuneigung in seiner Gesellschaft. Agni, in deiner Freundschaft mögen wir, wir, nicht Schaden nehmen. [Anm.: Bild Lied = Wagen; die Verbform saṃ mahema (√mah) ist unsicher.]
yasmai tvamāyajase sa sādhatyanarvā kṣeti dadhate suvīryam / sa tūtāva nainamaśnotyaṃhatiragne ...
Wem du die Verehrung zuteil werden lässt, der bringt es zum Ziel; unangefochten wohnt er, er gewinnt gute Mannhaftigkeit. / Er hat sich als stark erwiesen; ihn erreicht keine Bedrängnis. / Agni, in deiner Freundschaft mögen wir, wir, nicht Schaden nehmen.
Könnten wir dich entzünden; bring unsere Andachten zum Gelingen. In dir verzehren die Götter die dargebrachte Spende. / Bring du die Ādityas her, denn nach ihnen verlangen wir. / Agni, in deiner Freundschaft mögen wir, wir, nicht Schaden nehmen.
Brennholz wollen wir bringen, Spenden dir bereiten, achtsam bei jedem Gelenk [Festabschnitt]; / lass für längeres Leben die Andachten gelingen. / Agni, in deiner Freundschaft mögen wir, wir, nicht Schaden nehmen. [Anm.: parvan „Gelenk, Abschnitt“ – wohl Mondphasen-/Festabschnitt (plausibel).]
Die Hüter der Stämme – seine Geschöpfe ziehen umher, was Zweifüßiges und was Vierfüßiges ist, in den Nächten. / Bunt, Merkzeichen der Morgenröten, groß bist du. / Agni, in deiner Freundschaft mögen wir, wir, nicht Schaden nehmen.
Du bist der Adhvaryu und der Rufer, der Erste; Anweiser, Läuterer, von Geburt her der Vorangesetzte. / Alles zum Priesteramt Gehörige kennend, Besonnener, gedeihst du. / Agni, in deiner Freundschaft mögen wir, wir, nicht Schaden nehmen.
Wort für Wort
tvam
du (Nom. Sg.)
adhvaryuḥ
Adhvaryu (Ausführender der Weihehandlung) (Nom. Sg.)
yo viśvataḥ supratīkaḥ sadṛṃṃ asi dūre cit san taḷidivāti rocase / rātryāścidandho ati deva paśyasyagne ...
Der du von allen Seiten schön anzusehen bist und stets gleich sichtbar; auch wenn du fern bist, leuchtest du herüber wie etwas ganz Nahes [?]; / selbst das Dunkel der Nacht durchschaust du, Gott. / Agni, in deiner Freundschaft mögen wir, wir, nicht Schaden nehmen. [Anm.: taḷit unsicher (Blitz oder „nahe“).]
Voran soll der Wagen dessen sein, der presst, ihr Götter; unser Spruch soll die Übelgesinnten überwinden. / Dies erkennt an und fördert das Wort. / Agni, in deiner Freundschaft mögen wir, wir, nicht Schaden nehmen.
vadhairduḥśaṃsānapa dūḍhyo jahi dūre vā ye anti vā ke cidatriṇaḥ / athā yajñāya gṛṇate sugaṃ kṛdhyagne ...
Mit Waffen schlage die Übelredenden, die Übelgesinnten weg, ob fern oder nah, welche Fresser es auch seien; / dann bahne der Verehrungshandlung und dem Singenden einen guten Weg. / Agni, in deiner Freundschaft mögen wir, wir, nicht Schaden nehmen.
Wenn du die roten, rötlichen Rosse an den Wagen gespannt hast, vom Wind getrieben – wie eines Bullen ist dein Gebrüll –, / dann setzt du die Bäume mit dem Rauch als Banner in Bewegung [?]. / Agni, in deiner Freundschaft mögen wir, wir, nicht Schaden nehmen.
Wort für Wort
yat
wenn (Konj.)
ayukthāḥ
du hast angeschirrt (2. Sg. Impf.)
aruṣā
rötliche (Akk. Du./Pl.)
rohitā
rote (Akk. Du./Pl.)
rathe
am Wagen (Lok. Sg.)
vāta-jūtā
vom Wind getrieben (Akk. Du./Pl.)
vṛṣabhasya-iva
des Bullen (Gen. Sg.) wie
te
dein (Gen. Sg.; mit Gebrüll, Nom. Sg., im PP verschmolzen) [?]
adha svanāduta bibhyuḥ patatriṇo drapsā yat te yavasādo vyasthiran / sugaṃ tat te tāvakebhyo rathebhyo 'gne ...
Dann fürchteten sich auch die Vögel vor dem Getöse, wenn deine grasfressenden Funken auseinanderstoben. / Gut gangbar ist das für deine Wagen [?]. / Agni, in deiner Freundschaft mögen wir, wir, nicht Schaden nehmen.
ayaṃ mitrasya varuṇasya dhāyase 'vayātāṃ marutāṃ heḷo adbhutaḥ / mṛḷā su no bhūtveṣāṃ manaḥ punaragne ...
Dieser [wunderbare Groll] – zur Erhaltung von Mitra und Varuṇa: den Zorn der Maruts, den wunderbaren, wehre ab [?]. / Sei uns gnädig; ihre Gesinnung soll wieder [zu uns] sein. [Anm.: Der Vers ist syntaktisch schwierig; avayātām nicht gesichert.] / Agni, in deiner Freundschaft mögen wir, wir, nicht Schaden nehmen.
Gott der Götter bist du, wunderbarer Mitra [Freund]; Gut der Güter bist du, lieb bei der Weihehandlung. / In deinem Schutz möchten wir sein, im weitesten Umfang. / Agni, in deiner Freundschaft mögen wir, wir, nicht Schaden nehmen.
tat te bhadraṃ yat samiddhaḥ sve dame somāhuto jarase mṛḷayattamaḥ / dadhāsi ratnaṃ draviṇaṃ ca dāśuṣe 'gne ...
Das ist dein Gutes, dass du, im eigenen Haus entzündet, mit Soma begossen, am gnädigsten zum Lobpreis bist. / Du gibst Kleinod und Gut dem Verehrer. / Agni, in deiner Freundschaft mögen wir, wir, nicht Schaden nehmen.
Wem du, reich an Gut, Schuldlosigkeit gegeben hast, o Aditi, in Ganzheit [?]; wen du mit gutem Kraftvermögen antreibst – / mit kinderreicher Gabe möchten wir dein sein. [Anm.: adite (Vok. „Aditi“ oder Lok. „in Unversehrtheit“) unsicher.]