Quellen der Menschheit

Ṛgveda · Maṇḍala 1

Kapitel 105: ṛgvede 1.105 · candramā apsvantarā suparṇo dhāvate divi Tritas Klage und Fragen an die Götter: Wahrheit, Wolf und Brunnen

Rätselhaftes Lied mit dem Kehrreim „Erkennt dies von mir, ihr beiden Welten“. Ein Sprecher (nach V. 9 und 17 Trita) fragt nach Ṛta, Weg und Ordnung der Götter, klagt über Sorgen und Bedrängnis (Wolf, Brunnen) und bittet um Erlösung. Viele Verse sind wörtlich unklar (Bilder von Mond, Blitzen, den sieben Strahlen, den fünf Stieren); Verse 7–8 sind in der Quelle ohne brauchbaren Padapāṭha.

candramā apsvantarā suparṇo dhāvate divi / na vo hiraṇyanemayaḥ padaṃ vindanti vidyuto vittaṃ me asya rodasī

Der Mond läuft [wie] mitten in den Wassern, ein Schönbeschwingter rennt im Himmel; nicht finden euch die goldfelgigen Blitze eure Spur: / erkennt mir dies, ihr beiden Welten. [Anm.: Bildrede; Deutung als Mond und Sonnenvogel plausibel, der Bezug der Anrede vaḥ unsicher [?].]

Wort für Wort
candramāḥ
Mond (Nom. Sg.)
ap-su
in den Wassern (Lok. Pl.)
antaḥ
drinnen (Adv.)
ā
hin (Präverb)
su-parṇaḥ
Schönbeschwingter (Nom. Sg.)
dhāvate
er rennt (3. Sg. Med.)
divi
im Himmel (Lok. Sg.)
na
nicht (Partikel)
vaḥ
euch (Dat./Gen.)
hiraṇya-nemayaḥ
goldfelgig (Nom. Pl.)
padam
Spur (Akk. Sg.)
vindanti
sie finden (3. Pl.)
vi-dyutaḥ
Blitze (Nom. Pl.)
vittam
erkennt (2. Du. Imp.)
me
mir (Dat./Gen.)
asya
dieses (Gen./Akk. Sg.)
rodasī iti
ihr beiden Welten (Vok. Du.)

arthamid vā u arthina ā jāyā yuvate patim / tuñjāte vṛṣṇyaṃ payaḥ paridāya rasaṃ duhe vittam...

Ein Gut suchen wahrlich die Güter-Strebenden; die Gattin schmiegt sich dem Gatten an; / beide treiben die stiergewaltige Milch; hingegeben melkt sie den Saft: erkennt mir dies, ihr beiden Welten. [Anm.: Anspielung auf Ehe/Zeugung, Zusammenhang der Strophe unsicher [?].]

Wort für Wort
artham
Gut, Ziel (Akk. Sg.)
it
fürwahr (Partikel)
vai
wahrlich (Partikel)
oṃ iti
und (Partikel)
arthinaḥ
Güter-Strebende (Nom. Pl.)
ā
hin (Präverb)
jāyā
Gattin (Nom. Sg.)
yuvate
schmiegt sich an, mischt sich (3. Sg. Med.)
patim
Gatte (Akk. Sg.)
tuñjāteiti
die beiden treiben (3. Du. Med.)
vṛṣṇyam
stiergewaltige (Akk. Sg.)
payaḥ
Milch (Akk. Sg.)
pari-dāya
hingegeben (Ger.)
rasam
Saft (Akk. Sg.)
duhe
melkt (3. Sg. Med.)
vittam
erkennt (2. Du. Imp.)
me
mir (Dat./Gen.)
asya
dieses (Gen./Akk. Sg.)
rodasī iti
ihr beiden Welten (Vok. Du.)

mo ṣu deva adaḥ svarava pādi divas pari / mā somyasya śambhuvaḥ śūne bhūma kadā cana vittam...

Nicht, ihr Götter, ist jenes Licht [Sonne?] vom Himmel herabgefallen; / mögen wir nie in der Leere [des Mangels] an dem soma-gemäßen Heilbringer sein: erkennt mir dies, ihr beiden Welten. [Anm.: ṣu mo ... „ja nicht“; svar „Licht/Sonne“ als Objekt der Sorge [?].]

Wort für Wort
mo iti
keinesfalls (Partikel)
su
gut, ja (Partikel)
devāḥ
Götter (Vok. Pl.)
adaḥ
jenes (Nom. Sg. n.)
svaḥ
Licht, Sonne (Nom. Sg.)
ava
herab (Präverb)
pādi
ist gefallen (Aor. Pass. 3. Sg.)
divaḥ
vom Himmel (Abl. Sg.)
pari
herab, von (Präverb)
mā
nicht (Verbot)
somyasya
des soma-gemäßen (Gen. Sg.)
śam-bhuvaḥ
des Heilbringenden (Gen. Sg.)
śūne
in der Leere (Lok. Sg.)
bhūma
wir mögen sein (Aor. Inj./Opt. 1. Pl.)
kadā
jemals (Adv.)
cana
je (Partikel)
vittam
erkennt (2. Du. Imp.)
me
mir (Dat./Gen.)
asya
dieses (Gen./Akk. Sg.)
rodasī iti
ihr beiden Welten (Vok. Du.)

yajñaṃ pṛchāmyavamaṃ sa tad dūto vi vocati / kva ṛtaṃ pūrvyaṃ gataṃ kastad bibharti nūtano vi...

Nach der Weihehandlung frage ich, der untersten; der Bote soll uns das verkünden. / Wohin ist das frühere Ṛta gegangen? Wer, ein Neuer, trägt es? Erkennt mir dies, ihr beiden Welten.

Wort für Wort
yajñam
Weihehandlung (Akk. Sg.)
pṛcchāmi
ich frage (1. Sg.)
avamam
unterste, nächste (Akk. Sg.)
saḥ
er (Nom. Sg.)
tat
das (Akk. Sg.)
dūtaḥ
Bote (Nom. Sg.)
vi
aus (Präverb)
vocati
er soll verkünden (Aor. Konj. 3. Sg.)
kva
wohin (Interr.)
ṛtam
Ṛta, Ordnung (Nom. Sg.)
pūrvyam
frühere (Nom. Sg.)
gatam
gegangen (Nom. Sg. Part.)
kaḥ
wer (Nom. Sg.)
tat
es (Akk. Sg.)
bibharti
trägt (3. Sg.)
nūtanaḥ
neu, jetziger (Nom. Sg.)
vittam
erkennt (2. Du. Imp.)
me
mir (Dat./Gen.)
asya
dieses (Gen./Akk. Sg.)
rodasī iti
ihr beiden Welten (Vok. Du.)

amī ye devā sthana triṣvā rocane divaḥ / kad va ṛtaṃ kadanṛtaṃ kva pratnā va āhutirvi...

Ihr Götter dort, die ihr in den drei Lichträumen des Himmels weilt: / was ist euer Ṛta, was das Unwahre, wo euer alter Anruf? Erkennt mir dies, ihr beiden Welten. [Anm.: āhuti eigentlich „Anrufung/Darbringung“; kat „was/wo“ mehrdeutig [?].]

Wort für Wort
amī iti
jene dort (Nom. Pl.)
ye
die (Nom. Pl.)
devaḥ
Götter (Nom. Pl.)
sthana
ihr seid, weilt (2. Pl.)
triṣu
in dreien (Lok. Pl.)
ā
hin (Präverb)
rocane
im Lichtraum (Lok. Sg.)
divaḥ
des Himmels (Gen. Sg.)
kat
was, wo (Interr.)
vaḥ
euer (Gen.)
ṛtam
Ṛta (Nom. Sg.)
kat
was (Interr.)
anṛtam
Unwahres (Nom. Sg.)
kva
wo (Interr.)
pratnā
alt (Nom. Sg.)
vaḥ
euer (Gen.)
āhutiḥ
Anruf, Darbringung (Nom. Sg.)
vittam
erkennt (2. Du. Imp.)
me
mir (Dat./Gen.)
asya
dieses (Gen./Akk. Sg.)
rodasī iti
ihr beiden Welten (Vok. Du.)

kad va ṛtasya dharṇasi kad varuṇasya cakṣaṇam / kadaryamṇo mahas pathāti krāmema dūḍhyo vi...

Was ist eure Stütze des Ṛta, was Varuṇas Blick? / Wie mögen wir auf dem großen Pfad des Aryaman die Übelgesinnten überschreiten? Erkennt mir dies, ihr beiden Welten. [Anm.: duḥ-ḍhya [?] „übel/schwer zu Fassende, Feinde“.]

Wort für Wort
kat
was (Interr.)
vaḥ
euer (Gen.)
ṛtasya
des Ṛta (Gen. Sg.)
dharṇasi
Stütze (Nom. Sg.)
kat
was (Interr.)
varuṇasya
des Varuṇa (Gen. Sg.)
cakṣaṇam
Blick (Nom. Sg.)
kat
was, wie (Interr.)
aryamṇaḥ
des Aryaman (Gen. Sg.)
mahaḥ
großen (Gen. Sg.)
pathā
auf dem Pfad (Instr. Sg.)
ati
hinüber (Präverb)
krāmema
wir mögen schreiten (Opt. 1. Pl.)
duḥ-ḍhyaḥ
die Übelgesinnten [?] (Akk. Pl.)
vittam
erkennt (2. Du. Imp.)
me
mir (Dat./Gen.)
asya
dieses (Gen./Akk. Sg.)
rodasī iti
ihr beiden Welten (Vok. Du.)

aham so asmi yaḥ purā sute vadāmi kāni cit / taṃ mā vyantyādhyo vṛko na tṛṣṇajaṃ mṛgaṃ vi... [Anm.: Saṃhitā-Text und Padapāṭha der Quelle stimmen an dieser Stelle nicht überein (verschoben oder gekürzt). Padapāṭha: iti]

Ich bin der, der früher beim Pressen einiges gesprochen hat; / ihn bedrängen die Sorgen wie der Wolf das durstige Wild. [Anm.: Der Padapāṭha der Quelle ist nur ein Fragment; Übersetzung aus dem Saṃhitā-Text; der Kehrreim ist gekürzt.]

Wort für Wort
iti
[PP nur „iti“ überliefert; Vers nach SA: aham so asmi yaḥ purā sute vadāmi kāni cit / taṃ mā vyanti ādhyo vṛko na tṛṣṇajaṃ mṛgam]

saṃ mā tapantyabhitaḥ sapatnīriva parśavaḥ / mūṣo na śiśnā vyadanti mādhya stotāraṃ te śatakrato vi... [Anm.: Saṃhitā-Text und Padapāṭha der Quelle stimmen an dieser Stelle nicht überein (verschoben oder gekürzt). Padapāṭha: iti]

Rings brennen mich die Rippen [Sorgen] wie Nebenfrauen; / wie Mäuse fressen mich die Sorgen an, deinen Sänger, Hundertkräftiger. [Anm.: Der Padapāṭha der Quelle ist nur ein Fragment; Übersetzung aus dem Saṃhitā-Text; parśava „Rippen“ ([?] bildlich).]

Wort für Wort
iti
[PP nur „iti“ überliefert; Vers nach SA: saṃ mā tapanti abhitaḥ sapatnīr iva parśavaḥ / mūṣo na śiśnā vyadanti mā ādhyaḥ stotāraṃ te śatakrato]

amī ye sapta raśmayastatrā me nābhirātatā / tritastad vedāptyaḥ sa jāmitvāya rebhati vi...

Diese sieben Strahlen dort: dort ist mein Nabel ausgespannt. / Trita Āptya weiß das; er ruft für die Verwandtschaft: erkennt mir dies, ihr beiden Welten. [Anm.: „Strahlen/Nabel“ Bildrede; kosmisch-rituell plausibel, sonst spekulativ.]

Wort für Wort
amī iti
jene dort (Nom. Pl.)
ye
die (Nom. Pl.)
sapta
sieben (Nom.)
raśmayaḥ
Strahlen (Nom. Pl.)
tatra
dort (Adv.)
me
mein (Gen.)
nābhiḥ
Nabel (Nom. Sg.)
ātatā
ausgespannt (Nom. Sg. Part.)
tritaḥ
Trita (Nom.)
tat
das (Akk. Sg.)
veda
weiß (Perf. 3. Sg.)
āptyaḥ
Āptya (Nom. Sg.)
saḥ
er (Nom. Sg.)
jāmi-tvāya
für die Verwandtschaft (Dat. Sg.)
rebhati
ruft, lobt (3. Sg.)
vittam
erkennt (2. Du. Imp.)
me
mir (Dat./Gen.)
asya
dieses (Gen./Akk. Sg.)
rodasī iti
ihr beiden Welten (Vok. Du.)

amī ye pañcokṣaṇo madhye tasthurmaho divaḥ / devatrā nu pravācyaṃ sadhrīcīnā ni vāvṛturvi...

Diese fünf Stiere dort, die in der Mitte des großen Himmels standen: / bei den Göttern ist es nun zu verkünden; zusammengewandt haben sie sich niedergewendet [?]. Erkennt mir dies, ihr beiden Welten. [Anm.: Wer die fünf Stiere sind (Sterne? Feuerformen?), ist unsicher; spekulativ.]

Wort für Wort
amī iti
jene dort (Nom. Pl.)
ye
die (Nom. Pl.)
pañca
fünf (Nom.)
ukṣaṇaḥ
Stiere (Nom. Pl.)
madhye
in der Mitte (Lok. Sg.)
tasthuḥ
sie standen (Perf. 3. Pl.)
mahaḥ
großen (Gen. Sg.)
divaḥ
Himmels (Gen. Sg.)
deva-trā
bei den Göttern (Adv.)
nu
nun (Adv.)
pra-vācyam
zu verkünden (Nom. Sg. n.)
sadhrīcīnāḥ
zusammengewandt (Nom. Pl.)
ni
nieder (Präverb)
vavṛtuḥ
sie haben sich gewendet [?] (Perf. 3. Pl.)
vittam
erkennt (2. Du. Imp.)
me
mir (Dat./Gen.)
asya
dieses (Gen./Akk. Sg.)
rodasī iti
ihr beiden Welten (Vok. Du.)

suparṇā eta āsate madhya ārodhane divaḥ / te sedhanti patho vṛkaṃ tarantaṃ yahvatīrapo vi...

Diese Schönbeschwingten sitzen in der Mitte des Aufstiegs des Himmels; / sie wehren den Wolf vom Weg ab, der die strömenden Wasser überquert: erkennt mir dies, ihr beiden Welten. [Anm.: ārodhana wohl „Aufstieg/Rand des Himmels“ [?].]

Wort für Wort
su-parṇāḥ
Schönbeschwingte (Nom. Pl.)
ete
diese (Nom. Pl.)
āsate
sie sitzen (3. Pl. Med.)
madhye
in der Mitte (Lok. Sg.)
ārodhane
des Aufstiegs (Lok. Sg.) [?]
divaḥ
des Himmels (Gen. Sg.)
te
sie (Nom. Pl.)
sedhanti
sie wehren ab (3. Pl.)
pathaḥ
vom Weg (Abl. Pl.)
vṛkam
Wolf (Akk. Sg.)
tarantam
überquerend (Akk. Sg.)
yahvatīḥ
strömende (Akk. Pl.)
apaḥ
Wasser (Akk. Pl.)
vittam
erkennt (2. Du. Imp.)
me
mir (Dat./Gen.)
asya
dieses (Gen./Akk. Sg.)
rodasī iti
ihr beiden Welten (Vok. Du.)

navyaṃ tadukthyaṃ hitaṃ devāsaḥ supravācanam / ṛtamarṣanti sindhavaḥ satyaṃ tātāna sūryo vi...

Dies Neue, Preisenswerte, ihr Götter, gut zu Verkündende, ist [nieder]gelegt; / die Ströme lassen das Ṛta strömen; die Wahrheit hat die Sonne ausgedehnt: erkennt mir dies, ihr beiden Welten.

Wort für Wort
navyam
neu (Nom. Sg. n.)
tat
das (Nom. Sg. n.)
ukthyam
preisenswert (Nom. Sg. n.)
hitam
niedergelegt, nützlich (Nom. Sg. n.)
devāsaḥ
Götter (Vok. Pl.)
su-pravācanam
gut zu verkünden (Nom. Sg. n.)
ṛtam
Ṛta (Akk. Sg.)
arṣantisindhavaḥ
die Ströme lassen fließen (3. Pl. + Ströme)
satyam
Wahrheit (Akk. Sg.)
tatāna
hat ausgedehnt (Perf. 3. Sg.)
sūryaḥ
Sonne (Nom. Sg.)
vittam
erkennt (2. Du. Imp.)
me
mir (Dat./Gen.)
asya
dieses (Gen./Akk. Sg.)
rodasī iti
ihr beiden Welten (Vok. Du.)

agne tava tyadukthyaṃ deveṣvastyāpyam / sa naḥ satto manuṣvadā devān yakṣi viduṣṭaro vi...

Agni, dies dein Preisenswertes: unter den Göttern besteht Verwandtschaft; / du, der du dich niedergelassen hast, wie Manu, verehre für uns die Götter, du Wissenderer: erkennt mir dies, ihr beiden Welten. [Anm.: yakṣi = „weihe/verehre“ (√yaj), nicht „opfere“.]

Wort für Wort
agne
Agni (Vok.)
tava
dein (Gen.)
tyat
jenes (Nom. Sg. n.)
ukthyam
preisenswert (Nom. Sg. n.)
deveṣu
unter den Göttern (Lok. Pl.)
asti
ist (3. Sg.)
āpyam
Verwandtschaft (Nom. Sg.)
saḥ
du (Nom. Sg.)
naḥ
uns (Dat.)
sattaḥ
niedergelassen (Nom. Sg.)
manuṣvat
wie Manu (Adv.)
ā
hin (Präverb)
devān
Götter (Akk. Pl.)
yakṣi
verehre (Aor. Inj. 2. Sg.)
viduḥ-taraḥ
wissender (Nom. Sg. Komp.)
vittam
erkennt (2. Du. Imp.)
me
mir (Dat./Gen.)
asya
dieses (Gen./Akk. Sg.)
rodasī iti
ihr beiden Welten (Vok. Du.)

satto hotā manuṣvadā devānachā viduṣṭaraḥ / agnirhavyā suṣūdati devo deveṣu medhiro vi...

Niedergelassen ist der Rufer, wie Manu, [er,] zu den Göttern hin wissenderer; / Agni macht die Darbringungen schmackhaft, der Gott, weise unter den Göttern: erkennt mir dies, ihr beiden Welten.

Wort für Wort
sattaḥ
niedergelassen (Nom. Sg.)
hotā
Rufer (Nom. Sg.)
manuṣvat
wie Manu (Adv.)
ā
hin (Präverb)
devān
Götter (Akk. Pl.)
accha
zu (Präverb)
viduḥ-taraḥ
wissenderer (Nom. Sg. Komp.)
agniḥ
Agni (Nom.)
havyā
Darbringungen (Akk. Pl.)
susūdati
macht schmackhaft, führt zurecht (3. Sg.)
devaḥ
Gott (Nom. Sg.)
deveṣu
unter den Göttern (Lok. Pl.)
medhiraḥ
weise (Nom. Sg.)
vittam
erkennt (2. Du. Imp.)
me
mir (Dat./Gen.)
asya
dieses (Gen./Akk. Sg.)
rodasī iti
ihr beiden Welten (Vok. Du.)

brahmā kṛṇoti varuṇo gātuvidaṃ tamīmahe / vyūrṇoti hṛdā matiṃ navyo jāyatām ṛtaṃ vi...

Varuṇa macht den Brahman(-Sprecher) [?]; ihn, den Wegkundigen, bitten wir. / Er öffnet mit dem Herzen die Einsicht; ein Neues möge geboren werden: das Ṛta. Erkennt mir dies, ihr beiden Welten. [Anm.: Konstruktion unsicher; brahman „Gebet/Formung“ oder „Priester“ [?].]

Wort für Wort
brahmā
Brahman-Sprecher, Gebet [?] (Nom./Akk. Sg.)
kṛṇoti
macht (3. Sg.)
varuṇaḥ
Varuṇa (Nom.)
gātu-vidam
wegkundig (Akk. Sg.)
tam
ihn (Akk. Sg.)
īmahe
wir bitten (1. Pl. Med.)
vi
auf (Präverb)
ūrṇoti
öffnet (3. Sg.)
hṛdā
mit dem Herzen (Instr. Sg.)
matim
Einsicht (Akk. Sg.)
navyaḥ
neu (Nom. Sg. m.)
jāyatām
möge geboren werden (Imp. Med. 3. Sg.)
ṛtam
Ṛta (Nom. Sg.)
vittam
erkennt (2. Du. Imp.)
me
mir (Dat./Gen.)
asya
dieses (Gen./Akk. Sg.)
rodasī iti
ihr beiden Welten (Vok. Du.)

asau yaḥ panthā ādityo divi pravācyaṃ kṛtaḥ / na sa devā atikrame taṃ martāso na paśyatha vi...

Jener Pfad, der Āditya, ist am Himmel als verkündenswert gemacht [?]; / nicht ist er, ihr Götter, zu überschreiten; ihn seht ihr Sterblichen nicht: erkennt mir dies, ihr beiden Welten. [Anm.: „Pfad = Āditya“ ist unsicher; wohl Sonnenbahn.]

Wort für Wort
asau
jener (Nom. Sg. m.)
yaḥ
der (Nom. Sg. m.)
panthāḥ
Pfad (Nom. Sg.)
ādityaḥ
Āditya (Nom. Sg.)
divi
am Himmel (Lok. Sg.)
pra-vācyam
verkündenswert (Nom. Sg. n.)
kṛtaḥ
gemacht (Nom. Sg. Part.)
na
nicht (Partikel)
saḥ
er (Nom. Sg.)
devāḥ
Götter (Vok. Pl.)
ati-krame
zum Überschreiten (Lok. Sg.)
tam
ihn (Akk. Sg.)
martāsaḥ
Sterbliche (Nom. Pl.)
na
nicht (Partikel)
paśyatha
ihr seht (2. Pl.)
vittam
erkennt (2. Du. Imp.)
me
mir (Dat./Gen.)
asya
dieses (Gen./Akk. Sg.)
rodasī iti
ihr beiden Welten (Vok. Du.)

tritaḥ kūpe 'vahito devān havata ūtaye / tacchuśrāva bṛhaspatiḥ kṛṇvannaṃhūraṇāduru vi...

Trita, im Brunnen hineingelegt, ruft die Götter zur Hilfe; / das hörte Bṛhaspati, der weit macht aus der Enge: erkennt mir dies, ihr beiden Welten.

Wort für Wort
tritaḥ
Trita (Nom.)
kūpe
im Brunnen (Lok. Sg.)
ava-hitaḥ
hineingelegt (Nom. Sg. Part.)
devān
Götter (Akk. Pl.)
havate
ruft (3. Sg. Med.)
ūtaye
zur Hilfe (Dat. Sg.)
tat
das (Akk. Sg.)
śuśrāva
hörte (Perf. 3. Sg.)
bṛhaspatiḥ
Bṛhaspati (Nom.)
kṛṇvan
machend (Nom. Sg.)
aṃhūraṇāt
aus der Enge (Abl. Sg.)
uru
weit (Akk. Sg. n.)
vittam
erkennt (2. Du. Imp.)
me
mir (Dat./Gen.)
asya
dieses (Gen./Akk. Sg.)
rodasī iti
ihr beiden Welten (Vok. Du.)

aruṇo mā sakṛd vṛkaḥ pathā yantaṃ dadarśa hi / ujjihīte nicāyyā taṣṭeva pṛṣṭyāmayī vi...

Der rötliche Wolf sah mich einmal auf dem Weg gehen; / er springt auf, nachdem er [mich] bemerkt hat, wie ein Rücken-leidender Zimmermann [?]: erkennt mir dies, ihr beiden Welten. [Anm.: pṛṣṭy-āmayī „rückenleidend“; Zimmermannsvergleich unsicher [?].]

Wort für Wort
aruṇaḥ
rötlich (Nom. Sg.)
mā
mich (Akk.)
sakṛt
einmal (Adv.)
vṛkaḥ
Wolf (Nom. Sg.)
pathā
auf dem Weg (Instr. Sg.)
yantam
gehend (Akk. Sg.)
dadarśa
sah (Perf. 3. Sg.)
hi
denn (Partikel)
ut
auf (Präverb)
jihīte
springt, fährt auf (3. Sg. Med.)
ni-cāyya
bemerkt habend (Ger.)
taṣṭāiva
wie ein Zimmermann, Werker (Nom. Sg. + iva)
pṛṣṭi-āmayī
Rücken-leidend [?] (Nom. Sg.)
vittam
erkennt (2. Du. Imp.)
me
mir (Dat./Gen.)
asya
dieses (Gen./Akk. Sg.)
rodasī iti
ihr beiden Welten (Vok. Du.)

enāṅgūṣeṇa vayamindravanto 'bhi ṣyāma vṛjane sarvavīrāḥ / tan no ...

Durch dieses Loblied wollen wir, Indra besitzend, im Bereich überlegen sein, allen Männern zugehörig; / das sollen uns Mitra und Varuṇa gewähren, Aditi, Sindhu, Erde und Himmel.

Wort für Wort
enā
durch dieses (Instr. Sg.)
āṅgūṣeṇa
durch das Loblied (Instr. Sg.)
vayam
wir (Nom.)
indra-vantaḥ
Indra besitzend (Nom. Pl.)
abhi
über (Präverb)
syāma
wir mögen sein (Opt. 1. Pl.)
vṛjane
im Bereich (Lok. Sg.)
sarva-vīrāḥ
allen Männern zugehörig (Nom. Pl.)
tat
das (Akk.)
naḥ
uns (Dat.)
mitraḥ
Mitra (Nom.)
varuṇaḥ
Varuṇa (Nom.)
mamahantām
sie sollen gewähren (3. Du./Pl. Imp. Med.)
aditiḥ
Aditi (Nom.)
sindhuḥ
Sindhu (Nom.)
pṛthivī
Erde (Nom.)
uta
und
dyauḥ
Himmel (Nom.)

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