Kapitel 95: ṛgvede 1.95 · dve vīrūpe carataḥ svarthe anyānyā vatsamupa dhāpayete
Rätsellied auf Agni
Rätselhaftes Lied auf Agni als Kalb zweier Mütter, Keim des Tvaṣṭṛ, aus zehn Frauen (Fingern?) geboren, in drei Wohnstätten, mit wechselnden Gewändern. Vers 5 hat im Padapāṭha verstümmelte Zeilen; die Deutungen bleiben teils mehrdeutig (rituell: Feuerreiben; kosmisch: Sonne/Blitz).
Zwei Verschiedengestaltige gehen einher, beide mit gutem Ziel; die eine nach der anderen lässt das Kalb saugen. / In der einen wird er goldgelb, eigenkräftig; in der anderen wurde er hell, von schönem Glanz gesehen. [Anm.: Rätselbild; plausibel Nacht und Morgenröte bzw. die beiden Reibhölzer, mit Agni als Kalb; spekulativ.]
Zehn unermüdliche junge Frauen haben diesen Keim des Tvaṣṭṛ hervorgebracht, den weithin Getragenen; / den scharfe Spitzen Habenden, aus eigenem Ruhm unter den Leuten Leuchtenden führen sie ringsum. [Anm.: „Zehn Frauen“ vermutlich die zehn Finger beim Feuerreiben (plausibel).]
trīṇi jānā pari bhūṣantyasya samudra ekaṃ divyekamapsu / pūrvāmanu pra diśaṃ pārthivānām ṛtūn praśāsad vidadhāvanuṣṭhu
Drei Geburtsstätten/Geschlechter [?] schmücken ihn: eines im Meer, eines am Himmel, eines in den Wassern. / Nach der früheren Weisung der Irdischen hat er die Zeiten ordnend recht verteilt. [Anm.: jāna nicht ganz gesichert.]
ka imaṃ vo niṇyamā ciketa vatso mātṝrjanayata svadhābhiḥ / bahvīnāṃ garbho apasāmupasthān mahān kavirniścarati svadhāvān
Wer von euch hat dieses Verborgene erkannt? Das Kalb hat die Mütter durch eigene Kräfte hervorgebracht. / Der Keim vieler Wirkender [oder Wasser], aus dem Schoß heraus geht der große Seher, eigenkräftig. [Anm.: „apas“ als Tätige oder als Wasser mehrdeutig; Kalb und Mütter sind Rätselbild.]
[Nach der Saṃhitā, da der Padapāṭha verstümmelt ist:] Offen hervortretend wächst der Liebliche unter ihnen, aufrecht unter den Geneigten, mit eigenem Ruhm, im Schoß. / Beide, vor dem Neugeborenen des Tvaṣṭṛ erschrocken, gehen ihm entgegen, dem Löwen, und stimmen sich ihm an. [Anm.: PP hier stark verderbt; Saṃhitā-Text zugrunde gelegt; jihma „schräg, geneigt“ und āviṣṭya unsicher.]
Wort für Wort
iti
[PP-Bruchstück ‚iti‘ für: offen hervortretend, lieblich, wächst unter diesen, aufrecht unter den Geneigten, eigenen Ruhm habend, im Schoß] [?]
ubhe bhadre joṣayete na mene gāvo na vāśrā upa tasthurevaiḥ / sa dakṣāṇāṃ dakṣapatirbabhūvāñjanti yaṃ dakṣiṇato havirbhiḥ
Beide, die Guten, erfreuen ihn wie zwei Weibchen; wie brüllende Kühe traten sie mit ihren Gängen herzu. / Er wurde Herr der Fähigkeiten, den man auf der rechten Seite mit Spenden salbt. [Anm.: „Kühe“ hier Vergleichsbild.]
Wie Savitṛ hebt er beide Arme empor; die beiden Säume strafft er, furchtbar, sich reckend/glänzend [?]. / Er treibt das strahlende Gewand aus allem hier heraus; neue Gewänder lässt er (den) Müttern [zurück] [?]. [Anm.: Bild vom Ablegen der Hülle; Deutung auf Flamme/Sonne spekulativ.]
Er macht eine leuchtende, höhere Gestalt, wenn er sich im Sitz mit Kühen [Milch] und Wassern vermischt. / Der Seher wird am Grund ringsum gereinigt; die Andacht/Schau wurde zum Zusammentreffen bei der Götterverehrung. [Anm.: „Kühe“ hier plausibel Milch (Somamischung); zweite Vershälfte unsicher.]
uru te jrayaḥ paryeti budhnaṃ virocamānaṃ mahiṣasya dhāma / viśvebhiragne svayaśobhiriddho 'dabdhebhiḥ pāyubhiḥ pāhyasmān
Weit läuft deine Ausdehnung um den Grund, um die leuchtende Stätte des Gewaltigen. / Mit allen eigenruhmvollen, unbetrügbaren Hütern, entzündet, Agni, schütze uns.
Im Trockenland macht er einen Bach, einen Weg, eine Woge; mit hellen Wogen erreicht er die Erde. / Alles Alte/Gewonnene [?] legt er in die Bäuche; er geht inmitten der neu Gebärenden umher.
evā no agne samidhā vṛdhāno revat pāvaka śravase vi bhāhi / tan no mitro varuṇo māmahantām aditiḥ sindhuḥ pṛthvivī uto dyauḥ
So, Agni, durch das Brennholz wachsend, leuchte uns reichlich auf, Läuterer, zum Ruhm. / Das sollen uns Mitra, Varuṇa, Aditi, der Strom, Erde und Himmel gewähren.