Kapitel 152: ṛgvede 1.152 · yuvaṃ vastraṇi puvasā vasāthe yuvorachidrā mantavo ha sargāḥ
Mitra und Varuṇa: das Ṛta und das fußlose Erste (Rätselverse)
Lied an Mitra und Varuṇa mit mehreren Rätselstellen: Vers 2 (Dreikantiger/Vierkantiger), Vers 3 (das Fußlose unter den Fußhabenden), Vers 5 (der ungeborene Renner). Deutungen (Dämmerung, Sonne, Rede) sind teils plausibel, teils spekulativ.
Ihr beiden kleidet euch in Gewänder mit Fülle [?]; euer sind unzerreißbare Gedanken-Ergüsse [?]. Ihr habt alle Unwahrheiten überwunden; mit dem Ṛta, Mitra und Varuṇa, seid ihr verbunden.
etaccana tvo vi ciketadeṣāṃ satyo mantraḥ kaviśasta ṛghāvān / triraśriṃ hanti caturaśrirugro devanido ha prathamāajūryan
Auch dies hat keiner von diesen erkannt: der wahre Spruch, vom Seher gesprochen, [der] kraftvolle; der Dreikantige schlägt, der Vierkantige ist furchtbar; die Götterschmäher, die Ersten, sind nicht gealtert [?]. [Anm.: ,Dreikantiger/Vierkantiger‘ unklar (Waffe? Mensch?); spekulativ.]
Wort für Wort
etat
dies (Nom./Akk. n.)
cana
auch
tvaḥ
einer (Nom. Sg.)
vi
hin (Präverb)
ciketat
hat erkannt (3. Sg. Aor.)
eṣām
von diesen (Gen. Pl.)
satyaḥ
wahr (Nom. Sg.)
mantraḥ
Spruch (Nom. Sg.)
kavi-śastaḥ
vom Seher gesprochen (Nom. Sg.)
ṛghāvān
kraftvoll (Nom. Sg.) [?]
triḥ-aśrim
Dreikanter (Akk. Sg.) [?]
hanti
schlägt (3. Sg.)
catuḥ-aśriḥ
Vierkanter (Nom. Sg.) [?]
ugraḥ
furchtbar (Nom. Sg.)
deva-nidaḥ
Götterschmäher (Akk. Pl.)
ha
fürwahr
prathamāḥ
die Ersten (Nom. Pl.)
ajūryan
sind nicht gealtert, nicht vergangen (3. Pl. Aor.) [?]
Fußlos geht die Erste unter den Fußhabenden — wer von euch beiden versteht das, Mitra und Varuṇa? Der Keim trägt die Last wenigstens; sie erfüllt das Ṛta, hat das Anṛta überwunden. [Anm.: Rätselvers; mögliche Ebene: Morgenröte (plausibel), Rede (spekulativ), Regen/Wasser (spekulativ).]
Den Voranschreitenden sehen wir, den Geliebten der Mädchen, nicht sich niederlegend, [ein Gewand] ungemischt und ausgebreitet tragend: die liebe Wohnstatt von Mitra und Varuṇa. [Anm.: jāra ,Liebhaber‘ = Sonne als Liebhaber der Morgenröten (plausibel).]
Ohne Rosse geboren, ohne Zügel, ein Renner, brüllend, fliegend, mit aufrechtem Rücken; die Jungen hatten Gefallen an dem unerkannten Gebet, [im Sitz] bei Mitra und Varuṇa preisend. [Anm.: Wer ,der Renner‘ ist (Sonne, Wolke/Regen, Agni), bleibt offen; spekulativ.]
Die Milchkühe, den Māmateya schützend, ließen das gebetsliebe [Wesen] in ihrem eigenen Euter anschwellen; der Sättigende [?] möge als Kundiger Gaben erbitten; mit dem Mund dienend möge er die Unversehrtheit [Aditi] retten [?]. [Anm.: Vers sehr unsicher.]
Zu euch, Mitra und Varuṇa, ihr beiden Götter, möge ich die Gunst an der Opfergabe mit Verehrung, mit Hilfe herbeikehren; unser Gebet möge in den Kämpfen überwältigen, unser Regen sei himmlisch, gut zu überqueren [?].