Kapitel 116: ṛgvede 1.116 · nāsatyābhyāṃ barhiriva pra vṛñje stomāniyarmyabhriyeva vātaḥ
Rettungs- und Wundertaten der Aśvins
Katalog der Hilfetaten der Aśvins (Bhujyu, Cyavāna, Atri, Viśpalā, Ṛjrāśva, Vandana, Rebha u. a.), meist nur angedeutet und dadurch dunkel. Viele Namen und Einzelmotive (Kārotara, Pedu, Khela, Jāhuṣa) sind unsicher; wo der Text nur Anspielungen gibt, wurde wörtlich übersetzt und mit [?] markiert.
Den Nāsatyas breite ich meine Lobgesänge aus wie Opferstreu, ich setze sie in Bewegung wie der Wind die Regenwolke, / die beiden, die dem jungen Vimada [?] die Gattin heimführten auf geschossschnellem Wagen [?].
Mit festfliegenden, mit rasch antreibenden [Rossen?] oder mit den Antrieben der Götter, ihr Bezwingenden [?] – / das [gewann] der Esel für euch, ihr Nāsatyas: den Preis von tausend gewann er im Lauf, im Preiskampf des Yama. [Anm.: Deutung des Mythos unsicher.]
tugro ha bhujyumaśvinodameghe rayiṃ na kaścin mamṛvānavāhāḥ / tamūhathurnaubhirātmanvatībhirantarikṣaprudbhirapodakābhiḥ
Tugra hatte den Bhujyu, ihr Aśvins, in die Wasserflut geworfen, wie ein Sterbender irgendein Gut hinter sich lässt; / ihn habt ihr getragen mit beseelten Schiffen, die den Luftraum durchschwimmen, wasserlosen.
Drei Nächte, dreimal die Tage lang trugt ihr den Bhujyu, ihr Nāsatyas, mit den Durchfahrenden, den Fliegenden, / auf trockenem Land [?] jenseits des feuchten Meeres, mit drei Wagen, hundertfüßigen, sechsrossigen.
Im Meer ohne Halt, ohne Stand, ohne Griff habt ihr das als Heldentat vollbracht, / als ihr, Aśvins, den Bhujyu nach Hause trugt, der ein hundertrudriges Schiff bestiegen hatte.
Das weiße Ross, das ihr, Aśvins, dem Aghāśva gabt, immerdar zum Heil, / das wurde eure große, rühmenswerte Gabe: der Paidva, der Renner, allezeit anzurufen, ein Herr [?].
Wort für Wort
yam
das (Akk. Sg. m.)
aśvinā
Aśvins (Vok.)
dadathuḥ
ihr gabt (Perf. 2. Du.)
śvetam
weiß (Akk. Sg.)
aśvam
Ross (Akk. Sg.)
agha-aśvāya
dem Aghāśva, dem mit schlechtem/unheilvollem Ross (Dat. Sg.) [?]
Ihr Männer habt dem preisenden Pajriya Kakṣīvant die Fülle erschlossen: / aus dem Kārotara [?], aus dem Huf des Hengstes gosst ihr hundert Krüge Surā aus. [Anm.: kārotara unklar, vielleicht ein Seihgefäß; Motiv vermutlich Wunder aus dem Rosshuf.]
Mit Kälte wehrtet ihr Feuer und Gluthitze ab, nahrungsreiche Kraft legtet ihr ihm bei; / den in die Ṛbīsa hinabgeführten Atri, ihr Aśvins, führtet ihr mit seiner ganzen Schar heil hinauf.
Den Brunnen [?] stießt ihr weg, ihr Nāsatyas, und machtet ihn mit dem Boden nach oben, mit schräger Öffnung; / die Wasser strömten zum Trinken, zum Reichtum, tausendfach, für den dürstenden Gotama [?].
Des Gealterten Hülle löstet ihr ab, ihr Nāsatyas, wie ein Gewand von Cyavāna; / des Verlassenen Lebenszeit verlängertet ihr, ihr Wundertäter, und machtet ihn zum Gatten von Mädchen.
tad vāṃ narā śaṃsyaṃ rādhyaṃ cābhiṣṭiman nāsatyā varūtham / yad vidvāṃsā nidhimivāpagūḷhamud darśatādūpathurvandanāya
Dies euer Rühmenswertes und Gelingendes, ihr Männer, Nāsatyas, dieser hilfreiche Schutz: / dass ihr, wissend, den Vandana wie einen verborgenen Schatz heraufholtet [?] aus dem Schauenswerten [?].
tad vāṃ narā sanaye daṃsa ugramāviṣ kṛṇomi tanyaturnavṛṣṭim / dadhyaṃ ha yan madhvātharvaṇo vāmaśvasya śīrṣṇā pra yadīmuvāca
Diese eure gewaltige Wundertat, ihr Männer, mache ich kundbar, um zu gewinnen, wie der Donner den Regen [ankündigt], / wie Dadhyañc, der Atharvane, euch den Honig verkündete, mit dem Kopf des Rosses, als er ihn [euch] sprach. [Anm.: madhu wörtlich „Honig, Süßes“; möglicherweise Bezeichnung einer Lehre; spekulativ.]
Zur großen Fahrt rief die Purandhi [euch] an, ihr Nāsatyas, „karā“ [?] ihr Vielgenießenden; / ihr hörtet das wie auf den Befehl der Vadhrimatī; einen goldhändigen [Sohn] gabt ihr, Aśvins. [Anm.: karā unklar; Vadhrimatī bekommt in 1.117.24 den Sohn Hiraṇyahasta.]
Aus dem Rachen des Wolfs befreitet ihr die Wachtel, die in Bedrängnis war, ihr Männer, Nāsatyas; / und den flehenden Seher machtet ihr, ihr Vielhelfer, zum Sehen [fähig].
Wie eines Vogels Flügel wurde [ihr] Fuß abgeschnitten im Kampf des Khela in der Nacht [?]; / sogleich setztet ihr der Viśpalā ein eisernes Bein ein, damit sie liefe, als der Preis ausgesetzt war.
Hundert Widder [gab] er der Wölfin, der Ṛjrāśva, den [der Vater?] blind machte [?]; / ihm setztet ihr, Nāsatyas, Augen ein zum Sehen, ihr Wundertäter, Ärzte, Unbezwingliche. [Anm.: cakṣadānam unsicher.]
Auf euren Wagen stieg Sūryas Tochter wie [auf das Ziel] einer Rennbahn, mit dem Ross siegend; / alle Götter stimmten mit dem Herzen zu; ja, ihr Nāsatyas, ihr seid mit Glanz vereint.
Als ihr zu Divodāsa fuhrt, [auf] der Bahn [?], und zu Bharadvāja, Aśvins, eilend, / trug euer folgsamer Wagen reichlich; ein Stier und ein Delphin waren angeschirrt.
Reichtum mit guter Herrschaft, guten Nachkommen, Lebensdauer und Manneskraft bringend, ihr Nāsatyas, / seid ihr einmütig mit Kraftgaben zur Jahnu-Nachfahrin gekommen, die dreimal am Tag [euch] den Anteil bereitet.
Den ringsum Umringten, den Jāhuṣa, habt ihr nachts auf guten Wegen durch die Räume getragen; / mit dem spaltenden Wagen, ihr Nāsatyas, fuhrt ihr durch die Berge, ihr Unalternden. [Anm.: „der Jāhuṣa“ = Nachfahre des Jahuṣa, Sinn unsicher.]
An einem Morgen halft ihr dem Vaśa [?] zum Kampf, zum Gewinn von Tausenden, ihr Aśvins; / ihr triebt hinaus die Unholde, mit Indra vereint, ihr Stiere, des weitberühmten [Herrn] Feindschaften.
Dem Śara, dem Ārcatka [?], machtet ihr aus dem Brunnen das Wasser von unten nach oben zum Trinken; / auch dem Śayu, ihr Nāsatyas, dem erschöpften Jasuri, ließt ihr mit euren Wundertaten die unfruchtbare Kuh anschwellen.
Dem Hilfesuchenden, Preisenden, dem Kṛṣṇiya, dem Aufrichtigen, gabt ihr, Nāsatyas, mit Wundertaten / den Viṣṇāpva wie ein verlorenes Stück Vieh zum Wiedersehen, dem Viśvaka.
Zehn Nächte und neun Tage lang durch Unheilvolles gebunden, in den Wassern gequetscht, / den zerschlagenen Rebha, im Wasser abgeschnitten, führtet ihr herauf wie Soma mit der Schöpfkelle.
Wort für Wort
daśa
zehn
rātrīḥ
Nächte (Akk. Pl.)
aśivena
durch Unheilvolles (Instr. Sg.)
nava
neun
dyūn
Tage (Akk. Pl.)
ava-naddham
gebunden (Akk. Sg.)
śnathitam ap-su
gequetscht in den Wassern (Part. Akk. Sg. + Lok. Pl.)
Eure Wundertaten habe ich verkündet, Aśvins; möge ich Herr dieses [Besitzes] sein, mit guten Rindern und guten Männern. / Sehend und langes Leben erlangend möge ich wie in ein Heim in das Alter gelangen.