Quellen der Menschheit

Ṛgveda · Maṇḍala 1

Kapitel 116: ṛgvede 1.116 · nāsatyābhyāṃ barhiriva pra vṛñje stomāniyarmyabhriyeva vātaḥ Rettungs- und Wundertaten der Aśvins

Katalog der Hilfetaten der Aśvins (Bhujyu, Cyavāna, Atri, Viśpalā, Ṛjrāśva, Vandana, Rebha u. a.), meist nur angedeutet und dadurch dunkel. Viele Namen und Einzelmotive (Kārotara, Pedu, Khela, Jāhuṣa) sind unsicher; wo der Text nur Anspielungen gibt, wurde wörtlich übersetzt und mit [?] markiert.

nāsatyābhyāṃ barhiriva pra vṛñje stomāniyarmyabhriyeva vātaḥ / yāvarbhagāya vimadāya jāyāṃ senājuvā nyūhatūrathena

Den Nāsatyas breite ich meine Lobgesänge aus wie Opferstreu, ich setze sie in Bewegung wie der Wind die Regenwolke, / die beiden, die dem jungen Vimada [?] die Gattin heimführten auf geschossschnellem Wagen [?].

Wort für Wort
nāsatyābhyām
für die Nāsatyas (Dat. Du.)
barhiḥ-iva
wie Opferstreu (Barhis)
pra
hin
vṛñje
ich breite aus (1. Sg. Med.)
stomān
Lobgesänge (Akk. Pl.)
iyarmi
ich setze in Bewegung (1. Sg.)
abhriyāiva
wie die Regenwolke (Akk. Sg.)
vātaḥ
Wind (Nom.)
yau
die beiden, welche (Nom. Du.)
arbhagāya
dem jungen [?] (Dat. Sg.)
vi-madāya
dem Vimada (Dat. Sg.)
jāyām
Gattin (Akk. Sg.)
senājuvā
geschossschnell/heerschnell (Instr. Sg.) [?]
ni-ūhatuḥ
sie führten heim (Perf. 3. Du.)
rathena
mit dem Wagen (Instr. Sg.)

vīḷupatmabhirāśuhemabhirvā devānāṃ vā jūtibhiḥ śāśadānā / tad rāsabho nāsatyā sahasramājā yamasya pradhane jigāya

Mit festfliegenden, mit rasch antreibenden [Rossen?] oder mit den Antrieben der Götter, ihr Bezwingenden [?] – / das [gewann] der Esel für euch, ihr Nāsatyas: den Preis von tausend gewann er im Lauf, im Preiskampf des Yama. [Anm.: Deutung des Mythos unsicher.]

Wort für Wort
vīḷupatma-bhiḥ
mit festfliegenden (Instr. Pl.)
āśuhema-bhiḥ
mit rasch antreibenden (Instr. Pl.) [?]
vā
oder
devānām
der Götter (Gen. Pl.)
vā
oder
jūti-bhiḥ
mit Antrieben (Instr. Pl.)
śāśadānā
bezwingend, erstrebend (Nom. Du.) [?]
tat
das (Akk. Sg. n.)
rāsabhaḥ
Esel (Nom. Sg.)
nāsatyā
Nāsatyas (Vok.)
sahasram
tausend (Akk.)
ājā
im Lauf, im Wettrennen (Lok. Sg.)
yamasya
des Yama (Gen.)
pra-dhane
im Preiskampf (Lok. Sg.)
jigāya
er gewann (Perf. 3. Sg.)

tugro ha bhujyumaśvinodameghe rayiṃ na kaścin mamṛvānavāhāḥ / tamūhathurnaubhirātmanvatībhirantarikṣaprudbhirapodakābhiḥ

Tugra hatte den Bhujyu, ihr Aśvins, in die Wasserflut geworfen, wie ein Sterbender irgendein Gut hinter sich lässt; / ihn habt ihr getragen mit beseelten Schiffen, die den Luftraum durchschwimmen, wasserlosen.

Wort für Wort
tugraḥ
Tugra (Nom.)
ha
fürwahr
bhujyum
den Bhujyu (Akk.)
aśvinā
Aśvins (Vok.)
uda-meghe
in die Wasserflut (Lok. Sg.)
rayim
Besitz, Gut (Akk. Sg.)
na
wie
kaḥ
irgendein
cit
auch (unbestimmt)
mamṛ-vām
ein Sterbender (Part. Nom. Sg.)
ava
hin(ab)
ahāḥ
ließ, warf (Aor. 2./3. Sg.) [?]
tam
ihn (Akk.)
ūhathuḥ
ihr trugt (Perf. 2. Du.)
naubhiḥ
mit Schiffen (Instr. Pl.)
ātman-vatībhiḥ
mit beseelten (Instr. Pl. f.)
antarikṣaprut-bhiḥ
den Luftraum durchdringenden (Instr. Pl. f.)
apa-udakābh iḥ
wasserlosen (Instr. Pl. f.)

tisraḥ kṣapastrirahātivrajadbhirnāsatyā bhujyumūhathuḥ pataṃgaiḥ / samudrasya dhanvannārdrasya pāre tribhī rathaiḥ śatapadbhiḥ ṣaḷaśvaiḥ

Drei Nächte, dreimal die Tage lang trugt ihr den Bhujyu, ihr Nāsatyas, mit den Durchfahrenden, den Fliegenden, / auf trockenem Land [?] jenseits des feuchten Meeres, mit drei Wagen, hundertfüßigen, sechsrossigen.

Wort für Wort
tisraḥ
drei (Akk. Pl.)
kṣapaḥ
Nächte (Akk. Pl.)
triḥ
dreimal
ahā
Tage (Akk. Pl.)
ativrajat-bhiḥ
mit durchfahrenden (Instr. Pl.)
nāsatyā
Nāsatyas (Vok.)
bhujyum
Bhujyu (Akk.)
ūhathuḥ
ihr trugt (Perf. 2. Du.)
pataṅgaiḥ
mit Fliegenden (Instr. Pl.)
samudrasya
des Meeres (Gen. Sg.)
dhanvan
im Trockenland, in der Steppe (Lok. Sg.) [?]
ārdrasya
des feuchten (Gen. Sg.)
pāre
am jenseitigen Ufer (Lok. Sg.)
tri-bhiḥ
mit drei (Instr. Pl.)
rathaiḥ
mit Wagen (Instr. Pl.)
śatapat-bhiḥ
mit hundertfüßigen (Instr. Pl.)
ṣaṭ-aśvaiḥ
mit sechs Rossen (Instr. Pl.)

anārambhaṇe tadavīrayethāmanāsthāne agrabhaṇe samudre / yadaśvinā ūhathurbhujyumastaṃ śatāritrāṃ nāvamātasthivāṃsam

Im Meer ohne Halt, ohne Stand, ohne Griff habt ihr das als Heldentat vollbracht, / als ihr, Aśvins, den Bhujyu nach Hause trugt, der ein hundertrudriges Schiff bestiegen hatte.

Wort für Wort
anārambhaṇe
ohne Ansatz, ohne Halt (Lok. Sg.)
tat
das (Akk. Sg. n.)
avīrayethām
ihr bewiest Heldentum (Aor. 2. Du.)
anāsthāne
ohne Stand (Lok. Sg.)
agrabhaṇe
ohne Griff (Lok. Sg.)
samudre
im Meer (Lok. Sg.)
yat
als
aśvinā
Aśvins (Vok.)
ūhathuḥ
ihr trugt (Perf. 2. Du.)
bhujyum
Bhujyu (Akk.)
astam
nach Hause, heim (Akk./Adv.)
śata-aritrān
mit hundert Rudern (Akk. Sg. f.)
nāvam
Schiff (Akk. Sg.)
ātasthivāṃsam
bestiegen habend (Part. Akk. Sg.)

yamaśvinā dadathuḥ śvetamaśvamaghāśvāya śaśvaditsvasti / tad vāṃ dātraṃ mahi kīrtenyaṃ bhūt paidvo vājīsadamid dhavyo aryaḥ

Das weiße Ross, das ihr, Aśvins, dem Aghāśva gabt, immerdar zum Heil, / das wurde eure große, rühmenswerte Gabe: der Paidva, der Renner, allezeit anzurufen, ein Herr [?].

Wort für Wort
yam
das (Akk. Sg. m.)
aśvinā
Aśvins (Vok.)
dadathuḥ
ihr gabt (Perf. 2. Du.)
śvetam
weiß (Akk. Sg.)
aśvam
Ross (Akk. Sg.)
agha-aśvāya
dem Aghāśva, dem mit schlechtem/unheilvollem Ross (Dat. Sg.) [?]
śaśvat
stets
it
nur, gerade
svasti
Heil (Akk./Adv.)
tat
das (Nom. Sg. n.)
vām
euer (Gen. Du.)
dātram
Gabe (Nom. Sg.)
mahi
groß (Nom. Sg. n.)
kīrtenyam
rühmenswert (Nom. Sg. n.)
bhūt
wurde (Aor. 3. Sg.)
paidvaḥ
Paidva, Ross des Pedu (Nom.)
vājī
Renner (Nom.)
sadam
allezeit
it
nur, gerade
havyaḥ
anzurufen (Nom. Sg.)
aryaḥ
Herr, Gebieter (Nom. Sg.) [?]

yuvaṃ narā stuvate pajriyāya kakṣīvate aradataṃ purandhim / kārotarācchaphādaśvasya vṛṣṇaḥ śataṃ kumbhānasiñcataṃ surāyāḥ

Ihr Männer habt dem preisenden Pajriya Kakṣīvant die Fülle erschlossen: / aus dem Kārotara [?], aus dem Huf des Hengstes gosst ihr hundert Krüge Surā aus. [Anm.: kārotara unklar, vielleicht ein Seihgefäß; Motiv vermutlich Wunder aus dem Rosshuf.]

Wort für Wort
yuvam
ihr beiden (Nom. Du.)
narā
Männer (Vok. Du.)
stuvate
dem Preisenden (Dat. Sg.)
pajriyāya
dem Pajriya (Dat. Sg.)
kakṣīvate
dem Kakṣīvant (Dat. Sg.)
aradatam
ihr erschlosst (Aor. 2. Du.)
puram-dhim
Fülle, Segensfülle (Akk. Sg.)
kārotarāt
aus dem Kārotara (Abl. Sg.) [?]
śaphāt
aus dem Huf (Abl. Sg.)
aśvasya
des Rosses (Gen. Sg.)
vṛṣṇaḥ
des Hengstes (Gen. Sg.)
śatam
hundert (Akk.)
kumbhān
Krüge (Akk. Pl.)
asiñcatam
ihr gosst aus (Aor. 2. Du.)
surāyāḥ
der Surā (Gen. Sg.)

himenāgniṃ ghraṃsamavārayethāṃ pitumatīmūrjamasmā adhattam / ṛbīse atrimaśvināvanītamun ninyathuḥ sarvagaṇaṃ svasti

Mit Kälte wehrtet ihr Feuer und Gluthitze ab, nahrungsreiche Kraft legtet ihr ihm bei; / den in die Ṛbīsa hinabgeführten Atri, ihr Aśvins, führtet ihr mit seiner ganzen Schar heil hinauf.

Wort für Wort
himena
mit Kälte, Schnee (Instr. Sg.)
agnim
Feuer (Akk. Sg.)
ghraṃsam
Gluthitze (Akk. Sg.)
avārayethām
ihr wehrtet ab (Impf. 2. Du.)
pitu-matīm
nahrungsreiche (Akk. Sg. f.)
ūrjam
Kraft (Akk. Sg.)
asmai
ihm (Dat.)
adhattam
ihr legtet bei (Aor. 2. Du. Med.)
ṛbīse
in der Ṛbīsa (Lok. Sg.)
atrim
den Atri (Akk.)
aśvinā
Aśvins (Vok.)
ava-nītam
hinabgeführten (Akk. Sg.)
ut
herauf
ninyathuḥ
ihr führtet (Perf. 2. Du.)
sarva-gaṇam
mit der ganzen Schar (Instr. Sg.)
svasti
heil, wohlbehalten

parāvataṃ nāsatyānudethāmuccābudhnaṃ cakrathurjihmabāram / kṣarannāpo na pāyanāya rāye sahasrāya tṛṣyate gotamasya

Den Brunnen [?] stießt ihr weg, ihr Nāsatyas, und machtet ihn mit dem Boden nach oben, mit schräger Öffnung; / die Wasser strömten zum Trinken, zum Reichtum, tausendfach, für den dürstenden Gotama [?].

Wort für Wort
parā
hinweg
avatam
Brunnen (Akk. Sg.) [?]
nāsatyā
Nāsatyas (Vok.)
anudethām
ihr stießt (Opt./Inj. 2. Du.) [?]
uccābudhnam
mit dem Boden oben (Akk. Sg.)
cakrathuḥ
ihr machtet (Perf. 2. Du.)
jihma-bāram
mit schiefer Öffnung (Akk. Sg.)
kṣaran
sie strömten (Impf. 3. Pl.)
āpaḥ
Wasser (Nom. Pl.)
na
wie
pāyanāya
zum Trinken (Dat. Sg.)
rāye
zum Reichtum (Dat. Sg.) [?]
sahasrāya
tausendfach (Dat. Sg.) [?]
tṛṣyate
dem Dürstenden (Dat. Sg.)
gotamasya
des Gotama (Gen.)

jujuruṣo nāsatyota vavriṃ prāmuñcataṃ drāpimiva cyavānāt / prātirataṃ jahitasyāyurdasrādit patimakṛṇutaṃ kanīnām

Des Gealterten Hülle löstet ihr ab, ihr Nāsatyas, wie ein Gewand von Cyavāna; / des Verlassenen Lebenszeit verlängertet ihr, ihr Wundertäter, und machtet ihn zum Gatten von Mädchen.

Wort für Wort
jujuruṣaḥ
des Gealterten (Gen. Sg.)
nāsatyā
Nāsatyas (Vok.)
uta
und
vavrim
Hülle, Haut (Akk. Sg.)
pra
los
amuñcatam
ihr löstet (Aor. 2. Du.)
drāpim-iva
wie ein Gewand (Akk. Sg.)
cyavānāt
von Cyavāna (Abl.)
pra
hinaus
atiratam
ihr verlängertet (Aor. 2. Du.)
jahitasya
des Verlassenen (Gen. Sg.)
āyuḥ
Lebenszeit (Akk. Sg.)
dasrā
Wundertäter (Vok. Du.)
āt
dann
it
eben
patim
Gatten (Akk. Sg.)
akṛṇutam
ihr machtet (Aor. 2. Du.)
kanīnām
der Mädchen (Gen. Pl.)

tad vāṃ narā śaṃsyaṃ rādhyaṃ cābhiṣṭiman nāsatyā varūtham / yad vidvāṃsā nidhimivāpagūḷhamud darśatādūpathurvandanāya

Dies euer Rühmenswertes und Gelingendes, ihr Männer, Nāsatyas, dieser hilfreiche Schutz: / dass ihr, wissend, den Vandana wie einen verborgenen Schatz heraufholtet [?] aus dem Schauenswerten [?].

Wort für Wort
tat
das (Nom. Sg. n.)
vām
euer (Gen. Du.)
narā
Männer (Vok.)
śaṃsyam
rühmenswert (Nom. Sg. n.)
rādhyam
zum Erfolg führend (Nom. Sg. n.) [?]
ca
und
abhiṣṭi-mat
mit Beistand versehen (Nom. Sg. m.)
nāsatyā
Nāsatyas (Vok.)
varūtham
Schutz (Nom. Sg.)
yat
als
v idvāṃsā
wissend (Nom. Du.)
nidhim-iva
wie einen Schatz
apa-gūḷham
verborgen (Akk. Sg.)
ut
herauf
darśatāt
aus dem Schauenswerten (Abl. Sg.) [?]
ūpathuḥ
ihr holtet (Perf. 2. Du.) [?]
vandanāya
für Vandana (Dat. Sg.)

tad vāṃ narā sanaye daṃsa ugramāviṣ kṛṇomi tanyaturnavṛṣṭim / dadhyaṃ ha yan madhvātharvaṇo vāmaśvasya śīrṣṇā pra yadīmuvāca

Diese eure gewaltige Wundertat, ihr Männer, mache ich kundbar, um zu gewinnen, wie der Donner den Regen [ankündigt], / wie Dadhyañc, der Atharvane, euch den Honig verkündete, mit dem Kopf des Rosses, als er ihn [euch] sprach. [Anm.: madhu wörtlich „Honig, Süßes“; möglicherweise Bezeichnung einer Lehre; spekulativ.]

Wort für Wort
tat
das (Akk. Sg. n.)
vām
euer (Gen. Du.)
narā
Männer (Vok.)
sanaye
zum Gewinn (Dat. Sg.)
daṃsaḥ
Wundertat (Akk. Sg.)
ugram
gewaltige (Akk. Sg. n.)
āviḥ
offenbar
kṛṇomi
ich mache (1. Sg.)
tanyatuḥ
Donner (Nom. Sg.)
na
wie
vṛṣṭim
Regen (Akk. Sg.)
dadhyaṅ
Dadhyañc (Nom.)
ha
fürwahr
yat
als
madhu
Honig, Süßes (Akk. Sg.)
ātharvaṇaḥ
der Atharvane (Nom. Sg.)
vām
euch (Dat. Du.)
aśvasya
des Rosses (Gen. Sg.)
sīrṣṇā
mit dem Kopf (Instr. Sg.)
pra
hin, kund
yat
als
īm
ihn (Akk.)
uvāca
er sprach (Perf. 3. Sg.)

ajohavīn nāsatyā karā vāṃ mahe yāman purubhujā purandhiḥ / śrutaṃ tacchāsuriva vadhrimatyā hiraṇyahastamaśvināvadattam

Zur großen Fahrt rief die Purandhi [euch] an, ihr Nāsatyas, „karā“ [?] ihr Vielgenießenden; / ihr hörtet das wie auf den Befehl der Vadhrimatī; einen goldhändigen [Sohn] gabt ihr, Aśvins. [Anm.: karā unklar; Vadhrimatī bekommt in 1.117.24 den Sohn Hiraṇyahasta.]

Wort für Wort
ajohavīt
rief an (Aor. 3. Sg.)
nāsatyā
Nāsatyas (Vok.)
karā
Tat/Hand (?) (Nom./Instr.) [?]
vām
euch (Akk. Du.)
mahe
zum Großen (Dat. Sg.)
yāman
auf der Fahrt (Lok. Sg.)
puru-bhujā
Vielgenießende, Vielhelfende (Vok. Du.)
puram-dhiḥ
Purandhi, Segensfülle/Frau dieses Namens (Nom.)
śrutam
hört (Imp. 2. Du.)
tat
das (Akk. Sg. n.)
śāsuḥ-iva
wie auf den Befehl (Gen./Akk.) [?]
vadhri-matyāḥ
der Vadhrimatī (Gen. Sg.)
hiraṇya-hastam
golden-händig (Akk. Sg.)
aśvinau
Aśvins (Vok.)
adattam
ihr gabt (Aor. 2. Du.)

āsno vṛkasya vartikāmabhīke yuvaṃ narā nāsatyāmumuktam / uto kaviṃ purubhujā yuvaṃ ha kṛpamāṇamakṛṇutaṃ vicakṣe

Aus dem Rachen des Wolfs befreitet ihr die Wachtel, die in Bedrängnis war, ihr Männer, Nāsatyas; / und den flehenden Seher machtet ihr, ihr Vielhelfer, zum Sehen [fähig].

Wort für Wort
āsnaḥ
aus dem Rachen (Abl. Sg.)
vṛkasya
des Wolfs (Gen. Sg.)
vartikām
Wachtel (Akk. Sg.)
abhīke
in der Nähe, in der Bedrängnis (Lok. Sg.)
yuvam
ihr beiden (Nom. Du.)
narā
Männer (Vok. Du.)
nāsatyā
Nāsatyas (Vok.)
amumuktam
ihr befreitet (Perf. 2. Du.)
uto iti
und auch
kavim
den Seher (Akk. Sg.)
puru-bhujā
Vielhelfer (Vok. Du.)
yuvam
ihr beiden (Nom. Du.)
ha
fürwahr
kṛpamāṇam
flehenden (Part. Akk. Sg.)
akṛṇutam
ihr machtet (Aor. 2. Du.)
vi-cakṣe
zum Sehen (Dat. Inf.)

caritraṃ hi verivāchedi parṇamājā khelasya paritakmyāyām / sadyo jaṅghāmāyasīṃ viśpalāyai dhane hite sartavepratyadhattam

Wie eines Vogels Flügel wurde [ihr] Fuß abgeschnitten im Kampf des Khela in der Nacht [?]; / sogleich setztet ihr der Viśpalā ein eisernes Bein ein, damit sie liefe, als der Preis ausgesetzt war.

Wort für Wort
caritram
Fuß, Bein (Nom. Sg. n.)
hi
denn
veḥ-iva
wie eines Vogels (Gen. Sg.)
acchedi
wurde abgeschnitten (Aor. Pass. 3. Sg.)
parṇam
Flügel (Nom. Sg. n.)
ājā
im Kampf (Lok. Sg.)
khelasya
des Khela (Gen.)
pari-takmyāyām
in der Nacht (Lok. Sg.) [?]
sadyaḥ
sogleich
jaṅghām
Bein, Unterschenkel (Akk. Sg.)
āyasīm
eisern (Akk. Sg. f.)
viśpalāyai
der Viśpalā (Dat. Sg.)
dhane
um den Preis (Lok. Sg.)
hite
ausgesetzt (Part. Lok. Sg.)
sartave
zum Laufen (Dat. Inf.)
prati
hinein
adhattam
ihr setztet (Aor. 2. Du. Med.)

śataṃ meṣān vṛkye cakṣadānam ṛjrāśvaṃ taṃ pitāndhaṃcakāra / tasmā akṣī nāsatyā vicakṣa ādhattaṃ dasrā bhiṣajāvanarvan

Hundert Widder [gab] er der Wölfin, der Ṛjrāśva, den [der Vater?] blind machte [?]; / ihm setztet ihr, Nāsatyas, Augen ein zum Sehen, ihr Wundertäter, Ärzte, Unbezwingliche. [Anm.: cakṣadānam unsicher.]

Wort für Wort
śatam
hundert (Akk.)
meṣān
Widder (Akk. Pl.)
vṛkye
für die Wölfin (Dat. Sg.)
cakṣadānam
gebend/zerteilend (Akk. Sg.) [?]
ṛjra-aśvam
den Ṛjrāśva (Akk. Sg.)
tam
ihn (Akk.)
pitā
Vater (Nom. Sg.)
andham
blind (Akk. Sg.)
cakāra
machte (Perf. 3. Sg.)
tasmai
ihm (Dat.)
akṣī iti
Augen (Akk. Du.)
nāsatyā
Nāsatyas (Vok.)
vi-cakṣe
zum Sehen (Dat. Inf.)
ā
ein (Präverb)
adhattam
ihr setztet (Aor. 2. Du. Med.)
dasrā
Wundertäter (Vok. Du.)
bhiṣajau
Ärzte (Vok. Du.)
anarvan
unbezwingliche (Vok. Du.)

ā vāṃ rathaṃ duhitā sūryasya kārṣmevātiṣṭhadarvatājayantī / viśve devā anvamanyata hṛdbhiḥ samu śriyā nāsatyā sacethe

Auf euren Wagen stieg Sūryas Tochter wie [auf das Ziel] einer Rennbahn, mit dem Ross siegend; / alle Götter stimmten mit dem Herzen zu; ja, ihr Nāsatyas, ihr seid mit Glanz vereint.

Wort für Wort
ā
hin, auf
vām
euren (Gen. Du.)
ratham
Wagen (Akk. Sg.)
duhitā
Tochter (Nom. Sg.)
sūryasya
des Sūrya (Gen.)
kārṣma-iva
wie in die Rennbahn/aufs Ziel (Akk./Lok.) [?]
atiṣṭhat
sie bestieg (Impf. 3. Sg.)
arvatā
mit dem Ross (Instr. Sg.)
jayantī
siegend (Part. Nom. Sg. f.)
viśve
alle (Nom. Pl.)
devāḥ
Götter (Nom. Pl.)
anu
zu
amanyanta
sie stimmten zu (Impf. 3. Pl. Med.)
hṛt-bhiḥ
mit den Herzen (Instr. Pl.)
sam
zusammen
oṃ iti
ja, fürwahr
śriyā
mit Glanz (Instr. Sg.)
nāsatyā
Nāsatyas (Vok.)
sacetheiti
ihr seid vereint (3. Du. Med.)

yadayātaṃ divodāsāya vartirbharadvājāyāśvinā hayantā / revaduvāha sacano ratho vāṃ vṛṣabhaśca śiṃśumāraśca yuktā

Als ihr zu Divodāsa fuhrt, [auf] der Bahn [?], und zu Bharadvāja, Aśvins, eilend, / trug euer folgsamer Wagen reichlich; ein Stier und ein Delphin waren angeschirrt.

Wort für Wort
yat
als
ayātam
ihr fuhrt (Impf. 2. Du.)
divaḥ-dāsāya
zu Divodāsa (Dat. Sg.)
vartiḥ
Bahn, Umlauf (Akk. Sg.) [?]
bharat-vājāya
zu Bharadvāja (Dat. Sg.)
aśvinā
Aśvins (Vok.)
hayantā
eilend (Nom. Du.)
revat
reichlich (Adv.)
uvāha
trug (Perf. 3. Sg.)
sacanaḥ
folgsam, anhänglich (Nom. Sg.)
rathaḥ
Wagen (Nom. Sg.)
vām
euer (Gen. Du.)
vṛṣabhaḥ
Stier (Nom. Sg.)
ca
und
śiṃśumāraḥ
Delphin (Nom. Sg.)
ca
und
yuktā
angeschirrt (Nom. Du.)

rayiṃ sukṣatraṃ svapatyamāyuḥ suvīryaṃ nāsatyā vahantā / ā jahnāvīṃ samanasopa vājaistrirahno bhāgaṃ dadhatīmayātam

Reichtum mit guter Herrschaft, guten Nachkommen, Lebensdauer und Manneskraft bringend, ihr Nāsatyas, / seid ihr einmütig mit Kraftgaben zur Jahnu-Nachfahrin gekommen, die dreimal am Tag [euch] den Anteil bereitet.

Wort für Wort
rayim
Reichtum (Akk. Sg.)
su-kṣatram
mit guter Herrschaft (Akk. Sg.)
su-apatyam
mit guten Nachkommen (Akk. Sg.)
āyuḥ
Lebensdauer (Akk. Sg.)
su-vīryam
mit guter Manneskraft (Akk. Sg.)
nāsatyā
Nāsatyas (Vok.)
vahantā
bringend (Part. Nom. Du.)
ā
hin
jahnāvīm
zur Jahnu-Nachfahrin (Akk. Sg.)
sa-manasā
einmütig (Nom. Du.)
upa
heran
vājaiḥ
mit Kraftgaben (Instr. Pl.)
triḥ
dreimal
ahnaḥ
am Tag (Gen. Sg.)
bhāgam
Anteil (Akk. Sg.)
dadhatīm
bereitend, setzend (Part. Akk. Sg. f.)
ayātam
ihr kamt (Aor. 2. Du.)

pariviṣṭaṃ jāhuṣaṃ viśvataḥ sīṃ sugebhirnaktamūhathū rajobhiḥ / vibhindunā nāsatyā rathena vi parvatānajarayū ayātam

Den ringsum Umringten, den Jāhuṣa, habt ihr nachts auf guten Wegen durch die Räume getragen; / mit dem spaltenden Wagen, ihr Nāsatyas, fuhrt ihr durch die Berge, ihr Unalternden. [Anm.: „der Jāhuṣa“ = Nachfahre des Jahuṣa, Sinn unsicher.]

Wort für Wort
pari-viṣṭam
umringt (Akk. Sg.)
jāhuṣam
Jāhuṣa, Nachkomme des Jahuṣa (Akk. Sg.) [?]
viśvataḥ
ringsum
sīm
fürwahr (Partikel)
su-gebhiḥ
auf guten Wegen (Instr. Pl.)
naktam
nachts
ūhathuḥ
ihr trugt (Perf. 2. Du.)
rajaḥ-bhiḥ
durch die Räume (Instr. Pl.)
vi-bhindunā
mit spaltendem (Instr. Sg.)
nāsatyā
Nāsatyas (Vok.)
rathena
mit dem Wagen (Instr. Sg.)
vi
auseinander
parvatān
Berge (Akk. Pl.)
ajarayū iti
Unalternde (Vok. Du.)
ayātam
ihr fuhrt (Aor. 2. Du.)

ekasyā vastorāvataṃ raṇāya vaśamaśvinā sanaye sahasrā / nirahataṃ duchunā indravantā pṛthuśravaso vṛṣaṇāvarātīḥ

An einem Morgen halft ihr dem Vaśa [?] zum Kampf, zum Gewinn von Tausenden, ihr Aśvins; / ihr triebt hinaus die Unholde, mit Indra vereint, ihr Stiere, des weitberühmten [Herrn] Feindschaften.

Wort für Wort
ekasyāḥ
einer (Gen. Sg. f.)
vastoḥ
des Morgens (Gen. Sg.)
āvatam
ihr halft (Aor. 2. Du.)
raṇāya
zum Kampf, zur Freude (Dat. Sg.)
vaśam
Vaśa, den Willigen (Akk. Sg.) [?]
aśvinā
Aśvins (Vok.)
sanaye
zum Gewinn (Dat. Sg.)
sahasrā
Tausende (Akk. Pl.)
niḥ
hinaus
ahatam
ihr schlugt (Aor. 2. Du.)
ducchunāḥ
Unholde (Akk. Pl.)
indra-vantā
mit Indra verbunden (Nom. Du.)
pṛthu-śravasaḥ
des Weitberühmten (Gen. Sg.) [?]
vṛṣaṇau
Stiere (Vok. Du.)
arātīḥ
Feindschaften, Missgunst (Akk. Pl.)

śarasya cidārcatkasyāvatādā nīcāduccā cakrathuḥ pātave vāḥ / śayave cin nāsatyā śacībhirjasuraye staryaṃ pipyathurgām

Dem Śara, dem Ārcatka [?], machtet ihr aus dem Brunnen das Wasser von unten nach oben zum Trinken; / auch dem Śayu, ihr Nāsatyas, dem erschöpften Jasuri, ließt ihr mit euren Wundertaten die unfruchtbare Kuh anschwellen.

Wort für Wort
śarasya
dem Śara (Gen./Dat.) [?]
cit
auch
ārcat-kasya
des Ārcatka (Gen.) [?]
avatāt
aus dem Brunnen (Abl. Sg.)
ā
hin
nīcāt
von unten (Abl.)
uccā
nach oben
cakrathuḥ
ihr machtet (Perf. 2. Du.)
pātave
zum Trinken (Dat. Inf.)
vāḥ
Wasser (Akk. Sg.)
śayave
dem Śayu (Dat. Sg.)
cit
auch
nāsatyā
Nāsatyas (Vok.)
śacībhiḥ
mit Wundertaten (Instr. Pl.)
jasuraye
dem Erschöpften (Dat. Sg.)
staryam
unfruchtbare (Akk. Sg. f.)
pipyathuḥ
ihr ließt schwellen (Perf. 2. Du.)
gām
Kuh (Akk. Sg.)

avasyate stuvate kṛṣṇiyāya ṛjūyate nāsatyā śacībhiḥ / paśuṃ na naṣṭamiva darśanāya viṣṇāpvaṃ dadathurviśvakāya

Dem Hilfesuchenden, Preisenden, dem Kṛṣṇiya, dem Aufrichtigen, gabt ihr, Nāsatyas, mit Wundertaten / den Viṣṇāpva wie ein verlorenes Stück Vieh zum Wiedersehen, dem Viśvaka.

Wort für Wort
avasyate
dem Hilfe Suchenden (Dat. Sg.)
stuvate
dem Preisenden (Dat. Sg.)
kṛṣṇiyāya
dem Kṛṣṇiya (Dat. Sg.)
ṛju-yate
dem Redlichen, Geradesuchenden (Dat. Sg.)
nāsatyā
Nāsatyas (Vok.)
śacībhiḥ
mit Wundertaten (Instr. Pl.)
paśum
Vieh, Tier (Akk. Sg.)
na
wie
naṣṭam-iva
wie verloren (Akk. Sg.)
darśanāya
zum Sehen, zum Wiedersehen (Dat. Sg.)
viṣṇāpvam
Viṣṇāpva (Akk. Sg.)
dadathuḥ
ihr gabt (Perf. 2. Du.)
viśvakāya
dem Viśvaka (Dat. Sg.)

daśa rātrīraśivenā nava dyūnavanaddhaṃ śnathitamapsvantaḥ / viprutaṃ rebhamudani pravṛktamun ninyathuḥ somamiva sruveṇa

Zehn Nächte und neun Tage lang durch Unheilvolles gebunden, in den Wassern gequetscht, / den zerschlagenen Rebha, im Wasser abgeschnitten, führtet ihr herauf wie Soma mit der Schöpfkelle.

Wort für Wort
daśa
zehn
rātrīḥ
Nächte (Akk. Pl.)
aśivena
durch Unheilvolles (Instr. Sg.)
nava
neun
dyūn
Tage (Akk. Pl.)
ava-naddham
gebunden (Akk. Sg.)
śnathitam ap-su
gequetscht in den Wassern (Part. Akk. Sg. + Lok. Pl.)
antariti
darin
vi-prutam
zerschlagen, zerstreut (Akk. Sg.)
rebham
Rebha (Akk.)
udani
im Wasser (Lok. Sg.)
pra-vṛktam
abgetrennt (Akk. Sg.)
ut
herauf
ninyathuḥ
ihr führtet (Perf. 2. Du.)
somam-iva sruveṇa
wie Soma mit der Schöpfkelle (Akk. + Instr.)

pra vāṃ daṃsāṃsyaśvināvavocamasya patiḥ syāṃ sugavaḥ suvīraḥ / uta paśyannaśnuvan dīrghamāyurastamivejjarimāṇaṃ jagamyām

Eure Wundertaten habe ich verkündet, Aśvins; möge ich Herr dieses [Besitzes] sein, mit guten Rindern und guten Männern. / Sehend und langes Leben erlangend möge ich wie in ein Heim in das Alter gelangen.

Wort für Wort
pra
hin, kund
vām
euer (Gen. Du.)
daṃsāṃsi
Wundertaten (Akk. Pl.)
asvinau
Aśvins (Vok.)
avocam
ich habe verkündet (Aor. 1. Sg.)
asya
dieses (Gen. Sg. n.)
patiḥ
Herr (Nom. Sg.)
syām
möge ich sein (Opt. 1. Sg.)
su-gavaḥ
mit guten Rindern (Nom. Sg.)
su-vīraḥ
mit guten Männern (Nom. Sg.)
uta
und
paśyan
sehend (Part. Nom. Sg.)
aśnuvan
erlangend (Part. Nom. Sg.)
dīrgham
lang (Akk. Sg.)
āyuḥ
Lebensdauer (Akk. Sg.)
astam-iva
wie das Heim (Akk. Sg.)
it
nur, gerade
jarimāṇam
Alter (Akk. Sg.)
jagamyām
möge ich gelangen (Opt. Aor. 1. Sg.)

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