Kapitel 171: ṛgvede 1.171 · prati va enā namasāhamemi sūktena bhikṣe sumatiṃ turāṇām
Bitte an die Maruts um Versöhnung und Kraft
Der Sänger nähert sich den Maruts mit Verehrung und bittet, ihren Zorn abzulegen; er fürchtet zugleich Indras Macht. Vers 6 ist stark verkürzt, der Refrain wird nur angedeutet.
prati va enā namasāhamemi sūktena bhikṣe sumatiṃ turāṇām / rarāṇatā maruto vedyābhirni heḷo dhatta vi mucadhvamaśvān
Mit diesem Gebet trete ich mit Verehrung zu euch heran; mit gutem Spruch erbitte ich die Gunst der Eilenden. Ihr Maruts, gebt großzügig mit den (Wunsch-)Gaben, legt euren Groll nieder und schirrt die Rosse ab.
eṣa va stomo maruto namasvān hṛdā taṣṭo manasā dhāyi devāḥ / upemā yāta manasā juṣāṇā yūyaṃ hi ṣṭhā namasa id vṛdhāsaḥ
Dieses Loblied, Maruts, ist verehrungsvoll, im Herzen gezimmert, mit dem Sinn gesetzt worden, Götter. Kommt her, mit dem Sinn (uns) gewogen: denn ihr seid durch Verehrung wahrlich gestärkt. [Anm.: taṣṭaḥ ‚gezimmert‘ – Bild des Lieds als Handwerksstück.]
stutāso no maruto mṛḷayantūta stuto maghavā śa=mbhaviṣṭhaḥ / ūrdhvā naḥ santu komyā vanānyahāni viśvā maruto jigīṣā
Gepriesen sollen uns die Maruts gnädig sein, und der gepriesene Gabenreiche (Indra), der am meisten Wohltuende. Erhoben sollen uns die begehrenswerten Hölzer [?] sein, alle Tage, ihr Maruts, mit Siegeswillen. [Anm.: vanāni ‚Bäume/Hölzer/Genüsse‘ – Bedeutung unsicher.]
Vor diesem kraftvollen Indra, von Furcht (vor ihm) zitternd, ich, Maruts, in Not [?]: für euch sind die Gaben gerüstet worden; diese haben wir weit weg getan – seid uns gnädig. [Anm.: īṣamāṇaḥ ‚wegstrebend, fliehend‘; Sinn dunkel; āre cakṛma ‚weit weg gemacht‘ evtl. ‚zur Seite gelegt‘.]
yena mānāsaścitayanta usrā vyuṣṭiṣu śavasā śaśvatīnām / sa no marudbhirvṛṣabha śravo dhā ugra ugrebhi sthaviraḥ sahodāḥ
Mit der Kraft, durch die die Rinder-Rufenden [?] bei den Morgenröten der Beständigen aufwachen, (mit) dieser (Kraft) verleihe uns, Stier, mit den Maruts Ruhm: gewaltig mit den Gewaltigen, der Mächtige, Kraftgeber. [Anm.: mānāsaḥ und usrāḥ sind unsicher (‚Denkende/Menschen‘, ‚Rinder/Lichter‘).]
tvaṃ pāhīndra sahīyaso nṝn bhavā marudbhiravayātaheḷāḥ / supraketebhiḥ sāsahirdadhāno vidyāmeṣaṃ v. j.
Du, Indra, schütze die Männer, die stärker sind; sei mit den Maruts einer, dessen Groll abgewandt ist. Mit den Wohlerkennenden, der Überwinder, (uns) haltend – möchten wir Labung, Wegbahnung, Lebensgabe finden. [Anm.: Refrain im Padapāṭha ausgeschrieben.]
Wort für Wort
tvam
du (Nom. Sg.)
pāhi
schütze (2. Sg. Imp.)
indra
Indra (Vok.)
sahīyasaḥ
der Stärkeren (Akk. Pl.)
nṝn
Männer (Akk. Pl.)
bhava
sei (2. Sg. Imp.)
marut-bhiḥ
mit den Maruts (Instr. Pl.)
avayāta-heḷāḥ
mit abgewandtem Groll (Nom. Sg.)
su-praketebhiḥ
mit den gut Erkennbaren, Wohlerkennenden (Instr. Pl.)