Kapitel 169: ṛgvede 1.169 · mahaścit tvamindra yata etān mahaścidasi tyajaso varūtā
Indra und die Maruts: Bitte um Wohlwollen und Gaben
Lied an Indra mit den Maruts als Gefolge; es wirbt um das Wohlwollen Indras und der Maruts. Mehrere Verse (3, 6, 7) sind syntaktisch schwierig; Vers 8 endet mit dem Refrain.
mahaścit tvamindra yata etān mahaścidasi tyajaso varūtā / sa no vedho marutāṃ cikitvān sumnā vanuṣva tava hi preṣṭhā
Groß bist du, Indra, sofern du diese (Maruts) lenkst; groß bist du, Abwehrer dessen, der im Stich lässt [?]. Als solcher, Ordner, der du die Maruts erkennst: gewinne (uns) Gunst – denn die deinen sind die liebsten. [Anm.: yataḥ etān ist elliptisch; tyajasaḥ varūtā ‚Abwehrer des Verlassens/Sich-Abwendens‘ unsicher.]
Sie haben, Indra, deine allen Menschen zugehörigen Kämpfer angeschirrt – einsichtig, die (Feinde) Abwehrende, unter Sterblichen [?] –; der Maruts Anfeuerung, die Eilende, (steht) im Erwerb des himmelströmenden (Regens), des vorwärts gerichteten Gewinns [?]. [Anm.: sehr unsicher; Bedeutung von niṣṣidhaḥ und pṛtsutiḥ nicht klar.]
Wort für Wort
ayujran
sie haben angeschirrt (3. Pl. Aor. Med.)
te
deine (Gen./Dat. Sg.)
indra
Indra (Vok.)
viśva-kṛṣṭīḥ
allen Menschen zugehörig (Akk. Pl.)
vidānāsaḥ
einsichtig, wissend (Nom. Pl.)
niḥ-sidhaḥ
Abwehrende, Zurückhaltende [?] (Akk. Pl.)
martya-trā
unter Sterblichen (Adv.)
marutām
der Maruts (Gen. Pl.)
pṛtsutiḥ
Kampfanfeuerung, Kampfeilen (Nom. Sg.)
hāsamānā
eilend, sich beeilend (Nom. Sg. f.)
svaḥ-mīḷhasya
dessen, der Himmelswasser regnet (Gen. Sg.)
pra-dhanasya
des Vorwärtsgewinns, des ‚Vorauspreises‘ (Gen. Sg.)
amyak sā ta indra ṛṣṭirasme sanemyabhvaṃ maruto junanti / agniścid dhi ṣmātase śuśukvānāpo na dvīpaṃ dadhatiprayāṃsi
Eben dieses, Indra, ist dir der Speer, hier bei uns, die alte (Gabe); die Maruts treiben das Ungeheure an. Auch Agni, glühend, brennt wahrlich dahin, wie Wasser auf eine Insel bringen sie Nahrungen. [Anm.: sanemi ‚von alters, alt‘; dvīpa ‚Insel‘ – Bild schwer zu deuten; atase ‚er brennt/geht‘ unsicher.]
tvaṃ tū na indra taṃ rayiṃ dā ojiṣṭhayā dakṣiṇayeva rātim / stutaśca yāste cakananta vāyo stanaṃ na madhvaḥpīpayanta vājaiḥ
Du aber, Indra, gib uns jenen Reichtum, wie eine überaus kraftvolle Gabe; und die, die dich lobsingend begehren, machen (dich?) wie Wind[?]... Euter süßen (Trank) mit Siegespreisen schwellen. [Anm.: Zeile 2 in der Konstruktion unklar; vāyoḥ ist evtl. Genitiv zu ‚Windgott‘ oder Vokativ Vāyo; ‚sie lassen … wie ein Euter mit süßen Strömen anschwellen‘ ist plausibel.]
Wort für Wort
tvam
du (Nom. Sg.)
tu
aber, nun (Partikel)
naḥ
uns (Dat. Pl.)
indra
Indra (Vok.)
tam
jenen (Akk. Sg.)
rayim
Reichtum (Akk. Sg.)
dāḥ
gib (2. Sg. Aor. Imp.)
ojiṣṭhayā
mit der kräftigsten (Instr. Sg. f.)
dakṣiṇayāiva
wie mit einer Rechten/Gabe (Instr. Sg. + Vergleich)
tve rāya indra tośatamāḥ praṇetāraḥ kasya cid ṛtāyoḥ / te ṣu ṇo maruto mṛḷayantu ye smā purā gātūyantīva devāḥ
In dir, Indra, sind die am meisten Befriedigenden Reichtümer, die Vorausführer jedes Wahrheitsbeflissenen. Die (Maruts), die einst wie Götter Wege bahnten, sollen uns gnädig sein. [Anm.: ṛtāyu ‚der die Wahrheit/rechte Ordnung Suchende‘; ‚wie Wegbereiter‘ gātūyanti ‚Weg suchen, Weg bahnen‘.]
prati pra yāhīndra mīḷhuṣo nṝn mahaḥ pārthive sadane yatasva / adha yadeṣāṃ pṛthubudhnāsa etāstīrthe nāryaḥ pauṃsyāni tasthuḥ
Zieh entgegen, Indra, hervor, zu den Männern der Regenspender; mühe dich im großen irdischen Sitz. Dann, wenn diese ihre Breitgründigen (Wagen) wie bei einer Furt die Herren (?) ... die Heldentaten standen. [Anm.: Zeile 2 sehr unsicher; ‚wie die Stiere bei einer Furt‘ sind mögliche Bilder; Bedeutung von pṛthubudhnāsaḥ ‚breitgründig‘.]
prati ghorāṇāmetānāmayāsāṃ marutāṃ śṛṇva āyatāmupabdiḥ / ye martyaṃ pṛtanāyantamūmairṛṇāvānaṃ na patayanta sargaiḥ
Gegenüber diesen furchtbaren, eilenden Maruts hört man den Lärm der Herankommenden, die den Sterblichen, der Streit sucht, mit Schwüngen wie einen Schuldner zu Fall bringen. [Anm.: upabdi ‚Getöse / Getrampel‘; ṛṇāvānam ‚Schuldner‘ nur im Bild.]
Du, Indra, spendest mit den Maruts von den Maßen an, für alle Menschen ..., die Rinder voran, der Bringer. Gepriesen mit Preisenden wirst du gepriesen, Gott, unter den Göttern; möchten wir Labung, Wegbahnung und Lebensgabe finden. [Anm.: mānebhyaḥ, radā, śurudhaḥ gośagrāḥ unsicher; ‚du bahnst mit den Maruts den Rinderzug / öffnest die Rinder‘ ist eine mögliche Lesart.]