Kapitel 80: ṛgvede 1.80 · itthā hi soma in made brahmā cakāra vardhanam
Indras Sieg über Vṛtra, gepriesen im Refrain
Vṛtra-Lied mit durchlaufendem Refrain (arcann anu svarājyam, 'preisend, entsprechend der Selbstherrschaft'), das in der Saṃhitā ab Vers 2 abgekürzt ist. Mehrere Stellen (Verbformen hanaḥ/jayāḥ in Vers 3, badbadhe in Vers 13, yāt adhīmasi in Vers 15) sind grammatisch oder lexikalisch nicht eindeutig.
itthā hi soma in made brahmā cakāra vardhanam / śaviṣṭha vajrinnojasā pṛthivyā niḥ śaśā ahimarcannanu svarājyam
So hat wahrlich im Soma, im Rausch der Brahman-Dichter [dem Indra] Stärkung bereitet. / Stärkster, Keulenträger, mit Kraft hast du von der Erde die Schlange fortgehauen, / [ihn] preisend, entsprechend seiner Selbstherrschaft. [Anm.: brahmā kann 'der Dichter/Sprecher' oder der Priester sein; arcan ist Partizip 'preisend', sein Bezug (Dichter oder der Refrain als eigener Satz) ist offen.]
Wort für Wort
itthā
so, auf diese Weise (Adv.)
hi
denn, wahrlich (Partikel)
some
im Soma (Lok. Sg.)
it
eben, ja (Partikel)
made
im Rausch (Lok. Sg.)
brahmā
Brahman-Dichter (Nom. Sg.)
cakāra
hat gemacht (3. Sg. Perf.)
vardhanam
Stärkung, Wachstum (Akk. Sg.)
śaviṣṭha
Stärkster (Vok. Sg.)
vajrin ojasā
Keulenträger (Vok. Sg.) und mit Kraft (Instr. Sg.)
Dich hat er berauscht, der stiermächtige Rausch, / der Soma, vom Falken gebracht, gepresst; / durch den du, Keulenträger, Vṛtra mit Kraft aus den Wassern hinausgeschlagen hast, / [ihn] preisend, entsprechend seiner Selbstherrschaft.
prehyabhīhi dhṛṣṇuhi na te vajro ni yaṃsate / indra nṛmṇaṃ hi te śavo hano vṛtraṃ jayā apo 'rcann...
Geh los, geh drauflos, sei kühn! Dein Keil hält nicht inne. / Indra, Mannesmacht ist ja deine Stärke; du hast Vṛtra geschlagen [?], die Wasser gewonnen [?], / [ihn] preisend, entsprechend seiner Selbstherrschaft. [Anm.: hanaḥ/jayāḥ sind Injunktive, die wie Vergangenheit oder wie Aufforderung ('schlage, gewinne') gelesen werden können.]
Von der Erde herab, Indra, hast du Vṛtra hinausgeschlagen, hinaus aus dem Himmel; / lass los diese Wasser, die von den Marut begleiteten, die das Lebende fördern [?], / [ihn] preisend, entsprechend seiner Selbstherrschaft.
Indra, erzürnt, [schlägt] mit dem Keil auf den Rücken des Vṛtra, des Schüttlers, / und hinabtretend schlägt er ihn nieder, / die Wasser zum Fließen [?] antreibend, / [ihn] preisend, entsprechend seiner Selbstherrschaft. [Anm.: sarmāya 'zum Schutz/zur Wohltat' oder 'zum Fließen'.]
Auf den Rücken schlägt er ein mit dem hundertknotigen Keil; / vom Andhas-Saft berauscht sucht Indra für die Freunde einen Weg, / [ihn] preisend, entsprechend seiner Selbstherrschaft.
indra tubhyamidadrivo 'nuttaṃ vajrin vīryam / yad dha tyammāyinaṃ mṛgaṃ tamu tvaṃ māyayāvadhīrarcann...
Indra, dir allein, Steinträger, gehört die unbedrängte Heldenkraft, Keulenträger, / da du jenes zauberkundige Wild mit Zauber erschlagen hast, / [ihn] preisend, entsprechend seiner Selbstherrschaft. [Anm.: māyā ist 'Wandlungs-/Trugkraft'; mṛga 'Wild, Tier' bezeichnet hier Vṛtra o. ä.; Zusatz 'gehört' ergänzt.]
vi te vajrāso asthiran navatiṃ nāvyā anu / mahat ta indra vīryaṃ bāhvoste balaṃ hitamarcann...
Auseinander sind deine Keile getreten, neunzig entlang der befahrbaren [Gewässer] [?]; / groß ist deine Heldenkraft, Indra, in deinen Armen ist deine Stärke gelegt, / [ihn] preisend, entsprechend seiner Selbstherrschaft.
Indra hat des Vṛtra Wucht mit Kraft, die Stärke, ausgeschlagen; / groß ist diese seine Mannestat: nachdem er Vṛtra geschlagen hatte, ließ er [die Wasser] los, / [ihn] preisend, entsprechend seiner Selbstherrschaft. [Anm.: Objekt 'die Wasser' ist ergänzt.]
Diese beiden Großen [Himmel und Erde] zittern vor deinem Zorn aus Furcht, / als du, Indra, Keulenträger, mit Kraft, mit den Marut, Vṛtra erschlugst, / [ihn] preisend, entsprechend seiner Selbstherrschaft.
na vepasā na tanyatendraṃ vṛtro vi bībhayat / abhyenaṃ vajra āyasaḥ sahasrabhṛṣṭirāyatārcann...
Nicht durch Zittern, nicht durch Donner konnte Vṛtra Indra erschrecken; / auf ihn kam der eiserne, tausendzackige Keil heran, / [ihn] preisend, entsprechend seiner Selbstherrschaft.
yad vṛtraṃ tava caśaniṃ vajreṇa samayodhayaḥ / ahimindrajighāṃsato divi te badbadhe śavo 'rcann...
Als du Vṛtra und deinen Blitz mit dem Keil zum Kampf brachtest, / [und] die Schlange, Indra, töten wolltest, / wurde im Himmel deine Kraft gebunden/zurückgedrängt [?], / [ihn] preisend, entsprechend seiner Selbstherrschaft. [Anm.: badbadhe ist unsicher; Bedeutungsrahmen 'wurde bedrängt', 'wurde befestigt'; Satzbau des Verses wenig klar.]
Bei deinem Dröhnen, Steinträger, zittert, was steht und was geht; / sogar Tvaṣṭṛ bebt vor deinem Zorn, Indra, aus Furcht, / [ihn] preisend, entsprechend seiner Selbstherrschaft.
nahi nu yādadhīmasīndraṃ ko vīryā paraḥ / tasmin nṛmṇamuta kratuṃ devā ojāṃsi saṃ dadhurarcann...
Denn nicht, soweit wir es fassen [?], gibt es einen, der Indra an Heldenkraft übertrifft [?]; / in ihn haben die Götter Mannesmacht und Willenskraft, Kräfte gelegt, / [ihn] preisend, entsprechend seiner Selbstherrschaft. [Anm.: nahi nu yāt adhīmasi ist syntaktisch unsicher.]
Das Gebet, das Atharvan, Manu, der Vater, Dadhyañc gewoben haben: / in ihn, Indra, sind wie einst die Brahman-Sprüche und Lieder zusammengekommen, / [ihn] preisend, entsprechend seiner Selbstherrschaft.