Kapitel 24: ṛgvede 1.24 · kasya nūnaṃ katamasyāmṛtānāṃ manāmahe cāru devasya nāma
Fragen nach dem Namen; Bitte an Savitṛ und Varuṇa um Lösung der Fesseln
Der Śunaḥśepa-Zyklus: Eingangsfrage und Antwort (Agni), Bitten an Savitṛ, dann Preis von Varuṇas Weltordnung (Wasser, Sonnenweg, Sterne, Mond) und Bitte um Lösung der Fesseln und Verzeihung. Rätselhaft: 7 (Baum/Wald, 'Stūpa', umgekehrte Strahlen), 8 (hṛdayāvidhaḥ).
kasya nūnaṃ katamasyāmṛtānāṃ manāmahe cāru devasya nāma / ko no mahyā aditaye punardāt pitaraṃ ca dṛśeyaṃ mātaraṃ ca
Wessen, welches der Unsterblichen, gedenken wir jetzt, den lieblichen Namen des Gottes? / Wer gibt uns der großen Aditi wieder, dass ich Vater und Mutter sehe?
agnervayaṃ prathamasyāmṛtānāṃ manāmahe cāru devasya nāma / sa no mahyā aditaye punardāt pitaraṃ ca dṛśeyaṃ mātaraṃ ca
Des Agni, des ersten der Unsterblichen, gedenken wir, den lieblichen Namen des Gottes; / der gebe uns der großen Aditi wieder, dass ich Vater und Mutter sehe.
Denn der Anteil (Bhaga), der dir so zuteil wird, der schon früher die Schmäher [Anm.: nidaḥ Abl. 'vor Schmähern'?] beschwichtigt, / hält in den Händen keine Feindschaft [Anm.: Vers syntaktisch dunkel; Sinn: Wer deinen Anteil hat, ist frei von Feindschaft.]
nahi te kṣatraṃ na saho na manyuṃ vayaścanāmī patayanta āpuḥ / nemā āpo animiṣaṃ carantīrna ye vātasya praminantyabhvam
Denn weder deine Herrschaft noch deine Kraft noch deinen Zorn erreichen die dort fliegenden Vögel, / noch diese Wasser, die ohne die Lider zu schließen fließen, noch die, die den Widerstand des Windes nicht mindern. [Anm.: Wörtlich: nemā āpo animiṣaṃ; 'ohne Lidschlag' = unaufhörlich. abhvam 'Übermächtiges, Ungeheures' [?].]
Im Bodenlosen [Anm.: oder 'im Grundlosen'] hält der König Varuṇa, geläutert an Können, den Stūpa (Schopf/Gipfel) des Baumes (Waldes) nach oben; / abwärts sind sie gerichtet, ihr Grund ist oben; in uns hinein mögen ihre Strahlen (Zeichen) gelegt sein. [Anm.: dunkel; mögliche Ebenen: kosmisch-mythologisch (Sonnenbaum, Lichtstrahlen; plausibel), innerlich (spekulativ). Beleg fest nur für das Bild des umgekehrten Baumes.]
uruṃ hi rājā varuṇaścakāra sūryāya panthāmanvetavā u / apade pādā pratidhātave 'karutāpavaktā hṛdayāvidhaścit
Weiten (Raum) hat der König Varuṇa der Sonne als Weg gemacht, dass sie ihm nachgehe; / wo kein Standort war, Füße zu setzen, hat er ihn gemacht, und er ist ein Abwehrer für das, was das Herz durchbohrt. [Anm.: hṛdayāvidhaḥ 'herzdurchbohrend'; apavaktā 'Abwehrer/Widersprecher' [?].]
śataṃ te rājan bhiṣajaḥ sahasramurvī gabhīrā sumatiṣ ṭe astu / bādhasva dūre nirṛtiṃ parācaiḥ kṛtaṃ cidenaḥ pra mumugdhyasmat
Hundert Ärzte hast du, König, tausend; weit, tief sei deine Gunst (Wohlgesinntheit). / Wehre Nirṛti (Vergehen, Verderben) in die Ferne, ab; auch begangene Verfehlung löse von uns.
Diese Sterne, die hoch oben angebracht sind, bei Nacht gesehen wurden, wohin sind sie bei Tag gegangen? / Unverletzlich sind Varuṇas Gebote; der leuchtende Mond geht in der Nacht.
tat tvā yāmi brahmaṇā vandamānastadā śāste yajamāno havirbhiḥ / aheḷamāno varuṇeha bodhyuruśaṃsa mā na āyuḥpra moṣīḥ
Dies erbitte ich von dir mit Gebet (brahman), dich verehrend; dies erfleht der Verehrungs-Weihende mit Schmalzgaben. / Sei uns nicht zürnend, Varuṇa, hier achte darauf, weitgepriesener; raube uns nicht das Leben.
tadin naktaṃ tad divā mahyamāhustadayaṃ keto hṛda ā vi caṣṭe / śunaḥśepo yamahvad gṛbhītaḥ so asmān rājā varuṇo mumoktu
Dies, sagt man mir, bei Nacht und bei Tag; dies flüstert dieses Zeichen aus dem Herzen (verkündet es). / Śunaḥśepa, der ergriffen den Varuṇa anrief: der König Varuṇa soll uns lösen.
Śunaḥśepa nämlich rief an, ergriffen, an drei Pfosten (Holzstützen) gebunden, den Āditya; / den soll der König Varuṇa, der Wissende, Unverletzliche, herablassen, er soll die Fesseln lösen. [Anm.: pāsān im Padapāṭha 'pāsān' (Druckfehler für pāśān).]
ava te heḷo varuṇa namobhirava yajñebhirīmahe havirbhiḥ / kṣayannasmabhyamasura pracetā rājannenāṃsi śiśrathaḥ kṛtāni
Deinen Groll, Varuṇa, wenden wir ab mit Ehrerbietungen, ab mit Weihehandlungen, mit Schmalzgaben; / du, Asura, Allwissender, wohnst (herrschst) für uns, König: löse die begangenen Verfehlungen.
Die oberste Fessel löse von uns, Varuṇa, die unterste zieh herab, die mittlere löse. / Dann mögen wir in deiner Satzung, Āditya, schuldlos vor Aditi sein.