Kapitel 36: ṛgvede 1.36 · pra vo yahvaṃ purūṇāṃ viśāṃ devayatīnām
Anruf an Agni, den Boten und Rufer, um Schutz und Kraft
Kaṇva-Lied an Agni: Anruf und Wahl als Bote und Rufer (1–6), Agnis Taten und Verehrer (7–11), Bitte um Aufrichtung, Schutz und Verbrennen der Unholde (12–16), Rückblick auf frühere Hilfe für Kaṇva u. a. (17–20). Unsicher: Namenreihe in 10, Vers 18 (dasyave sahaḥ), die Lesung von añjibhiḥ (13).
janāso agniṃ dadhire sahovṛdhaṃ haviṣmanto vidhema te / sa tvaṃ no adya sumanā ihāvitā bhavā vājeṣu santya
Die Menschen haben Agni, den Kraftmehrer, eingesetzt; mit Gaben versehen wollen wir dir dienen. / Du sei uns heute hier wohlgesinnt, ein Beschützer, in den Kraftproben [vāja], du Gewinnbringender [santya ?].
pra tvā dūtaṃ vṛṇīmahe hotāraṃ viśvavedasam / mahaste sato vi carantyarcayo divi spṛśanti bhānavaḥ
Dich wählen wir uns zum Boten, zum Rufer [hotṛ], den Allkundigen. / Von dir, der du groß bist, schweifen die Flammen umher; die Strahlen berühren den Himmel.
Erfreuend bist du, der Rufer, der Hausherr, Agni, der Bote der Stämme. / In dir sind alle zusammengefügten festen Satzungen, die die Götter gemacht haben.
In dir wahrlich, Agni, Glückbringender, Jüngster, wird jede Gabe dargebracht. / Du, der Wohlgesinnte, verehre uns heute und künftig die Götter [zu guter Mannhaftigkeit ?].
Ihn eben sitzen so die Ehrerbietigen beim Selbstherrscher; / mit Anruf-Spenden [hotrā] entzünden ihn, Agni, die Menschen, [sie,] die über die Fehlschläge [sridhaḥ ?] hinweggekommen sind.
ghnanto vṛtramataran rodasī apa uru kṣayāya cakrire / bhuvat kaṇve vṛṣā dyumnyāhutaḥ krandadaśvo gaviṣṭiṣu
Vṛtra erschlagend durchquerten sie beide Welten und die Wasser; sie schufen weiten Wohnraum. / Bei Kaṇva wurde er zum Stier, glanzvoll, mit Gaben begossen, ein wiehernd Ross bei den Rindersuchen. [Anm.: Subjekt der Plurale in a–b unklar (Menschen/Götter); ‚Ross‘ und ‚Rinder‘ hier wohl Bildrede.]
Setz dich nieder; groß bist du; flamme, du, der die Götter am meisten Erfreuende! / Lass den rötlichen Rauch, Agni, ausströmen, den sehenswerten, du Gepriesener, opferwürdiger [miyedhya ?].
Dich, den die Götter für Manu hier eingesetzt haben, den am meisten Verehrenden, Gabenfahrer, / den Kaṇva Medhyātithi [eingesetzt hat], den Gütererringer, den [auch] Vṛṣan [?], den [auch] Upastuta [?].
Den Agni, den Medhyātithi Kaṇva aus der Ordnung [ṛta] heraus angefacht hat: dessen Antriebe [preṣaḥ ?] haben geleuchtet; ihn [stärken] diese Verse; ihn, Agni, lassen wir wachsen.
Wort für Wort
yam
den (Akk.)
agnim
Agni (Akk. Sg.)
medhya-atithiḥ
Medhyātithi (Nom. Sg.)
kaṇvaḥ
Kaṇva (Nom. Sg.)
īghe
er hat entzündet (3. Sg. Perf. Med.; PP īghe verderbt für īdhe)
rāyas pūrdhi svadhāvo 'sti hi te 'gne deveṣvāpyam / tvaṃvājasya śrutyasya rājasi sa no mṛḷa mahānasi
Fülle [uns] mit Reichtum [?], Eigenmächtiger; denn dir kommt Verwandtschaft bei den Göttern zu, Agni. / Du herrschst über die rühmliche Kraft [vāja]; sei uns gnädig, groß bist du.
Aufrecht, wohlan, steh uns zur Hilfe, wie der Gott Savitṛ. / Aufrecht [bist du] der Gewinner der Kraft, wenn wir [dich] mit Salbungen [?] und mit Sängern herbeirufen.
ūrdhvo naḥ pāhyaṃhaso ni ketunā viśvaṃ samatriṇaṃ daha / kṛdhī na ūrdhvāñcarathāya jīvase vidā deveṣu no duvaḥ
Aufrecht schütze uns vor der Bedrängnis; mit [deinem] Zeichen verbrenne alle Fresser gänzlich. / Mach uns aufrecht zum Umherziehen und zum Leben; verschaffe unserer Verehrung Geltung bei den Göttern [vidāḥ ?].
Wort für Wort
ūrdhvaḥ
aufrecht (Nom. Sg.)
naḥ
uns (Akk.)
pāhi
schütze (2. Sg. Imp.)
aṃhasaḥ
vor Enge/Bedrängnis (Abl. Sg.)
ni
nieder
ketunā
mit dem Banner/Zeichen (Instr. Sg.)
viśvam
alles (Akk. Sg.)
sam
ganz
itriṇam
Fresser/Verzehrer (Akk. Sg.; PP -itriṇam für atriṇam)
Schütze uns, Agni, vor dem Unhold [rakṣas]; schütze vor dem Schädiger, dem Nicht-Gebenden; / schütze vor dem, der verletzt oder töten will, Hochglänzender, Jüngster.
ghaneva viṣvag vi jahyarāvṇastapurjambha yo asmadhruk / yo martyaḥ śiśīte atyaktubhirmā naḥ sa ripurīśata
Wie mit Keulen [?] schlage nach allen Seiten die Geizigen auseinander, du mit glühenden Zähnen, der uns Feindliche. / Der Sterbliche, der sich Nächte hindurch [die Waffe] schärft [?]: dieser Feind soll nicht über uns gebieten.
Mit Agni rufen wir Turvaśa und Yadu aus der Ferne herbei, [und] Ugradeva. / Agni führte Navavāstva, Bṛhadratha [und] Turvīti [heran], dem Dasyu [zur] Überwältigung [?]. [Anm.: dasyave sahaḥ syntaktisch unsicher.]
Dich, Agni, hat Manu als Licht für das beständige Volk hingesetzt. / Du hast bei Kaṇva geleuchtet, in der Ordnung geboren, gesalbt, den die Menschenvölker verehren.
tveṣāso agneramavanto arcayo bhīmāso na pratītaye / rakṣasvinaḥ sadamid yātumāvato viśvaṃ samatriṇaṃ daha
Funkelnd sind Agnis kräftige Flammen, furchtbar, [so dass] man ihnen nicht entgegentreten kann [?]. / Die von Rakṣas Besessenen, die von Zauber-Unholden Behafteten verbrenne stets, den ganzen Fresser gänzlich.