Kapitel 96: ṛgvede 1.96 · sa pratnathā sahasā jāyamānaḥ sadyaḥ kāvyāni baḷ adhatta viśvā
Agni als Gutverleiher (Draviṇodas)
Lied auf Agni, der von den Göttern als „Draviṇodas“ (Gut-Geber) gehalten wird (Kehrvers in 1-7); V. 8 wiederholt den Titel viermal in einer Bitte, V. 9 ist der übliche Schlussvers. Einige Bildstellen (Nacht und Morgenröte als Ammen, veḥ, kṣām) bleiben unsicher.
sa pratnathā sahasā jāyamānaḥ sadyaḥ kāvyāni baḷ adhatta viśvā / apaśca mitraṃ dhiṣaṇā ca sādhan devā agnindhārayan draviṇodām
Er, wie vor alters durch Kraft geboren werdend, nahm sogleich alle Dichtungskräfte an, fürwahr; / die Wasser, den Bund [Mitra] und die Andacht brachten sie zustande [?]. Die Götter hielten Agni, den Gutverleiher, [fest]. [Anm.: draviṇodā „Gut/Kraft-Geber“; dhiṣaṇā „Andacht/Fülle, auch als Göttin“; Konstruktion von sādhan unsicher.]
sa pūrvayā nividā kavyatāyorimāḥ prajā ajanayan manūnām / vivasvatā cakṣasā dyāmapaśca devā a. dh. d.
Er brachte durch die frühere Anrufungsformel, durch die Dichterart des Āyu, diese Geschlechter der Manus hervor; / mit dem leuchtenden Blick des Vivasvant [hervor] Himmel und Wasser. / Die Götter hielten Agni, den Gutverleiher, [fest].
Ihn riefen die Stämme an, den Ersten, der die Weihehandlung zum Ziel bringt, den Angerufenen, den Strebenden, / den Sohn der Kraft, den Träger/Bharata, den mit glatt fließender Gabe [?]. Die Götter hielten Agni, den Gutverleiher, [fest].
Er, Mātariśvan, der vielbegehrtes Gedeihen bringt, fand den Weg für den Nachkommen, er, der das Licht gewinnt; / Hüter der Stämme, Erzeuger der beiden Welten. / Die Götter hielten Agni, den Gutverleiher, [fest].
Nacht und Morgenröte, einander die Farbe vertauschend [?], lassen das eine Kind saugen, einträchtig zusammenkommend; / zwischen Himmel und Erde leuchtet ein Goldschmuck auf. [Anm.: rukma „Goldschmuck, Glanz“ – Agni als Licht (plausibel).]
Grund/Wurzel des Reichtums, Versammler der Güter, Banner der Weihehandlung, der die Gedanken des Vogels [?] zum Ziel führt; / die Unsterblichkeit bewahrend, [hielten] die Götter ihn. [Anm.: veḥ (Gen. von vi „Vogel“ oder „Eiferer“) unsicher.]
nū ca purā ca sadanaṃ rayīṇāṃ jātasya ca jāyamānasya ca kṣām / sataśca gopāṃ bhavataśca bhūrerdevā ...
Jetzt und ehedem Sitz der Reichtümer, Wohnstatt des Geborenen und des Werdenden, / Hüter des Seienden und des Werdenden, des Reichlichen. [Anm.: kṣām als „Erde/Wohnstatt“ gedeutet, unsicher.]
draviṇodā draviṇasasturasya draviṇodāḥ sanarasya pra yaṃsat / draviṇodā vīravatīmiṣaṃ no draviṇodā rasate dīrghamāyuḥ
Der Gutverleiher soll von der Habe des Raschen darreichen, der Gutverleiher von der des Gewinnreichen [?]; / der Gutverleiher [gebe] uns männerreiche Labung, der Gutverleiher schenkt langes Leben.
evā no agne samidhā vṛdhāno revat pāvaka śravase vi bhāhi / tan no mitro varuṇo māmahantām aditiḥ sindhuḥ pṛthvivī uto dyauḥ
So, Agni, durch das Brennholz wachsend, leuchte uns reichlich auf, Läuterer, zum Ruhm. / Das sollen uns Mitra, Varuṇa, Aditi, der Strom, Erde und Himmel gewähren.