Sonnenlied: Sūrya als Auge der Götter, sein Verhältnis zu Uṣas, seine Rosse, Tag und Nacht. Die Schlussverse (Refrain in V. 6) sind in der Quelle abgekürzt. Schwierig sind yugāni (V. 2) und simasmai (V. 4).
Das wunderbare Antlitz der Götter ist aufgegangen, das Auge des Mitra, des Varuṇa und des Agni; / Himmel und Erde und den Zwischenraum hat er erfüllt, Sūrya, das Selbst des Beweglichen und des Stehenden.
sūryo devīmuṣasaṃ rocamānāṃ maryo na yoṣāmabhyeti paścāt / yatrā naro devayanto yugāni vitanvate prati bhadrāya bhadram
Sūrya geht der göttlichen, leuchtenden Uṣas von hinten entgegen wie ein Mann einer jungen Frau; / dort, wo die götterbegehrenden Männer die Joche [?] ausspannen, Gutes für Gutes. [Anm.: yugāni „Joche"; auch „Zeitalter, Zeitspannen" möglich; „Gutes für Gutes" = Gegenleistung.]
Gute Rosse, die fahlen, des Sūrya, bunt, schimmernd im Lauf, zu bejubeln, / haben, huldigend, den Rücken des Himmels bestiegen; sie umkreisen Himmel und Erde alsbald.
tat sūryasya devatvaṃ tan mahitvaṃ madhyā kartorvitataṃ saṃ jabhāra / yadedayukta haritaḥ sadhasthādād rātrī vāsastanute simasmai
Das ist die Göttlichkeit des Sūrya, das seine Größe: mitten im Werk hat er das Ausgespannte zusammengeholt. / Wenn er von der gemeinsamen Stätte die Falben anschirrt, dann breitet die Nacht ihm das Gewand aus [?]. [Anm.: Das „Ausgespannte" (Gewebe/Strahlen) wird zusammengenommen; Bild für das Ende des Tages.]
Dies zum Anschauen für Mitra und Varuṇa macht Sūrya als Gestalt im Schoß des Himmels; / das eine, sein leuchtender Glanz, ist endlos, das andere, das Schwarze, tragen die Falben zusammen. [Anm.: Tag und Nacht; plausibel.]
adyā devā uditā sūryasya niraṃhasaḥ pipṛtā naravadyāt / tan no ... [Anm.: Saṃhitā-Text und Padapāṭha der Quelle stimmen an dieser Stelle nicht überein (verschoben oder gekürzt). Padapāṭha: adya devāḥ ut-itā sūryasya niḥ aṃhasaḥ pipṛta niḥ avadyāt tat naḥ mitraḥ varuṇaḥ mamahantām aditiḥ sindhuḥ pṛthivī uta dyauḥ]
Heute, ihr Götter, beim Aufgang der Sonne bringt uns hinüber aus der Bedrängnis, hinaus aus dem Tadelnswerten. / Das [gewähren uns] Mitra, Varuṇa, Aditi, der Strom, die Erde und der Himmel.