Kapitel 85: ṛgvede 1.85 · pra ye śumbhante janayo na saptayo yāman rudrasya sūnavaḥsudaṃsasaḥ
Die Marut auf Fahrt, in der Schlacht und bei Gotamas Quelle
Preislied auf die Marut (Söhne Rudras und der Pṛśni): ihr Schmuck, ihr Wagenzug mit gesprenkelten Stuten, die Kraft, die Berge und Brunnen aufbricht; 7 mit dem Vṛtra-Mythos (Indra, Tvaṣṭṛ), 10-11 mit der Quelle für Gotama. Bildrede bei ukṣita, ghṛta, go- ist nicht sicher aufzulösen; 1.85.7 hat ein verderbtes Token (sdan).
pra ye śumbhante janayo na saptayo yāman rudrasya sūnavaḥsudaṃsasaḥ / rodasī hi marutaścakrire vṛdhe madanti vīrā vidatheṣu ghṛṣvayaḥ
Die sich hervor schmücken wie Frauen, wie Rosse, auf der Fahrt, die kunstfertigen Söhne Rudras – die Marut haben ja die beiden Welten zum Gedeihen gemacht; die Helden, die munteren, berauschen sich in den Versammlungen.
ta ukṣitāso mahimānamāśata divi rudrāso adhi cakrire sadaḥ / arcanto arkaṃ janayanta indriyamadhi śriyo dadhire pṛśnimātaraḥ
Sie, die Erstarkten (wörtlich: Besprengten), haben Größe erlangt; im Himmel haben die Rudra-Söhne sich einen Sitz gemacht. Ein Lied singend, Kraft erzeugend, haben sie Glanz auf sich gelegt, die Söhne der Pṛśni [Anm.: ukṣita 'besprengt/erstarkt', √ukṣ, Bildrede; plausibel].
Die Söhne der Kuh, wenn sie sich mit Schmuckstücken zieren, haben leuchtend, glänzend, die Zier auf ihre Leiber gelegt. Sie drängen jeden Feind weg; ihren Bahnen entlang fließt Schmalz [Anm.: ghṛta 'Schmalz', wohl Bild für Regen/Fett; plausibel, nicht fest; go-mātaraḥ 'Kuh als Mutter', vgl. Pṛśni].
vi ye bhrājante sumakhāsa ṛṣṭibhiḥ pracyāvayanto acyutācidojasā / manojuvo yan maruto ratheṣvā vṛṣavrātāsaḥ pṛṣatīrayugdhvam
Die aufleuchten mit Speeren, gut rüstig, mit Kraft selbst Unerschütterliches ins Wanken bringend – wenn ihr, Marut, gedankenschnell, eine Schar von Stieren, die gesprenkelten Stuten an die Wagen angeschirrt habt.
pra yad ratheṣu pṛṣatīrayugdhvaṃ vāje adriṃ maruto raṃhayantaḥ / utāruṣasya vi ṣyanti dhārāścarmevodabhirvyundanti bhūma
Wenn ihr die gesprenkelten Stuten an den Wagen angeschirrt habt, Marut, den Fels im Wettstreit zur Eile treibend – da strömen auch die Ströme des Rötlichen auseinander; sie netzen die Erde mit Wassern wie ein Fell. [Anm.: adri 'Stein, Fels, Presstein, Wolkenberg'; Bezug unsicher.]
ā vo vahantu saptayo raghuṣyado raghupatvānaḥ pra jigāta bāhubhiḥ / sīdatā barhiruru vaḥ sadas kṛtaṃ mādayadhvaṃ maruto madhvo andhasaḥ
Her sollen euch die Rosse tragen, die schnell laufenden, schnell fliegenden; zieht voran mit euren Armen [?]. Setzt euch auf das Ligerstreu; weit ist euer Sitz gemacht. Berauscht euch, Marut, am süßen Trank.
te 'vardhanta svatavaso mahitvanā nākaṃ tasthururu cakrire sadaḥ / viṣṇuryad dhāvad vṛṣaṇaṃ madacyutaṃ vayo na sīdannadhi barhiṣi priye
Sie wuchsen, aus eigener Kraft mächtig, durch Größe; sie bestiegen das Himmelsgewölbe und machten den Sitz weit, als Viṣṇu den Stier, den rauschträufelnden, förderte [Anm.: Bezug von 'Stier' auf Indra oder Soma unsicher]. Wie Vögel ließen sie sich auf dem lieben Ligerstreu nieder.
Wort für Wort
te
sie (Nom. Pl.)
avardhanta
sie wuchsen (3. Pl. Impf. Med.)
sva-tavasaḥ
aus eigener Kraft stark (Nom. Pl.)
mahi-tvanā
durch Größe (Instr. Sg.)
ā
hinauf (Präverb)
nākam
Himmelsgewölbe (Akk. Sg.)
tasthuḥ
sie stiegen/standen (3. Pl. Perf.)
uru
weit (Akk. Sg. n.)
cakrire
sie machten (3. Pl. Perf. Med.)
sadaḥ
Sitz (Akk. Sg.)
viṣṇuḥ
Viṣṇu (Nom. Sg.)
yat
als (yat)
ha
eben (Partikel)
āvat
er förderte, half (3. Sg. Aor.)
vṛṣaṇam
Stier (Akk. Sg.)
mada-cyutam
rausch-träufelnd (Akk. Sg.)
vayaḥ
Vögel (Nom. Pl.)
na
wie
sdan
sie setzten sich (3. Pl.) [Token verderbt, für sīdan; ?]
śūrā ived yuyudhayo na jagmayaḥ śravasyavo na pṛtanāsu yetire / bhayante viśvā bhuvanā marudbhyo rājāna iva tveṣasandṛśo naraḥ
Wie Helden, wie Kampflustige, wie Zielstrebige, wie Ruhmbegierige haben sie sich in den Schlachten angestrengt. Alle Wesen fürchten sich vor den Marut; die Männer sind wie Könige von aufflammendem Anblick.
Als Tvaṣṭṛ, der Kunstfertige, den gut gemachten, goldenen Vajra mit tausend Zacken gedreht hatte, ergriff Indra die männlichen Taten, um sie zu tun: er erschlug Vṛtra und ließ die Flut der Wasser aus ihm hervorpressen [?].
ūrdhvaṃ nunudre 'vataṃ ta ojasā dadṛhāṇaṃ cid bibhidurviparvatam / dhamanto vāṇaṃ marutaḥ sudānavo made somasya raṇyāni cakrire
Aufwärts stießen sie den Brunnen, sie mit ihrer Kraft; auch den fest gewordenen Berg spalteten sie auseinander. Die Marut, reich im Geben, das Rohr (die Flöte) blasend [?], vollbrachten im Rausch des Soma erfreuliche Taten.
Den Brunnen stießen sie schief; in jener Richtung gossen sie die Quelle für Gotama, den Durstigen. Mit Hilfe kommen sie zu ihm heran, die Buntstrahligen, und stillten den Wunsch des Weisen mit ihren Kräften (Wesensbereichen).
yā vaḥ śarma śaśamānāya santi tridhātūni dāśuṣe yachatādhi / asmabhyaṃ tāni maruto vi yanta rayiṃ no dhatta vṛṣaṇaḥ suvīram
Die Schutzwehren, die ihr habt, dreifach gefügt, für den sich Mühenden, den Gebenden – reicht sie darüber hinaus; diese, Marut, breitet für uns aus. Gebt uns Reichtum mit guten Männern, ihr Stiere.