Kapitel 35: ṛgvede 1.35 · hvayāmy agnim prathamaṃ svastaye hvayāmi mitrāvaruṇāv ihāvase |
Anruf an Savitṛ, den goldenen Fahrer durch die Räume
Nach dem Anruf mehrerer Götter (1) schildert das Lied Savitṛs Fahrt auf goldenem Wagen durch dunkle Räume (2–5), die drei Himmel (6), seinen Blick über Räume und Erde (7–8) und schließt mit der Bitte um Schutz auf seinen alten Wegen (9–11). Vers 6 und 7 sind rätselhaft (drei Himmel, Yama; suparṇa); Vers 9 (ṛṇoti) und 2 (PP: zwei Wörter als ein Token) sind unsicher.
Ich rufe Agni als Ersten zum Wohlergehen, ich rufe Mitra und Varuṇa hierher zur Hilfe; / ich rufe die Nacht, die das Bewegliche zur Ruhe bringt, ich rufe den Gott Savitṛ zur Hilfe.
Durch den dunklen Dunstraum heranrollend, Unsterbliches und Sterbliches zur Ruhe bringend, / fährt der Gott Savitṛ auf goldenem Wagen daher und erblickt die Welten.
Wort für Wort
ā
her
kṛṣṇena
dunkel (Instr. Sg.)
rajasā
Dunstraum/Luftraum (Instr. Sg.)
vartamānaḥ
sich bewegend (Part. Nom. Sg.)
ni-veśayan
zur Ruhe bringend (Part. Nom. Sg.)
amṛtam
Unsterbliches (Akk. Sg.)
martyam
Sterbliches (Akk. Sg.)
ca
und
hiraṇyayena
golden (Instr. Sg.)
savitā rathena
Savitṛ (Nom.) mit Wagen (Instr.) [PP: zwei Wörter als ein Token]
Der Gott fährt den Abhang hinab, er fährt aufwärts; er fährt, der Verehrungswürdige, mit zwei hellen Falben. / Der Gott Savitṛ kommt aus der Ferne und drängt alle Übel weg.
Den von Goldperlen umhüllten [kṛśana ?], vielgestaltigen, groß mit goldenem Jochstift [?] bestieg der Verehrungswürdige, / Savitṛ, der Buntglänzende, den Wagen, in den dunklen Räumen Stärke tragend.
Die dunklen Rosse mit hellen Füßen erblickten die Menschen, den Wagen mit goldenem Vorderjoch ziehend. / Stets stehen die Stämme und alle Welten im Schoß des göttlichen Savitṛ.
tisro dyāvaḥ savitur dvā upasthāṃ ekā yamasya bhuvane virāṣāṭ | / āṇiṃ na rathyam amṛtādhi tasthur iha bravītu ya u tac ciketat ||
Drei Himmel [gibt es]: zwei sind Savitṛs Schoßräume, einer in Yamas Welt, der die Männer Überwältigende [virāṣāṭ ?]. / Wie den Achsnagel am Wagen haben sich die Unsterblichen dort aufgestellt [?]; wer dies erkannt hat, soll es hier sagen. [Anm.: Rätselvers; kosmologisch (drei Himmel, Yama = Bereich der Toten) plausibel, Einzelheiten spekulativ.]
Der Schönbeschwingte überblickte die Zwischenräume, der tief Erregte [gabhīra-vepāḥ ?], der Herr [asura], der gute Führer. / Wo ist jetzt die Sonne? Wer hat es erkannt? In welchen Himmel hat sich ihr Strahl gespannt? [Anm.: suparṇa = wohl Savitṛ als Vogel-Sonne (plausibel); asura hier älter ‚Herr, Herrschaftsträger‘.]
Acht Gipfel [oder: Himmelsrichtungen ?] der Erde überblickte er, die drei Steppen [?], die Strecken, die sieben Ströme. / Der goldäugige Gott Savitṛ ist gekommen und verleiht dem Gebenden auserlesene Schätze.
Der goldhändige Savitṛ, der Allüberschauende, fährt zwischen beiden, Himmel und Erde; / er drängt das Übel weg, er strebt zur Sonne [?]; durch den dunklen Dunstraum hindurch erreicht er den Himmel [ṛṇoti: bewegt/erreicht ?].
Der goldhändige Herr, der gute Führer, der sehr Gnädige, der Hilfreiche [svavān ?], soll herwärts fahren; / Rakṣas und Yātudhānas wegdrängend hat sich der Gott hingestellt, jeden Abend gepriesen.
ye te panthāḥ savitaḥ pūrvyāso 'reṇavaḥ sukṛtā antarikṣe / tebhirno adya pathibhiḥ sugebhī rakṣā ca no adhi ca brūhi deva
Deine alten, staubfreien, gut gemachten Wege, Savitṛ, die im Luftraum sind – / auf diesen gut gangbaren Pfaden schütze uns heute und sprich für uns [adhi brūhi: tritt für uns ein ?], Gott.