Kapitel 38: ṛgvede 1.38 · kad dha nūnaṃ kadhapriyaḥ pitā putraṃ na hastayoḥ |
Vorwurfsvolle Fragen an die Maruts, Gewitter und Preis ihrer Schar
Der Sänger fragt die Maruts, wo sie bleiben, bittet um Schutz vor Yamas Pfad und schildert dann Sturm, Blitz und Regen ihrer Ankunft; am Ende Aufforderung zum Lobgesang. Rätselhaft sind kadhapriya (V.1) und einzelne Vergleichspartikeln na.
kad dha nūnaṃ kadhapriyaḥ pitā putraṃ na hastayoḥ | / dadhidhve vṛktabarhiṣaḥ ||
Wann wohl nun werdet ihr uns, die wir das Barhis gebreitet haben, an den Händen fassen wie ein kadhapriya-Vater [?] seinen Sohn? [Anm.: kadhapriya unklar, etwa ‚dem Rühmen/Fragen lieb‘ oder ‚der den Sohn liebt‘; unsicher]
kva nūnaṃ kad vo arthaṃ gantā divo na pṛthivyāḥ | / kva vo gāvo na raṇyanti ||
Wo seid ihr jetzt, wann kommt ihr zu eurem Ziel – wie vom Himmel her, nicht von der Erde? Wo [sind] eure Rinder? [Sie] brüllen/ergötzen sich (nicht mehr) [?]. [Anm.: das zweite na und raṇyanti sind unsicher; Sinn: der Sänger vermisst die Maruts und ihre Gaben]
yad yūyam pṛśnimātaro martāsaḥ syātana | / stotā vo amṛtaḥ syāt ||
Wenn ihr, Söhne der Pṛśni, Sterbliche wäret, so wäre euer Lobsänger [doch] unsterblich. [Anm.: hypothetische Umkehrung: der Sänger möchte die Unsterblichkeit der Götter für sich]
mo ṣu ṇaḥ parā-parā nirṛtir durhaṇā vadhīt | / padīṣṭa tṛṣṇayā saha ||
Nicht soll uns fort und fort [?] Nirṛti, die schwer zu erschlagende, treffen; sie soll mit dem Durst zu Fall kommen. [Anm.: Nirṛti ‚Vergehen/Auflösung‘, hier personifiziert]
maruto vīḷupāṇibhiś citrā rodhasvatīr anu | / yātem akhidrayāmabhiḥ ||
Maruts, fahrt mit festhufigen [Rossen] [?] und mit unermüdlichem Lauf den bunten, ufergesäumten [Flüssen] entlang. [Anm.: vīḷupāṇi wörtlich ‚fest-hufig‘; Bezug der Fem.-Akk. citrāḥ rodhasvatīḥ (Flüsse/Wasser) ist erschlossen]
Wort für Wort
marutaḥ
Maruts (Nom./Vok. Pl.)
vīḷupāṇi-bhiḥ
mit festhufigen [?] (Instr. Pl.)
citrāḥ
bunt, prächtig (Akk. Pl. f.)
rodhasvatīḥ
ufergesäumt (Akk. Pl. f.)
anu
entlang
yāta
fahrt/kommt (2. Pl. Imp.)
īm
ja (Partikel)
akhidrayāma-bhiḥ
mit ungebrochenen/unermüdlichen Fahrten (Instr. Pl.)
Sprich hin mit dauerndem Lied zum Preis(en) [?] zum Herrn des Brahman, zu Agni, der anzusehen ist wie ein Freund/Mitra. [Anm.: brahman = ‚heilige Formung, Gebet‘; brahmaṇas pati und Agni erscheinen hier gleichgesetzt oder eng verbunden]