Kapitel 167: ṛgvede 1.167 · sahasraṃ ta indrotayo naḥ sahasramiṣo harivo gūrtatamāḥ
Anruf an die Maruts, mit Indra an der Spitze
Lied an die Maruts (Anfangsstrophe an Indra). Das Rätselbild der Rede (vāc) als Frau der Maruts in Vers 3 sowie mehrere Wortformen (mimyakṣa, mimikṣuḥ, sādhāraṇyā) sind schwierig; Vers 11 ist der Refrainvers der Reihe.
sahasraṃ ta indrotayo naḥ sahasramiṣo harivo gūrtatamāḥ / sahasraṃ rāyo mādayadhyai sahasriṇa upa no yantu vājāḥ
Tausend sind deine Hilfen für uns, Indra, tausend Labungen, Falbenlenker, höchst preiswürdige; tausend Güter, um (dich) zu berauschen – tausendfache Siegespreise sollen zu uns herankommen.
Zu uns sollen die Maruts mit Hilfen herkommen, oder mit den Vornehmsten, mit den vom hohen Himmel her, die guten Zauberkunst besitzen. Wenn nun ihre äußersten Gespanne – sogar jenseits des Meeres – Beute erstreben ...
mimyakṣa yeṣu sudhitā ghṛtācī hiraṇyanirṇiguparā na ṛṣṭiḥ / guhā carantī manuṣo na yoṣā sabhāvatī vidathyeva saṃ vāk
Die (Rede), die bei ihnen gut gesetzt ist und von Schmalz trieft, ist vermischt [?] – wie ein goldgeschmückter Speer; im Verborgenen wandelnd wie die Frau des Manu, ratsversammlungsbegabt, wie eine Rednerin bei der Vidatha, so (tönt) die Rede zusammen. [Anm.: mimyakṣa unsicher, wohl Perfekt zu √mi(ṣ)/√myakṣ ‚sich mischen, vereint sein‘; Bildrede der Rede als Frau, plausibel.]
parā śubhrā ayāso yavyā sādhāraṇyeva maruto mimikṣuḥ / na rodasī apa nudanta ghorā juṣanta vṛdhaṃ sakhyāya devāḥ
Die strahlenden, unermüdlich Eilenden, die Maruts, haben sich gemischt wie eine Gemeinsame [?] beim Gerstenfeld [?]. Die furchtbaren Götter stoßen Himmel und Erde nicht von sich weg; sie nehmen das Wachstum zur Freundschaft gern an. [Anm.: yavyā/sādhāraṇyā unsicher; vielleicht ‚wie eine Gemeinsame (Frau) am Gerstenacker‘ – spekulativ.]
Wort für Wort
parā
weg, fort (Präverb)
śubhrāḥ
strahlend, glänzend (Nom. Pl.)
ayāsaḥ
unermüdlich eilend [?] (Nom. Pl.)
yavyā
am Gerstenacker/Gerstenfluss [?] (Lok./Instr. Sg. f.)
Wenn die männlichen Sinnes Gesinnten Himmel und Erde, deren Rücken gelöst sind, hold begleiten wollen, so kommt die Göttliche, die Herrscherinnengleiche, zum Wagen – wie die Sonnentochter die Spenderin – mit leuchtendem Angesicht, als Führerin vom Himmelsraum her. [Anm.: asuryā ‚zur asura-Macht gehörig‘; die Beziehung der Frau zu den Maruts bleibt bildhaft-mehrdeutig.]
Wort für Wort
joṣat
gern annehmen soll (Aor. Konj. 3. Sg.)
yat
wenn (Konj.)
īm
ihn/sie (Partikel)
asuryā
die zur Herrschermacht (asura) gehörige (Nom. Sg. f.)
āsthāpayanta yuvatiṃ yuvānaḥ śubhe nimiṣlāṃ vidatheṣupajrām / arko yad vo maruto haviṣmān gāyad gāthaṃ sutasomo duvasyan
Die Jünglinge ließen die Jugendliche aufsteigen – zur Pracht –, die Unermüdliche [?], die bei den Vidathas Kräftige. Wenn der Sänger, der Gabenreiche, der Somapresser, euch, Maruts, verehrend, ein Lied singt ... [Anm.: Satz im zweiten Teil unvollständig (Nachsatz fehlt); nimiślām/pajrām unsicher.]
Wort für Wort
ā
hinauf (Präverb)
asthāpayanta
ließen stehen, stellten hinauf (3. Pl. Med. Kaus. Impf.)
prataṃ vivakmi vakmyo ya eṣāṃ marutāṃ mahimā satyo asti / sacā yadīṃ vṛṣamaṇā ahaṃyu sthirā cijjanīrvahate subhāgāḥ
Ich verkünde jene Verkündenswerte hervor: welche wahre Größe diese Maruts haben. Wenn sie sich gemeinsam mit stiergleichem Sinn, ichbezogen, zusammentun, so führen selbst die Festen die Frauen heim, die Glückreichen. [Anm.: Zeile 2 mehrdeutig; eine Ehe-/Heimführungs-Metapher ist plausibel, aber unsicher.]
Mitra und Varuṇa schützen vor Tadel; Aryaman erblickt/beobachtet die Unpreiswürdigen [?]. Auch die Festen geraten ins Wanken, die Unerschütterten; ihn haben die Maruts, die Gabenreichen, erstarken lassen. [Anm.: īm und die Verbformen (cayate, vavṛdhe) sind mehrdeutig; Satzbau unsicher.]
nahī nu vo maruto antyasme ārāttāccicchavaso antamāpuḥ / te dhṛṣṇunā śavasā śūśuvāṃso 'rṇo na dveṣo dhṛṣatā pari ṣṭhuḥ
Denn ihr, Maruts, seid uns nicht nah – und doch haben sie aus der Ferne das Ende eurer Kraft erreicht. Mit kühner Kraft, die Anschwellenden, standen sie um den Feind herum wie eine Flut, mutig [?]. [Anm.: ‚denn ihr seid uns nicht fern‘ ist als Alternative denkbar (nahi … anti asme); Wortlaut wörtlich, Kontext unsicher.]
vayamadyendrasya preṣṭhā vayaṃ śvo vocemahi samarye / vayaṃ purā mahi ca no anu dyūn tan na ṛbhukṣā narāmanu ṣyāt
Wir, Indras Liebste, wollen heute, wir morgen sprechen, im Kampf; wir früher und auch durch viele Tage hindurch: das soll uns sein, Ṛbhukṣan (Indra), im Kreis der Männer. [Anm.: Der letzte Halbsatz ist knapp und mehrdeutig; ṛbhukṣāḥ ist Anrede an Indra (Herr der Ṛbhus?) oder an die Maruts – unsicher.]
eṣa va stomo ... [Anm.: Saṃhitā-Text und Padapāṭha der Quelle stimmen an dieser Stelle nicht überein (verschoben oder gekürzt). Padapāṭha: eṣaḥ vaḥ stomaḥ marutaḥ iyam gīḥ māndāryasya mānyasya kāroḥ ā iṣā yāsīṣṭa tanve vayām vidyāma iṣam vṛjanam jīra-dānum]
Dies ist euer Loblied, Maruts, dies die Rede des zu preisenden, ehrwürdigen Sängers. Kommt her mit Labung, für den (eigenen) Leib – wir möchten Labung, Weg(bahnung) und Lebensgabe finden. [Anm.: Refrainvers; vṛjanam jīra-dānum ‚Lebensspende / schnell Gebendes‘ ist als Formel unsicher.]