Kapitel 71: ṛgvede 1.71 · upa pra jinvannuśatīruśantaṃ patiṃ na nityaṃ janayaḥ sanīḷāḥ
Agni, der versteckte Bote, Ahnherr und Freund
Agni wird von den 'Schwestern' (Bildrede: wohl Finger/Flüsse/Frauen) erquickt, von den Aṅgirasen mit dem Felsbruch und der Auffindung der Lichtstrahlen (Kühe) in Verbindung gebracht, von Mātariśvan hervorgequirlt und als Bote zu den Göttern gesandt. Mythologisch dunkel: 1.71.5 (Vater/Tochter-Bild), 1.71.8; die Schlussstrophe bittet um Fortbestand der Freundschaft.
upa pra jinvannuśatīruśantaṃ patiṃ na nityaṃ janayaḥ sanīḷāḥ / svasāraḥ śyāvīmaruṣīmajuṣrañcitramuchantīmuṣasaṃ na gāvaḥ
Die Begehrenden haben den Begehrenden erquickt, wie gleichnestige Frauen ihren Gatten immer; die Schwestern haben die dunkelbraune, rötliche [Anm.: Bezug unsicher: Flamme oder Nacht] geliebt, die bunte, wie die Kühe die aufleuchtende Uṣas.
Auch Festes und Befestigtes brachen unsere Väter mit Lobliedern, die Aṅgirasen den Fels mit Gebrüll. Sie schufen uns einen Weg des hohen Himmels; Tag, Licht (svar) und das Banner fanden die Kühe/Strahlen (usrāḥ) [Anm.: Bildrede vom Rinderraub-Mythos: Kühe = Lichtstrahlen].
Die Ordnung (ṛta) festhaltend, sein Denken/seine Schau fruchtbar machend [?] – da (erst) die Herren, die Stützen, die Verteilten [?]; die Unermüdlichen, Werktätigen gehen zu den Göttern hin, das Geschlecht (der Götter) mit Labung mehrend [Anm.: der Vers ist stark verkürzt; Bezug aller Subjekte unsicher].
Wort für Wort
dadhan
setzend/haltend (Part. Nom. Sg.)
ṛtam
Ordnung/Wahrheit (Akk. Sg.)
dhanayan
zur Frucht bringend/ertragreich machend (Part. Nom. Sg.) [?]
asya
dessen (Gen. Sg.)
dhītim
Gedankenschau (Akk. Sg.)
āt
dann (Adv.)
it
eben (Partikel)
aryaḥ
Herren/Fremde (Nom. Pl.)
dadhiṣvaḥ
Stützen/Träger (Nom. Pl.) [?]
vi-bhṛtrāḥ
verteilt/an verschiedene Orte gebracht (Nom. Pl.) [?]
Als Mātariśvan ihn hervorgequirlt hatte, den Verteilten [Anm.: vibhṛtaḥ bezieht sich wohl auf Agni], wurde er in Haus um Haus hell/weißlich, edel/gutgeboren. Dann ging der Bhṛgu-gleiche [?], (mit ihm) vereint, zum Botendienst hin, wie (man) zu einem stärkeren König (geht).
Als er (?) dem großen Vater, dem Himmel, den Saft [?] darbrachte, da schlich der gesprenkelte Wahrnehmende herab; der Schütze ließ mit Kühnheit sein Geschoss auf ihn los; der Gott legte in seine eigene Tochter Glanz/Erregung [Anm.: mythologisch dunkel; Bezug wohl auf Himmel und Tochter (Uṣas?), Deutung unsicher].
sva ā yastubhyaṃ dama ā vibhāti namo vā dāśāduśato anu dyūn / vardho agne vayo asya dvibarhā yāsad rāyā sarathaṃ yaṃ junāsi
Wer dir im eigenen Haus erstrahlt oder Tag um Tag als Begehrender Verehrung (namas) darbringt – Agni, mehre sein Lebenskraft (vayas), doppelt stark; er möge mit Reichtum gelangen, den, (der) im gemeinsamen Wagen (fährt), den du antreibst [?].
agniṃ viśvā abhi pṛkṣaḥ sacante samudraṃ na sravataḥ sapta yahvīḥ / na jāmibhirvi cikite vayo no vidā deveṣu pramatiṃ cikitvān
Zu Agni halten sich alle Stärkungen/Nahrungen, wie die sieben mächtigen Strömenden zum Meer. Nicht durch Verwandte wird unsere Lebenskraft unterschieden [?]; erwirb bei den Göttern Wohlwollen, du Kundiger.
Wort für Wort
agnim
Agni (Akk. Sg.)
viśvāḥ
alle (Nom. Pl. f.)
abhi
hin zu (Präp.)
pṛkṣaḥ
Nahrungen/Stärkungen (Nom. Pl.)
sacante
folgen/schließen sich an (3. Pl. Präs. Med.)
samudram
Meer (Akk. Sg.)
na
wie
sravataḥ
Strömende/Flüsse (Nom. Pl.)
sapta
sieben (Nom. Pl.)
yahvīḥ
mächtige/Jugendliche (Nom. Pl. f.)
na
nicht
jāmibhiḥ
durch Verwandte/Gleichartige (Instr. Pl.)
vi
auseinander (Präverb)
cikite
wird erkannt/unterschieden (3. Sg. Perf. Med.) [?]
Als der Glanz zur Erlangung/Kraft den Herrn der Männer erreichte, (als) der reine Same eingegossen wurde, der Himmel (ihm) nahe [war] – da zeugte Agni die untadelige Schar/Kraft, den jungen, wohlgesinnten (?), und richtete/lenkte (ihn) [Anm.: Bildrede von Zeugung; Bezug von yuvānam svādhyam unsicher].
mano na yo 'dhvanaḥ sadya etyekaḥ satrā sūro vasva īśe / rājānā mitrāvaruṇā supāṇī goṣu priyamamṛtaṃ rakṣamāṇā
Der wie der Gedanke im Nu die Strecken durcheilt, der allein, allezeit, als Sonne/Herr über die Güter gebietet; die beiden Könige Mitra und Varuṇa, schönhändig, hüten in den Kühen das liebe Unsterbliche [Anm.: 'in den Kühen' = wohl Milchbild; Deutung offen].
mā no agne sakhyā pitryāṇi pra marṣiṣṭhā abhi viduṣ kaviḥ san / nabho na rūpaṃ jarimā mināti purā tasyā abhiśasteradhīhi
Nicht, Agni, sollst du unsere von den Vätern (ererbten) Freundschaften aufgeben/vergessen, (du,) der du als Kundiger, als Seher (uns) kennst. Wie den Nebel/die Wolke die Gestalt (schwindet), mindert das Alter (meine Gestalt) [?]; bevor jener Anfeindung (trifft), nimm dich (unser) an [?].