Kapitel 114: ṛgvede 1.114 · imā rudrāya tavase kapardine kṣayadvīrāya pra bharāmahe matīḥ
Bitte an Rudra um Gnade und Schonung von Mensch und Vieh
Lied an Rudra mit der zentralen Bitte, er möge nicht töten und schädigen, sondern Heil für Menschen und Vieh bringen. Schwierig sind vaṅku (V. 4), ukṣant/ukṣita (V. 7) und der Halbvers 10ab (was „rinder- und menschentötend" hier bezeichnet). Der Schlussvers ist ein Refrain, in der Quelle im Saṃhitā-Text abgebrochen.
Diese Gebete bringen wir dem starken Rudra dar, dem Zopfträger, dem Herrscher über die Männer, / damit Heil sei dem Zweifüßigen und dem Vierfüßigen und in diesem Dorf alles gedeihe und frei von Krankheit sei.
mṛḷā no rudrota no mayas kṛdhi kṣayadvīrāya namasā vidhemate / yacchaṃ ca yośca manurāyeje pitā tadaśyāma tavarudra praṇītiṣu
Sei gnädig, Rudra, und schaffe uns Wohlbehagen; dem Herrscher über die Männer wollen wir mit Verneigung huldigen. / Das Heil und den Segen, die Manu, der Vater, [durch Verehrung] erbat – das möchten wir unter deiner Führung erlangen, Rudra.
aśyāma te sumatiṃ devayajyayā kṣayadvīrasya tava rudra mīḍhvaḥ / sumnāyannid viśo asmākamā carāriṣṭavīrā juhavāma te haviḥ
Wir möchten dein Wohlwollen erlangen durch Götterverehrung, das Wohlwollen des über Männer Herrschenden, deines, Rudra, des Spendenreichen. / Komm nur gnädig gesinnt zu unseren Stämmen; mit unversehrten Männern wollen wir dir die Darbringung darbieten.
Den grellen Rudra, den Vollender der Verehrungshandlung, den Gewundenen [?], den Seher, rufen wir zur Hilfe herab. / Fern von uns schleudere er den göttlichen Groll; nur sein Wohlwollen erbitten wir.
Wort für Wort
tveṣam
den Grellen, Feurigen (Akk. Sg.)
vayam
wir
rudram
Rudra (Akk. Sg.)
yajña-sādham
die Verehrungshandlung zum Ziel führend (Akk. Sg.)
Den Eber des Himmels, den rötlichen, den Zopfträger, die grelle Gestalt, rufen wir mit Verneigung herab. / Wünschenswerte Heilmittel in der Hand tragend, möge er uns Schutz, Schirm und Dach gewähren. [Anm.: „Eber" ist Bildrede; plausibel eine Naturerscheinung wie Sturm oder Gewitterwesen, spekulativ.]
idaṃ pitre marutāmucyate vacaḥ svādoḥ svādīyo rudrāya vardhanam / rāsvā ca no amṛta martabhojanaṃ tmane tokā<ya tanayāya mṛḷa
Diese Rede wird gesprochen für den Vater der Marut, süßer als Süßes, dem Rudra zur Stärkung. / Gib uns auch, Unsterblicher, was Sterbliche genießen können; für uns selbst, für Kind und Nachkommenschaft sei gnädig.
mā no mahāntamuta mā no arbhakaṃ mā na ukṣantamuta māna ukṣitam / mā no vadhīḥ pitaraṃ mota mātaraṃ mā naḥ priyāstanvo rudra rīriṣaḥ
Nicht [töte] uns den Großen, nicht den Kleinen, nicht den Zeugenden, nicht den Gezeugten [?]; / töte uns nicht Vater und nicht Mutter; nicht unsere lieben Leiber verletze, Rudra. [Anm.: ukṣant/ukṣita wörtlich „Besprengender/Besprengter"; Lebensalter, Zeugender/Gezeugter oder Aufwachsender/Herangewachsener möglich.]
Wort für Wort
mā
nicht (Prohibitiv)
naḥ
uns (Akk.)
mahāntam
den Großen, Erwachsenen (Akk. Sg.)
uta
und, auch
mā
nicht
naḥ
uns
arbhakam
den Kleinen (Akk. Sg.)
mā
nicht
naḥ
uns
ukṣantam
den Zeugenden/Erstarkenden (Part. Akk. Sg.) [?]
uta
und
mā
nicht
naḥ
uns
ukṣitam
den Gezeugten/Herangewachsenen (Part. Akk. Sg.) [?]
mā nastoke tanaye mā na āyau mā no goṣu mā no aśveṣurīriṣaḥ / vīrān mā no rudra bhāmito vadhīrhaviṣmantaḥsadamit tvā havāmahe
Nicht verletze uns an Kind und Nachkommenschaft, nicht an Lebenskraft, nicht an Rindern, nicht an Rossen; / unsere Männer töte nicht im Zorn, Rudra; mit Darbringungen versehen rufen wir dich allezeit.
upa te stomān paśupā ivākaraṃ rāsvā pitarmarutāṃ sumnamasme / bhadrā hi te sumatirmṛḷayattamāthā vayamava itte vṛṇīmahe
Lobgesänge habe ich dir zugeführt wie ein Viehhüter. / Gib uns, Vater der Marut, Gunst; gut ist dein Wohlwollen, das gnädigste; darum erbitten wir gerade deine Hilfe.
āre te goghnamuta pūruṣaghnaṃ kṣayadvīra sumnamasme teastu / mṛḷā ca no adhi ca brūhi devādhā ca naḥ śarma yachadvibarhāḥ
Fern von uns sei, was bei dir Rinder tötet und Menschen tötet [Anm.: Waffe/Geschoss ergänzt, wörtlich nur „Rinder-/Menschentötendes"]; uns sei deine Gunst zuteil, Herrscher über die Männer. / Sei gnädig und sprich für uns, du Gott; und dann gewähre uns Schutz, du Doppelgewaltiger [?].
avocāma namo asmā avasyavaḥ śṛṇotu no havaṃ rudro marutvān / tan no ...
Wir haben ihm Verneigung zugesprochen, Hilfe suchend; es höre unseren Ruf Rudra samt den Marut. / Das mögen uns Mitra, Varuṇa, Aditi, der Strom, die Erde und der Himmel gewähren.