Kapitel 121: ṛgvede 1.121 · kaditthā nṝnḥ pātraṃ devayatāṃ śravad giro aṅgirasāṃ turaṇyan
Indras Taten: Stützung des Himmels, Öffnung der Rinderhöhle, Sieg über Śuṣṇa
Preislied auf Indra mit Rückblicken auf Taten (Himmelsstützung, Befreiung der Rinder mit den Aṅgiras, Śuṣṇa, Vṛtra) und einer Schlussbitte um Schutz und Güter. Der Text ist an vielen Stellen sehr knapp und sprachlich schwierig; viele Deutungen bleiben unsicher.
Wird er wohl so der Männer Schutz [oder: Trinkgefäß; ?], (den) der Götterbegehrenden, (und) die Lieder der Aṅgiras hören, eilend? Als er die Sippen des Hausherrn [?] erreicht hatte, schreitet der Verehrungswürdige weit aus bei der Weihehandlung.
stambhīd dha dyāṃ sa dharuṇaṃ pruṣāyad ṛbhurvājāya draviṇaṃ naro goḥ / anu svājāṃ mahiṣaścakṣata vrāṃ menāmaśvasya pari mātaraṃ goḥ
Er stützte den Himmel, ließ den Halt träufeln, der Ṛbhu-Gleiche [?], für den Siegespreis das Gut der Rind-Männer [?]. Danach beobachtete der Büffel die Selbstgeborene, die Hülle, die Gefährtin des Rosses, die Mutter der Kuh [Anm.: Vers stark verrätselt; Deutung offen].
Er erreichte den Ruf, (er), der erste unter den rötlichen (Rindern) [?], der Herrscher, der Eilende der Sippen, nach den Tagen der Aṅgiras. Er zimmerte den Donnerkeil, die Gespanne; er stützte den Himmel – für das Vierfüßige, für das männliche Zweifüßige.
asya made svaryaṃ dā ṛtāyāpīvṛtamusriyāṇāmanīkam / yad dha prasarge trikakuṃ nivartadapa druho mānuṣasya duro vaḥ
Im Rausch von diesem gabst du dem Ṛta das Himmlische: das aufgedeckte Antlitz der Kühe [Anm.: „usriya“ = Kuh/Lichtkuh]; als beim Hervorbrechen der Dreigipfelige zurückwich, hast du die Türen des Menschen vor dem Trug [?] aufgeschlossen.
Dir (galt) die Milch, als die beiden Eltern die Gabe herbeibrachten, die vom guten Samen, die beiden Eifrigen im Eilen; die reine (Milch), als sie deine Erbgüter weihten, die Milch der saftmelkenden Kuh [Anm.: Deutung im Einzelnen unsicher].
adha pra jajñe taraṇirmamattu pra rocyasyā uṣaso na sūraḥ / induryebhirāṣṭa sveduhavyaiḥ sruveṇa siñcañ jaraṇābhi dhāma
Dann wurde der Eilende geboren; er soll sich laben. Hervor leuchtete er wie die Sonne dieser Morgenröte. Der Tropfen (Soma), mit dem er [?] (die Gaben) ergriff, mit den eigenen süßen Spenden, mit dem Löffel gießend, singend, (kommt) zu den Stätten [Anm.: Subjekt und Bezüge unsicher].
svidhmā yad vanadhitirapasyāt sūro adhvare pari rodhanā goḥ / yad dha prabhāsi kṛtvyānanu dyūnanarviśe paśviṣeturāya
Wenn der gut Brennholz habende Holzhalter [?] Werke tat, (oder) die Sonne, bei der Weihehandlung, rings um die Schranken der Kuh; wenn du an den wirkmächtigen Tagen aufleuchtest – für den ungehemmten [?] Vieh-Eifrigen, den Eilenden.
[Du], acht [?], nahmst vom großen Himmel die beiden Falben hierher, den glanzüberwältigenden; als Kämpfer gingst du auf die Quelle los [?]. Den gelben, dich erfreuenden, rinderungestümen, windschnellen (Soma) molken sie mit den Pressteinen dir zum Wachstum.
Du ließest gegen die Kuh den eisernen, vom Geschickten herangeführten Stein des Himmels rollen [?] – für Kutsa, wo du, Vielgerufener, Śuṣṇa (niederzuwerfen) wolltest und ihn mit unendlichen Schlägen umringst.
purā yat sūrastamaso apītestamadrivaḥ phaligaṃ hetimasya / śuṣṇasya cit parihitaṃ yadojo divas pari sugrathitaṃ tadādaḥ
Bevor die Sonne vom Eintritt in die Finsternis (?) – den, Steinebesitzer, hat er, den Spalt-Gänger [?], die Waffe von diesem [?]; auch die Kraft des Śuṣṇa, die umhüllt war, die vom Himmel her gut geknüpft war, die nahmst du weg [Anm.: Satzbau unsicher].
Dir zu Gefallen mögen die beiden großen, kraftvollen, radlosen [?] Himmel und Erde sich in deinem Werk erfreuen, Indra. Du hast Vṛtra, der in den Adern lag, mit dem großen Keil eingeschläfert, den Eber(gleichen) [?].
Wort für Wort
anu
nach/dir folgend
tvā
dich (Akk.)
mahī iti
die beiden großen (Nom. Du. f.)
pājasī iti
die beiden kraftvollen (Nom. Du. f.)
acakre iti
die beiden radlosen/ununterbrochenen [?] (Nom. Du. f.)
Du, Indra, männerfreundlich, besteige die Männer [?], die du gefördert hast, die von den Winden gut angeschirrten, besten Fahrer [?]; den erfreuenden, Vṛtra erschlagenden, durchdringenden Keil, den dir Kāvya Uśanā gab, hat er gezimmert.
Du, wie die Sonne, ließest die Falben, die Männer rasten [?]; Etaśa trug das Rad [Anm.: Sonnenmythos]. Du gelangtest zum Ende von neunzig Schiffbaren [?], Indra, und wälztest die Nicht-Verehrenden in die Grube.
Wort für Wort
tvam
du (Nom. Sg.)
sūraḥ
Sonne (Nom. Sg.)
haritaḥ
Falben/Rosse (Akk. Pl.)
ramayaḥ
du ließest rasten/anhalten (2. Sg. Impf.)
nṝn
Männer (Akk. Pl.)
bharat
er trug (3. Sg. Aor.)
cakram
Rad (Akk. Sg.)
etaśaḥ
Etaśa (Nom. Sg.)
na
wie
ayam
dieser (Nom. Sg.)
indra
Indra (Vok.)
pra-asya
hinüber, von diesem (Präverb + Gen. Sg.; PP „pra-asya“ mit „avartayaḥ“ verbunden)
pāram
Ende/jenseitiges Ufer (Akk. Sg.)
navatim
neunzig (Akk.)
nāvyānām
der Schiffbaren (Gen. Pl.)
api
auch/und
kartam
Grube (Akk. Sg.; „du ließest rollen“ folgt im Satz)
tvaṃ no asyā indra durhaṇāyāḥ pāhi vajrivo duritādabhīke / pra no vājān rathyo aśvabudhyāniṣe yandhi śravase sūnṛtāyai
Du, Indra, schütze uns vor diesem Unheil, Keilträger, vor dem Missgeschick in der Nähe. Als Wagenlenker reiche uns die Siegespreise, (die) ihren Grund in Rossen haben, zu Labung, zu Ruhm, zu Freundlichkeit.
mā sā te asmat sumatirvi dasad vājapramahaḥ samiṣo varanta / ā no bhaja maghavan goṣvaryo maṃhiṣṭhāste sadhamādaḥ syāma
Diese deine Gunst soll nicht von uns weg verschwinden; die siegespreisreichen Erquickungen mögen (uns) umschließen [?]. Gib uns Anteil, Gabenherr, bei den Rindern, Herr; wir wollen deine freigebigsten Zechgenossen sein.
Wort für Wort
mā
nicht
sā
diese (Nom. Sg. f.)
te
deine (Gen. Sg.)
asmat
von uns (Abl.)
su-matiḥ
Gunst/Wohlwollen (Nom. Sg.)
vi
weg/auseinander
dasat
sie soll schwinden (3. Sg. Aor. Inj.)
vāja-pramahaḥ
Siegespreis-reich [?] (Nom. Pl. m.)
sam
zusammen
iṣaḥ
Erquickungen (Akk. Pl.)
varanta
sie sollen umschließen/wählen (3. Pl. Aor. Med.) [?]