Quellen der Menschheit

Ṛgveda · Maṇḍala 1

Kapitel 144: ṛgvede 1.144 · eti pra hotā vratamasya māyayordhvāṃ dadhānaḥ śucipeśasaṃ dhiyam Lied auf Agni: Gang zu den Löffeln, Geburt im Schoß, Anruf

Agni-Lied mit Bildern von Löffeln, Milchströmen, Zwillingspaar (Reibhölzer bzw. Tag und Nacht) und den zehn Fingern. Vers 6 ist im Padapāṭha der Quelle verstümmelt (nur 7 Token), die Analyse dort unsicher.

eti pra hotā vratamasya māyayordhvāṃ dadhānaḥ śucipeśasaṃ dhiyam / abhi srucaḥ kramate dakṣiṇāvṛto yā asya dhāma prathamaṃ ha niṃsate

Der Rufer geht hervor, seine Satzung durch Zauberkraft (erfüllend), den rein gestalteten Gedanken aufwärts tragend; / er schreitet auf die Löffel zu, rechtsherum gewendet, die seinen ersten Sitz küssen [?].

Wort für Wort
eti
geht (3. Sg.)
pra
hervor (Präv.)
hotā
Rufer (Nom. Sg.)
vratam
Satzung (Akk. Sg.)
asya
seine (Gen. Sg.)
māyayā
durch Zauberkraft (Instr. Sg.)
ūrdhvām
aufwärts (Akk. Sg. f.)
dadhānaḥ
tragend (Nom. Sg. m.)
śuci-peśasam
mit reiner Gestalt (Akk. Sg. f.)
dhiyam
Gedanke (Akk. Sg.)
abhi
zu (Präv.)
srucaḥ
Löffel (Akk. Pl.)
kramate
schreitet (3. Sg. Med.)
dakṣiṇāāvṛtaḥ
rechtsherum gewendet (Nom. Sg. m.)
yāḥ
die (Nom. Pl. f.)
asya
seinen (Gen. Sg.)
dhāma
Sitz (Akk. Sg.)
prathamam
ersten (Akk. Sg. n.)
ha
ja (ha)
niṃsate
küssen, berühren [?] (3. Pl. Med.)

abhīm ṛtasya dohanā anūṣata yonau devasya sadane parīvṛtāḥ / apāmupasthe vibhṛto yadāvasadadha svadhā adhayad yābhirīyate

Zu ihm haben die Melkungen des ṛta gejubelt, im Schoß, im Sitz des Gottes umringt; / im Schoß der Wasser verteilt, als er sich niederließ; dann trank er die Eigenkräfte, mit denen er in Gang gesetzt wird.

Wort für Wort
abhi
zu (Präv.)
īm
ihn (īm)
ṛtasya
des ṛta (Gen. Sg.)
dohanāḥ
Melkungen, Milchströme (Nom. Pl.)
anūṣata
haben gejubelt (3. Pl. Aor. Med.)
yonau
im Schoß (Lok. Sg.)
devasya
des Gottes (Gen. Sg.)
sadane
im Sitz (Lok. Sg.)
pari-vṛtāḥ
umringt (Nom. Pl. f.)
apām
der Wasser (Gen. Pl.)
upa-sthe
im Schoß (Lok. Sg.)
vi-bhṛtaḥ
verteilt (Nom. Sg. m.)
yat
als
ā
herzu (Präv.)
avasat
ließ sich nieder (3. Sg. Impf.)
adha
dann
svadhāḥ
Eigenkräfte (Akk. Pl.)
adhayat
trank (3. Sg. Impf.)
yābhiḥ
mit denen (Instr. Pl.)
īyate
wird in Gang gesetzt (3. Sg. Pass.)

yuyūṣataḥ savayasā tadid vapuḥ samānamarthaṃ vitaritratā mithaḥ / ādīṃ bhago na havyaḥ samasmadā voḷhurna raśmīn samayaṃsta sārathiḥ

Von den beiden Gleichaltrigen, die sich zu verbinden trachten [?], ist eben jene Erscheinung; das gemeinsame Ziel (verfolgen) sie, einander hinüberführend. / Dann wird er wie Bhaga angerufen, zusammen von uns her; wie ein Wagenführer die Zügel, so hielt er sie zusammen. [Anm.: yuyūṣataḥ „sich verbinden wollend / sich trennen wollend“ zweideutig; wahrscheinlich Bild der beiden Reibhölzer bzw. von Tag und Nacht; unsicher.]

Wort für Wort
yuyūṣataḥ
von den sich zu verbinden Trachtenden [?] (Gen. Du.)
sa-vayasā
von den Gleichaltrigen (Gen. Du.)
tat
eben (tad)
it
gerade (it)
vapuḥ
Erscheinung (Nom. Sg. n.)
samānam
gemeinsam (Akk. Sg. m.)
artham
Ziel (Akk. Sg.)
vi-taritratā
einander hinüberführend (Nom. Du.)
mithaḥ
gegenseitig, miteinander (Adv.)
ādt
dann
īm
ihn (īm)
bhagaḥ
Bhaga (Nom. Sg.)
na
wie
havyaḥ
anzurufen (Nom. Sg. m.)
sam
zusammen (Präv.)
asmat
von uns (Abl. Pl.)
ā
her (Präv.)
voḷhuḥ
des Fahrers (Gen. Sg.)
na
wie
raśmīn
Zügel (Akk. Pl.)
sam
zusammen (Präv.)
ayaṃsta
hielt (3. Sg. Aor. Med.)
sārathiḥ
Wagenlenker (Nom. Sg.)

yamīṃ dvā savayasā saparyataḥ samāne yonā mithunā samokasā / divā na naktaṃ palito yuvājani purū carannajaro mānuṣā yugā

Den die beiden Gleichaltrigen verehren, im selben Schoß, als Paar, im gemeinsamen Haus: / bei Tag wie bei Nacht wurde der Graue als Junger geboren, vieles durchwandernd, alterslos, durch die Menschenzeitalter.

Wort für Wort
yam
den (Akk. Sg. m.)
īm
ihn (īm)
dvā
zwei (Nom. Du.)
sa-vayasā
die Gleichaltrigen (Nom. Du.)
saparyataḥ
sie verehren (3. Du. Med.)
samāne
im gleichen (Lok. Sg.)
yonā
im Schoß (Lok. Sg.)
mithunā
als Paar (Nom. Du.)
sam-okasā
im gemeinsamen Haus (Nom. Du. m.)
divā
bei Tag (Adv.)
na
wie, nicht (na)
naktam
bei Nacht (Adv.)
palitaḥ
grau (Nom. Sg. m.)
yuvā
jung (Nom. Sg. m.)
ajani
wurde geboren (3. Sg. Aor. Pass.)
puru
vieles (Akk. Pl. n.)
caran
wandernd (Nom. Sg. m.)
ajaraḥ
alterslos (Nom. Sg. m.)
mānuṣā
menschlich (Akk. Pl. n.)
yugā
Zeitalter (Akk. Pl.)

tamīṃ hinvanti dhītayo daśa vriśo devaṃ martāsa ūtaye havāmahe / dhanoradhi pravata ā sa ṛṇvatyabhivrajadbhirvayunā navādhita

Ihn treiben die zehn Gedanken (Finger) an, wir Sterblichen rufen den Gott zur Hilfe. / Von der Höhe [?] herab kommt er heran; mit Herandrängenden [?] hat er neue Wege eingeschlagen [?]. [Anm.: „zehn Gedanken“ hier wohl die zehn Finger; plausibel.]

Wort für Wort
tam
ihn (Akk. Sg.)
īm
ihn (īm)
hinvanti
sie treiben an (3. Pl.)
dhītayaḥ
Gedanken, Andachten (Nom. Pl.)
daśa
zehn (Nom.)
vriśaḥ
Ausgestreckte, Zweige [?] (Nom. Pl.)
devam
Gott (Akk. Sg.)
martāsaḥ
wir Sterblichen (Nom. Pl.)
ūtaye
zur Hilfe (Dat. Sg.)
havāmahe
wir rufen (1. Pl. Med.)
dhanoḥ
von der Trockenfläche, vom Bogen [?] (Abl. Sg.)
adhi
über, auf (adhi)
pra-vataḥ
von der Höhe, Abhang (Abl. Sg.)
ā
her (Präv.)
saḥ
er (Nom. Sg. m.)
ṛṇvati
kommt, regt sich (3. Sg.)
abhivrajat-bhiḥ
mit Herandrängenden [?] (Instr. Pl.)
vayunā
mit Wegweisungen, Pfaden [?] (Instr. Pl.)
navā
neue (Akk. Pl. n.)
adhita
hat angenommen [?] (3. Sg. Aor. Med.)

tvaṃ hyagne divyasya rājasi tvaṃ pārthivasya paśupā iva tmanā / enī ta ete bṛhatī abhiśriyā hiraṇyayī vakvarī barhirāśāte [Anm.: Saṃhitā-Text und Padapāṭha der Quelle stimmen an dieser Stelle nicht überein (verschoben oder gekürzt). Padapāṭha: iti bṛhatī iti abhi-śriyā hiraṇyayī iti vakvarī iti barhiḥ āśāteiti]

Denn du, Agni, herrschst über das Himmlische, du über das Irdische, wie ein Hirte, aus eigener Kraft. / (Diese beiden) ..., die großen, dich umschmückenden, goldenen, beweglichen (Frauen) erlangen die Streu. [Anm.: PP ist verkürzt (nur 7 Token, „enī ta ete“ fehlt); Deutung des zweiten Halbverses unsicher.]

Wort für Wort
iti
iti (Rest, PP verstümmelt) [?]
bṛhatī iti
die beiden Großen (Nom. Du.)
abhi-śriyā
dich umschmückend (Nom. Du. f.)
hiraṇyayī iti
die beiden goldenen (Nom. Du.)
vakvarī iti
die beiden Beweglichen (Nom. Du.)
barhiḥ
Streu (Akk. Sg.)
āśāteiti
die beiden erlangen (3. Du. Med.)

agne juṣasva prati harya tad vaco mandra svadhāva ṛtajāta sukrato / yo viśvataḥ partyaṃṃ asi darśato raṇvaḥ sandṛṣṭau pitumāniva kṣayaḥ

Agni, genieße und begehre dieses Wort, du Erfreulicher, Eigenmächtiger, im ṛta Geborener, Weiser; / der du von allen Seiten zugewandt bist, sehenswert, erfreulich im Anblick, wie ein Wohnsitz voll Nahrung.

Wort für Wort
agne
Agni (Vok. Sg.)
juṣasva
genieße (2. Sg. Imp. Med.)
prati
entgegen (Präv.)
harya
begehre (2. Sg. Imp.)
tat
dieses (Akk. Sg. n.)
vacaḥ
Wort (Akk. Sg.)
mandra
du Erfreulicher (Vok. Sg.)
svadhāvaḥ
du Eigenmächtiger (Vok. Sg.)
ṛta-jāta
im ṛta Geborener (Vok. Sg.)
sukrato itisu-krato
du Weiser (Vok. Sg.)
yaḥ
der (Nom. Sg. m.)
viśvataḥ
von allen Seiten (Adv.)
pratyaṅ
zugewandt (Nom. Sg. m.)
asi
du bist (2. Sg.)
darśataḥ
sehenswert (Nom. Sg. m.)
raṇvaḥ
erfreulich (Nom. Sg. m.)
sam-dṛṣṭau
im Anblick (Lok. Sg.)
pitumān-iva
wie ein Nahrungsreicher (Nom. Sg. + wie)
kṣayaḥ
Wohnsitz (Nom. Sg.)

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