Quellen der Menschheit

Ṛgveda · Maṇḍala 1

Kapitel 125: ṛgvede 1.125 · prātā ratnaṃ prātaritvā dadhāti taṃ cikitvān pratigṛhyāni dhatte Lob des freigebigen Gönners und der Dakṣiṇā

Preis des Gönners, der früh am Morgen gibt, und des Lohns (dakṣiṇā), den der Sänger oder Priester empfängt; der Geber wird mit Lebenskraft, Gedeihen und einem Platz bei den Göttern belohnt, der Nichtgeber mit Not bedroht. Die Bildrede in v. 2 (mukṣījayā … padim) ist unklar.

prātā ratnaṃ prātaritvā dadhāti taṃ cikitvān pratigṛhyāni dhatte / tena prajāṃ vardhayamāna āyū rāyas poṣeṇa sacate suvīraḥ

Der Frühgänger legt am Morgen den Schatz dar; der Kundige nimmt ihn an und bewahrt ihn. Damit seine Nachkommenschaft mehrend, gewinnt der Lebenskräftige Anteil am Gedeihen des Reichtums, reich an guten Söhnen.

Wort für Wort
prātriti
am Morgen (Adv.; PP „prātar“ mit „iti“)
ratnam
Schatz/Kleinod (Akk. Sg.)
prātaḥ-itvā
der am Morgen Ausgehende (Nom. Sg.)
dadhāti
er legt/gibt (3. Sg.)
tam
ihn (Akk.)
cikitvān
der Kundige (Nom. Sg.)
prati-gṛhya
annehmend (Ger.)
ni
hinein/nieder
dhatte
er legt/bewahrt (3. Sg. Med.)
tena
dadurch (Instr. Sg.)
prajām
Nachkommenschaft (Akk. Sg.)
vardhayamānaḥ
mehrend (Nom. Sg.)
āyuḥ
Lebenskraft/Lebensdauer [?] (Nom./Akk. Sg.)
rāyaḥ
des Reichtums (Gen. Sg.)
poṣeṇa
mit Gedeihen (Instr. Sg.)
sacate
er verbindet sich/hängt an (3. Sg. Med.)
su-vīraḥ
reich an guten Söhnen (Nom. Sg.)

sugurasat suhiraṇyaḥ svaśvo bṛhadasmai vaya indro dadhāti / yastvāyantaṃ vasunā prātaritvo mukṣījayeva padimutsināti

Gute Weiden [oder: Rinder] soll er haben, gutes Gold, gute Rosse; große Lebenskraft verleiht ihm Indra, der dich, der du mit Gut heranziehst, als Frühgänger wie mit dem Fangnetz [?] den Fuß(gänger) hochreißt [?] [Anm.: die Bildrede ist unklar].

Wort für Wort
su-guḥ
gute Rinder/Weiden habend (Nom. Sg.)
asat
er soll sein (3. Sg. Aor. Opt.)
su-hiraṇyaḥ
gutes Gold habend (Nom. Sg.)
su-aśvaḥ
gute Rosse habend (Nom. Sg.)
bṛhat
groß (Akk. Sg. n.)
asmai
ihm (Dat.)
vayaḥ
Lebenskraft (Akk. Sg.)
indraḥ
Indra (Nom. Sg.)
dadhāti
er verleiht (3. Sg.)
yaḥ
der (Nom. Sg.)
tvā
dich (Akk.)
āyantam
herankommend (Akk. Sg.)
vasunā
mit Gut (Instr. Sg.)
prātaḥ-itvaḥ
Frühgänger (Nom. Sg.)
mukṣījayāiva
wie mit einem Fangnetz [?] (Instr. Sg.)
padim
Fuß/Fußgänger [?] (Akk. Sg.)
ut-sināti
er reißt hoch/löst aus [?] (3. Sg.)

āyamadya sukṛtaṃ prātarichanniṣṭeḥ putraṃ vasumatā rathena / aṃśoḥ sutaṃ pāyaya matsarasya kṣayadvīraṃ vardhaya sūnṛtābhiḥ

Ich bin heute gekommen, den Wohltäter am Morgen suchend, den Sohn der (Opfer-)Gabe [?], mit gütervollem Wagen. Lass (ihn) vom gepressten Saft des berauschenden Aṃśu trinken; den, der über Männer gebietet, fördere mit Freundlichkeiten.

Wort für Wort
āyam
ich kam (1. Sg. Aor.) [?]
adya
heute
su-kṛtam
den Wohltäter (Akk. Sg.)
prātaḥ
am Morgen (Adv.)
icchan
suchend (Nom. Sg.)
iṣṭeḥ
der Gabe/Verehrung (Gen. Sg.) [?]
putram
Sohn (Akk. Sg.)
vasumatā
mit gütervollem (Instr. Sg.)
rathena
mit dem Wagen (Instr. Sg.)
aṃśoḥ
des Aṃśu/Somastängels (Gen. Sg.)
sutam
gepressten (Akk. Sg.)
pāyaya
lass trinken (2. Sg. Kaus. Imp.)
matsarasya
des berauschenden (Gen. Sg.)
kṣayat-vīram
über Männer gebietend (Akk. Sg.)
vardhaya
fördere (2. Sg. Kaus. Imp.)
sūnṛtābhiḥ
mit Freundlichkeiten (Instr. Pl.)

upa kṣaranti sindhavo mayobhuva ījānaṃ ca yakṣyamāṇaṃ cadhenavaḥ / pṛṇantaṃ ca papuriṃ ca śravasyavo ghṛtasya dhārā upa yanti viśvataḥ

Zu dem, der (schon) geweiht hat, und zu dem, der weihen wird, fließen die Ströme, die Wohltäter; (dahin kommen) die Milchkühe. Zu dem Freigebigen und dem Sättigenden, Ruhm Suchenden kommen von allen Seiten die Ströme des Schmalzes.

Wort für Wort
upa
hin
kṣaranti
sie fließen (3. Pl.)
sindhavaḥ
Ströme (Nom. Pl.)
mayaḥ-bhuvaḥ
Wohlsein bringend (Nom. Pl.)
ījānam
der geweiht hat (Akk. Sg.)
ca
und
yakṣyamāṇam
der weihen wird (Akk. Sg.)
ca
und
dhenavaḥ
Milchkühe (Nom. Pl.)
pṛṇantam
den Freigebigen (Akk. Sg.)
ca
und
papurim
den Sättigenden/Spendenden (Akk. Sg.)
ca
und
śravasyavaḥ
ruhmsuchend (Nom. Pl.)
ghṛtasya
des Schmalzes (Gen. Sg.)
dhārāḥ
Ströme (Nom. Pl.)
upa
hin
yanti
sie kommen (3. Pl.)
viśvataḥ
von allen Seiten

nākasya pṛṣṭhe adhi tiṣṭhati śrito yaḥ pṛṇāti sa ha deveṣu gachati / tasmā āpo ghṛtamarṣanti sindhavastasmā iyaṃ dakṣiṇā pinvate sadā

Auf dem Rücken des Himmelsgewölbes steht der, der Zuflucht gesucht hat und freigebig ist; er geht zu den Göttern. Ihm strömen die Wasser das Schmalz, die Flüsse; ihm schwillt diese Dakṣiṇā allezeit.

Wort für Wort
nākasya
des Himmelsgewölbes (Gen. Sg.)
pṛṣṭhe
auf dem Rücken (Lok. Sg.)
adhi
oben
tiṣṭhati
er steht (3. Sg.)
śritaḥ
Zuflucht suchend (Nom. Sg.)
yaḥ
der (Nom. Sg.)
pṛṇāti
er ist freigebig/er sättigt (3. Sg.)
saḥ
er (Nom. Sg.)
ha
fürwahr
deveṣu
zu den Göttern (Lok. Pl.)
gacchati
er geht (3. Sg.)
tasmai
ihm (Dat.)
āpaḥ
Wasser (Nom. Pl.)
ghṛtam
Schmalz (Akk. Sg.)
arṣanti
sie lassen strömen (3. Pl.)
sindhavaḥ
Flüsse (Nom. Pl.)
tasmai
ihm (Dat.)
iyam
diese (Nom. Sg. f.)
dakṣiṇā
Dakṣiṇā/Gabe (Nom. Sg.)
pinvate
sie schwillt (3. Sg. Med.)
sadā
stets

dakṣiṇāvatāmidimāni citrā dakṣiṇāvatāṃ divi sūryāsaḥ / dakṣiṇāvanto amṛtaṃ bhajante dakṣiṇāvantaḥ pra tiranta āyuḥ

Nur der Dakṣiṇā-Geber sind diese bunten (Güter), der Dakṣiṇā-Geber sind die Sonnen am Himmel; die Dakṣiṇā-Geber haben Anteil am Unsterblichen, die Dakṣiṇā-Geber verlängern das Leben. [Anm.: „dakṣiṇā“ = Gabe/Lohn, besonders an die Sänger und Priester.]

Wort für Wort
dakṣiṇāvatām
der Dakṣiṇā-Geber (Gen. Pl.)
it
allein/nur
imāni
diese (Nom. Pl. n.)
citrā
bunt/wunderbar (Nom. Pl. n.)
dakṣiṇāvatām
der Dakṣiṇā-Geber (Gen. Pl.)
divi
am Himmel (Lok. Sg.)
sūryāsaḥ
Sonnen (Nom. Pl.)
dakṣiṇāvantaḥ
Dakṣiṇā-Geber (Nom. Pl.)
amṛtam
Unsterbliches (Akk. Sg.)
bhajante
sie erhalten Anteil (3. Pl. Med.)
dakṣiṇāvantaḥ
Dakṣiṇā-Geber (Nom. Pl.)
pra
voran/weiter
tirante
sie verlängern (3. Pl. Med.)
āyuḥ
Lebenszeit (Akk. Sg.)

mā pṛṇanto duritamena āran mā jāriṣuḥ sūrayaḥ suvratāsaḥ / anyasteṣāṃ paridhirastu kaścidapṛṇantamabhi saṃ yantu śokāḥ

Die Gebenden sollen nicht Übles, Unheil erreichen; die Gönner mit guten Ordnungen sollen nicht altern [?]. Ein anderer, irgendwer, soll ihre Umhegung sein [?]; auf den Nichtgebenden sollen die Glutschmerzen zusammenstürzen.

Wort für Wort
mā
nicht
pṛṇantaḥ
die Gebenden (Nom. Pl.)
duḥ-itam
Übles/Unglück (Akk. Sg.)
enaḥ
Vergehen/Unheil (Akk. Sg.)
ā
heran
aran
sie sollen erreichen (3. Pl. Aor. Inj.)
mā
nicht
jāriṣuḥ
sie sollen altern/zugrunde gehen (3. Pl. Aor. Inj.)
sūrayaḥ
Gönner (Nom. Pl.)
su-vratāsaḥ
mit guten Ordnungen (Nom. Pl.)
anyaḥ
ein anderer (Nom. Sg.)
teṣām
von ihnen (Gen. Pl.)
pari-dhiḥ
Umhegung (Nom. Sg.)
astu
er soll sein (3. Sg. Imp.)
kaḥ
irgendwer (Nom. Sg.)
cit
irgend (Partikel)
apṛṇantam
den Nichtgebenden (Akk. Sg.)
abhi
gegen/auf
sam
zusammen
yantu
sie sollen stürzen (3. Pl. Imp.)
śokāḥ
Glutschmerzen/Flammen (Nom. Pl.)

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