Kapitel 62: ṛgvede 1.62 · pra manmahe śavasānāya śūṣamāṅgūṣaṃ girvaṇase aṅgirasvat
Indra, Öffner der Höhle und Herr uralter Werke
Preislied auf Indra: der Aṅgiras-/Saramā-Mythos vom Auffinden der Rinder (wörtlich Rinder; Bildrede auf Licht/Wasser plausibel), dann kosmische Ordnung (Nacht und Morgenröte) und Bitte um Hilfe. Rätselhaft: 1.62.6 (vier Ströme), 1.62.9 (rohe Kuh, gekochte Milch). In 1.62.4 fehlt im PP das Verb darayaḥ.
Wir denken dem Kraftvollen, dem liederliebenden [Indra] nach Art der Aṅgirasen die Kraft(rede), den Āṅgūṣa, hervor, mit wohlgewendeten Preisreden – dem Preisenden [Anm.: stuvate, Bezug unsicher], dem Preisversen-Würdigen; wir wollen den Preisgesang singen dem Manne, dem weitberühmten.
Wort für Wort
pra
hin (vor)
manmahe
wir denken hervor (1. Pl. Med.)
śavasānāya
dem Kraftvollen (Dat. Sg.)
śūṣam
Kraft(rede) (Akk. Sg.) [?]
āṅgūṣam
Āṅgūṣa (Akk. Sg.)
girvaṇase
dem liederliebenden (Dat. Sg.)
aṅgirasvat
nach Art der Aṅgirasen
suvṛkt i-bhiḥ
mit wohlgewendeten Preisreden (Instr. Pl.)
stuvate
dem Preisenden (Dat. Sg. Part.) [?]
ṛgmiyāya
dem Preisversen-Würdigen (Dat. Sg.)
arcāma arkam
wir wollen singen (1. Pl. Konj.) und Preisgesang (Akk. Sg.)
pra vo mahe mahi namo bharadhvamāṅgūṣyaṃ śavasānāya sāma / yenā naḥ pūrve pitaraḥ padajñā arcanto aṅgiraso gā avindan
Bringt hin dem Großen [euren?] eine große Verneigung, den zum Āṅgūṣa gehörigen Gesang (sāman) dem Kraftvollen, durch den unsere früheren Väter, die spurenkundigen Aṅgirasen, singend die Rinder fanden. [Anm.: „Rinder“ wörtlich; im Aṅgiras-Mythos wohl Bildrede für Lichter/Wasser (plausibel).]
Auf das Streben Indras und der Aṅgirasen hin fand Saramā Nahrung für die Nachkommenschaft [?]. Bṛhaspati spaltete den Fels, fand die Rinder; die Männer brüllten zusammen mit den rötlichen Kühen.
sa suṣṭubhā sa stubhā sapta vipraiḥ svareṇādriṃ svaryo navagvaiḥ / saraṇyubhiḥ phaligamindra śakra valaṃ raveṇadarayo daśagvaiḥ
Er, mit gutem Preisruf, er, mit Preisruf, mit den sieben Sehern; mit dem Schall den Fels, der Lichtvolle, mit den Navagvas; mit den Eilenden, Indra, Mächtiger, den Phaliga [?], den Vala hast du mit Gebrüll aufgerissen, mit den Daśagvas. [Anm.: das Verb darayaḥ ‚du rissest auf‘ fehlt im PP der Quelle und ist aus der Saṃhitā ergänzt.]
gṛṇāno aṅgirobhirdasma vi varuṣasā sūryeṇa gobhirandhaḥ / vi bhūmyā aprathaya indra sānu divo raja uparamastabhāyaḥ
Von den Aṅgirasen gepriesen, Wundertäter, hast du mit der Morgenröte, mit der Sonne, mit den Strahlen [wörtlich: Rindern] die Finsternis geöffnet. Von der Erde hast du den Rücken ausgebreitet, Indra, und den nächsten Luftraum des Himmels gestützt. [Anm.: gobhiḥ ‚mit Rindern/Strahlen‘, Bildrede plausibel.]
Das ist das am meisten zu verehrende [?] Werk dieses Wundertäters, die lieblichste Tatkraft ist es: dass im Winkel [?] die vier honigfarbenen Ströme die uparāḥ [?] anschwellen ließen. [Anm.: Bildrede um „vier Ströme“ unklar; kosmisch/mythologisch plausibel, Genaueres spekulativ. PP apinvat, Saṃhitā apinvan.]
Wort für Wort
tat
das (Nom. Sg. n.)
oṃ iti
und (u)
prayakṣa-tamam
am meisten zu verehren (Nom. Sg. n.) [?]
asya
dessen (Gen. Sg.)
karma
Werk (Nom. Sg.)
dasmasya
des Wundertäters (Gen. Sg.)
cāru-tamam
lieblichste (Nom. Sg. n.)
asti
ist (3. Sg.)
daṃsaḥ
Tatkraft (Nom. Sg.)
upa-hvare
im Winkel, an der Biegung (Lok. Sg.) [?]
yat
als
uparāḥ
die oberen/späteren (Akk. Pl.) [?]
apinvat
ließen schwellen (3. Pl. Impf.; PP apinvat, SA apinvan)
dvitā vi vavre sanajā sanīḷe ayāsya stavamānebhirarkaiḥ / bhago na mene parame vyomannadhārayad rodasī sudaṃsāḥ
Zweifach hat er die Gleichgeborenen, die Gleichbehausten [Himmel und Erde] aufgetan, Ayāsya, mit den preisenden Preisliedern. Wie Bhaga hielt der Kunstreiche die beiden Frauen [?], Himmel und Erde, im höchsten Himmelsraum.
Von alters her wandeln um Himmel und Erde die beiden ungleichgestaltigen, sich stets erneuernden Jungen [Nacht und Morgenröte] auf eigenen Bahnen: mit dunklen Gestalten die Nacht, mit leuchtenden die Morgenröte, die eine nach der anderen.
Von alters her, die Freundschaft eifrig pflegend, hat der Sohn mit Kraft [es] gehalten, der Kunstreiche. In den rohen [Kühen] birgst du sogar gekochte Milch, in den schwarzen leuchtende, in den roten. [Anm.: rätselhaftes Bild „rohe Kuh – gekochte Milch“; wörtlich, Deutungsebenen (kosmisch: Wolken/Sonnenlicht; rituell: Milchopfer) plausibel, nicht sicher.]
Von alters her hüten die gleichbehausten, unangefochtenen Ströme, unsterblich, mit ihren Kräften die Satzungen. Viele Tausende, wie Frauen, wie Ehefrauen, dienen als Schwestern dem Unbeschämten [?].
Von alters her [dich] begehrend, mit Verneigung, neu [?], mit Preisliedern, Gut begehrend, sind die Gedanken zu dir geeilt, Wundertäter. Wie sich sehnende Frauen den sich sehnenden Gatten berühren dich, Kraftvoller, die Gedanken.
Von alters her sind deine Reichtümer in [deiner] Hand; sie schwinden nicht, nehmen nicht ab, Wundertäter. Du bist glänzend, einsichtsvoll, Indra, weise; hilf uns, Kraftreicher, mit deinen Kräften. [Anm.: śacī ‚Kraft, Hilfe, Tat‘.]
Dem seit alters Verlangten [?], Indra, hat Gotama ein neues Weihwort gezimmert, dem Falbenanschirrer, unserem guten Führer, dem Kraftvollen – Nodhas. Früh möge Dhiyāvasu eilends kommen.