athāto bhedyarogapratiṣedhaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun wollen wir die Behandlung der *bhedya*-Augenkrankheiten (der Leiden, die ein Durchstechen bzw. Öffnen erfordern) erklären.
Suśruta-Saṃhitā · Uttaratantra
Das vierzehnte Kapitel legt die Behandlung der fünf bhedya-Krankheiten dar, die ein Öffnen bzw. Spalten erfordern. Nach vorheriger Bedampfung werden Geschwulste wie bisagranthi (der lotoswurzelartige Knoten), lagaṇa, añjananāmikā und kṛmigranthi (der wurmartige Knoten) mit dem Messer eröffnet, entleert oder ausgedrückt und anschließend mit einer Betupfung (pratisāraṇa) aus Substanzen wie Vitriol, Pippalī, Rocanā, Realgar oder Rasāñjana, oft mit Honig verrieben, versorgt; bei stärkerer Ausprägung kommen Ätzmittel (kṣāra) und Kauterisation zum Einsatz. Ein kaphabedingter Knoten wird erst nach feuchtwarmem Umschlag geöffnet. Den Abschluss bildet die allgemeine Regel, wonach alle bhedya-Erkrankungen nach dem für die Reifung vorgeschriebenen Verfahren zu behandeln und nach vollständiger Ausreifung durch Wundheilung (vraṇaropaṇa) abzuschließen sind – ein knappes, aber technisch präzises chirurgisches Handbuchkapitel.
athāto bhedyarogapratiṣedhaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun wollen wir die Behandlung der *bhedya*-Augenkrankheiten (der Leiden, die ein Durchstechen bzw. Öffnen erfordern) erklären.
yathovāca bhagavān dhanvantariḥ
So wie es der erhabene Dhanvantari verkündet hat:
svedayitvā bisagranthiṃ chidrā ṇyasya nirāśayam pakvaṃ bhittvā tu śastreṇa saindhavenāvacūrṇayet
Nachdem man den *bisagranthi* (den lotoswurzelartigen Augenknoten) bedampft hat, durchsteche man ihn vielfach, bis er entleert ist; ist er gereift, so öffne man ihn mit dem *śastra* (dem chirurgischen Messer) und bestreue ihn mit Saindhava.
kāsīsamāgadhīpuṣpanepālyelāyutena tu tataḥ kṣaudra ghṛtaṃ dattvā samyagbandhamathācaret
Danach bestreue man ihn mit einer Mischung aus Kāsīsa, der Blüte der Māgadhī, Nepālī und Elā; sodann gebe man Honig und Ghṛta darauf und lege einen sorgfältigen Verband an.
rocanākṣāratutthāni pippalyaḥ kṣaudra meva ca pratisāraṇamekaikaṃ bhinne lagaṇa iṣyate
Rocanā, Kṣāra und Tuttha, Pippalī sowie Honig – jedes einzeln davon gilt nach dem Öffnen des *lagaṇa* (einer Augenwucherung) als Einreibemittel (*pratisāraṇa*).
mahatyapi ca yuñjīta kṣārāgnī vidhikovidaḥ svinnāṃbhinnāṃ viniṣpīḍya bhiṣagañjananāmikām
Auch bei größerer Ausprägung wende der im Verfahren erfahrene Arzt Kṣāra und Kauterisation an; nachdem er die als *añjananāmikā* bezeichnete Geschwulst bedampft und geöffnet hat, drücke er sie sorgfältig aus.
śilailānatasindhūtthaiḥ sakṣaudraiḥ pratisārayet rasāñjanamadhubhyāṃ tu bhittvā vā śastrakarmavit
Mit Śilā, Elā und Nata sowie Sindhūttha, mit Honig versetzt, reibe man die Wunde ein; der im chirurgischen Verfahren Erfahrene kann sie auch mit Rasāñjana und Honig behandeln, nachdem er sie geöffnet hat.
pratisāryyāñjanairyuñjyāduṣṇairdīpaśikhodbhavaiḥ samyak svinne kṛmigranthau bhinne syāt pratisāraṇam
Man behandle sie mit warmen, aus der Lampenflamme gewonnenen Añjana-Mitteln als Einreibung; ist der *kṛmigranthi* (der wurmartige Knoten) gut bedampft und geöffnet, so erfolge dort das Einreibeverfahren.
triphalātutthakāsīsasaindhavaiśca rasakriyā bhittvopanāhaṃ kaphajaṃ pippalīmadhusaindhavaiḥ
Mit Triphalā, Tuttha, Kāsīsa und Saindhava bereite man eine *Rasakriyā* (eingedickte Saftzubereitung); bei einem kaphabedingten Knoten öffne man ihn nach vorherigem feuchtwarmem Umschlag (*upanāha*) und behandle mit Pippalī, Honig und Saindhava.
lekhayenmaṇḍalāgreṇa samantāt pracchayedapi saṃsnehya patrabhaṅgaiśca svedayitvā yathāsukham
Man schabe die betroffene Stelle mit der runden Spitze des Instruments ringsum ab und ritze sie auch an; nachdem man sie eingeölt hat, bedampfe man sie nach Belieben mit Blattzweigen.
āpākādvidhinoktena pañcabhedyānupācaret sarveṣveteṣu vihitaṃ vidhānaṃ snehapūrvakam saṃpakve prayato bhūtvā kurvīta vraṇaropaṇam
Nach dem für die Reifung vorgeschriebenen Verfahren behandle man die fünf *bhedya*-Erkrankungen; bei allen diesen ist das mit vorausgehender Ölung beginnende Vorgehen angezeigt, und ist die Geschwulst völlig ausgereift, so nehme man sorgfältig die Wundheilung (*vraṇaropaṇa*) vor.