athātaḥ karṇagatarogapratiṣedhaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun werden wir die Behandlung (*pratiṣedha*) der Ohrenkrankheiten erklären.
Suśruta-Saṃhitā · Uttaratantra
Das einundzwanzigste Kapitel legt die Behandlung der Ohrenkrankheiten dar. Für die vier eng verwandten Leiden karṇaśūla, praṇāda, bādhirya und kṣveḍa gilt ein gemeinsames Vorgehen aus Ölung, Abführung und vātalindernder Schwitzbehandlung (nāḍīsveda, piṇḍasveda), gefolgt von einer Fülle von Ohrträufelungen aus Kräuterölen, Fruchtsäften wie Zitrone und Ingwer, Tierharn sowie dem eigens beschriebenen „Fackelöl“ (dīpikātaila), das durch Anzünden ölgetränkter Kräuterstränge gewonnen wird. Für Taubheit (bādhirya) werden zusätzliche, mit Bilva und Milch bereitete Öle genannt, für Ohrenausfluss (karṇasrāva) und übelriechendes Ohr (pūtikarṇa) adstringierende und wundheilende Rezepturen, für Wurmbefall (kṛmikarṇaka) wurmtötende Räucherungen und Öle. Ergänzend werden Verfahren für Ohrenjucken, verhärteten Ohrenschmutz, Ohrverstopfung sowie – nach dem Muster der pitta-bedingten Wundrose (visarpa) – für die Ohreiterung (karṇapāka) beschrieben. Das Kapitel zeigt damit exemplarisch die enge Verzahnung von allgemeiner doṣa-Therapie und einer Vielzahl spezifischer, meist öliger Lokalanwendungen in der Ohrenheilkunde.
athātaḥ karṇagatarogapratiṣedhaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun werden wir die Behandlung (*pratiṣedha*) der Ohrenkrankheiten erklären.
yathovāca bhagavān dhanvantariḥ
So wie es der erhabene Dhanvantari sprach:
sāmānyaṃ karṇarodheṣu ghṛtapānaṃ rasāyanam avyāyāmo'śiraḥsnānaṃ brahmacaryamakatthanam
Bei allen Ohrleiden gemeinsam sind angezeigt: das Trinken von *ghṛta* (Ghee), *rasāyana* (Verjüngungsmittel), der Verzicht auf körperliche Anstrengung, das Unterlassen der Kopfwäsche, Enthaltsamkeit (*brahmacarya*) und das Meiden lauten Redens.
karṇaśūle praṇāde ca bādhiryakṣveḍayorapi caturṇāmapi rogāṇāṃ sāmānyaṃ bheṣajaṃ viduḥ
Für *karṇaśūla*, *praṇāda*, *bādhirya* und *kṣveḍa* – für alle vier Krankheiten kennt man eine gemeinsame Behandlung.
snigdhaṃ vātaharaiḥ svedairnaraṃ snehavirecitam nāḍīsvedairupacaretpiṇḍasvedaistathaiva ca
Einen Menschen, der zuvor geölt und mittels Öl abgeführt wurde, behandle man mit warmen, vātalindernden *sveda*-Anwendungen (Schwitzbehandlungen) – mit *nāḍīsveda* (Röhrenschwitzung) ebenso wie mit *piṇḍasveda* (Bausch-Schwitzung).
bilvairaṇḍārkavarṣābhūdadhitthonmattaśigrubhiḥ bastagandhāśvagandhābhyāṃ tarkārīyavaveṇubhiḥ
mit *bilva*, *eraṇḍa*, *arka*, *varṣābhū*, *dadhittha*, *unmatta*, *śigru*, *bastagandhā*, *aśvagandhā*, *tarkārī*, Gerste (*yava*) und Bambus (*veṇu*),
āranālaśṛtairebhirnāḍīsvedaḥ prayojitaḥ kaphavātasamutthānaṃ karṇaśūlaṃ nirasyati
in saurem Reiswasser (*āranāla*) gekocht – mit diesen angewandt, vertreibt die *nāḍīsveda* den von *kapha* und *vāta* hervorgerufenen Ohrenschmerz.
mīnakukkuṭalāvānāṃ māṃsajaiḥ payasā'pi vā piṇḍaiḥ svedaṃ ca kurvīta karṇaśūlanivāraṇam
Auch mit Bäuschen (*piṇḍa*) aus dem Fleisch von Fisch, Hahn oder Wachtel, oder mit Milch, führe man eine Schwitzbehandlung durch, um den Ohrenschmerz zu lindern.
aśvatthapatrakhallaṃ vā vidhāya bahupatrakam tadaṅgāraiḥ susaṃpūrṇaṃ nidadhyācchravaṇopari
Oder man forme aus vielen Blättern des *aśvattha*-Baums eine Schale, fülle sie ganz mit dessen glühenden Kohlen und lege sie auf das Ohr.
yattailaṃ cyavate tasmāt khallādaṅgāratāpitāt tat prāptaṃ śravaṇasrotaḥ sadyo gṛhṇāti vedanām
Das Öl, das aus dieser durch die Kohlen erhitzten Schale heraustropft, nimmt, sobald es in den Ohrkanal gelangt, sogleich den Schmerz.
kṣaumaguggulvagurubhiḥ saghṛtairdhūpayecca tam bhaktopari hitaṃ sarpirvastikarma ca pūjitam
Man beräuchere es auch mit *kṣauma* (Leinsamen), *guggulu* und *aguru* zusammen mit *ghṛta*; nach der Mahlzeit ist *ghṛta* zuträglich, und auch eine *vasti*-Behandlung (Klistier) wird geschätzt.
niranno niśi tatsarpiḥ pītvopari pibet payaḥ mūrdhavastiṣu nasye ca mastiṣke pariṣecane
Nüchtern trinke man nachts jenes *ghṛta* und darauf Milch; ebenso ist es angezeigt bei *mūrdhavasti* (Kopfölbad), bei *nasya* (Nasenmittel) und beim Übergießen des Kopfes.
śatapākaṃ balātailaṃ praśastaṃ cāpi bhojane kaṇṭakārīmajākṣīre paktvā kṣīreṇa tena ca
Auch hundertfach gekochtes *balātaila* (Öl mit *balā*) ist als Speise empfohlen; man koche es mit dem Milchsaft der *kaṇṭakārī* und mit Ziegenmilch,
vipacet kukkuṭavasāṃ karṇayostatprapūraṇam taṇḍulīyakamūlāni phalamaṅkolajaṃ tathā
und koche darin auch Hahnenfett – dies dient zum Einträufeln in beide Ohren. Ebenso die Wurzeln der *taṇḍulīyaka* und die Frucht des *aṅkola*-Baums,
ahiṃsrākendukānmūlaṃ saralaṃ devadāru ca laśunaṃ śṛṅgaveraṃ ca tathā vaṃśāvalekhanam
die Wurzel von *ahiṃsrā* und *kenduka*, *saraladāru* und *devadāru*, Knoblauch (*laśuna*), Ingwer (*śṛṅgavera*) sowie Bambusmark (*vaṃśāvalekhana*) –
kalkaireṣāṃ tathā'mlaiśca pacet snehaṃ caturvidham vedanāyāḥ praśāntyarthaṃ hitaṃ tatkarṇapūraṇam
mit den Pasten (*kalka*) dieser Drogen sowie mit Saurem koche man vierfaches Öl; dieses *karṇapūraṇa* (Ohrträufelung) ist zur Beruhigung des Schmerzes zuträglich.
laśunārdra kaśigrūṇāṃ muraṅgyā mūlakasya ca kadalyāḥ svarasaḥ śreṣṭhaḥ kaduṣṇaḥ karṇapūraṇe
Der frisch gepresste Saft von Knoblauch, frischem Ingwer, *śigru*, *muraṅgī*, Rettich (*mūlaka*) und Banane (*kadalī*) ist, leicht erwärmt, der beste zur Ohrträufelung.
śṛṅgaverarasaḥ kṣaudraṃ saindhavaṃ tailameva ca kaduṣṇaṃ karṇayordeyametadvā vedanāpaham
Auch der Saft von Ingwer zusammen mit Honig, Steinsalz (*saindhava*) und Öl, leicht erwärmt, ist ins Ohr zu geben und lindert den Schmerz.
vaṃśāvalekhanāyukte mūtre cājāvike bhiṣak sarpiḥ pacettena karṇaṃ pūrayet karṇaśūlinaḥ
Der Arzt koche *ghṛta* mit Bambusmark und mit Ziegen- oder Schafharn und träufle es einem an Ohrenschmerz Leidenden ins Ohr.
mahataḥ pañcamūlasya kāṇḍamaṣṭādaśāṅgulam kṣaumeṇāveṣṭhya saṃsicya tailenādīpayettataḥ
Man umwickle ein achtzehn Finger langes Stück des *mahāpañcamūla* (der 'großen Fünf-Wurzel'-Gruppe) mit Leinentuch, tränke es mit Öl und zünde es dann an.
yattailaṃ cyavate tebhyo dhṛtebhyo bhājanopari jñeyaṃ taddīpikātailaṃ sadyo gṛhṇāti vedanām
Das Öl, das aus diesem Stück, über ein Gefäß gehalten, heraustropft, ist als *dīpikātaila* (Fackelöl) bekannt und nimmt den Schmerz sogleich.
kuryādevaṃ bhadra kāṣṭhe kuṣṭhe kāṣṭhe ca sārale matimān dīpikātailaṃ karṇaśūlanibarhaṇam
Ebenso bereite der kluge Arzt dieses den Ohrenschmerz vertreibende *dīpikātaila* aus *bhadra*-Holz, aus *kuṣṭha*-Holz und aus *sārala*-Holz.
arkāṅkurānamlapiṣṭāṃstailāktān lavaṇānvitān sannidadhyāt snuhīkāṇḍe korite tacchadāvṛte
Junge Triebe des *arka*, mit Saurem zerrieben, mit Öl benetzt und mit Salz versehen, lege man in ein ausgehöhltes Stück *snuhī*-Stamm, das mit dessen eigenen Blättern bedeckt ist,
puṭapākakramasvinnān pīḍayedārasāgamāt sukhoṣṇaṃ tadra saṃ karṇe dāpayecchūlaśāntaye
und presse, nach der *puṭapāka*-Methode (Erhitzen in verschlossener Grube) gedünstet, die Masse aus, sobald der Saft austritt; diesen angenehm warmen Saft gebe man zur Beruhigung des Schmerzes ins Ohr.
kapitthamātuluṅgāmlaśṛṅgaverarasaiḥ śubhaiḥ sukhoṣṇaiḥ pūrayet karṇaṃ tacchūlavinivṛttaye
Mit den wohltuenden, angenehm warmen sauren Säften von *kapittha*, *mātuluṅga* (Zitrone) und Ingwer fülle man das Ohr, um den Schmerz zu beseitigen.
karṇaṃ koṣṇena cukreṇa pūrayet karṇaśūlinaḥ samudra phenacūrṇena yuktyā cāpyavacūrṇayet
Man fülle das Ohr eines an Ohrenschmerz Leidenden mit leicht erwärmtem *cukra* (saurem Gärtrank) und bestäube es zudem sachgemäß mit Pulver von *samudraphena* (Meerschaum).
aṣṭānāmiha mūtrāṇāṃ mūtreṇānyatamena tu koṣṇena pūrayet karṇaṃ karṇaśūlopaśāntaye
Mit dem Harn eines beliebigen der acht dafür geeigneten Tiere, leicht erwärmt, fülle man das Ohr, um den Ohrenschmerz zu beruhigen.
mūtreṣvamleṣu vātaghne gaṇe ca kvathite bhiṣak paceccaturvidhaṃ snehaṃ pūraṇaṃ tacca karṇayoḥ
In Harn, in Saurem und in der mit der vātalindernden Kräutergruppe gekochten Flüssigkeit koche der Arzt vierfaches Öl; auch dieses dient zur Ohrträufelung.
etā eva kriyāḥ kuryāt pittaghnaiḥ pittasaṃyute kākolyādau daśakṣīraṃ tiktaṃ cātra hitaṃ haviḥ
Bei *pitta*-bedingtem Ohrenschmerz wende man ebendiese Behandlungen an, jedoch mit pittalindernden Mitteln; mit *kākolī* und den übrigen Drogen der Gruppe *daśakṣīra* (der 'zehn Milchsäfte') sowie mit Bitterem ist hier auch *havis* (geklärte Butter) zuträglich.
kṣīravṛkṣapravāleṣu madhuke candane tathā kalkakvāthe paraṃ pakvaṃ śarkarāmadhukaiḥ saraiḥ
aus den jungen Trieben der Milchsaft-Bäume, aus *madhuka* und *candana*, zu Paste und Absud verarbeitet, endgültig gekocht mit Zucker und dünnflüssigem Honig.
iṅgudīsarṣapasnehau sakaphe pūraṇe hitau tiktauṣadhānāṃ yūṣāśca svedāśca kaphanāśanāḥ
Bei *kapha*-bedingtem Ohrenschmerz sind *iṅgudī*-Öl und Senföl zur Ohrträufelung zuträglich, ebenso Suppen aus bitteren Heilkräutern und kaphavertreibende Schwitzbehandlungen.
surasādau kṛtaṃ tailaṃ pañcamūle mahatyapi mātuluṅgarasaḥ śuktaṃ laśunārdra kayo rasaḥ
Öl, bereitet mit *surasā* und ähnlichen Kräutern sowie mit dem großen *pañcamūla*, der Saft der *mātuluṅga*, *śukta* (saurer Gärtrank) und der Saft von Knoblauch mit frischem Ingwer –
ekaikaḥ pūraṇe pathyastailaṃ teṣvapi vā kṛtam tīkṣṇā mūrdhavirekāśca kavalāścātra pūjitāḥ
jedes einzelne davon ist zur Ohrträufelung heilsam, ebenso ein daraus bereitetes Öl; auch scharfe kopfreinigende Mittel (*mūrdhavireka*) und Mundspülungen (*kavala*) werden hier geschätzt.
karṇaśūlavidhiḥ kṛtsnaḥ pittaghnaḥ śoṇitāvṛte śūlapraṇādabādhiryakṣveḍānāṃ tu prakīrtitam
Damit ist die vollständige Behandlung des Ohrenschmerzes dargelegt; bei blutbedingtem Ohrenschmerz wende man die pittalindernde Behandlung an. Für *karṇaśūla*, *praṇāda*, *bādhirya* und *kṣveḍa* ist damit die gemeinsame Behandlung verkündet.
sāmānyato viśeṣeṇa bādhirye pūraṇaṃ śṛṇu gavāṃ mūtreṇa bilvāni piṣṭvā tailaṃ vipācayet
Höre nun die im Besonderen bei *bādhirya* angezeigte Ohrträufelung, über die allgemeine hinaus: Man zerreibe *bilva*-Früchte mit Kuhharn und koche damit Öl.
sajalaṃ ca sadugdhaṃ ca bādhirye karṇapūraṇam sitāmadhukabimbībhiḥ siddhaṃ vā'je payasyapi
Auch mit Wasser und mit Milch versetzt, dient dies als Ohrträufelung bei *bādhirya*; oder man bereite es mit *sitā* (Kandiszucker), *madhuka* und *bimbī*, gekocht in Ziegenmilch.
bimbīkvāthe vimathyoṣṇaṃ śītībhūtaṃ taduddhṛtam punaḥ paceddaśakṣīraṃ sitāmadhukacandanaiḥ
Man verrühre es warm im Absud der *bimbī*, nehme es nach dem Erkalten heraus und koche es erneut mit den *daśakṣīra*-Kräutern, mit *sitā*, *madhuka* und *candana*.
bilvāmbugāḍhaṃ tattailaṃ bādhirye karṇapūraṇam vakṣyate yaḥ pratiśyāye vidhiḥ so'pyatra pūjitaḥ
Dieses mit dickem *bilva*-Wasser bereitete Öl dient bei *bādhirya* als Ohrträufelung; auch die Behandlung, die weiter unten für *pratiśyāya* (Schnupfen) dargelegt wird, ist hierbei geschätzt.
vātavyādhiṣu yaścokto vidhiḥ sa ca hito bhavet karṇasrāve pūtikarṇe tathaiva kṛmikarṇake
Auch die bei *vātavyādhi* (Windkrankheiten) genannte Behandlung ist zuträglich – bei *karṇasrāva*, bei *pūtikarṇa* sowie ebenso bei *kṛmikarṇaka*.
samānaṃ karma kurvīta yogān vaiśeṣikānapi śirovirecanaṃ caiva dhūpanaṃ pūraṇaṃ tathā
Man wende die gemeinsame Behandlung an, dazu auch besondere Rezepturen: kopfreinigende Mittel (*śirovirecana*), Beräucherung (*dhūpana*) sowie Ohrträufelung.
pramārjanaṃ dhāvanaṃ ca vīkṣya vīkṣyāvacārayet rājavṛkṣāditoyena surasādigaṇena vā
Auch Abwischen (*pramārjana*) und Auswaschen (*dhāvana*) wende man an, je nach sorgfältiger Prüfung – mit dem Wasser von *rājavṛkṣa* und ähnlichen Drogen oder mit der Gruppe von *surasā* und ähnlichen Kräutern.
karṇaprakṣālanaṃ kāryaṃ cūrṇaireṣāṃ ca pūraṇam kvāthaṃ pañcakaṣāyaṃ tu kapittharasayojitam
Das Auswaschen des Ohres ist durchzuführen, ebenso die Ohrträufelung mit dem Pulver dieser Kräuter oder mit dem Absud der 'fünf Adstringentien' (*pañcakaṣāya*), versetzt mit *kapittha*-Saft.
karṇasrāve praśaṃsanti pūraṇaṃ madhunā saha sarjatvakcūrṇasaṃyuktaḥ kārpāsīphalajo rasaḥ
Bei *karṇasrāva* empfiehlt man die Ohrträufelung mit Honig; ebenso der Saft der *kārpāsī*-Frucht, vermengt mit dem Pulver der *sarja*-Rinde,
yojito madhunā vā'pi karṇasrāve praśasyate lākṣā rasāñjanaṃ sarjaścūrṇitaṃ karṇapūraṇam
auch mit Honig versetzt, wird er bei *karṇasrāva* empfohlen. Gepulvertes *lākṣā* (Lack), *rasāñjana* und *sarja*-Harz dienen als Ohrträufelung.
saśaivalaṃ mahāvṛkṣajambvāmraprasavāyutam kulīrakṣaudra maṇḍūkīsiddhaṃ tailaṃ ca pūjitam
Geschätzt ist auch ein mit *śaivala*, den jungen Trieben der großen Bäume, von *jambū* und *āmra*, sowie mit *kulīra*, Honig und *maṇḍūkī* bereitetes Öl –
tindukānyabhayā rodhraṃ samaṅgā'malakaṃ madhu pūraṇaṃ cātra pathyaṃ syātkapittharasayojitam
mit *tinduka*, *abhayā*, *rodhra*, *samaṅgā*, *āmalaka* und Honig; auch die mit *kapittha*-Saft versetzte Ohrträufelung ist hierbei heilsam.
rasamāmrakapitthānāṃ madhūkadhavaśālajam pūraṇārthaṃ praśaṃsanti tailaṃ vā tairvipācitam
Man empfiehlt zur Ohrträufelung den Saft von *āmra* und *kapittha* sowie das aus *madhūka*, *dhava* und *śāla* gewonnene Öl, oder ein mit diesen Drogen gekochtes Öl.
priyaṅgumadhukāmbaṣṭhādhātakīśilaparṇibhiḥ mañjiṣṭhālodhralākṣābhiḥ kapitthasya rasena vā
Mit *priyaṅgu*, *madhuka*, *ambaṣṭhā*, *dhātakī*, *śilaparṇī*, *mañjiṣṭhā*, *lodhra* und *lākṣā*, oder mit dem Saft der *kapittha* –
pacettailaṃ tadāsrāvamavagṛhṇāti pūraṇāt ghṛtaṃ rasāñjanaṃ nāryāḥ kṣīreṇa madhusaṃyutam
koche man Öl; durch dessen Träufelung wird der Ausfluss gestillt. Auch *ghṛta* mit *rasāñjana*, mit Frauenmilch und mit Honig versetzt, wirkt ebenso.
tatpraśastaṃ cirotthe'pi sāsrāve pūtikarṇake nirguṇḍīsvarasastailaṃ sindhurdhūmarajo guḍaḥ
Dies ist auch bei lang bestehendem, ausflussbegleitetem *pūtikarṇaka* empfohlen; ebenso der frisch gepresste Saft von *nirguṇḍī*, Öl, *sindhu*-Salz, Ruß (*dhūmarajas*) und Rohrzucker (*guḍa*) –
pūraṇaḥ pūtikarṇasya śamano madhusaṃyutaḥ kṛmikarṇakanāśārthaṃ kṛmighnaṃ yojayedvidhim
als mit Honig versetzte Ohrträufelung lindern sie das *pūtikarṇa*. Zur Vernichtung des *kṛmikarṇaka* wende man die wurmvertreibende Behandlung an.
vārtākudhūmaśca hitaḥ sārṣapasneha eva ca kṛmighnaṃ haritālena gavāṃ mūtrayutena ca
Zuträglich ist auch die Räucherung mit *vārtāku* (Aubergine) sowie Senföl; wurmvertreibend wirkt es zusammen mit *haritāla* (Auripigment) und mit Kuhharn versetzt.
gugguloḥ karṇadaurgandhye dhūpanaṃ śreṣṭhamucyate chardanaṃ dhūmapānaṃ ca kavalasya ca dhāraṇam
Bei üblem Geruch des Ohres gilt die Beräucherung mit *guggulu* als die beste Behandlung; auch Erbrechen, das Einatmen von Rauch und das Halten von Mundspülungen sind angezeigt.
karṇakṣveḍe hitaṃ tailaṃ sārṣapaṃ caiva pūraṇam vidra dhau cāpi kurvīta vidra dhyuktaṃ cikitsitam
Bei *karṇakṣveḍa* ist Senföl als Ohrträufelung zuträglich; bei einem *vidradhi* wende man die für *vidradhi* vorgeschriebene Behandlung an.
prakledya dhīmāṃstailena svedena pravilāyya ca śodhayetkarṇaviṭkaṃ tu bhiṣak samyak śalākayā
Der kluge Arzt weiche den Ohrenschmutz mit Öl auf, löse ihn durch Schwitzung vollständig auf und reinige ihn sorgfältig mit einer Sonde (*śalākā*).
nāḍīsvedo'tha vamanaṃ dhūmo mūrdhavirecanam vidhiśca kaphahṛtsarvaḥ karṇakaṇḍūmapohati
*Nāḍīsveda*, Erbrechen, Beräucherung, kopfreinigende Mittel sowie jede kaphavertreibende Behandlung beseitigen das Ohrenjucken.
atha karṇapratīnāhe snehasvedau prayojayet tato viriktaśirasaḥ kriyāṃ prāptāṃ samācaret
Bei *karṇapratīnāha* wende man Ölung und Schwitzung an; danach führe man bei einem, dessen Kopf gereinigt wurde, die weiter oben genannte Behandlung durch.
karṇapākasya bhaiṣajyaṃ kuryātpittavisarpavat karṇacchidre vartamānaṃ kīṭaṃ kledamalādi vā
Die Behandlung des *karṇapāka* führe man wie bei *pittavisarpa* (pitta-bedingter Wundrose) durch. Ein im Ohrloch befindliches Insekt oder Nässe, Schmutz und dergleichen –
śṛṅgeṇāpahareddhīmānathavā'pi śalākayā śeṣāṇāṃ tu vikārāṇāṃ prāk cikitsitamīritam
entferne der kluge Arzt mit einem Horn oder auch mit einer Sonde. Für die übrigen Leiden wurde die Behandlung bereits zuvor dargelegt.