Quellen der Menschheit

Suśruta-Saṃhitā · Uttaratantra

Adhyāya 44: pāṇḍurogapratiṣedho Behandlung der Blässe-Krankheit (Pāṇḍuroga)

Das Kapitel zur Blässe-Krankheit (pāṇḍuroga) behandelt eine durch verdorbenes Blut entstehende Störung, deren Ursachen in übermäßigem Geschlechtsverkehr, saurer, salziger und scharfer Kost sowie Tagesschlaf liegen. Vier Grundformen nach den doṣas werden unterschieden und daneben mehrere Erscheinungsbilder benannt, die als eigenständige Krankheiten gelten: kāmalā (Gelbsucht) mit ihrer Unterform kumbhakāmalā, sowie lāgharaka/alasaka und die grünlich-bläuliche halīmaka. Die Behandlung setzt zunächst auf Ölung und Reinigung, dann vor allem auf eisenhaltige Präparate – Eisenpulver, Eisenschlacke (maṇḍūra) und mit Kuhurin behandeltes Eisen –, ergänzt um Triphalā, Harītakī-Ghṛta und zahlreiche Latwergen mit Viḍaṅga, Haridrā und Citraka. Botanisch tritt neben Eisen vor allem Āmalakī als verdauungsförderndes und blutbildendes Mittel hervor. Der Text warnt eindringlich vor zu rascher Doṣa-Ausleitung, die Schwellungen nach sich ziehen könne, und benennt am Ende Zeichen, bei denen der Kranke als unheilbar zu meiden ist.

Pāṇḍuroga und verwandte Krankheitsbilder (Vers 6–13)
NameKennzeichen
vāta-pāṇḍuschwärzliche Augen, Adern, Kot, Urin, Nägel und Gesicht
pitta-pāṇḍugelbliche Augen, Adern, Kot, Urin, Nägel und Gesicht
kapha-pāṇḍuweißliche Augen, Adern, Kot, Urin, Nägel und Gesicht
kāmalāGelbsucht: bleiches Gesicht, Mattigkeit, Kraftverlust; entsteht nach vorausgegangener Krankheit durch saure oder unzuträgliche Kost
KumbhakāmalāUnterart der kāmalā, auch kumbhasāhva genannt: starke Schwellung, Gelenkschmerzen
Lāgharaka / AlasakaFieber, Gliederschmerzen, Schwindel, Mattigkeit, Schläfrigkeit, Auszehrung
Halīmakagrünlich-gelblich-bläuliche Form, entstanden durch vāta und pitta

athātaḥ pāṇḍurogapratiṣedhaṃ vyākhyāsyāmaḥ

Nun werden wir die Behandlung der Blässe-Krankheit (*pāṇḍuroga*) erklären.

yathovāca bhagavān dhanvantariḥ

So wie es der erhabene Dhanvantari sprach:

vyavāyamamlaṃ lavaṇāni madyaṃ mṛdaṃ divāsvapnamatīva tīkṣṇam niṣevamāṇasya vidūṣya raktaṃ kurvanti doṣāstvaci pāṇḍubhāvam

Bei jemandem, der übermäßigen Geschlechtsverkehr, Saures, Salziges, Wein, Lehm, Schlaf am Tage und allzu Scharfes pflegt, verderben die *doṣa* (Körpersäfte) das Blut (*rakta*) und erzeugen so auf der Haut eine bleiche Färbung.

pāṇḍvāmayo'ṣṭārdhavidhaḥ pradiṣṭaḥ pṛthaksamastairyugapacca doṣaiḥ sarveṣu caiteṣviha pāṇḍubhāvo yato'dhiko'taḥ khalu pāṇḍurogaḥ

Die Blässe-Krankheit wird als vierfach gelehrt, entsprechend den *doṣa* einzeln, allen zusammen und allen gleichzeitig; da bei all diesen Formen die Blässe das vorherrschende Merkmal ist, heißt sie eben *pāṇḍuroga*.

tvaksphoṭanaṃ ṣṭhīvanagātrasādau mṛdbhakṣaṇaṃ prekṣaṇakūṭaśothaḥ viṇmūtrapītatvamathāvipāko bhaviṣyatastasya puraḥsarāṇi

Rissige Haut, vermehrter Speichelfluss, Mattigkeit der Glieder, Verlangen nach dem Essen von Erde, Schwellung um die Augen, Gelbfärbung von Kot und Urin sowie Verdauungsschwäche (*avipāka*) sind die Vorboten der bevorstehenden Krankheit.

sa kāmalāpānakipāṇḍurogaḥ kumbhāhvayo lāgharako'lasākhyaḥ vibhāṣyate lakṣaṇamasya kṛtsnaṃ nibodha vakṣyāmyanupūrvaśastat

Sie erscheint als *kāmalā* (Gelbsucht), als *pānaki*, als *pāṇḍuroga*, als *kumbhāhvaya*, als *lāgharaka* und als *alasaka*; ich werde nun ihr gesamtes Erscheinungsbild der Reihe nach erklären, so vernimm es.

kṛṣṇekṣaṇaṃ kṛṣṇasirāvanaddhaṃ tadvarṇaviṇmūtranakhānanaṃ ca vātena pāṇḍuṃ manujaṃ vyavasyedyuktaṃ tathā'nyaistadupadra vaiśca

Wessen Augen schwärzlich sind, dessen Adern schwärzlich hervortreten und dessen Kot, Urin, Nägel und Gesicht in dieser Farbe erscheinen, den erkenne man zu Recht als durch *vāta* bleich geworden, ebenso anhand der übrigen dazugehörigen Begleitsymptome (*upadrava*).

pītekṣaṇaṃ pītasirāvanaddhaṃ tadvarṇaviṇmūtranakhānanaṃ ca pittena pāṇḍuṃ manujaṃ vyavasyedyuktaṃ tathā'nyaistadupadra vaiśca

Wessen Augen gelblich sind, dessen Adern gelblich hervortreten und dessen Kot, Urin, Nägel und Gesicht in dieser Farbe erscheinen, den erkenne man zu Recht als durch *pitta* bleich geworden, ebenso anhand der übrigen dazugehörigen Begleitsymptome.

śuklekṣaṇaṃ śuklasirāvanaddhaṃ tadvarṇaviṇmūtranakhānanaṃ ca kaphena pāṇḍuṃ manujaṃ vyavasyedyuktaṃ tathā'nyaistadupadra vaiśca

Wessen Augen weißlich sind, dessen Adern weißlich hervortreten und dessen Kot, Urin, Nägel und Gesicht in dieser Farbe erscheinen, den erkenne man zu Recht als durch *kapha* bleich geworden, ebenso anhand der übrigen dazugehörigen Begleitsymptome.

sarvātmake sarvamidaṃ vyavasyedvakṣyāmi liṅgānyatha kāmalāyāḥ yo hyāmayānte sahasā'nnamamlamadyādapathyāni ca tasya pittam

Bei der von allen drei *doṣa* gemeinsam verursachten Form erkenne man alle diese Zeichen zugleich. Nun werde ich die Merkmale der *kāmalā* darlegen: Wer am Ende einer Krankheit plötzlich saure Speise, Wein oder Unzuträgliches zu sich nimmt, dessen *pitta* —

karoti pāṇḍuṃ vadanaṃ viśeṣāt pūrveritau tandri balakṣayau ca bhedastu tasyāḥ khalu kumbhasāhvaḥ śopho mahāṃstatra ca parvabhedaḥ

— macht besonders das Gesicht bleich, dazu die zuvor genannten Symptome Mattigkeit und Kraftverlust; eine Unterart der *kāmalā* aber ist die als *kumbhasāhva* bekannte, bei der eine starke Schwellung auftritt und Schmerzen in den Gelenken.

jvarāṅgamardabhramasādatandrā kṣayānvito lāgharako'lasākhyaḥ taṃ vātapittāddharipītanīlaṃ halīmakaṃ nāma vadanti tajjñāḥ

Fieber, Gliederschmerzen, Schwindel, Mattigkeit, Schläfrigkeit und Auszehrung kennzeichnen die *lāgharaka*, auch *alasaka* genannte Form; wird sie durch *vāta* und *pitta* grünlich-gelb-bläulich, so nennen die Kenner sie *halīmaka*.

upadra vāsteṣvaruciḥ pipāsā chardirjvaro mūrdharujā'gnisādaḥ śophastathā kaṇṭhagato'balatvaṃ mūrcchā klamo hṛdyavapīḍanaṃ ca

Als Begleitsymptome treten bei diesen auf: Appetitlosigkeit, Durst, Erbrechen, Fieber, Kopfschmerz, Erlöschen des Verdauungsfeuers, Schwellung im Halsbereich, Kraftlosigkeit, Ohnmacht, Erschöpfung und ein drückendes Gefühl im Herzbereich.

sādhyaṃ tu pāṇḍvāmayinaṃ samīkṣya snigdhaṃ ghṛtenordhvamadhaśca śuddham saṃpādayet kṣaudra ghṛtapragāḍhairharītakīcūrṇayutaiḥ prayogaiḥ

Hat man den an Blässe Erkrankten als heilbar erkannt, so mache man ihn, nachdem er mit *ghṛta* (geklärter Butter) geölt und nach oben wie nach unten gereinigt wurde, mit Zubereitungen aus reichlich Honig und *ghṛta*, versetzt mit Harītakī-Pulver, gesund.

pibedghṛtaṃ vā rajanīvipakvaṃ yattraiphalaṃ tailvakameva vā'pi virecanadra vyakṛtaṃ pibedvā yogāṃśca vairecanikān ghṛtena

Er trinke *ghṛta*, mit Rajanī gekocht, oder das aus Triphalā bereitete, oder auch Tailvaka-*ghṛta*; oder er trinke ein mit abführenden Substanzen bereitetes *ghṛta* als Abführmittel (*virecana*) sowie andere abführende Zubereitungen mit *ghṛta*.

mūtre nikumbhārdhapalaṃ vipācya pibedabhīkṣṇaṃ kuḍavārdhamātram khādedguḍaṃ vā'pyabhayāvipakvamāragvadhādikvathitaṃ pibedvā

Man koche ein halbes *pala* Nikumbha in Kuh-Urin und trinke wiederholt die Hälfte eines *kuḍava* davon; oder man esse mit Abhayā (Harītakī) gekochten Rohrzucker, oder trinke einen Absud aus Āragvadha und ähnlichen Mitteln.

ayorajovyoṣaviḍaṅgacūrṇaṃ lihyāddharidrāṃ triphalānvitāṃ vā sarpirmadhubhyāṃ vidadhīta vā'pi śāstrapradeśābhihitāṃśca yogān

Man lecke ein Pulver (*cūrṇa*) aus Eisenspänen, den drei Scharfstoffen (*vyoṣa*) und Viḍaṅga, oder Haridrā mit Triphalā, bereitet mit *ghṛta* und Honig; oder man wende die in den entsprechenden Lehrschriften genannten Rezepturen an.

harecca doṣān bahuśo'lpamātrān śvayeddhi doṣeṣvatinirhṛteṣu dhātrīphalānāṃ rasamikṣujaṃ ca manthaṃ pibet kṣaudra yutaṃ hitāśī

Man entferne die *doṣa* wiederholt in kleinen Mengen, denn bei allzu starker Ausleitung der *doṣa* käme es zu Schwellungen; der Kranke esse zuträgliche Kost und trinke den Saft der Āmalakī-Frucht sowie einen mit Zuckerrohr bereiteten, mit Honig versetzten Trank (*mantha*).

ume bṛhatyau rajanīṃ śukākhyāṃ kākādanīṃ cāpi sakākamācīm ādāribimbīṃ sakadambapuṣpīṃ vipācya sarpirvipacet kaṣāye

Man koche Umā, die beiden Bṛhatī, Rajanī, die *śukā* genannte Pflanze, Kākādanī zusammen mit Kākamācī, Ādārī, Bimbī und Kadambapuṣpī, und bereite in diesem Absud *ghṛta*.

tat pāṇḍutāṃ hantyupayujyamānaṃ kṣīreṇa vā māgadhikā yathāgni hitaṃ ca yaṣṭīmadhujaṃ kaṣāyaṃ cūrṇaṃ samaṃ vā madhunā'valihyāt

Dieses *ghṛta* vertreibt bei Anwendung die Blässe; ebenso wirkt Māgadhikā (Pippalī) mit Milch dem Verdauungsfeuer zuträglich; man lecke auch einen Absud oder ein Pulver aus Yaṣṭīmadhu zu gleichen Teilen mit Honig.

gomūtrayuktaṃ triphalādalānāṃ dattvā''yasaṃ cūrṇamanalpakālam pravālamuktāñjanaśaṅkhacūrṇaṃ lihyāttathā kāñcanagairikottham

Man gebe über längere Zeit mit Kuh-Urin versetztes Eisenpulver zusammen mit den Blättern der Triphalā-Pflanzen; ebenso lecke man Pulver aus Koralle, Perle, *añjana* (Augensalbe, Antimonpulver), Muschelschale sowie aus Gold und Gairika (rotem Ocker).

ājaṃ śakṛtsyāt kuḍavapramāṇaṃ viḍaṃ haridrā lavaṇottamaṃ ca pṛthak palāṃśāni samagrametaccūrṇaṃ hitāśī madhunā'valihyāt

Ziegenkot im Maß eines *kuḍava*, *viḍa*-Salz, Haridrā und bestes Salz, jedes im Gewicht von einem *pala* — dieses ganze Pulver lecke der zuträglich lebende Kranke mit Honig.

maṇḍūralohāgniviḍaṅgapathyāvyoṣāṃśakaḥ sarvasamānatāpyaḥ mūtrāsuto'yaṃ madhunā'valehaḥ pāṇḍvāmayaṃ hantyacireṇa ghoram

Maṇḍūra (Eisenrost), Eisen, Citraka, Viḍaṅga, Pathyā, *vyoṣa* und *tāpya* (Kupfervitriol), alle zu gleichen Anteilen, mit Urin angesetzt und mit Honig geleckt — diese Latwerge (*avaleha*) vertreibt rasch die furchtbare Blässe-Krankheit.

bibhītakāyomalanāgarāṇāṃ cūrṇaṃ tilānāṃ ca guḍaśca mukhyaḥ takrānupāno vaṭakaḥ prayuktaḥ kṣiṇoti ghorānapi pāṇḍurogān

Ein aus dem Pulver von Bibhītaka, Eisenschlacke und Nāgara sowie aus Sesam und bestem Rohrzucker bereitetes, mit Buttermilch eingenommenes Küchlein (*vaṭaka*) zerstört, angewendet, selbst furchtbare Formen der Blässe-Krankheit.

sauvarcalaṃ hiṅgu kirātatiktaṃ kalāyamātrāṇi sukhāmbunā vā mūrvāharidrā malakaṃ ca lihyāt sthitaṃ gavāṃ saptadināni mūtre

Man trinke *sauvarcala*-Salz, Hiṅgu und Kirātatikta, jeweils in der Menge einer Erbse, mit angenehm temperiertem Wasser; oder man lecke Mūrvā, Haridrā und Āmalaka, sieben Tage lang in Kuh-Urin eingelegt.

mūlaṃ balācitrakayoḥ pibedvā pāṇḍvāmayārto'kṣasamaṃ hitāśī sukhāmbunā vā lavaṇena tulyaṃ śigroḥ phalaṃ kṣīrabhujopayojyam

Der an Blässe Leidende trinke, zuträglich lebend, die Wurzel von Balā und Citraka im Maß eines *akṣa* (eines Gewichtsanteils) mit angenehm temperiertem Wasser; oder er nehme, sich von Milch ernährend, die Frucht des Śigru zusammen mit gleicher Menge Salz zu sich.

nyagrodhavargasya pibet kaṣāyaṃ śītaṃ sitākṣaudra yutaṃ hitāśī śālādikaṃ cāpyatha sāracūrṇaṃ dhātrīphalaṃ vā madhunā'valihyāt

Der zuträglich lebende Kranke trinke einen kalten Absud aus der Nyagrodha-Gruppe, versetzt mit Zucker und Honig; oder er lecke das Kernholz-Pulver von Śāla und ähnlichen Bäumen oder die Āmalakī-Frucht mit Honig.

viḍaṅgamustatriphalājamodaparūṣakavyoṣavinirdahanyaḥ cūrṇāni kṛtvā guḍaśarkare ca tathaiva sarpirmadhunī śubhe ca

Man bereite Pulver aus Viḍaṅga, Musta, Triphalā, Ajamodā, Parūṣaka, *vyoṣa* und Vinirdahanī, sowie ebenso Rohrzucker und Kandiszucker und dazu gutes *ghṛta* und Honig —

saṃbhārametadvipacennidhāya sārodake sāravato gaṇasya jātaṃ ca lehyaṃ matimān viditvā nidhāpayenmokṣakaje samudge

— dieses Gemisch koche man, nachdem man es in das Kernholz-Wasser jener kernholzreichen Pflanzengruppe gegeben hat, und der kundige Arzt bewahre die entstandene Latwerge, sobald er ihre rechte Beschaffenheit erkannt hat, in einem Gefäß aus Mokṣaka-Holz auf.

hantyeṣa lehaḥ khalu pāṇḍurogaṃ saśothamugrāmapi kāmalāṃ ca saśarkarā kāmalināṃ tribhaṇḍī hitā gavākṣī saguḍā ca śuṇṭhī

Diese Latwerge vertreibt die Blässe-Krankheit sowie die Schwellung und selbst die schwere *kāmalā*; dem an *kāmalā* Erkrankten sind Tribhaṇḍī mit Zucker sowie Gavākṣī mit Rohrzucker und Śuṇṭhī zuträglich.

kāleyake cāpi ghṛtaṃ vipakvaṃ hitaṃ ca tat syādra janīvimiśram dhātuṃ nadījaṃ jatu śailajaṃ vā kumbhāhvaye mūtrayutaṃ pibedvā

Bei *kāleyaka* (einer Form der *kāmalā*) ist mit Rajanī vermischtes und gekochtes *ghṛta* zuträglich; bei der *kumbhāhvaya*-Form trinke man ein Flussmineral, Lack (*jatu*) oder Felsenharz (*śailaja*), mit Urin versetzt.

mūtre sthitaṃ saindhavasaṃprayuktaṃ māsaṃ pibedvā'pi hi lohakiṭṭam dagdhvā'kṣakāṣṭhairmalamāyasaṃ vā gomūtranirvāpitamaṣṭavārān

Einen Monat lang trinke man Eisenschlacke, die in Urin gelegen hat und mit Steinsalz versetzt ist; oder man verbrenne Eisenschlacke mit Akṣa-Holz und lösche sie achtmal in Kuh-Urin ab,

vicūrṇya līḍhaṃ madhunā'cireṇa kumbhāhvayaṃ pāṇḍugadaṃ nihanyāt sindhūdbhavaṃ vā'gnisamaṃ ca kṛtvā kṣiptvā ca mūtre sakṛdeva taptam

— zerreibe sie zu Pulver und lecke sie mit Honig: so vertreibt man rasch die *kumbhāhvaya*-Form der Blässe-Krankheit. Oder man erhitze Steinsalz zusammen mit Citraka und werfe es einmal glühend in Urin —

lauhaṃ ca kiṭṭaṃ bahuśaśca taptvā nirvāpya mūtre bahuśastathaiva ekīkṛtaṃ gojalapiṣṭametadaikadhyamāvāpya pacedukhāyām

— ebenso erhitze man Eisen und Eisenschlacke wiederholt und lösche sie ebenso wiederholt in Urin ab; dies alles vereinige man, zerreibe es mit Kuh-Urin zu einer einzigen Masse und koche es in einem Tontopf,

yathā na dahyeta tathā viśuṣkaṃ cūrṇīkṛtaṃ peyamudaśvitā tat takraudanāśī vijayeta rogaṃ pāṇḍuṃ tathā dīpayate'nalaṃ ca

— so, dass es nicht anbrennt; getrocknet und zu Pulver zerrieben trinke man es mit verdünnter Buttermilch; wer sich von Buttermilch-Reis ernährt, besiegt so die Blässe-Krankheit, und zugleich wird das Verdauungsfeuer angeregt.

drā kṣāguḍūcyāmalakīrasaiśca siddhaṃ ghṛtaṃ lāgharake hitaṃ ca gauḍānariṣṭān madhuśarkarāśca mūtrāsavān kṣārakṛtāṃstathaiva

Bei *lāgharaka* ist mit den Säften von Drākṣā, Guḍūcī und Āmalakī bereitetes *ghṛta* zuträglich, ebenso *gauḍa*-Melasse-Weine (*ariṣṭa*), Honig und Zucker sowie mit Urin bereitete *āsava*-Getränke (fermentierte Arzneitränke) und mit Aschenlauge (*kṣāra*) hergestellte Mittel.

snigdhān rasānāmalakairupetān kolānvitān vā'pi hi jāṅgalānām seveta śophābhihitāṃśca yogān pāṇḍvāmayī śāliyavāṃśca nityam

Der an Blässe Leidende nehme ölige Fleischsäfte von Wildtieren, mit Āmalaka oder mit Kola versetzt, sowie die bei Schwellungen genannten Rezepturen, und esse beständig Śāli-Reis und Gerste.

śvāsātisārārucikāsamūrcchātṛṭchardiśūlajvaraśophadāhān tathā'vipākasvarabhedasādān jayedyathāsvaṃ prasamīkṣya śāstram

Atemnot, Durchfall, Appetitlosigkeit, Husten, Ohnmacht, Durst, Erbrechen, Kolik, Fieber, Schwellung, Brennen sowie Verdauungsschwäche, Stimmverlust und Mattigkeit besiege man je nach ihrer Eigenart, indem man die Lehrschrift genau zu Rate zieht.

anteṣu śūnaṃ parihīnamadhyaṃ mlānaṃ tathā'nteṣu ca madhyaśūnam gude ca śephasyatha muṣkaśūnaṃ pratāmyamānaṃ ca visaṃjñakalpam

Wessen Körper an den Enden geschwollen, in der Mitte aber eingefallen ist, oder wer welk ist, mit an den Enden eingefallenem, in der Mitte geschwollenem Leib, oder wer Schwellung am After, am Glied oder am Hodensack hat, wer sich vor Qual windet und beinahe bewusstlos ist —

vivarjayet pāṇḍukinaṃ yajo'rthī tathā'tisārajvarapīḍitaṃ ca

— einen solchen an Blässe leidenden Kranken meide, wer auf seinen guten Ruf bedacht ist, ebenso wie den von Durchfall und Fieber Geplagten.

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