athātaścikitsitapravibhāgavijñānīyamadhyāyaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun werden wir das Kapitel über die Einteilung der Behandlungsarten (*cikitsitapravibhāga*) erklären.
Suśruta-Saṃhitā · Uttaratantra
Das achte Kapitel ordnet die zuvor beschriebenen sechsundsiebzig Augenkrankheiten systematisch nach der Art ihrer notwendigen Behandlung: elf gelten als chedya (durch Schneiden zu behandeln), neun als lekhya (durch Schaben), fünf als bhedya (durch Spalten bzw. Öffnen), fünfzehn als vyadhya (durch Stechen mit der Sonde), zwölf als aśastrakṛtya (ohne chirurgisches Instrument zu behandeln), sieben als yāpya (nur palliativ zu betreuen) und fünfzehn als grundsätzlich zu meiden; die beiden äußerlich verursachten Krankheiten gelten als unheilbar oder bestenfalls palliativ. Für jede Kategorie werden die zugehörigen Krankheiten namentlich aufgeführt, etwa arśas (Fleischwarzen) und Adernetzwucherungen unter chedya oder verschiedene Lidverklebungen unter lekhya, ergänzt um differenzierte Angaben zu den sechs Unterarten des grauen Stars (kāca) und ihrer jeweiligen Prognose je nach beteiligtem doṣa. Das Kapitel fungiert damit als operativ-therapeutisches Register, das die folgenden Behandlungskapitel des Uttaratantra vorstrukturiert.
| Behandlungsart | Anzahl | Genannte Beispiele |
|---|---|---|
| chedya | 11 | Fleischwarze (arśas), trockenes arśas, abuda, Pusteln, Adernwucherungen, fünffaches Adernetz |
| lekhya | 9 | utsaṅginī, Schlamm-Lid, baddhavartma, kliṣṭavartma, pothakī, kumbhīkinī, śarkarā-Lid |
| bhedya | 5 | śleṣmopanāha, lagaṇa, bisa, granthi, añjananāmikā |
| vyadhya | 15 | pūyālasa, anilaviparyaya, śuṣkākṣipāka, verkochte Sehstörungen, arjunapiṣṭaka, balāsa-Erkrankung u.a. |
| aśastrakṛtya | 12 | nicht einzeln benannt |
| yāpya | 7 | u.a. Formen von kāca mit Wimpernverkrümmung |
| zu meiden | 15 | nicht einzeln benannt |
| āgantu | 2 | äußerlich verursacht – unheilbar oder nur palliativ |
athātaścikitsitapravibhāgavijñānīyamadhyāyaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun werden wir das Kapitel über die Einteilung der Behandlungsarten (*cikitsitapravibhāga*) erklären.
yathovāca bhagavān dhanvantariḥ suśrutāya
So wie es der erhabene Dhanvantari zu Suśruta sprach:
ṣaṭsaptatirye'bhihitā vyādhayo nāmalakṣaṇaiḥ cikitsitamidaṃ teṣāṃ samāsavyāsataḥ śṛṇu
Von den sechsundsiebzig Krankheiten, die mit Namen und Kennzeichen genannt wurden, höre nun deren Behandlung, kurz und ausführlich zugleich.
chedyāsteṣu daśaikaśca nava lekhyāḥ prakīrtitāḥ bhedyāḥ pañca vikārāḥ syurvyadhyāḥ pañcadaśaiva tu
Unter ihnen sind elf als *chedya* (zu schneiden), neun als *lekhya* (zu schaben) genannt, fünf Erkrankungen sind *bhedya* (zu spalten), und fünfzehn sind *vyadhya* (zu stechen).
dvādaśā'śastrakṛtyāśca yāpyāḥ sapta bhavanti hi rogā varjayitavyāḥ syurdaśa pañca ca jānatā asādhyau vā bhavetāṃ tu yāpyau cāgantusaṃjñitau
Zwölf sind *aśastrakṛtya* (ohne Instrument zu behandeln), sieben sind *yāpya* (dauerhaft palliativ zu betreuen); der Kundige soll fünfzehn Krankheiten als zu meidend ansehen; die beiden, die *āgantu* (äußerlich verursacht) heißen, sind entweder unheilbar oder palliativ zu behandeln.
arśo'nvitaṃ bhavati vartma tu yattathā'śa śuṣkaṃ tathā'budamatho piḍakāḥ sirā-jāḥ jālaṃ sirājamapi pañcavidhaṃ tathā'ma chedyā bhavanti saha parvaṇikāmayena
Vom *arśas* (der Fleischwarze) befallen ist das eine Lid, ebenso das trockene *arśas*, ferner das *abuda* (die Geschwulst), die Pusteln, die aus Äderchen entstandenen Wucherungen, das fünffache Adernetz sowie die Erkrankung mit den Knotenwülsten – diese sind *chedya*.
utsaṅginī bahalakardamavartmanī ca śyāvaṃ ca yacca paṭhitaṃ tviha baddhavartma kliṣṭaṃ ca pothakiyutaṃ khalu yacca vartma kumbhīkinī ca saha śarkarayā ca lekhyāḥ
*Utsaṅginī* (das taschenartige Lid), das mit dickem Schlamm behaftete Lid, das bläulich-graue Lid, das sogenannte *baddhavartma* (das verklebte Lid), das *kliṣṭavartma* (das gequälte Lid), das *pothakī* genannte Lid, ferner das *kumbhīkinī*-Lid samt dem *śarkarā*-Lid (dem Körnerlid) – diese sind *lekhya*.
śleṣmopanāhalagaṇau ca bisaṃ ca bhedyā granthiśca yaḥ kṛmikṛto'ñjananāmikā ca ādau sirā nigaditāstu yayoḥ prayoge pākau ca yau nayanayoḥ pavano'nyataśca
*Śleṣmopanāha* (die Schleim-Umhüllung) und *lagaṇa* (die Verklebung), *bisa* (die Lotosfaden-Geschwulst) und der *granthi* (der Knoten) sind *bhedya*, ebenso die von pathogenen Mikroorganismen verursachte Erkrankung und die sogenannte *añjananāmikā*; ferner die beiden Formen, bei denen zunächst die Äderchen befallen genannt werden, sowie die beiden Reifungsformen der Augen und der von anderswoher kommende Wind,
pūyālasānilaviparyayamanthasaṃjñāḥ syandāstu yāntyupaśamaṃ hi sirāvyadhena śuṣkākṣipākakaphapittavidagdhadṛṣṭiṣvamlākhyaśukrasahitārjunapiṣṭakeṣu
*pūyālasa* (die Eiter-Trägheit), *anilaviparyaya* (die Windumkehr) und der sogenannte *manthaka* – diese *syanda* (Ausflüsse) kommen durch *sirāvyadha* (Aderlass) zur Ruhe; ebenso beim *śuṣkākṣipāka* (der trockenen Augeneiterung), bei den durch *kapha* und *pitta* verkochten Sehstörungen, bei der sogenannten *amla*-Erkrankung, beim *śukrasahita* und beim *arjunapiṣṭaka* (der weißfleckigen Verhärtung),
aklinnavartmahutabhugdhvajadarśiśuktipraklinnavartmasu tathaiva balāsasaṃjñe āgantunā'mayayugena ca dūṣitāyāṃ dṛṣṭau na śastrapatanaṃ pravadanti tajjñāḥ
beim nicht-nässenden Lid, beim *hutabhugdhvaja* (dem Feuerfahnen-Lid), beim *śuktipraklinnavartma* (dem nässenden Muschelschalen-Lid) sowie bei der sogenannten *balāsa*-Erkrankung; ist die Sehkraft aber zugleich durch eine äußerlich bedingte Krankheit geschädigt, so raten die Kundigen davon ab, das Messer anzusetzen.
saṃpaśyataḥ ṣaḍapi ye'bhihitāstu kācāste pakṣmakopasahitāstu bhavanti yāpyāḥ catvāra eva pavanaprabhavāstvasādhyā dvau pittajau kaphanimittaja eka eva aṣṭārdhakā rudhirajāśca gadāstridoṣāstāvanta eva gaditāvapi bāhyajau dvau
Von den sechs genannten Arten von *kāca* (grauem Star), die mit vollem Sehvermögen einhergehen, sind die mit Wimpernverkrümmung verbundenen palliativ zu behandeln; von *vāta* (dem Wind) entstanden sind vier unheilbar, zwei sind von *pitta* (der Galle), eine ist von *kapha* (dem Schleim) verursacht; die achteinhalb aus *rakta* (dem Blut) entstandenen Krankheiten und ebenso viele durch alle drei *doṣa* (die Körpersäfte) verursachten werden genannt, dazu die zwei äußerlich bedingten.