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Suśruta-Saṃhitā · Uttaratantra

Adhyāya 9: vātābhiṣyandapratiṣedho Behandlung des vāta-bedingten Augenausflusses

Das neunte Kapitel legt die Behandlung des vāta-bedingten Augenausflusses (abhiṣyanda) und der daraus entstehenden Augenentzündung (adhimantha) dar. Nach vorbereitender Ölung, Bähung (sveda) und Aderlass folgt ein breites Spektrum ölbasierter Verfahren: Nährklistiere für die Augen (tarpaṇa), Röstpackungen (puṭapāka), Räucherungen, Betropfungen (āścyotana), Nasenmittel (nasya) sowie warme Ölbesprengungen, ergänzt durch eine windberuhigende, wärmende Diät mit Milch, salzigen Speisen und Milchreis. Ausführlich werden zahlreiche Rezepturen für Öle und Milchzubereitungen aus Kräutern wie sthirā, eraṇḍa (Rizinus), kaṇṭakārī und triphalā genannt, ebenso Augensalben (añjana) aus Süßholz, Ockererde, Steinsalz und Pfeffer. Eigens behandelt wird die trockene Form der Augeneiterung (śuṣkapāka), für die spezielle, wärmende und salzhaltige Rezepturen empfohlen werden. Das Kapitel zeigt exemplarisch das für windbedingte Augenkrankheiten charakteristische Prinzip: eine milde, ölende und wärmende Therapie über zahlreiche Applikationswege hinweg.

athāto vātābhiṣyandapratiṣedhaṃ vyākhyāsyāmaḥ

Nun werden wir die Behandlung des von *vāta* (dem Wind) verursachten *abhiṣyanda* (Augenausflusses) erklären.

yathovāca bhagavān dhanvantariḥ

So wie es der erhabene Dhanvantari sprach:

purāṇasarpiṣā snigdhau syandādhīmanthapīḍitau svedayitvā yathānyāyaṃ sirāmokṣeṇa yojayet

Nachdem man die beiden von *syanda* und *adhimantha* (der akuten Augenentzündung) geplagten Augen mit altem Ghee eingeölt hat, soll man sie ordnungsgemäß mittels *svedana* (Bähung) behandeln und danach *sirāmokṣa* (Aderlass) anwenden.

saṃpādayedbastibhistu samyak snehavirecitau tarpaṇaiḥ puṭapākaiśca dhūmairāścyotanaistathā

Nach ordnungsgemäßer Ölung und *virecana* (Abführung) soll man die beiden Augen mit *basti* (Nährklistieren), *tarpaṇa* (Stärkungsverfahren), *puṭapāka* (Röstpackungen), *dhūma* (Räucherungen) und *āścyotana* (Betropfungen) behandeln,

nasyasnehaparīṣekaiḥ śirobastibhireva ca vātaghnānūpajalajamāṃsāmlakvāthasecanaiḥ

mit *nasya* (Nasenanwendung), Ölbesprengungen, *śirobasti* (Kopfklistieren), sowie mit Absud-Waschungen aus windvertreibenden Sumpf- und Wasserpflanzen, Fleisch und saurem Kvatha,

snehaiścaturbhiruṣṇaiśca tatpītāmbaradhāraṇaiḥ payobhirvesavāraiśca sālvaṇaiḥ pāyasaistathā

mit den vier warmen Ölen, dem Tragen erwärmter Kleidung, mit Milch, *vesavāra* (dem Fleischgericht), salzigen Speisen und *pāyasa* (Milchreis).

bhiṣak saṃpādayedetāvupanāhaiśca pūjitaiḥ grāmyānūpaudakarasaiḥ snigdhaiḥ phalarasānvitaiḥ

Der Arzt soll die beiden Augen auch mit geschätzten *upanāha* (Bähungen) behandeln, mit Säften von Nutztieren, Sumpfpflanzen und Wassertieren, ölig und mit Fruchtsäften versetzt,

susaṃskṛtaiḥ payobhiśca tayorāhāra iṣyate tathā copari bhaktasya sarpiḥpānaṃ praśasyate

sowie mit gut zubereiteter Milch – diese wird ihnen als Nahrung empfohlen; ebenso wird nach der Mahlzeit der Genuss von Ghee empfohlen.

triphalākvāthasaṃsiddhaṃ kevalaṃ jīrṇameva vā siddhaṃ vātaharaiḥ kṣīraṃ prathamena gaṇena vā

Man verwende Milch, die mit dem Absud der *triphalā* gekocht ist, entweder für sich allein oder abgestanden, oder Milch, die mit windvertreibenden Kräutern oder mit der ersten Kräutergruppe gekocht ist.

snehāstailādvinā siddhā vātaghnaistarpaṇe hitāḥ snaihikaḥ puṭapākaśca dhūmo nasyaṃ ca tadvidham

Öle, die ohne Sesamöl aus windvertreibenden Kräutern bereitet sind, sind für das *tarpaṇa* zuträglich; ebenso die ölige *puṭapāka*-Anwendung und Räucherung, und das *nasya* ebenso.

nasyādiṣu sthirākṣīramadhuraistailamiṣyate eraṇḍapallave mūle tvaci vā'ja payaḥ śṛtam

Bei *nasya* und dergleichen wird Öl mit *sthirā*, Milch und süßen Kräutern empfohlen; ebenso Ziegenmilch, gekocht mit dem Blatt, der Wurzel oder der Rinde des *eraṇḍa*,

kaṇṭakāryāśca mūleṣu sukhoṣṇaṃ secane hitam saindhavodīcyayaṣṭyāhvapippalībhiḥ śṛtaṃ payaḥ

oder mit den Wurzeln der *kaṇṭakārī* – lauwarm ist dies zuträglich für *secana* (die Beträufelung); Milch, gekocht mit Steinsalz, *udīcya*, Süßholz und *pippalī*,

hitamardhodakaṃ seke tathā'ścyotanameva ca hrīberavakramañjiṣṭhodumbaratvakṣu sādhitam

halb mit Wasser vermischt, ist zuträglich für die Beträufelung, ebenso für das Betropfen; Milch, gekocht mit *hrīvera*, *avakra*, *mañjiṣṭhā* und der Rinde des *udumbara*,

sāmbhaśchāgaṃ payo vā'pi śūlāścyotanamuttamam madhukaṃ rajanīṃ pathyāṃ devadāruṃ ca peṣayet

mit Wasser oder Ziegenmilch versetzt, ist die beste Beträufelung bei Schmerz. Man zerreibe Süßholz, *rajanī*, *pathyā* und *devadāru*

ājena payasā śreṣṭhamabhiṣyande tadañjanam gairikaṃ saindhavaṃ kṛṣṇāṃ nāgaraṃ ca yathottaram

am besten mit Ziegenmilch – dies dient als *añjana* (Augensalbe) beim *abhiṣyanda*. *Gairika*, Steinsalz, *kṛṣṇā* und *nāgara*, in aufsteigender Menge,

dviguṇaṃ piṣṭamadbhistu guṭikāñjanamiṣyate snehāñjanaṃ hitaṃ cātra vakṣyate tadyathāvidhi

doppelt so viel wie das vorherige, mit Wasser verrieben – so wird das *guṭikāñjana* (die Pillen-Augensalbe) bereitet; auch das *snehāñjana* (die ölige Augensalbe) ist hier zuträglich, sie wird nun der Vorschrift gemäß dargelegt.

rogo yaścānyatovāto yaśca mārutaparyayaḥ anenaiva vidhānena bhiṣak tāvapi sādhayet

Die Krankheit, die *anyatovāta* (der von anderswoher kommende Wind) heißt, sowie den *anilaparyaya* (die Windabweichung), soll der Arzt eben nach demselben Verfahren behandeln.

pūrvabhaktaṃ hitaṃ sarpiḥ kṣīraṃ vā'pyatha bhojane vṛkṣādanyāṃ kapitthe ca pañcamūle mahatyapi

Vor der Mahlzeit ist Ghee zuträglich, oder auch Milch beim Essen; ein Sud aus *vṛkṣādanī*, *kapittha*, dem kleinen und dem großen *pañcamūla* (den fünf Wurzeln),

sakṣīraṃ karkaṭarase siddhaṃ cātra ghṛtaṃ pibet siddhaṃ vā hitamatrāhuḥ pattūrārtagalāgnikaiḥ

mit Milch versetzt, im Saft der *karkaṭa* gekocht – dieses Ghee trinke man; auch ein Sud, gekocht mit *pattūra*, *ārtagala* und *agnika*, gilt hier als zuträglich,

sakṣīraṃ meṣaśṛṅgyā vā sarpirvīratareṇa vā saindhavaṃ dāru śuṇṭhī ca mātuluṅgaraso ghṛtam

mit Milch versetzt, oder mit *meṣaśṛṅgī*, oder Ghee mit *vīratara*; Steinsalz, *devadāru*, *śuṇṭhī* und der Saft des *mātuluṅga*, mit Ghee bereitet,

stanyodakābhyāṃ kartavyaṃ śuṣkapāke tadañjanam pūjitaṃ sarpiṣaścātra pānamakṣṇośca tarpaṇam

mit Muttermilch und Wasser versetzt, soll man dies bei *śuṣkapāka* (trockener Augeneiterung) als Augensalbe herstellen. Geschätzt ist hierbei auch der Genuss von Ghee sowie das Stärkungsverfahren für die Augen

ghṛtena jīvanīyena nasyaṃ tailena cāṇunā pariṣeke hitaṃ cātra payaḥ śītaṃ sasaindhavam

mit lebenkräftigendem Ghee; das *nasya* mit feinem Sesamöl; bei der Beträufelung ist hierbei kalte, mit Steinsalz versetzte Milch zuträglich,

rajanīdārusiddhaṃ vā saindhavena samāyutam sarpiryutaṃ stanyaghṛṣṭamañjanaṃ vā mahauṣadham

oder mit *rajanī* und *devadāru* gekochte Milch, mit Steinsalz vermischt; mit Ghee versetztes und an Muttermilch geriebenes Süßholz oder die *mahauṣadha* dient als Augensalbe,

vasā vā'nūpajalajā saindhavena samāyutā nāgaronmiśritā kiñcicchuṣkapāke tadañjanam

oder Fett von Sumpf- und Wassertieren, mit Steinsalz vermischt und mit etwas *nāgara* versetzt – das ist die Augensalbe bei *śuṣkapāka*.

pavanaprabhavā rogā ye keciddṛṣṭināśanāḥ bījenānena matimān teṣu karma prayojayet

Bei all den Krankheiten, die aus *vāta* entstehen und das Sehvermögen zerstören, soll der kluge Arzt nach diesem Grundprinzip die Behandlung anwenden.

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