Quellen der Menschheit

Suśruta-Saṃhitā · Uttaratantra

Adhyāya 22: nāsāgatarogavijñānīyo Diagnose der Nasenkrankheiten

Das zweiundzwanzigste Kapitel stellt die Nasenkrankheiten (nāsāgataroga) vor, insgesamt einunddreißig an der Zahl. Elf Grunderkrankungen werden benannt und beschrieben – darunter apīnasa (Nasenverstopfung), pūtinasya (übelriechende Nase), nāsāpāka (Naseneiterung), śoṇitapitta und pūyaśoṇita (blutige bzw. eitrig-blutige Absonderungen), kṣavathu (Niesreiz), bhraṃśathu (Schleimabgang), dīpta (die brennende Nase), nāsānāha (Verstopfung), parisrava (Nasenlaufen) und nāsāśoṣa (Trockenheit) –, ergänzt um vier Formen von arśas (Nasenpolypen), vier von śopha (Schwellungen), sieben von arbuda (Geschwülsten) und die fünf, im folgenden Kapitel gesondert behandelten Formen von pratiśyāya (Schnupfen). Die Krankheitsentstehung wird durchweg auf ein Fehlverhalten des Windes udāna sowie auf pitta, kapha und Blut zurückgeführt, häufig ausgelöst durch Verletzungen, Rauch oder Kälte. Das Kapitel bildet damit die systematische Grundlage für die anschließenden Behandlungskapitel der HNO-Sektion des Uttaratantra.

Die elf Grunderkrankungen der Nase (nāsāgataroga) (Vers 3–18)
NameKennzeichen
Apīnasaverstopfte Nase, brennt wie beräuchert, nässt und trocknet zugleich, Geruchsverlust
Pūtinasyaübler Geruch aus Mund und Nase, Wind mit Doṣa an Kehle und Gaumen
NāsāpākaNaseneiterung durch pitta-Geschwüre, Nässen und Fäulnis
Śoṇitapittavierfaches Blutungsleiden (gesondert behandelt)
Pūyaśoṇitablutig-eitriger Ausfluss durch Doṣa oder Stirnschlag
Kṣavathuwiederholtes, geräuschvolles Niesen durch Wind am Nasen-marman
BhraṃśathuAbgang von zähflüssigem, salzigem, im Kopf angesammeltem Schleim
DīptaWindausströmen wie Rauch, Nase wie in Flammen
NāsānāhaVerstopfung durch gestörten, von Kapha umhüllten udāna-Wind
Parisravaunablässiger, klarer, wasserheller Ausfluss, besonders nachts
NāsāśoṣaNasentrockenheit durch von Wind und Pitta ausgetrockneten Schleim, mühsame Atmung
Hinzu kommen vier Formen von arśas, vier von śopha, sieben von arbuda sowie die fünf Arten des pratiśyāya (Schnupfen, Kap. 24) – zusammen einunddreißig Nasenkrankheiten.

athāto nāsāgatarogavijñānīyamadhyāyaṃ vyākhyāsyāmaḥ

Nun werden wir das Kapitel über die Diagnose der *nāsāgataroga* (der Nasenkrankheiten) erklären.

yathovāca bhagavān dhanvantariḥ

So wie es der erhabene Dhanvantari sprach:

apīnasaḥ pūtinasyaṃ nāsāpākastathaiva ca tathā śoṇitapittaṃ ca pūyaśoṇitameva ca

*Apīnasa* (Nasenverstopfung), *pūtinasya* (übelriechende Nase), ebenso *nāsāpāka* (Naseneiterung), sodann *śoṇitapitta* (Nasenbluten durch Blut und *pitta*) und *pūyaśoṇita* (eitrig-blutiger Ausfluss),

kṣavathurbhraṃśathurdīpto nāsānāhaḥ parisravaḥ nāsāśoṣeṇa sahitā daśaikāśceritā gadāḥ

*kṣavathu* (Niesreiz), *bhraṃśathu* (Schleimabgang), *dīpta* (die 'brennende' Nase), *nāsānāha* (Nasenverstopfung) und *parisrava* (Nasenlaufen) – zusammen mit *nāsāśoṣa* (Nasentrockenheit) sind dies elf genannte Krankheiten.

catvāryarśāṃsi catvāraḥ śophāḥ saptārbudāni ca pratiśyāyāśca ye pañca vakṣyante sacikitsitāḥ ekatriṃśanmitāste tu nāsārogāḥ prakīrtitāḥ

Vier *arśas* (Nasenpolypen), vier *śopha* (Schwellungsformen), sieben *arbuda* (Geschwulstformen) sowie die fünf Arten von *pratiśyāya* (Schnupfen), die samt ihrer Behandlung noch dargelegt werden – zusammengenommen einunddreißig Krankheiten der Nase sind so verkündet.

ānahyate yasya vidhūpyate ca praklidyate śuṣyati cāpi nāsā na vetti yo gandharasāṃśca janturjuṣṭaṃ vyavasyettamapīnasena

Wessen Nase sich verstopft, wie beräuchert brennt, nässt und zugleich austrocknet, und wer Gerüche nicht wahrnimmt – diesen Menschen erkenne man als von *apīnasa* befallen.

taṃ cānilaśleṣmabhavaṃ vikāraṃ brūyāt pratiśyāyasamānaliṅgam doṣaiḥrvidagdhairgalatālumūle saṃvāsito yasya samīraṇastu

Dieses aus *vāta* und *kapha* entstehende Leiden gleiche in seinen Zeichen dem *pratiśyāya*. Wessen Wind, von verdorbenen *doṣas* begleitet, sich an der Wurzel von Kehle und Gaumen festsetzt,

nireti pūtirmukhanāsikābhyāṃ taṃ pūtināsaṃ pravadanti rogam ghrāṇāśritaṃ pittamarūṃṣi kuryādyasmin vikāre balavāṃśca pākaḥ

und bei dem übler Geruch aus Mund und Nase dringt, dessen Leiden nennt man *pūtināsa*. Wenn das in der Nase sitzende *pitta* Geschwüre hervorruft und die Eiterung dabei kräftig ausgeprägt ist,

taṃ nāsikāpākamiti vyavasyedvikledakothāvapi yatra dṛṣṭau caturvidhaṃ dviprabhavaṃ dvimārgaṃ vakṣyāmi bhūyaḥ khalu raktapittam

erkenne man dies als *nāsikāpāka*, bei dem auch Nässen und Fäulnis zu beobachten sind. Das vierfache, aus zwei Ursachen entstehende, auf zwei Wegen verlaufende *raktapitta* (Blutungsleiden) werde ich weiter unten noch darlegen.

doṣairvidagdhairathavā'pi jantorlalāṭadeśe'bhihatasya taistu nāsā sravet pūyamasṛgvimiśraṃ taṃ pūyaraktaṃ pravadanti rogam

Wenn durch verdorbene *doṣas*, oder weil ein Mensch an der Stirngegend einen Schlag erlitten hat, die Nase mit Blut vermischten Eiter absondert, nennt man dieses Leiden *pūyarakta*.

ghrāṇāśrite marmaṇi saṃpraduṣṭe yasyānilo nāsikayā nireti

Wessen Wind, wenn das der Nase zugehörige *marman* (der Vitalpunkt) in Mitleidenschaft gezogen ist, durch die Nase entweicht –

kaphānuyāto bahuśaḥ saśabdastaṃ rogamāhuḥ kṣavathuṃ vidhijñāḥ tīkṣṇopayogādatijighrato vā bhāvān kaṭūnarkanirīkṣaṇādvā

– begleitet von *kapha*, wiederholt und mit Geräusch –, dieses Leiden nennen die Kundigen *kṣavathu*. Sei es durch den Gebrauch scharfer Mittel, durch zu intensives Riechen an scharfen Stoffen oder durch das Betrachten der Sonne,

sūtrādibhirvā taruṇāsthimarmaṇyuddhāṭite'nya kṣavathurnireti prabhraśyate nāsikayaiva yaśca sāndro vidagdho lavaṇaḥ kaphastu

oder wenn durch einen Faden und dergleichen das am Knorpel gelegene *marman* verletzt wird – auf diese Weise entsteht ein anderer *kṣavathu*. Wenn zähflüssiger, verdorbener, salziger Schleim allein durch die Nase abgeht,

prāk saṃcito mūrdhani pittataptastaṃ bhraṃśathuṃ vyādhimudāharanti ghrāṇe bhṛśaṃ dāhasamanvite tu viniḥsareddhūma iveha vāyuḥ

der sich zuvor im Kopf angesammelt hatte und durch *pitta* erhitzt wurde, nennt man dieses Leiden *bhraṃśathu*. Wenn aus der von heftigem Brennen ergriffenen Nase der Wind wie Rauch hervorströmt,

nāsā pradīpteva ca yasya jantorvyādhiṃ tu taṃ dīptamudāharanti kaphāvṛto vāyurudānasaṃjño yadā svamārge viguṇaḥ sthitaḥ syāt

und die Nase eines Menschen wie in Flammen steht, nennt man dieses Leiden *dīpta*. Wenn der von *kapha* umhüllte, *udāna* genannte Wind, aus seinem eigenen Pfad geraten, gestört verharrt,

ghrāṇaṃ vṛṇotīva tadā sa rogo nāsāpratīnāha iti pradiṣṭaḥ ajasramacchaṃ salilaprakāśaṃ yasyāvivarṇaṃ sravatīha nāsā

und dabei gleichsam die Nase verschließt, wird dieses Leiden *nāsāpratīnāha* genannt. Wessen Nase unablässig eine klare, wasserhelle, farblose Flüssigkeit absondert,

rātrau viśeṣeṇa hi taṃ vikāraṃ nāsāparisrāvamiti vyavasyet ghrāṇāśrite śleṣmaṇi mārutena pittena gāḍhaṃ pariśoṣite ca

besonders nachts – dieses Leiden erkenne man als *nāsāparisrāva*. Wenn der in der Nase sitzende Schleim durch Wind und *pitta* vollständig ausgetrocknet ist,

samucchvasityūrdhvamadhaśca kṛcchrādyastasya nāsāpariśoṣa uktaḥ doṣaistribhistaiḥ pṛthagekaśaśca brūyāttathā'śāsi tathaiva śophān

und wer nur mühsam ein- und ausatmet, dessen Leiden wird *nāsāpariśoṣa* genannt. Ebenso beschreibe man die *arśas* und die *śopha*, einzeln entstehend durch jeden der drei *doṣas* für sich,

śālākyasiddhāntamavekṣya cāpi sarvātmakaṃ saptamamarbudaṃ tu rogaḥ pratiśyāya ihopadiṣṭaḥ sa vakṣyate pañcavidhaḥ purastāt

unter Berücksichtigung der Lehrsätze der *śālākya* (der Ohren-Nasen-Augen-Heilkunde), sowie das siebte, aus allen *doṣas* zugleich entstehende *arbuda*. Das hier gelehrte Leiden *pratiśyāya* wird weiter unten in seinen fünf Arten dargelegt werden.

nāsāsrotogatā rogāstriṃśadekaśca kīrtitāḥ srotaḥpathe yadvipulaṃ kośavaccārbudaṃ bhavet

Einunddreißig Krankheiten, die den Nasengängen zugehören, wurden so verkündet. Was im Kanalweg sich ausgedehnt wie eine Hülle bildet, ist das *arbuda*.

śophāstu śophavijñānā nāsāsrotovyavasthitāḥ nidāne'śāsi nirdiṣṭānyevaṃ tāni vibhāvayet

Die *śopha* aber, die in den Nasengängen auftreten, erkennt man an den Merkmalen der Schwellungslehre; sie wurden ebenso wie die *arśas* im Kapitel über die Ursachenlehre (*nidāna*) bereits dargelegt – so möge man sie erkennen.

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