Quellen der Menschheit

Suśruta-Saṃhitā · Uttaratantra

Adhyāya 4: śuklagatarogavijñānīyo Krankheiten der Lederhaut

Das vierte Kapitel beschreibt die elf Krankheiten der śukla, des Weißen (der Sklera) des Auges. Im Zentrum stehen fünf Formen des arma, einer fleischigen Wucherung – prastāryarma (ausgebreitet), śuklārma, lohitārma (blutfarben), adhimāṃsārma (leberglänzend) und snāyvarma (sehnig-rau) –, die sich durch Farbe, Konsistenz und Wachstumsgeschwindigkeit unterscheiden. Ergänzt werden sie um kleinere, punktförmige Auffälligkeiten wie śuktikā (muschelschalenartige Flecken), arjuna (ein hasenblutfarbener Punkt) und piṣṭaka (ein mehlweißer Punkt) sowie um netzartige und bläschenförmige Gefäßveränderungen (sirājāla, Venenbläschen) und balāsaka, ein bronzefarbenes, schmerzloses Gebilde. Die knappen, bildhaften Vergleiche – mit Kuheuter, Leber, Lotos oder Wassertropfen – dienen der raschen visuellen Unterscheidung dieser oberflächlichen, meist chirurgisch zu behandelnden Bindehaut- und Skleraveränderungen.

Die elf Krankheiten des Weißen (śukla) des Auges (Vers 3–9)
NameKennzeichen
Prastāryarmaausgebreitete, dünne, blutrot-bläuliche Wucherung
Śuklārmaweich, weißlich, gleichmäßig, langsam wachsend
Lohitārmazunehmendes, lotosfarbenes Fleisch
Adhimāṃsārmaausgebreitet, weich, dick, leberglänzend oder bräunlich
Snāyvarmarau und blass wachsendes Fleisch
Śuktikābräunliche, fleischfarbene, muschelschalenartige Punkte
Arjunaeinzelner Punkt, dem Blut eines Hasen gleichend
Piṣṭakaerhabener, wasserklarer, mehlweißer Punkt
Venennetzwohlgerundetes, netzartiges, an der Wurzel hartes, blutig durchzogenes Gebilde
Venen-Bläschenweiße, von Venen umgebene Bläschen nahe dem Schwarzen des Auges
Balāsakabronzefarbenes, wassertropfenähnliches, schmerzloses Gebilde

athātaḥ śuklagatarogavijñānīyamadhyāyaṃ vyākhyāsyāmaḥ

Nun wollen wir das Kapitel über die an der Lederhaut (*śukla*, dem Weißen des Auges) entstehenden Krankheiten erläutern.

yathovāca bhagavān dhanvantariḥ

So, wie es der erhabene Dhanvantari verkündet hat.

prastāriśuklakṣatajādhimāṃsasnāyvarmasaṃjñāḥ khalu pañca rogāḥ syuḥ śuktikā cārjunapiṣṭakau ca jālaṃ sirāṇāṃ piḍakāśca yāḥ syuḥ

Es gibt fünf Krankheiten mit den Namen „prastāryarma“ (das ausgebreitete *arma*, eine fleischige Wucherung), „śuklārma“ (die Sklera-Wucherung), „kṣatajārma“ (das aus Blut entstandene *arma*), „adhimāṃsārma“ (das Wucherfleisch-*arma*) und „snāyvarma“ (das Sehnen-*arma*); dazu die muschelfleckartige Trübung, das rötliche und das körnige Fleckchen, das Venennetz sowie die verschiedenen Bläschen,

rogā balāsagrathitena sārdhamekādaśākṣṇoḥ khalu śuklabhāge prastāri prathitamihārma śuklabhāge vistīrṇaṃ tanu rudhiraprabhaṃ sanīlam

zusammen mit der Schleim-Verklumpung sind dies elf Krankheiten, die am Weißen der Augen ihren Sitz haben. Das „prastāryarma“ ist hier als eine am Weißen ausgebreitete, dünne, blutrote, ins Bläuliche spielende Wucherung bekannt,

śuklākhyaṃ mṛdu kathayanti śuklabhāge saśvetaṃ samamiha vardhate cireṇa yanmāṃsaṃ pracayamupaiti śuklabhāge padmābhaṃ tadupadiśanti lohitārma

das sogenannte „śuklārma“ wird als weich beschrieben, am Weißen weißlich und gleichmäßig, sich nur langsam vergrößernd. Wenn hingegen das Fleisch am Weißen an Umfang zunimmt und lotosfarben erscheint, so nennt man dies das „lohitārma“ (das Blut-*arma*).

vistīrṇaṃ mṛdu bahalaṃ yakṛtprakāśaṃ śyāvaṃ vā tadadhikamāṃsajārma vidyāt śukle yat piśitamupaiti vṛddhimetat snāyvarmetyabhipaṭhitaṃ kharaṃ prapāṇḍu

Ein ausgebreitetes, weiches, dickes *arma*, das wie Leber glänzt oder bräunlich ist, soll man als „adhimāṃsārma“ erkennen; jenes Fleisch aber, das am Weißen wächst und dabei rau und blass wird, wird als „snāyvarma“ bezeichnet.

śyāvāḥ syuḥ piśitanibhāśca bindavo ye śuktyābhāḥ sitanayane sa śuktisaṃjñaḥ eko yaḥ śaśarudhiropamastu binduḥ śuklastho bhavati tamarjunaṃ vadanti

Bräunliche, fleischfarbene Punkte, die im weißen Teil des Auges muschelschalenartig erscheinen, werden „śuktikā“ genannt. Ein einzelner Punkt am Weißen, der dem Blut eines Hasen gleicht, wird als „arjuna“ bezeichnet.

utsannaḥ salilanibho'tha piṣṭaśuklo binduryo bhavati sa piṣṭakaḥ suvṛttaḥ jālābhaḥ kaṭhināsiro mahān saraktaḥ santānaḥ smṛta iha jālasaṃjñitastu

Ein erhabener, wasserklarer, mehlweißer Punkt wird als „piṣṭaka“ bezeichnet. Ein wohlgerundetes, netzartiges, an der Wurzel hartes, großes, blutig durchzogenes Gebilde wird hier als Venennetz bezeichnet.

śuklasthāḥ sitapiḍakāḥ sirāvṛtā yāstā vidyādasitasamīpajāḥ sirājāḥ kāṃsyābho bhavati site'mbubindutulyaḥ sa jñeyo'mṛdurarujo balāsakākhyaḥ

Weiße, von Venen umgebene Bläschen am Weißen, die nahe dem Schwarzen entstehen, soll man als Venen-Bläschen erkennen. Ein bronzefarbenes, einem Wassertropfen ähnliches Gebilde am Weißen, das nicht weich ist und keinen Schmerz verursacht, wird als „balāsaka“ bezeichnet.

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