athātaḥ svasthavṛttamadhyāyaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun wollen wir das Kapitel über die Lebensweise des Gesunden (*svasthavṛtta*) erläutern.
Suśruta-Saṃhitā · Uttaratantra
Das vierundsechzigste Kapitel, gleichfalls den tantrabhūṣaṇa-Kapiteln zugehörig, führt die im Sūtrasthāna knapp behandelte svasthavṛtta (Lebensweise des Gesunden) ausführlich weiter und entfaltet vor allem die Jahreszeitenordnung (ṛtucaryā): Für Regenzeit, Herbst, Winter, Frühling und Hochsommer werden jeweils zuträgliche Geschmacksarten, Speisen, Getränke, Bade- und Wohngewohnheiten sowie höfische Vergnügungen – Salben, Räucherwerk wie aguru, Mondlicht, Geschlechtsverkehr – detailliert beschrieben, gerichtet an einen königlichen Adressaten. Ergänzt wird dies durch zwei praktische Systematiken: die zwölf Arten der Nahrungsdarreichung (kalt, warm, ölig, trocken, flüssig, fest u. a., abgestimmt auf Krankheitsbilder) und die zehn Einnahmezeitpunkte der Arznei (abhakta, prāgbhakta, adhobhakta u. a.), jeweils mit Wirkung und Indikation erläutert. Das Kapitel schließt mit den Anzeichen, an denen der Arzt erkennt, dass der rechte Zeitpunkt zur Nahrungsaufnahme gekommen ist.
| Jahreszeit | Zuträgliche Geschmäcker/Kost | Weitere Empfehlungen |
|---|---|---|
| Varṣā | adstringierend, bitter, scharf; nicht zu ölig oder trocken, warm | abgekochtes Honigwasser; kein Tagesschlaf, kein übermäßiger Wassergenuss |
| Śarad | adstringierend, süß, bitter; Milch, Zuckerrohr, Honig, Reis, Mungbohnen, Wildfleisch | Baden, Mondlicht, Sandelpaste, Aderlass, Abführmittel gegen angesammeltes pitta |
| Hemanta / Śiśira | salzig, alkalisch, bitter, sauer, scharf; reich an Ghee und Öl | ölige Einreibung, warme Bäder, beheizte Gemächer |
| Vasanta | scharf, trocken, alkalisch, adstringierend, leicht warm; Gerste, Mungbohnen, Honig | körperliche Anstrengung, Kapha-Reinigung (Brechmittel, Kopfreinigung, Klistiere) |
| Nidāgha / Gharma | kühle, leichte, süß-flüssige Speise | kühle Getränke, mit Kandiszucker gesüßte Milch; Vermeidung von Hitze und Anstrengung |
| Zeitpunkt | Wirkung / Indikation |
|---|---|
| Abhakta (ohne Speise) | größte Wirkkraft, rasche Heilung; erschöpfend für Kinder, Alte, Frauen |
| Prāgbhakta (vor der Speise) | rasche Verdauung, schont die Kraft; geeignet für Alte, Kinder, Ängstliche, schwache Frauen |
| Adhobhakta (nach der Speise) | beseitigt Krankheiten des oberen Körperbereichs, verleiht Kraft |
| Madhyebhakta (inmitten der Speise) | beseitigt Krankheiten des mittleren Körperbereichs |
| Antarābhakta (zwischen den Speisen) | stets zuträglich |
| Sabhakta (mit der Speise) | zuträglich für Schwache wie Starke, Kinder und Alte; herzstärkend, verdauungsfördernd |
| Sāmudga (Anfang und Ende der Speise) | bei zweifach ausgebreitetem Doṣa |
| Muhurmuhu (wiederholt) | bei Atemnot, Husten, Schluckauf, Erbrechen |
| Grāsa (mit dem Bissen vermengt) | bei geschwächtem Verdauungsfeuer, aphrodisische Mittel |
| Grāsāntara (zwischen den Bissen) | bei Atemnot und ähnlichen Leiden, emetische Räucherungen |
athātaḥ svasthavṛttamadhyāyaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun wollen wir das Kapitel über die Lebensweise des Gesunden (*svasthavṛtta*) erläutern.
yathovāca bhagavān dhanvantariḥ
So sprach der erhabene Dhanvantari:
sūtrasthāne samuddiṣṭaḥ svastho bhavati yādṛśaḥ tasya yadra kṣaṇaṃ taddhi cikitsāyāḥ prayojanam
Wie im *Sūtrasthāna* dargelegt wurde, wer als gesund gilt – dessen Erhaltung ist eben der Zweck der Heilkunde.
tasya yadvṛttamuktaṃ hi rakṣaṇaṃ ca mayā''ditaḥ tasminnarthāḥ samāsoktā vistareṇeha vakṣyate
Die Lebensweise und die Erhaltung der Gesundheit, die ich dort von Anfang an dargelegt habe – deren Inhalte, dort nur zusammengefasst genannt, sollen hier ausführlich behandelt werden.
yasmin yasminnṛtau ye ye doṣāḥ kupyanti dehinām teṣu teṣu pradātavyāḥ rasāste te vijānatā
In welcher Jahreszeit auch immer welche *doṣas* (Körpersäfte) bei den Verkörperten in Erregung geraten, dort sollen dem Kundigen entsprechend jeweils die passenden Geschmacksarten (*rasa*) verabreicht werden.
praklinnatvāccharīrāṇāṃ varṣāsu bhiṣajā khalu mande'gnau kopamāyānti sarveṣāṃ mārutādayaḥ
Weil in der Regenzeit (*varṣā*) die Körper durchfeuchtet sind, geraten bei allen Menschen mit geschwächtem Verdauungsfeuer (*agni*) *vāta* und die übrigen *doṣas*, wie der Arzt (*bhiṣaj*) weiß, in Erregung.
tasmāt kledaviśuddhyarthaṃ doṣasaṃharaṇāya ca kaṣāyatiktakaṭukai rasairyuktamapadra vam
Daher soll man zur Reinigung von der Feuchtigkeit (*kleda*) und zur Beruhigung der *doṣas* Speise geben, die mit adstringierendem (*kaṣāya*), bitterem (*tikta*) und scharfem (*kaṭuka*) Geschmack versehen und frei von Beschwerden ist,
nātisnigdhaṃ nātirūkṣamuṣṇaṃ dīpanameva ca deyamannaṃ nṛpataye yajjalaṃ coktamāditaḥ
weder zu ölig noch zu trocken, warm und verdauungsfördernd; dies soll dem König als Speise gereicht werden, ebenso das Wasser, wie es schon eingangs beschrieben wurde.
taptāvaratamambho vā pibenmadhusamāyutam ahni meghānilāviṣṭe'tyarthaśītāmbusaṅkule
An Tagen, die von Wolken und Wind erfüllt und von übermäßig kaltem Wasser durchsetzt sind, trinke man abgekochtes, mit Honig versetztes Wasser.
taruṇatvādvidāhaṃ ca gacchantyoṣadhayastadā matimāṃstannimittaṃ ca nātivyāyāmamācaret
Da die Getreidepflanzen zu dieser Zeit noch jung sind, verursachen sie ein Brennen (*vidāha*); deswegen soll der Kluge dann keine übermäßige körperliche Anstrengung (*vyāyāma*) ausüben.
atyambupānāvaśyāyagrāmyadharmātapāṃstyajet bhūbāṣpaparihārārthaṃ śayīta ca vihāyasi
Man meide übermäßigen Wassergenuss, Morgentau, Geschlechtsverkehr und Sonnenhitze; um den vom Boden aufsteigenden Dunst zu vermeiden, schlafe man in einem höher gelegenen Gemach.
śīte sāgnau nivāte ca guruprāvaraṇe gṛhe yāyānnāgavadhūbhiśca praśastāgurubhūṣitaḥ
Man begebe sich in ein kühles, mit Feuer versehenes, windgeschütztes Haus mit schweren Decken, das mit erlesenem *aguru* (Adlerholz-Räucherwerk) duftet, zu jungen Frauen von der Anmut junger Elefantenkühe.
divāsvapnamajīrṇaṃ ca varjayettatra yatnataḥ sevyāḥ śaradi yatnena kaṣāyasvādutiktakāḥ
Man vermeide dort sorgfältig den Tagesschlaf und unverdaute Speise. Im Herbst (*śarad*) sollen sorgfältig adstringierende, süße und bittere Speisen genossen werden.
kṣīrekṣuvikṛtikṣaudra śālimudgādijāṅgalāḥ śvetasrajaścandra pādāḥ pradoṣe laghu cāmbaram
Milch, Zuckerrohrprodukte, Honig, Reis (*śāli*), Mungbohnen (*mudga*) und Ähnliches sowie Fleisch von Wildtieren des trockenen Landes (*jāṅgala*); weiße Blütengirlanden, Mondlicht am Abend und leichte Gewänder [sind zuträglich].
salilaṃ ca prasannatvāt sarvameva tadā hitam saraḥsvāplavanaṃ caiva kamalotpalaśāliṣu
Wasser ist wegen seiner Klarheit dann durchweg zuträglich, ebenso das Baden in Seen, die mit Lotus (*kamala*) und blauer Seerose (*utpala*) bewachsen sind.
pradoṣe śaśinaḥ pādāścandanaṃ cānulepanam tiktasya sarpiṣaḥ pānairasṛksrāvaiśca yuktitaḥ
Am Abend das Mondlicht, Sandelpaste (*candana*) als Salbe, das Trinken von bitterem Ghee sowie geeigneter Aderlass (*asṛksrāva*) [sind angezeigt].
varṣāsūpacitaṃ pittaṃ hareccāpi virecanaiḥ nopeyāttīkṣṇamamloṣṇaṃ kṣāraṃ svapnaṃ divā'tapam
Das in der Regenzeit angesammelte *pitta* soll man auch durch Abführmittel (*virecana*) beseitigen. Man nehme weder scharfe, saure, heiße noch alkalische (*kṣāra*) Speisen zu sich, auch keinen Tagesschlaf und keine Sonnenhitze.
rātrau jāgaraṇaṃ caiva maithunaṃ cāpi varjayet hemante lavaṇakṣāratiktāmlakaṭukotkaṭam
Auch nächtliches Wachbleiben und Geschlechtsverkehr soll man meiden. Im Winter (*hemanta*) ist Speise zuträglich, die reich an Salzigem, Alkalischem, Bitterem, Saurem und Scharfem ist,
sasarpistailamahimamaśanaṃ hitamucyate tīkṣṇānyapi ca pānāni pibedagurubhūṣitaḥ
versehen mit Ghee und Öl, nicht der Kälte ausgesetzt – solche Speise gilt als zuträglich. Auch starke, scharfe Getränke trinke man, mit *aguru* geschmückt.
tailāktasya sukhoṣṇe ca vārikoṣṭhe'vagāhanam sāṅgārayāne mahati kauśeyāstaraṇāstṛte
Mit Öl eingerieben, bade man in angenehm warmem Wasser in einem eigens dafür bestimmten Becken; man ruhe in einem großen, mit Kohlebecken beheizten Gemach, das mit Seidenpolstern bedeckt ist,
śayīta śayane taistairvṛto garbhagṛhodare strīḥ śliṣṭvā'gurudhūpāḍhyāḥ pīnorujaghanastanīḥ
man liege auf einem mit all diesen Dingen ausgestatteten Lager im Innersten der Gemächer, Frauen umarmend, die reich mit *aguru*-Räucherwerk duften und volle Schenkel, Hüften und Brüste haben,
prakāmaṃ ca niṣeveta maithunaṃ tarpito nṛpaḥ eṣa eva vidhiḥ kāryaḥ śiśire samudāhṛtaḥ
und der König pflege, gesättigt, nach Belieben Geschlechtsverkehr. Ebendiese Regel gilt, wie dargelegt, auch für die Kühlzeit (*śiśira*).
tīkṣṇarūkṣakaṭukṣārakaṣāyaṃ koṣṇamadra vam yavamudgamadhuprāyaṃ vasante bhojanaṃ hitam
Im Frühling (*vasanta*) ist Speise zuträglich, die scharf, trocken, pikant, alkalisch und adstringierend, leicht warm und nicht flüssig ist, vorwiegend aus Gerste (*yava*), Mungbohnen und Honig bestehend.
vyāyāmo'tra niyuddhādhvaśilānirghātajo hitaḥ utsādanaṃ tathā snānaṃ vanitāḥ kānanāni ca
Zuträglich ist hier körperliche Anstrengung, die durch Ringkampf, Wandern oder das Stoßen von Steinen entsteht, ebenso Ölmassage mit Abreibung (*utsādana*), Baden, der Umgang mit Frauen und der Aufenthalt in Wäldern.
seveta nirhareccāpi hemantopacitaṃ kapham śirovirekavamananirūhakavalādibhiḥ
Man pflege dies und beseitige zugleich das im Winter angesammelte *kapha* durch Kopfreinigung (*śiroviréka*), Brechmittel (*vamana*), Klistiere (*nirūha*), Mundspülungen (*kavala*) und Ähnliches.
varjayenmadhurasnigdhadivāsvapnagurudra vān vyāyāmamuṣṇamāyāsaṃ maithunaṃ pariśoṣi ca
Man meide süße, ölige, schwere und flüssige Speisen, Tagesschlaf, übermäßige Anstrengung, Hitze, Erschöpfung sowie austrocknenden Geschlechtsverkehr.
rasāṃścāgniguṇodri ktān nidāghe parivarjayet sarāṃsi sarito vāpīrvanāni rucirāṇi ca
In der Hochsommerhitze (*nidāgha*) meide man Speisen, deren Eigenschaften das Verdauungsfeuer übersteigern; zuträglich sind hingegen Seen, Flüsse, Stufenbrunnen (*vāpī*) und liebliche Wälder,
candanāni parārdhyāni srajaḥ sakamalotpalāḥ tālavṛntānilāhārāṃstathā śītagṛhāṇi ca
kostbarstes Sandelholz, Girlanden mit Lotus und blauer Seerose, der Wind von Palmblattfächern sowie kühle Gemächer,
gharmakāle niṣeveta vāsāṃsi sulaghūni ca śarkarākhaṇḍadigdhāni sugandhīni himāni ca
in der Hitzezeit (*gharma*) genieße man dies, ebenso sehr leichte Gewänder sowie mit Kandiszucker (*śarkarā*) überzogene, wohlriechende und gekühlte Speisen.
pānakāni ca seveta manthāṃścāpi saśarkarān bhojanaṃ ca hitaṃ śītaṃ saghṛtaṃ madhuradra vam
Man genieße kühle Getränke sowie mit Kandiszucker versetzte Rührtränke (*mantha*); zuträglich ist auch kühle, mit Ghee versehene, süß-flüssige Speise,
śṛtena payasā rātrau śarkarāmadhureṇa ca pratyagrakusumākīrṇe śayane harmyasaṃsthite
nachts mit gekochter, mit Kandiszucker gesüßter Milch, auf einem mit frischen Blüten bestreuten Lager, das im Palast aufgestellt ist;
śayīta candanārdrāṅgaḥ spṛśyamāno'nilaiḥ sukhaiḥ tāpātyaye hitā nityaṃ rasā ye guravastrayaḥ
man liege, den Körper mit Sandelpaste befeuchtet, von angenehmen Winden berührt. Bei Nachlassen der Hitze sind stets die drei schweren Geschmacksarten – süß, sauer, salzig – zuträglich,
payo māṃsarasāḥ koṣṇāstailāni ca ghṛtāni ca bṛṃhaṇaṃ cāpi yatkiñcidabhiṣyandi tathaiva ca
Milch, leicht warme Fleischbrühen, Öle und Ghee sowie überhaupt alles, was aufbauend (*bṛṃhaṇa*) wirkt, ebenso das, was die Körperkanäle verstopft (*abhiṣyandin*).
nidāghopacitaṃ caiva prakupyantaṃ samīraṇam nihanyādanilaghnena vidhinā vidhikovidaḥ
Und das im Hochsommer angesammelte, in Erregung geratende *vāta* soll der in den Regeln Kundige durch eine *vāta*-beruhigende Behandlung bezwingen.
nadījalaṃ rūkṣamuṣṇamudamanthaṃ tathā'tapam vyāyāmaṃ ca divāsvapnaṃ vyavāyaṃ cātra varjayet
Flusswasser, das trocken und heiß wirkt, Reisgrütze-Trank (*udamantha*), ebenso Sonnenhitze, körperliche Anstrengung, Tagesschlaf und Geschlechtsverkehr meide man in dieser Zeit.
navānnarūkṣaśītāmbusaktūṃścāpi vivarjayet yavaṣaṣṭikagodhūmān śālīṃścāpyanavāṃstathā
Auch frisches Getreide, trockene, kalte Speisen, kaltes Wasser und Röstmehl (*saktu*) meide man; zuträglich sind hingegen Gerste, Ṣaṣṭika-Reis, Weizen (*godhūma*) und nicht mehr frischer Reis.
harmyamadhye nivāte ca bhajecchayyāṃ mṛdūttarām saviṣaprāṇiviṇmūtralālādiṣṭhīvanādibhiḥ
Man ruhe im Inneren des Palastes, windgeschützt, auf einem weich bedeckten Lager. Das Regenwasser ist verunreinigt mit Kot, Urin, Speichel, Auswurf und Ähnlichem von giftigen Lebewesen,
samāplutaṃ tadā toyamāntarīkṣaṃ viṣopamam vāyunā viṣaduṣṭena prāvṛṣeṇyena dūṣitam
das Regenwasser (*āntarīkṣa*) ist zu dieser Zeit damit vermischt und gleicht Gift, verdorben durch den giftbeladenen Wind der Vorregenzeit (*prāvṛṣ*).
taddhi sarvopayogeṣu tasmin kāle vivarjayet ariṣṭāsavamaireyān sopadaṃśāṃstu yuktitaḥ
Dieses Wasser meide man daher zu jener Zeit bei jeglichem Gebrauch. *Ariṣṭa*-, *āsava*- und *maireya*-Weine mit passenden Beilagen (*upadaṃśa*)
pibet prāvṛṣi jīrṇāṃstu rātrau tānapi varjayet nirūhairbastibhiścānyaistathā'nyairmārutāpahaiḥ
trinke man in der Vorregenzeit, sofern sie gereift sind, doch nachts meide man auch diese. Durch Klistiere, andere *bastis* (Einläufe) und weitere *vāta*-beseitigende Mittel
kupitaṃ śamayedvāyuṃ vārṣikaṃ cācaredvidhim ṛtāvṛtau ya etena vidhinā vartate naraḥ
beruhige man das erregte *vāta* und befolge die für die Regenzeit geltende Ordnung. Der Mensch, der sich nach dieser Ordnung in jeder Jahreszeit richtet,
ghorānṛtukṛtān rogānnāpnoti sa kadācana ata ūrdhvaṃ dvādaśāśanapravicārān vakṣyāmaḥ tatra śītoṣṇasnigdharūkṣadra vaśuṣkaikakālikadvikālikauṣadhayuktamātrāhīnadoṣapraśamanavṛttyarthāḥ
erleidet niemals die schrecklichen, durch die Jahreszeiten verursachten Krankheiten. Im Folgenden wollen wir die zwölf Arten der Nahrungsaufnahme darlegen; sie betreffen: kalt, warm, ölig, trocken, flüssig, fest, einmal täglich, zweimal täglich, mit Arznei versehen und in verringerter Menge gegeben – alle zur Beruhigung der *doṣas* und zur Erhaltung der Gesundheit bestimmt.
tṛṣṇoṣṇamadadāhārtān raktapittaviṣāturān mūrcchārtān strīṣu ca kṣīṇān śītairannairupācaret
Von Durst, Hitze, Rausch und Brennen Geplagte, an *raktapitta* (Blutungsleiden) oder Gift Erkrankte, von Ohnmacht Geplagte sowie durch Geschlechtsverkehr bei Frauen Geschwächte behandle man mit kalter Speise.
kaphavātāmayāviṣṭān viriktān snehapāyinaḥ aklinnakāyāṃśca narānuṣṇairannairupācaret
Von *kapha*- und *vāta*-Krankheiten Befallene, Menschen nach Abführung, solche, die Öl getrunken haben, sowie Menschen mit nicht durchfeuchtetem Körper behandle man mit warmer Speise.
vātikān rūkṣadehāṃśca vyavāyopahatāṃstathā vyāyāminaścāpi narān snigdhairannairupācaret
Von *vāta* Geplagte, Menschen mit trockenem Körper, durch Geschlechtsverkehr Erschöpfte sowie körperlich sich anstrengende Menschen behandle man mit öliger Speise.
medasā'bhiparītāṃstu snigdhānmehāturānapi kaphābhipannadehāṃśca rūkṣairannairupācaret
Von Fett (*meda*) Überwucherte, ölig veranlagte Menschen, von Harnleiden (*meha*) Betroffene sowie Menschen mit von *kapha* durchdrungenem Körper behandle man mit trockener Speise.
śuṣkadehān pipāsārtān durbalānapi ca dra vaiḥ praklinnakāyān vraṇinaḥ śuṣkairmehina eva ca
Menschen mit ausgetrocknetem Körper, von Durst Geplagte sowie Geschwächte behandle man mit flüssiger Speise; Menschen mit durchnässtem Körper, Wundkranke (*vraṇin*) sowie an Harnleiden Erkrankte hingegen mit fester Speise.
ekakālaṃ bhaveddeyo durbalāgnivivṛddhaye samāgnaye tathā''hāro dvikālamapi pūjitaḥ
Zur Stärkung eines geschwächten Verdauungsfeuers soll die Nahrung einmal täglich gegeben werden; für Menschen mit ausgeglichenem Verdauungsfeuer gilt auch die zweimal tägliche Nahrung als geschätzt.
auṣadhadveṣiṇe deyastathauṣadhasamāyutaḥ mandāgnaye rogiṇe ca mātrāhīnaḥ praśasyate
Wer Arznei ablehnt, dem gebe man Nahrung, die mit Arznei versetzt ist; für den Kranken mit schwachem Verdauungsfeuer wird eine verringerte Menge empfohlen.
yathartudattastvāhāro doṣapraśamanaḥ smṛtaḥ ataḥ paraṃ tu svasthānāṃ vṛttyarthaṃ sarva eva ca pravicārānimānevaṃ dvādaśātra prayojayet
Die der Jahreszeit gemäß gegebene Nahrung gilt als *doṣa*-beruhigend; darüber hinaus dient sie durchweg auch der Erhaltung der Gesunden. So wende man diese zwölf Arten der Nahrungsaufnahme an.
ata ūrdhvaṃ daśauṣadhakālān vakṣyāmaḥ tatrābhaktaṃ prāgbhaktamadhobhaktaṃ madhyebhaktamantarābhaktaṃ sabhaktaṃ sāmudgaṃ muhurmuhurgrāsaṃ grāsāntaraṃ ceti daśauṣadhakālāḥ
Im Folgenden wollen wir die zehn Einnahmezeiten der Arznei (*auṣadha-kāla*) darlegen. Diese sind: ohne Speise (*abhakta*), vor der Speise (*prāgbhakta*), nach der Speise (*adhobhakta*), inmitten der Speise (*madhyebhakta*), zwischen den Speisen (*antarābhakta*), zusammen mit der Speise (*sabhakta*), zu Beginn und Ende der Speise zugleich (*sāmudga*), wiederholt (*muhurmuhu*), mit dem Bissen vermengt (*grāsa*) und zwischen den Bissen (*grāsāntara*) – dies sind die zehn Einnahmezeiten der Arznei.
tatrābhaktaṃ tu yat kevalamevauṣadhamupayujyate
'Ohne Speise' (*abhakta*) bezeichnet, wenn die Arznei ganz allein, ohne jede Speise, eingenommen wird.
vīryādhikaṃ bhavati bheṣajamannahīnaṃ hanyāttathā''mayamasaṃśayamāśu caiva tadbālavṛddhavanitāmṛdavastu pītvā glāniṃ parāṃ samupayānti balakṣayaṃ ca
So eingenommen entfaltet die Arznei größere Wirkkraft und beseitigt die Krankheit zweifellos rasch; doch geraten Kinder, Alte, Frauen und zart Veranlagte, wenn sie sie so trinken, in große Erschöpfung und Kraftverlust.
prāgbhaktaṃ nāma yat prāgbhaktasyopayujyate
'Vor der Speise' (*prāgbhakta*) bezeichnet, wenn die Arznei vor der Speiseeinnahme genommen wird.
śīghraṃ vipākamupayāti balaṃ na hiṃsyādannāvṛtaṃ na ca muhurvadanānnireti prāgbhaktasevitamathauṣadhametadeva dadyācca vṛddhaśiśubhīrukṛśāṅganābhyaḥ
So genossen gelangt sie rasch zur Verdauung, schädigt die Kraft nicht, da sie nicht von Speise verdeckt wird, und steigt auch nicht wiederholt aus dem Mund empor; eben diese vor der Speise genommene Arznei gebe man auch Alten, Kindern, Ängstlichen und schwachen Frauen.
adhobhaktaṃ nāma yadadho bhaktasyeti
'Nach der Speise' (*adhobhakta*) bezeichnet, wenn die Arznei nach der Speise genommen wird.
madhyebhaktaṃ nāma yanmadhye bhaktasya pīyate
'Inmitten der Speise' (*madhyebhakta*) bezeichnet, wenn die Arznei mitten während der Speiseeinnahme getrunken wird.
pītaṃ yadannamupayujya tadūrdhvakāye hanyādgadān bahuvidhāṃśca balaṃ dadāti madhye tu pītamapahantyavisāribhāvādye madhyadehamabhibhūya bhavanti rogāḥ
Was nach der Speiseeinnahme getrunken wird, beseitigt die vielfältigen Krankheiten des oberen Körperbereichs und verleiht Kraft; was hingegen inmitten der Speise getrunken wird, beseitigt, da es sich nicht ausbreitet, jene Krankheiten, die den mittleren Körperbereich befallen und überwältigen.
antarābhaktaṃ nāma-yadantarā pīyate pūrvāparayorbhaktayoḥ
'Zwischen den Speisen' (*antarābhakta*) bezeichnet, wenn die Arznei zwischen einer früheren und einer späteren Mahlzeit getrunken wird.
sabhaktaṃ nāma yat saha bhaktena
'Zusammen mit der Speise' (*sabhakta*) bezeichnet, wenn die Arznei gemeinsam mit der Speise eingenommen wird.
pathyaṃ sabhaktamabalābalayorhi nityaṃ taddveṣiṇāmapi tathā śiśuvṛddhayośca hṛdyaṃ manobalakaraṃ tvatha dīpanaṃ ca pathyaṃ sadā bhavati cāntarabhaktakaṃ yat
Zusammen mit der Speise genommen ist die Arznei stets zuträglich für Schwache wie Starke, auch für jene, die sie ablehnen, sowie für Kinder und Alte; sie ist herzstärkend, geistkräftigend und verdauungsfördernd. Ebenso ist das, was zwischen den Speisen genommen wird, stets zuträglich.
sāmudgaṃ nāma yadbhaktasyādāvante ca pīyate
'*Sāmudga*' bezeichnet, wenn die Arznei am Anfang und am Ende der Speise getrunken wird.
doṣe dvidhā pravisṛte tu samudgasaṃjñamādyantayoryadaśanasya niṣevyate tu
Ist der *doṣa* zweifach ausgebreitet, so wird die als '*sāmudga*' bezeichnete Einnahme am Anfang und Ende der Mahlzeit angewendet.
muhurmuhurnāma-sabhaktamabhaktaṃ vā yadauṣadhaṃ muhurmuhurupayujyate
'Wiederholt' (*muhurmuhu*) bezeichnet, wenn die Arznei, ob mit oder ohne Speise, immer wieder aufs Neue eingenommen wird.
śvāse muhurmuhuratiprasṛte ca kāse hikkāvamīṣu sa vadantyupayojyametat
Bei Atemnot (*śvāsa*), bei stark fortschreitendem Husten (*kāsa*), bei Schluckauf (*hikkā*) und bei Erbrechen – dort, so sagt man, soll diese wiederholte Einnahme angewendet werden.
grāsaṃ tu yatpiṇḍavyāmiśram
'*Grāsa*' – mit dem Bissen vermengt – aber ist, wenn die Arznei mit dem Speiseklumpen vermischt gegeben wird.
grāsāntaraṃ tu yadgrāsāntareṣu
'*Grāsāntara*' – zwischen den Bissen – aber ist, wenn sie zwischen den einzelnen Bissen gegeben wird.
grāseṣu cūrṇamabalāgniṣu dīpanīyaṃ vājīkarāṇyapi tu yojayituṃ yateta grāsāntareṣu vitaredvamanīyadhūmān śvāsādiṣu prathitadṛṣṭaguṇāṃśca lehān
Bei geschwächtem Verdauungsfeuer bemühe man sich, verdauungsförderndes Pulver mit den Bissen zu vermengen, ebenso aphrodisische Mittel (*vājīkaraṇa*); zwischen den Bissen verabreiche man bei Atemnot und ähnlichen Leiden emetische Räucherungen (*vamanīya-dhūma*) sowie Lecksäfte (*leha*) von bekannt bewährter Wirkung.
evamete daśauṣadhakālāḥ
So sind dies die zehn Einnahmezeiten der Arznei.
visṛṣṭe viṇmūtre viśadakaraṇe dehe ca sulaghau viśuddhe codgāre hṛdi suvimale vāte ca sarati tathā'nnaśraddhāyāṃ klamaparigame kukṣau ca śithile pradeyastvāhāro bhavati bhiṣajāṃ kālaḥ sa tu mataḥ
Wenn Kot und Urin entleert sind, der Körper klar und ganz leicht ist, das Aufstoßen rein, das Herz völlig frei und der Wind im Leib ungehindert fließt, wenn Appetit auf Speise entsteht, die Ermüdung vergangen und der Bauch entspannt ist – dann, so gilt bei den Ärzten, ist die rechte Zeit gekommen, Nahrung zu verabreichen.