Quellen der Menschheit

Suśruta-Saṃhitā · Uttaratantra

Adhyāya 41: śoṣapratiṣedhaṃ Behandlung der Schwindsucht (Śoṣa)

Das 41. und letzte Kapitel dieser Auswahl behandelt den śoṣa (Auszehrung, Schwindsucht), auch kṣaya oder – nach der Legende vom einst befallenen Mondkönig – rājayakṣman, die „königliche Schwindsucht“ genannt. Der Text begreift ihn als grundsätzlich einheitliche, sannipātaartige Erkrankung mit elf möglichen Zeichen, darunter Fieber, Husten, Blutauswurf, Atemnot, veränderte Stimme und Nahrungsabneigung; das Vorliegen von elf, sechs oder bereits drei dieser Zeichen gilt jeweils als zunehmend ungünstige Prognose, bei der der Arzt den Patienten aufgeben soll. Unterschieden werden zudem Sonderformen nach Ursache – durch übermäßigen Geschlechtsverkehr (vyavāya-śoṣa), Kummer, Alter, Wanderung, Überanstrengung oder Brustverletzung (kṣata-kṣaya mit Blut, Eiter und Schleim in der Brust). Die Behandlung setzt auf kräftigende (bṛṃhaṇa), ölige Kost, darunter ungewöhnliches Fleisch von Krähe, Eule, Mungo oder Schlange, Weine, Knoblauch (Rasona), Aśvagandhā sowie aufwendige, tierische Bestandteile wie Kot, Urin und Milch verbindende Rasāyana-Ghṛta-Rezepturen, die über einen Monat regelmäßig eingenommen werden sollen.

Formen des śoṣa (Auszehrung) nach Ursache (Vers 16–27)
NameKennzeichen
Vyavāya-śoṣadurch übermäßigen Geschlechtsverkehr: Samenschwund, blasser Körper, schwindende dhātus
Śoka-śoṣadurch Kummer: trübe Gedanken, schlaffe Glieder
Jarā-śoṣaAltersauszehrung: abgemagert, geschwächte Zeugungskraft, Verstand, Stärke und Sinne, Zittern, brüchige Stimme
Adhva-śoṣadurch weite Wanderungen: schlaffe Glieder, versengt-raue Haut, trockener Gaumen, Kehle und Mund
Vyāyāma-śoṣadurch Überanstrengung: ähnliche Zeichen wie adhva-śoṣa, oft mit Brustverletzungssymptomen verbunden
Kṣata-kṣayadurch Brustverletzung: Blut, Eiter und Schleim in der Brust, gelblich-rötlich-schwärzlicher Auswurf, brennender Schmerz, übler Atem
Beim fortgeschrittenen śoṣa treten unabhängig von der Ursache zusätzlich Atemnot, Erschlaffung, Schleimausfluss und Erbrechen auf (Vers 29).

athātaḥ śoṣapratiṣedhaṃ vyākhyāsyāmaḥ

Nun wollen wir die Behandlung des *śoṣa* (Auszehrung, Schwindsucht) erklären.

yathovāca bhagavān dhanvantariḥ

So, wie es der erhabene Dhanvantari gelehrt hat:

anekarogānugato bahurogapurogamaḥ durvijñeyo durnivāraḥ śoṣo vyādhirmahābalaḥ

Der *śoṣa* ist eine überaus mächtige Krankheit: Er begleitet viele andere Leiden, geht vielen weiteren voraus, ist schwer zu erkennen und schwer abzuwenden.

saṃśoṣaṇādra sādīnāṃ śoṣa ityabhidhīyate kriyākṣayakaratvācca kṣaya ityucyate punaḥ

Weil er *rasa* (den Nährsaft, das erste Körpergewebe) und die übrigen Gewebe austrocknet, nennt man ihn *śoṣa*; und weil er zugleich die Lebensfunktionen schwinden lässt, wird er auch *kṣaya* (Schwund, Erschöpfung) genannt.

rājñaścandra maso yasmādabhūdeṣa kilāmayaḥ tasmāttaṃ rājayakṣmeti kecidāhuḥ punarjanāḥ

Weil diese Krankheit einst den Mondkönig befiel, nennen manche Leute sie deshalb auch *rājayakṣman* (die „königliche Schwindsucht“).

sa vyastairjāyate doṣairiti kecidvadanti hi ekādaśānāmekasmin sānnidhyāttantrayuktitaḥ

Manche behaupten, sie entstehe durch die einzeln, nacheinander wirkenden *doṣas* (Körpersäfte) – da nach der Methode der Lehrbücher (*tantrayukti*, Regeln der Textauslegung) alle elf Krankheitszeichen letztlich in einem einzigen Fall zusammentreffen.

kriyāṇāmavibhāgena prāgekotpādanena ca eka eva mataḥ śoṣaḥ sannipātātmako hyataḥ

Da sich aber die Behandlungen nicht sauber trennen lassen und die Krankheit von Anfang an als eine einzige entsteht, gilt *śoṣa* als eine einzige Krankheit, die ihrem Wesen nach eine *sannipāta*-Störung (gemeinsame Erregung aller drei *doṣas*) ist.

udre kāttatra liṅgāni doṣāṇāṃ nipatanti hi kṣayādvegapratīghātādāghātādviṣamāśanāt

Dabei zeigen sich die Krankheitszeichen aller *doṣas*, ausgelöst durch Erschöpfung, durch das Unterdrücken natürlicher Körperdränge, durch Verletzung oder Erschütterung sowie durch unregelmäßige Ernährung.

jāyate kupitairdoṣairvyāptadehasya dehinaḥ kaphapradhānairdoṣairhi ruddheṣu rasavartmasu

Er entsteht bei einem Menschen, dessen ganzer Körper von erregten *doṣas* durchdrungen ist – vor allem durch *kapha*-bestimmte (den Schleim-*doṣa* betreffende) *doṣas* –, wenn die Bahnen des *rasa* verstopft sind.

ativyavāyino vāpi kṣīṇe retasyanantaram kṣīyante dhātavaḥ sarve tataḥ śuṣyati mānavaḥ

Oder auch bei übermäßigem Geschlechtsverkehr: Sobald der Same erschöpft ist, schwinden sogleich alle *dhātus* (Körpergewebe), und der Mensch trocknet aus.

bhaktadveṣo jvaraḥ śvāsaḥ kāsaḥ śoṇitadarśanam svarabhedaśca jāyeta ṣaḍrūpe rājayakṣmaṇi

Bei der sechsgestaltigen Form des *rājayakṣman* treten auf: Widerwille gegen Nahrung, Fieber, Atemnot, Husten, Blutauswurf und veränderte Stimme.

svarabhedo'nilāñchūlaṃ saṃlocaścāṃsapārśvayoḥ jvaro dāho'tisāraśca pittādra ktasya cāgamaḥ

Von *vāta* (dem Wind-*doṣa*) stammen veränderte Stimme, stechende Schmerzen sowie Ziehen in Schultern und Flanken; von *pitta* (dem Gallen-*doṣa*) stammen Fieber, Brennen, Durchfall und der Austritt von Blut.

śirasaḥ paripūrṇatvamabhaktacchanda eva ca kāsaḥ kaṇṭhasya coddhvaṃso vijñeyaḥ kaphakopataḥ

Ein Völlegefühl im Kopf, Appetitlosigkeit, Husten und ein Zerstörtsein der Kehle sind, wie man weiß, durch die Erregung von *kapha* bedingt.

ekādaśabhirebhirvā ṣaḍbhirvā'pi samanvitam kāsātīsārapārśvārtisvarabhedārucijvaraiḥ

Ist der Kranke von diesen elf Zeichen ergriffen – oder auch nur von sechsen, nämlich Husten, Durchfall, Flankenschmerz, veränderter Stimme, Appetitlosigkeit und Fieber –

tribhirvā pīḍitaṃ liṅgairjvarakāsāsṛgāmayaiḥ jahyācchoṣārditaṃ jantumicchan suvipulaṃ yaśaḥ

oder auch nur von dreien, nämlich Fieber, Husten und blutigem Leiden, so soll der Arzt, der großen Ruhm erlangen will, einen von *śoṣa* derart geplagten Kranken aufgeben.

vyavāyaśokasthāviryavyāyāmādhvopavāsataḥ vraṇoraḥkṣatapīḍābhyāṃ śoṣānanye vadanti hi

Andere sprechen von Formen des *śoṣa*, die durch übermäßigen Geschlechtsverkehr, durch Kummer, durch hohes Alter, durch Überanstrengung, durch weite Wanderungen, durch Fasten sowie durch Wunden und Brustverletzungen entstehen.

vyavāyaśoṣī śukrasya kṣayaliṅgairupadrutaḥ pāṇḍudeho yathāpūrvaṃ kṣīyante cāsya dhātavaḥ

Wer an vyavāya-*śoṣa* (durch Geschlechtsverkehr bedingter Auszehrung) leidet, zeigt die Zeichen des Samenschwundes: Sein Körper wird blass, und wie zuvor beschrieben schwinden seine *dhātus*.

pradhyānaśīlaḥ srastāṅgaḥ śokaśoṣyapi tādṛśaḥ vinā śukrakṣayakṛtairvikārairabhilakṣitaḥ

Wer an śoka-*śoṣa* (durch Kummer bedingter Auszehrung) leidet, ist in trübe Gedanken versunken, mit schlaffen Gliedern – ähnlich dem vorigen, jedoch ohne die durch Samenschwund verursachten Erscheinungen.

jarāśoṣī kṛśo mandavīryabuddhibalendri yaḥ kampano'rucimān bhinnakāṃsyapātrahatasvaraḥ

Wer an jarā-*śoṣa* (Altersauszehrung) leidet, ist abgemagert, mit geschwächter Zeugungskraft, geschwächtem Verstand, geschwächter Stärke und geschwächten Sinnen; er zittert, hat keinen Appetit, und seine Stimme klingt wie ein zerschlagenes Bronzegefäß.

ṣṭhīvati śleṣmaṇā hīnaṃ gauravārucipīḍitaḥ saṃprasrutāsyanāsākṣaḥ suptarūkṣamalacchaviḥ

Er spuckt spärlichen Schleim, ist von Schwere und Appetitlosigkeit geplagt, aus Mund, Nase und Augen fließt es ihm, seine Haut fühlt sich wie eingeschlafen an, ist rau und von schmutzig-fahler Farbe.

adhvapraśoṣī srastāṅgaḥ saṃbhṛṣṭaparuṣacchaviḥ prasuptagātrāvayavaḥ śuṣkaklomagalānanaḥ

Wer an adhva-*śoṣa* (durch weite Wanderungen bedingter Auszehrung) leidet, hat schlaffe Glieder, versengt-raue Haut, wie eingeschlafene Körperteile sowie einen trockenen Gaumen, Kehle und Mund.

vyāyāmaśoṣī bhūyiṣṭhamebhireva samanvitaḥ uraḥkṣatakṛtairliṅgaiḥ saṃyuktaśca kṣatādvinā

Wer an vyāyāma-*śoṣa* (durch Überanstrengung bedingter Auszehrung) leidet, zeigt zumeist eben diese Zeichen, verbunden mit den durch eine Brustverletzung hervorgerufenen Symptomen – auch dann, wenn keine offene Verletzung vorliegt.

raktakṣayādvedanābhistathaivāhārayantraṇāt vraṇitasya bhavecchoṣaḥ sa cāsādhyatamaḥ smṛtaḥ

Bei einem Verwundeten entsteht *śoṣa* durch Blutverlust, durch Schmerzen sowie durch eingeschränkte Nahrungsaufnahme; dieser gilt als der am schwersten heilbare.

vyāyāmabhārādhyayanairabhighātātimaithunaiḥ karmaṇā cāpyurasyena vakṣo yasya vidāritam tasyorasi kṣate raktaṃ pūyaḥ śleṣmā ca gacchati

Wessen Brust durch Überanstrengung, das Tragen von Lasten, angestrengtes Studieren, einen Schlag, übermäßigen Geschlechtsverkehr oder durch eine die Brust belastende Tätigkeit zerrissen wurde – in dessen verletzter Brust sammeln sich Blut, Eiter und Schleim.

kāsamānaśchardayecca pītaraktāsitāruṇam saṃtaptavakṣāḥ so'tyarthaṃ dūyanātparitāmyati

Beim Husten erbricht er gelbliches, rötliches, schwärzliches oder rotbraunes Sekret; seine Brust ist wie versengt, und er quält sich unter heftigem, brennendem Schmerz.

durgandhavadanocchvāso bhinnavarṇasvaro naraḥ keṣāṃcidevaṃ śoṣo hi kāraṇairmedamāgataḥ

Sein Atem riecht übel aus dem Mund, Gesichtsfarbe und Stimme sind verändert – bei manchen entsteht der *śoṣa* auf diese Weise, aus den genannten Ursachen, indem er das Fettgewebe (*meda*) ergreift.

na tatra doṣaliṅgānāṃ samastānāṃ nipātanam kṣayā eva hi te jñeyāḥ pratyekaṃ dhātusaṃjñitāḥ

Dabei treten nicht die Zeichen sämtlicher *doṣas* gemeinsam auf; vielmehr sind dies, wie man weiß, jeweils einzelne *kṣaya*-Formen, benannt nach dem jeweils betroffenen *dhātu*.

cikitsitaṃ tu teṣāṃ hi prāguktaṃ dhātusaṃkṣaye

Ihre Behandlung wurde jedoch bereits im Kapitel über den *dhātu*-Schwund dargelegt.

śvāsāṅgasādakaphasaṃsravatāluśoṣacchardyagnisādamadapīnasapāṇḍunidrāḥ śoṣe bhaviṣyati bhavanti sa cāpi jantuḥ śuklekṣaṇo bhavati māṃsaparo riraṃsuḥ

Beim fortgeschrittenen *śoṣa* treten Atemnot, Erschlaffung der Glieder, übermäßiger Schleimausfluss, Austrocknung des Gaumens, Erbrechen, Erlöschen des Verdauungsfeuers (*agni*), Schwindel, Schnupfen, Blässe und krankhafte Schläfrigkeit auf; zudem werden die Augen des Kranken trüb-weißlich, und er wird gierig nach Fleisch und begierig nach Geschlechtsverkehr.

svapneṣu kākaśukaśallakinīlakaṇṭhagṛdhrāstathaiva kapayaḥ kṛkalāsakāśca taṃ vāhayanti sa nadīrvijalāśca paśyecchuṣkāṃstarūn pavanadhūmadavārditāṃśca

Im Traum tragen ihn Krähen, Papageien, Stachelschweine, Pfauen, Geier, ebenso Affen und Eidechsen; er sieht wasserlose Flüsse und vertrocknete Bäume, von Wind, Rauch und Waldbrand versehrt.

mahāśanaṃ kṣīyamāṇamatīsāranipīḍitam śūnamuṣkodaraṃ caiva yakṣmiṇaṃ parivarjayet

Man meide einen Schwindsüchtigen, der trotz starkem Appetit abmagert, von heftigem Durchfall geplagt ist und dessen Hoden und Bauch geschwollen sind.

upācaredātmavantaṃ dīptāgnimakṛśaṃ navam sthirādivargasiddhena ghṛtenājāvikena ca

Einen Kranken hingegen, der bei klarem Bewusstsein ist, ein lebhaftes Verdauungsfeuer (*agni*) hat, nicht abgemagert ist und dessen Krankheit noch frisch ist, behandle man mit *ghṛta* (geklärter Butter, Ghee) aus Ziegen- oder Schafmilch, das mit der sthirā-Kräutergruppe zubereitet wurde.

snigdhasya mṛdu kartavyamūrdhvaṃ cādhaśca śodhanam āsthāpanaṃ tathā kāryaṃ śirasaśca virecanam

Bei einem so eingeölten Kranken führe man eine milde Reinigung nach oben und unten durch, ebenso ein *āsthāpana* (Nährklistier) sowie eine *virecana* (Abführbehandlung) des Kopfes.

yavagodhūmaśālīṃśca rasairbhuñjīta śodhitaḥ dṛḍhe'gnau bṛṃhayeccāpi nivṛttopadra vaṃ naram

Der so Gereinigte esse Gerste, Weizen und śāli-Reis mit Fleischbrühen; und sobald sein Verdauungsfeuer kräftig und die Begleiterscheinungen (*upadrava*) abgeklungen sind, kräftige man ihn durch aufbauende Kost.

vyavāyaśoṣiṇaṃ prāyo bhajante vātajā gadāḥ bṛṃhaṇīyo vidhistasmai hitaḥ snigdho'nilāpahaḥ

Wer an vyavāya-*śoṣa* leidet, wird meist von *vāta*-bedingten Krankheiten heimgesucht; für ihn ist eine kräftigende (*bṛṃhaṇa*) , ölige, den *vāta* besänftigende Behandlung zuträglich.

kākānulūkānnakulān biḍālān gaṇḍūpadān vyālabileśayākhūn gṛdhrāṃśca dadyādvividhaiḥ pravādaiḥ sasaindhavān sarṣapatailabhṛṣṭān

Man gebe ihm, auf vielfältige, überlieferte Weise zubereitet, mit Steinsalz versehen und in Senföl gebraten: Fleisch von Krähen, Eulen, Mungos, Katzen, Regenwürmern, Schlangen, höhlenbewohnenden Tieren, Ratten und Geiern.

deyāni māṃsāni ca jāṅgalāni mudgāḍhakīsūparasāśca hṛdyāḥ kharoṣṭranāgāśvatarāśvajāni deyāni māṃsāni sukalpitāni

Man gebe Fleisch von Wildtieren des jāṅgala-Landes (des trockenen Weidelandes) sowie herzstärkende Suppen aus mudga- und āḍhakī-Hülsenfrüchten; auch wohlzubereitetes Fleisch von Esel, Kamel, Elefant, Maultier und Pferd soll gegeben werden.

māṃsopadaṃśāṃśca pibedariṣṭān mārdvīkayuktān madirāśca sevyāḥ arkāmṛtākṣārajaloṣitebhyaḥ kṛtvā yavebhyo vividhāṃśca bhakṣyān

Er esse Fleischbeilagen und trinke *ariṣṭa* (fermentierte Heilweine) zusammen mit Traubenwein; auch madirā-Wein ist zuträglich; ebenso bereite man aus Gerste, die zuvor in einem Sud aus arka, amṛtā und Alkalisalz eingeweicht wurde, vielfältige Speisen.

khādet pibet sarpirajāvikaṃ vā kṛśo yavāgvā saha bhaktakāle sarpirmadhubhyāṃ trikaṭu pralihyāccavyāviḍaṅgopahitaṃ kṣayārtaḥ

Der Abgemagerte esse und trinke zur Essenszeit Ziegen- oder Schafghee zusammen mit Gerstenschleim; der von *kṣaya* Geplagte lecke *trikaṭu* (die drei Scharfstoffe) zusammen mit Ghee und Honig, ergänzt durch cavya und viḍaṅga.

māṃsādamāṃseṣu ghṛtaṃ ca siddhaṃ śoṣāpahaṃ kṣaudra kaṇāsametam drā kṣāsitāmāgadhikāvalehaḥ sakṣaudra tailaḥ kṣayarogaghātī

In Fleischbrühe von fleischfressenden Tieren zubereitetes Ghee, mit Honig und Pippalī versetzt, vertreibt *śoṣa*; ebenso ist ein Lecktrank (*avaleha*) aus Weintrauben, Zucker und māgadhikā, mit Honig und Öl versehen, ein Zerstörer der *kṣaya*-Krankheit.

ghṛtena cājena samākṣikeṇa turaṅgagandhātilamāṣacūrṇam sitāśvagandhāmagadhodbhavānāṃ cūrṇaṃ ghṛtakṣaudra yutaṃ pralihyāt

Man lecke ein mit Honig versetztes Pulver aus Ziegenghee, turaṅgagandhā, Sesam und Māṣa-Bohnen; ebenso ein Pulver aus Zucker, aśvagandhā und māgadhikā, verbunden mit Ghee und Honig.

kṣīraṃ pibedvā'pyatha vājigandhāvipakvamevaṃ labhate'ṅgapuṣṭim tadutthitaṃ kṣīraghṛtaṃ sitāḍhyaṃ prātaḥ pibedvā'pi payonupānam

Oder er trinke mit vājigandhā eingekochte Milch – so gelangt er zu kräftigen Gliedern; auch das daraus gewonnene, mit Zucker angereicherte Milchghee trinke er morgens, mit Milch als Nachtrunk (*anupāna*).

utsādane cāpi turaṅgagandhā yojyā yavāścaiva punarnave ca kṛtsne vṛṣe tatkusumaiśca siddhaṃ sarpiḥ pibetkṣaudra yutaṃ hitāśī

Auch zur äußerlichen Einreibung (*utsādana*) verwende man turaṅgagandhā; und wer sich gesund ernährt, trinke Ghee, das mit Gerste, punarnavā, der ganzen vṛṣa-Pflanze samt ihren Blüten zubereitet und mit Honig versetzt wurde.

yakṣmāṇametat prabalaṃ ca kāsaṃ śvāsaṃ ca hanyādapi pāṇḍutāṃ ca śakṛdra sā gośvagajāvyajānāṃ kvāthā mitāścāpi tathaiva bhāgaiḥ

Dies vertreibt den mächtigen *yakṣman* ebenso wie Husten, Atemnot und Blässe; ebenso helfen Absude (*kvātha*) aus Kot und Urin von Rind, Pferd, Elefant, Schaf und Ziege, jeweils zu gleichen Teilen zubereitet.

mūrvāharidrā khadiradrumāṇāṃ kṣīrasya bhāgastvaparo ghṛtasya bhāgān daśaitān vipacedvidhijño dattvā trivargaṃ madhuraṃ ca kṛtsnam

Der Kundige koche zehn Teile Ghee mit einem weiteren Teil Milch sowie mit mūrvā, Kurkuma und khadira-Holz, wobei er die ganze *trivarga*-Gruppe (Dreiergruppe der süßenden Heilmittel) hinzufügt.

kaṭutrikaṃ caiva sabhadra dāru ghṛtottamaṃ yakṣmanivāraṇāya dve pañcamūlyau varuṇaṃ karañjaṃ bhallātakaṃ bilvapunarnave ca

Er füge hinzu: *kaṭutrika* (die drei Scharfstoffe) zusammen mit bhadradāru, für ein vorzügliches, den *yakṣman* abwehrendes Ghee; ebenso die beiden *pañcamūla*-Gruppen (Fünferwurzel-Gruppen), varuṇa, karañja, bhallātaka sowie bilva und punarnavā.

yavān kulatthān badarāṇi bhārgī pāṭhāṃ hutāśaṃ samahīkadambam kṛtvā kaṣāyaṃ vipaceddhi tasya ṣaḍbhirhi pātrairghṛtapātramekam

Aus Gerste, kulattha-Bohnen, Brustbeeren, bhārgī, pāṭhā, hutāśa, mahī und kadamba bereite man einen Absud (*kaṣāya*) und koche daraus, im Verhältnis von sechs Teilen Absud zu einem Teil Ghee, ein Ghee.

vyoṣaṃ mahāvṛkṣapayo'bhayāṃ ca cavyaṃ surākhyaṃ lavaṇottamaṃ ca etaddhi śoṣaṃ jaṭharāṇi caiva hanyāt pramehāṃśca sahānilena

*Vyoṣa* (die drei Scharfstoffe), Milchsaft des mahāvṛkṣa, Myrobalane, cavya, das surā genannte Mittel und vorzügliches Salz – dies vertreibt *śoṣa* und Bauchkrankheiten sowie, zusammen mit *vāta*-Störungen, auch *pramehā* (Harnkrankheiten).

gośvāvyajebhaiṇakharoṣṭrajātaiḥ śakṛdra sakṣīrarasakṣatotthaiḥ drā kṣāśvagandhāmagadhāsitābhiḥ siddhaṃ ghṛtaṃ yakṣmavikārahāri

Ghee, das mit Kot und Urin von Rind, Pferd, Schaf, Ziege, Antilope, Esel und Kamel, mit Milch und mit aus Wunden gewonnenen Fleischsäften sowie mit Weintrauben, aśvagandhā, māgadhikā und Zucker zubereitet wurde, beseitigt die *yakṣman*-Erkrankung.

elājamodāmalakābhayākṣagāyatryariṣṭāsanaśālasārān viḍaṅgabhallātakacitrakogrākaṭutrikāmbhodasurāṣṭrajāṃśca

Man nehme elā, ajamodā, Myrobalane, abhayā, akṣa, gāyatrī, ariṣṭa, asana, śālasāra, viḍaṅga, bhallātaka, citraka, ugra, *kaṭutrika*, ambhoda und surāṣṭrajā –

paktvā jale tena paceddhi sarpistasmin susiddhe tvavatārite ca triṃśatpalānyatra sitopalāyā dattvā tugākṣīripalāni ṣaṭ ca

– diese koche man in Wasser, und mit diesem Sud bereite man Ghee; ist es gut gegart und vom Feuer genommen, gebe man dreißig *pala* (ein traditionelles Gewichtsmaß) Kandiszucker sowie sechs *pala* Bambusmanna hinzu.

prasthe ghṛtasya dviguṇaṃ ca dadyāt kṣaudraṃ tato manthahataṃ vidadhyāt palaṃ palaṃ prātarataḥ pralihya paścāt pibet kṣīramatandri taśca

Auf ein *prastha* (ein traditionelles Hohlmaß) Ghee gebe man die doppelte Menge Honig, gründlich verquirlt; unermüdlich lecke man davon morgens je ein *pala* und trinke danach Milch.

etaddhi medhyaṃ paramaṃ pavitraṃ cakṣuṣyamāyuṣyamatho yaśasyam yakṣmāṇamāśu vyapahanti caitat pāṇḍvāmayaṃ caiva bhagandaraṃ ca

Dies ist höchst geistesstärkend und rein, gut für die Augen, lebensverlängernd und ruhmbringend; rasch vertreibt es den *yakṣman*, ebenso die Blutarmut und die Fistel.

śvāsaṃ ca hanti svarabhedakāsahṛtplīhagulmagrahaṇīgadāṃśca na cātra kiṃcit parivarjanīyaṃ rasāyanaṃ caitadupāsyamānam

Es vertreibt Atemnot, veränderte Stimme, Husten sowie Krankheiten von Herz, Milz, *gulma* (Bauchgeschwulst) und *grahaṇī* (chronische Verdauungsschwäche); dabei ist bei der Einnahme dieses *rasāyana* (Verjüngungsmittels) nichts einzuschränken.

plīhodaroktaṃ vihitaṃ ca sarpistrīṇyeva cānyāni hitāni cātra upadra vāṃśca svaravaikṛtādīn jayedyathāsvaṃ prasamīkṣya śāstram

Auch das bei Milz- und Bauchwassersucht vorgeschriebene Ghee sowie drei weitere Mittel sind hier zuträglich; Begleiterkrankungen wie veränderte Stimme und dergleichen überwinde man, indem man jeweils die passende Lehrschrift zu Rate zieht.

ajāśakṛnmūtrapayoghṛtāsṛṅmāṃsālayāni pratisevamānaḥ snānādinānāvidhinā jahāti māsādaśeṣaṃ niyamena śoṣam

Wer beharrlich Kot, Urin, Milch, Ghee, Blut und Fleisch der Ziege einnimmt und dabei vielfältige Verfahren wie Bäder befolgt, verliert nach einem Monat sicher seinen ganzen *śoṣa*.

rasonayogaṃ vidhivat kṣayārtaḥ kṣīreṇa vā nāgabalāprayogam seveta vā māgadhikāvidhānaṃ tathopayogaṃ jatuno'śmajasya

Der von *kṣaya* Geplagte nehme vorschriftsmäßig eine Zubereitung aus rasona (Knoblauch) ein, oder mit Milch die Anwendung von nāgabalā, oder er verwende ein Präparat aus māgadhikā, ebenso die Anwendung von Lack (jatu) und Bergharz (aśmaja).

śokaṃ striyaṃ krodhamasūyanaṃ ca tyajedudārān viṣayān bhajeta vaidyān dvijātīṃstridaśān gurūṃśca vācaśca puṇyāḥ śṛṇuyāddvijebhyaḥ

Er meide Kummer, übermäßigen Umgang mit Frauen, Zorn und Missgunst, wende sich edlen Lebenszielen zu, verehre Ärzte, Brahmanen, Götter und Lehrer, und höre von den Zweifachgeborenen heilsame Worte.

Interaktive Leseansicht des ganzen Werks